Leben in Israel - Uris Tagebuch

Uri Russak schreibt Persönliches. Er schreibt über Politik, angewandten Zionismus und über seine Freunde - Juden, Araber, Drusen, Christen in Israel und ausserhalb. Er selbst sieht sich als Realist, kann Exremisten jeder Art nicht ausstehen. In Israel wird er oft Linksextremist genannt, im Ausland, besonders in der Schweiz, wo er geboren wurde, wird er als Rechter beschimpft. Das gefällt ihm.

Name:
Standort: Zichron Ya'akov, Israel

Das Leben in Israel ist nie langweilig. Von vielen gehasst und von vielen respektiert ist unser Land das erfolgreichste Projekt seit dem zweiten Weltkrieg, was natürlich nicht von allen gern gehört wird aber dennoch stimmt. Ich lebe und atme dieses Land, kritisiere viel und bin täglich wieder beeindruckt über die Energie und die Kreativität der Israelis und ihrer ans Anarchische grenzende Demokratie. Ich bin Aktivist für Koexistenz mit den arabischen Mitbürgern, gelte hier als politisch Linker, während ich in der Schweiz, wo mein Zielpublikum mehrheitlich lebt, bei einigen als Rechtsextremist verschrien bin, womit ich ganz gut leben kann.

Sonntag, Januar 27, 2008

Die Seele der arabischen Welt*

15.12.2007

Folgender Dialog ist ein Telefongespräch eines Radiomoderators mit einem Ägypter, der es vorzieht in Israel zu leben. Es wurde aufgezeichnet von Adel Darwish, einem bekannten britisch-arabischen Publizisten, dessen Beiträge auch in der israelischen Presse zu lesen sind, wiedergibt hier ein Gespräch, das er live miterlebt hat. Das Gespräch ist Teil einer Radioshow. P steht für Präsentator (Moderator) und E für den Ägypter in Haifa.

P: Was tust du dort?
E: Was denkst du was ich tue? Das Gleiche, was du und andere tun, nämlich arbeiten. Deshalb wohne ich hier.
P: Hast du keine Schuldgefühle, weil du in Israel lebst?
E. Warum sollte ich Schuldgefühle haben? Ich hätte welche, wenn ich nicht Arbeit suchen würde und von Almosen lebte.
P: Ich meine Schuldgefühle wegen den Palästinensern und wie Israel diese angreift und deren Häuser zerstört und sie tötet.
E: Das ist eine Sache zwischen den Israelis und den Palästinenser, die Abkommen und Frieden haben, du solltest die Tausenden Palästinenser sehen, die in israelischen Geschäften arbeiten und gut verdienen; warum sollte ich meine Nase in ihre Angelegenheiten stecken?
P: Viele Leute würden sagen, dass du sie verrätst.
E. Das ist deren Problem und nicht meines. Ägyptische Offizielle und sogar der Präsident besuchen Israel und arbeiten mit den Israelis, warum belastet ihr stets den kleinen Mann, der versucht anständig über die Runden zu kommen. Ich mache niemandem Probleme, weder Ägyptern, Israelis oder Palästinensern.
P: Hättest du keinen Job in einem arabischen Land finden können?
E. Du meinst, ob ich als Sklave arbeiten wolle? Einen Kaffeel (ein Subunternehmer, der Fremdarbeiter vermittelt), der mich unterdrückt, meinen Pass in seinem Schreibtisch einschliesst und bei dem ich keinerlei Rechte oder Schutz hätte?
P: (Unterbricht ihn) Araber sind unsere Brüder und Cousins, vielleicht gibt es schlechte Beispiele unter ihnen, Tausende Ägypter arbeiten doch in arabischen Ländern.
E: Denen wünsche ich viel Glück und hoffe, sie werden anständig behandelt, aber hier (in Israel) bin ich Gewerkschaftsmitglied, es gibt Gesetze, ich habe Rechte und ich kann meinen Arbeitsgeber einklagen und mein Recht erhalten.
P: Ist das genug um deine Prinzipien zu opfern und den Zorn der Familie und der Gesellschaft auf dich zu laden?
E: Wer erzählt dir das? Ich telefoniere mit meinen Verwandten in Ägypten, meine Prinzipien sind für meine Familie, meine Frau und Kinder zu sorgen.
P: Aber dein Kind wird nie ein vollständiger Araber sein.
E. Richtig. Mein Kind ist nicht Araber, es ist Ägypter und israelischer Staatsbürger. Wir haben ihn in Ägypten registriert (damit ist das ägyptische Konsulat gemeint) und gemäss Gesetz besitzt es auch ägyptische Staatsbürgerschaft und wir sind stolz darauf. Darf ich dich daran erinnern, dass unser Herr Moses, Prophet Gottes, Ägypter war. Wenn es gut für den Propheten Moses dem Ägypter war mit Gottes Hilfe die See zu durchqueren und nach Palästina zu gehen, dann ist Israel auch gut genug für mich.

Adel Darwish schrieb im Website „Middle East-World Media“ unter dem Titel „Ägyptische Journalisten sind „alarmiert“ über Mischehen mit Israelis“. Adel berichtet über ein Serienfeature in der ägyptischen Zeitung Al-Ahram. Obenstehendes Telefoninterview ist Teil dieses Artikels. Da ich ungern übersetze hier eine kurzes Zusammenfassung.

Dieser Feature-Artikel in Al-Ahram bezeichnet Ägypter, die in Israel leben und arbeiten als Verräter, geächtet von ihren Familien, Freunden und der gesamten ägyptischen Nation. Der Artikel vergisst zu erwähnen, dass ägyptische Politiker und Offizielle der Polizei, Armee, Sicherheitskräften, vom Premierminister und Präsidenten an, Israel besuchen und dort verhandeln und ihren Geschäften nachgehen. Ebenso, schreibt Darwish, wird unterschlagen, dass Tausende israelischer Touristen Ägypten besuchen – und viele ägyptische Juden in Ägypten beerdigte Familienangehörige besuchen und in alten ägyptischen Synagogen beten. Ebenso wird vergessen zu erwähnen, dass ägyptische und israelische Geschäftsleute mit direkten Flügen zwischen den zwei Ländern, ihren Geschäften im jeweiligen Nachbarsland nachgehen.

In Israel lebende Ägypter werden als werden als sozial oder psychisch geschädigte Menschen dargestellt, ja sie werden der Apostasie beschuldigt.
Mit keinem Wort wird der bestehende Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel erwähnt, als wäre dieser ausschliesslich eine Sache zwischen Regierungen und nicht Sache des Volkes. [Nüchtern betrachtet ist dieser Schluss tatsächlich mindestens teilweise richtig].

Die Schreiber des von Adel Darwish beschriebenen Artikels beschreiben Gefahren, denen diese Israel-Ägypter in Israel ausgesetzt seien. Sie würden in die israelische Armee eingezogen oder gar in den Mossad, um in Ägypten zu spionieren. Diese blühende arabische Fantasie ignoriert die Frage, wie ein Ägypter mit einer israelischen Frau, tätig als Restaurant-Manager, als Buschauffeur, Buchhalter oder Bewässerungsingenieur dem Mossad die gewünschten Geheimnisse verschaffen könnte.
Eine weitere überzeugende Gefahr für die nationale Sicherheit Ägyptens ist die, dass die Kinder eines Israelis ägyptischer Herkunft, das Land und den Familienbesitz in Ägypten erben könnten und so ägyptisches Land „stehlen“ würden. Wieder wird vergessen, dass israelische Firmen und Aktionäre in Ägypten investieren und zahlreiche ägyptische Juden ihren von Nasser konfiszierten Besitz durch Gerichtsbeschlüsse zurückerhalten haben.

Es lohnt sich diesen nicht allzu langen Artikel zu lesen – er gibt einmal mehr, Einblick in die uns verborgene „Rationalität“ arabischen Denkens.
Was Adel Darwish nicht weiss, dass bis vor wenigen Jahren, Israelis, die in anderen Ländern zu leben wagen, als „Jordim“ verachtet worden sind. Doch mit der dämlichen Fantasie wie hier geschildert, lässt sich das schwerlich vergleichen, auch wenn es Parallelen gibt.

*sehr frei nach dem Buch „Die Seele Israels“ von Ernest Goldberger