Leben in Israel - Uris Tagebuch

Uri Russak schreibt Persönliches. Er schreibt über Politik, angewandten Zionismus und über seine Freunde - Juden, Araber, Drusen, Christen in Israel und ausserhalb. Er selbst sieht sich als Realist, kann Exremisten jeder Art nicht ausstehen. In Israel wird er oft Linksextremist genannt, im Ausland, besonders in der Schweiz, wo er geboren wurde, wird er als Rechter beschimpft. Das gefällt ihm.

Name:
Standort: Zichron Ya'akov, Israel

Das Leben in Israel ist nie langweilig. Von vielen gehasst und von vielen respektiert ist unser Land das erfolgreichste Projekt seit dem zweiten Weltkrieg, was natürlich nicht von allen gern gehört wird aber dennoch stimmt. Ich lebe und atme dieses Land, kritisiere viel und bin täglich wieder beeindruckt über die Energie und die Kreativität der Israelis und ihrer ans Anarchische grenzende Demokratie. Ich bin Aktivist für Koexistenz mit den arabischen Mitbürgern, gelte hier als politisch Linker, während ich in der Schweiz, wo mein Zielpublikum mehrheitlich lebt, bei einigen als Rechtsextremist verschrien bin, womit ich ganz gut leben kann.

Dienstag, September 04, 2007

Hamas schwitzt in Gaza

4.8.2007

Bevor ich zum Thema komme, möchte ich auf einen Artikel in der Wochenendausgabe der Zeitung Haaretz hinweisen, den ich als Gegensatz zur in meinem Kommentar vom 12.7.2007 über die „Philosophie“ des Hasses gewisser jüdischer Siedlerkreise in Verbindung bringe. Im ersten Teil des Artikels „Olive Branch“ schreibt Daniel Ben Simon über den Drusen Amin Saliman Hassan, dessen zwei Töchter in einem Autobus durch einen palästinensischen Selbstmordattentäter zu Schaden kamen. Die eine Tochter wurde getötet, die andere schwer verletzt. Doch statt in Hass oder Selbstmitleid zu verfallen, beweist Hassan menschliche Grösse und setzt sich nun für Versöhnung zwischen Israel und Palästina ein. Im Allgemeinen mögen israelische Drusen Muslime nicht, etwas das den Vorgang in Amin Saliman Hassan umso bemerkenswerter macht. Der Gegensatz zwischen Hassan, der eine wirkliche Tragödie erlitt und ideologisch beknackten Siedlertypen der Westbank ist augenfällig.


In einer mir sonst nicht sympathischen jüdischen Website aus der rechtsextremistischen Szene Israels fand ich diese Karikatur, die sehr trefflich die Situation der Hamas in Gaza wiedergibt. Jetzt, nachdem sie es in einem Blutbad fertig gebracht hatten die alleinige Kontrolle über Gaza und seine Bewohner zu erobern, ist sie wirklich für alles in Gaza verantwortlich. Für die Versorgung mit allem, das Bürger von ihrer Regierung und deren Ämtern erwarten, besonders in einer Gesellschaft die, wie in der arabischen Kultur üblich, wenig Sinn für Zivilgesellschaftliches hat und dazu erst noch keine objektive Möglichkeiten besitzt über die von Hamas ausgeübte Politik mitzuentscheiden. Nur eben kann oder will Hamas nicht liefern, keine Arbeit, keine Nahrungsmittel, keine Sicherheit und keine Freiheit – obwohl Gaza von der israelischen Besetzung befreit ist. Das wird zwar von Apologeten und Gutmenschen der palästinensischen Sache bestritten, denn diese erwarten grundsätzlich keine palästinensische Eigeninitiative (denn dann könnte Israel nicht mehr für alles, das in dieser palästinensischen Gesellschaft schief läuft angeklagt werden), ausser zum Abschuss von Raketen und anderem Terror, offiziell deklariert als Widerstand gegen die (seit langem beendete) israelische Besatzung, auch wenn es in diesem Fall nichts als islamische Blutdurst ist. Inzwischen liefert Israel weiter Strom, Wasser und Lebensmittel an die Gazaner.
Wir haben uns mit einer Familie aus dem nachbarlichen Faradis ein wenig angefreundet. Fadiah pflegt Lea nach ihrer Operation und kommt wöchentlich und auf Kosten des Staates zu uns. Inzwischen war auch schon Ehemann Rhiad bei uns zum Kaffee, wie auch die zwei Söhne Shaheen und Mohammed. Ich erzählte Shaheen, dass ich einen Direktor der Caterpilar in Peoria (USA) kennen gelernt hätte, der den gleichen Namen führe, jedoch irischer Abstammung sei. Übrigens, so belehrte mich Shaheen (der Israeli), sei Shaheen das arabische Wort für eine Adlerart und er sei sehr stolz darauf. Die Familie ist religiös observant und Shaheen hält die fünf täglichen Gebete ein. Fadiah erscheint bei uns im Kopftuch und langem arabischem Kleid (genannt Abaya), legt aber beides ab, solange sie in unserem Haus ist. Ihr Mann Rhiad erklärte mir bei seinem ersten Besuch bei uns, dass sein Name „Paradies“ bedeute, ein recht alltäglicher Name, obwohl mir dessen Bedeutung eigentümlich vorkommt, Bei uns gibt es das als Namen verwendete Wort „Eden“, das zusammen mit dem Wort „Gan“ (Garten) – also „Gan Eden“- die selbe Bedeutung wie Rhiad, aber nicht als Namen verwendet wird. Rhiad ist Schlosser und besitzt eine sehr gut gehende Schlosserei und Fabrik im jüdischen Nachbarort Pardess Hanna. Unter anderem stellt er serienmässig feinmechanische Teile für einen Kunden in Deutschland her. Das neueste Produkt ist eine Pistole, die Gummikugeln abfeuert. Sie soll ein Verkaufsschlager für Frauen werden, die sich damit vor Überfällen und Vergewaltigungen schützen sollen. Statt Pfefferspray, Tränengas oder einem Tritt in die Eier. Die Idee stammt nicht von Rhiad, er wird diese „Waffe“ im Auftrag des Erfinders herstellen. Ob man dafür einen Waffenstein brauche, vergass ich zu fragen.
Fadiah und Rhiad leben zuoberst auf dem Hügel hinter Faradis in einem wunderschönen sehr grossen und geräumigen Haus. Daneben steht auch schon fix und fertig das Haus ihres Sohnes Shaheen, der bald heiraten wird. Für uns sind dies Herrschaftshäuser, um die wir sie beneiden. Was, wie meist, fehlt, ist der Garten, etwas das bei Juden und heute auch bei Drusen, durchaus zur Norm gehört. Wir sind zur Hochzeit eingeladen. Ich schlug Lea vor, zu diesem Anlass ihre neue (und einzige) festlich aussehende Abaya anzuziehen, doch sie will nicht. Sie will als jüdische Israelin mitmachen und sich weder verkleiden noch anbiedern. Womit sie hundert Prozent recht hat und mir wieder einmal Charakterstärke beweist.

Bei Rhiads erstem Besuch bei uns, sagte ich ihm, dass wir seine Frau äusserst schätzen und ich sie toll finde. Irgendwo hatte ich einmal gelesen, dass man Ehefrauen gegenüber ihrem muslimischen Ehemann nicht loben soll, das könne diesem in den falschen Hals geraten. Ich tat es trotzdem und schilderte ihm mein „Dilemma“. Er aber lachte sich krank und fragte ob ich denn glaube, sie (die Araber von Faradis) seien Barbaren.