Leben in Israel - Uris Tagebuch

Uri Russak schreibt Persönliches. Er schreibt über Politik, angewandten Zionismus und über seine Freunde - Juden, Araber, Drusen, Christen in Israel und ausserhalb. Er selbst sieht sich als Realist, kann Exremisten jeder Art nicht ausstehen. In Israel wird er oft Linksextremist genannt, im Ausland, besonders in der Schweiz, wo er geboren wurde, wird er als Rechter beschimpft. Das gefällt ihm.

Name:
Standort: Zichron Ya'akov, Israel

Das Leben in Israel ist nie langweilig. Von vielen gehasst und von vielen respektiert ist unser Land das erfolgreichste Projekt seit dem zweiten Weltkrieg, was natürlich nicht von allen gern gehört wird aber dennoch stimmt. Ich lebe und atme dieses Land, kritisiere viel und bin täglich wieder beeindruckt über die Energie und die Kreativität der Israelis und ihrer ans Anarchische grenzende Demokratie. Ich bin Aktivist für Koexistenz mit den arabischen Mitbürgern, gelte hier als politisch Linker, während ich in der Schweiz, wo mein Zielpublikum mehrheitlich lebt, bei einigen als Rechtsextremist verschrien bin, womit ich ganz gut leben kann.

Mittwoch, Juni 13, 2007

Dialog - die Abwertung eines Begriffes

8.6.2007
Wer mein Tagebuch liest weiss, dass ich mich immer für das Gespräch einsetze, nicht nur weil ich ein natürlicher Schnörri bin, sondern weil ich im politischen Kontext dachte, dass, wer redet nicht schiesst. Inzwischen hat die Wirklichkeit uns eingeholt und bewiesen, dass dieses früher Selbstverständliche heute nicht mehr selbstverständlich ist. In der Realität des Terrorismus wird geredet bis zur Erschöpfung, vorwiegend mit Repräsentanten der Gegenseite, die auf das Geschehen keinerlei Einfluss haben. Zur selben Zeit wird Israel von Staatsmänner aus aller Welt und solchen, die sich dafür halten, aufgefordert Dialoge zu führen, Abkommen zu treffen und nett zueinander zu sein, während Raketen in Israel explodieren, Leute töten, Gesunde zu Krüppeln machen und Sachschäden verursachen. Es wird sogar verlangt, einen Dialog mit jenen zu führen, die uns aus religiösen und ideologischen Gründen (was das Selbe ist) vernichten wollen. Es geht mir hier darum um den Reflexbegriff „Dialog“ zu besprechen und einen Unterschied zwischen Dialog mit Feinden oder Gegnern und dem Dialog mit jenen herauszuschälen, deren einziges Ziel es heute ist, uns zu vernichten.
Darum sollten wir uns überlegen, was ein Aufruf zum Dialog eigentlich soll. Was verlangt man von Israel und seinen Israelis? Über was sollen wir dialöglen? Genau so wenig wie während dem Krieg vor siebzig Jahren mit den Nazis kein Dialog geführt worden ist. Damals wurde, um das bedingungslose Kriegsende durchzusetzen, Städte wie Dresden, Hamburg und Berlin flachgebombt, etwas, das heute pervers den Alliierten als Kriegsverbrechen vorgeworfen wird. Dabei waren Bombenangriffe auf diese Städte vor allem die Antwort auf die Bombardierung Londons, den Londoner Blitz. Manche versuchen sogar dies mit den Missetaten von Soldaten der Roten Armee aufzurechnen und zu relativieren. Auch hier wird bewusst vergessen, wer für diesen Krieg ausgelöst hatte. Wie in den ersten Jahrzehnten nach Kriegsende wurden die Sieger – die UdSSR, Grossbritannien, USA als Sieger gefeiert – heute wird sogar der Sieg über die Nazis relativiert, obwohl gerade dieser sie, im Gegensatz zu unseren Kriegen, zu einem sehr soliden und fruchtbaren Frieden geführt hatte. Genau so wurden israelische Siege in Kriegen bis 1967 gesehen, ohne die es heute den Staat nicht mehr geben würde. Aber heute wird auch das relativiert und der Vorrang des Überlebens Israels wird von einer wachsenden Zahl Leute als nicht mehr relevant erklärt.
Also, mit den arabischen Staaten müssen wir unbedingt einen Dialog einleiten – unsere wundervolle Regierung ziert sich, die privaten Ängste israelischer Politiker, ihre Macht an die Konkurrenz zu verlieren, hindert sie daran. Es kann durchaus sein, dass solche Dialoge zu nichts führen und bestenfalls beweisen, dass unsere Partner im Dialog es nicht ehrlich meinen. Genau so, wie Ehud Barak es fertig brachte, den wirklichen Yasser Arafat zu entlarven, der, nachdem er fast alles erhalten hatte, die Intifada 2 auslöste, damit Tausende Israelis (hauptsächlich Zivilisten) und Palästinenser (hauptsächlich Terroristen) tötete und damit einen palästinensischen Staat in die sehr ferne Zukunft verbannte. Mit Terrororganisationen zu dialöglen ist Unsinn, denn über was soll man den mit jemandem sprechen, dessen einziger und dokumentierter Lebenszweck es ist, uns zu vernichten. Sollen wir mit Hamas, Hisbullah oder den verschiedenen islamischen Brüdern über die Art unserer Abschlachtung verhandeln?