Das virtuelle Irrenhaus
Zwar geschieht es selten, doch wenn ich nicht mehr weiter weiss oder den Blues habe, singe ich nicht wie B.B. King: „I wanna stop living and go shopping instead“ (ich will aufhören zu leben und stattdessen einkaufen gehen), sondern tue etwas noch masochistischeres. Ich lese in den verschiedenen Foren der Internetzeitungen, wie Haaretz, YNet, Spiegel oder Weltwoche und erkenne (vielleicht in völliger Verkennung der Realität), dass ich nicht zu den Leuten gehöre, die hassen und diesen Hass in einem Medienforum aussprühen. Man sollte denken, dass so ein Forum eine psychohygienische Funktion hat, wo Giftspritzer ihren antisemitischen, antizionistischen Kropf leeren können. Das erst noch meist feige anonym, wie in Hasskreisen üblich. Doch nach wiederholtem Genuss dieses verbalen Drecks habe ich entdeckt, dass es weitgehend und immer wieder dieselben Klugscheisser sind, die zu mich interessierenden Themen ihre Meinung oder besser gesagt, ihre hasserfüllten Vorurteile abgeben. Daraus ist zu schliessen, dass diese psychohygienische Funktion der Foren illusorisch ist und dass die hasserfüllte Dummheit vieler Forumschreiber sich nicht abbauen lässt, sie ist ein Perpetuum mobile, das aus sich selbst Kraft schöpft und weiter wuchert. Natürlich gibt es Beiträge in den Foren, in den man spürt, wie der Schreibende sich überwindet und kühl versucht ideologisierten Idioten verifizierte Fakten Nahe zu bringen und damit in eine Betonwand rennt. Es wiederholt sich das bekannte Phänomen, dass Tatsachen, Wissen und Verstand bei ideologischen Eiferern abprallen, als wären sie von einer Teflonhülle umgeben. Das ist in einem politischen Internetforum nicht anders, als bei Diskussionen extremistischer Friedenseiferer, die zwar „Juden nach Palästina“ und in vollkommener Logik auch „Palästina den Palästinensern“ schreien und damit und anderem das Recht der Palästinenser und Islamisten fördert, bis zum letzten Israeli Massenmorde zu veranstalten und sich dann über Israels Selbstverteidigung zu empören. Es dauerte lange, doch ist nun sogar mir klar geworden, dass selbsternannte Friedensfreunde - wie z.B. in der Schweiz jene mit dem Spruch „Nicht in meinem Namen“, als hätte ich sie gefragt, ob sich Israel bitte verteidigen dürfe – tatsächlich den arabischen Terror fördern. Denn wer sich ihm nicht entgegenstellt, macht ihm Tür und Tor auf.
All das oben Geschriebene ist gerade in diesen Tage besonders krass wahrzunehmen. Der Boykott Israels durch britische Akademiker – der gerade jene strafen will, die sich wirklich für das einsetzen, das von diesen akademischen Eiferern eigentlich vordergründig gefordert wird. Sollte man meinen. Oder die Verurteilung Israels dafür, dass es sich gegen den Raketenregen aus dem Gazastreifen wehrt, während das innerpalästinensische Schlachtfest, in dem, bei Licht besehen, sich die Palästinenser gegenseitig genau das antun, was sie bisher für uns Juden reserviert hatten.
Damit es uns im Lande nicht langweilig wird, haben wir unsere hausgemachten Sorgen: eine Regierung korrupter Nichtsnutze (Ausnahmen vorbehalten), die es nicht einmal fertig bringt den saudisch-arabischen Friedensplan mit seinen Initianten zu diskutieren, die das Schulsystem weiter kaputt macht, den Staat schwächt und die Raffgier weniger auf Kosten der Allgemeinheit fördert, die der Armee Carte Blanche in den besetzten Gebieten gibt, statt den Abzug Israel aus der Westbank auch nur zu erwägen, die viel zu wenig für seine benachteiligten arabischen Bürger tut und damit die langfristige Zukunft des Staates aufs Spiel setzt, …….
Voilà, das war mein heutiger psychohygienischer Befreiungsakt. Hier scheint die Sonne, es weht ein kühler Wind und ich werde mich nun in den Garten setzten und Walter Isaacsons soeben erschienene Einstein-Biographie lesen. Wo ist der politische Einstein, der Menschenfreund, Frauenheld, Zionist und anständige Mensch der heutigen Tage? Er fehlt mir und der Welt.

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