Leben in Israel - Uris Tagebuch

Uri Russak schreibt Persönliches. Er schreibt über Politik, angewandten Zionismus und über seine Freunde - Juden, Araber, Drusen, Christen in Israel und ausserhalb. Er selbst sieht sich als Realist, kann Exremisten jeder Art nicht ausstehen. In Israel wird er oft Linksextremist genannt, im Ausland, besonders in der Schweiz, wo er geboren wurde, wird er als Rechter beschimpft. Das gefällt ihm.

Name:
Standort: Zichron Ya'akov, Israel

Das Leben in Israel ist nie langweilig. Von vielen gehasst und von vielen respektiert ist unser Land das erfolgreichste Projekt seit dem zweiten Weltkrieg, was natürlich nicht von allen gern gehört wird aber dennoch stimmt. Ich lebe und atme dieses Land, kritisiere viel und bin täglich wieder beeindruckt über die Energie und die Kreativität der Israelis und ihrer ans Anarchische grenzende Demokratie. Ich bin Aktivist für Koexistenz mit den arabischen Mitbürgern, gelte hier als politisch Linker, während ich in der Schweiz, wo mein Zielpublikum mehrheitlich lebt, bei einigen als Rechtsextremist verschrien bin, womit ich ganz gut leben kann.

Montag, Juni 25, 2007

Fragt den Psychologen

24.6.2007
Soeben sah ich den Film „Whatreallyhappened“ (was wirklich geschah) von David Horowitz (http://www.terrorismawareness.org/what-really-happened/), in dem er die von der arabischen Welt und ihrer Fans verfälschte Geschichte der Juden und Israel so darstellt wie sie wirklich war und ist. Zwar ist Horowitz nicht mein Favorit unter den Publizisten, er nimmt es nicht immer sehr genau und hat eine zu nationalistische Ader, doch für einmal hat er etwas, mit wenigen unwesentlichen Ausnahmen, Gutes produziert. Die vier kurzen Teile des Films sind es wert angesehen zu werden und ich möchte meine Tagebuchfreunde dazu animieren, in auch weiter zu verteilen. Per e-mail ist das keine Sache.

Anfangs vergangener Woche wurden bei einem Flugzeugangriff in Afghanistan gegen al-Quaeda Terroristen, die sich in einem religiösen Quartier versteckt hatten, sieben Kinder getötet. Ein gewaltiger Aufruhr fand in der islamischen Presse statt, es gab wundervoll organisierte spontane Demonstrationen, denn niemand dürfe das Töten von Frauen und Kindern akzeptieren, das sei gegen den Islam und gegen internationales Recht. Womit sie recht haben. So war es auch geplant, die Islamisten hatten nur auf den richtigen Augenblick gewartet.

Augenzeugen erzählten, die Terroristen hätten die Kinder am Verlassen des Quartiers gehindert. Als die Kinder fliehen wollten, wurden sie geschlagen. Der Brauch, sich hinter Kindern und Frauen zu verstecken, wird vermehrt zum Trend. Vor drei Monaten in Bagdad, hätten amerikanische Soldaten ein Auto durch eine Strassensperre gelassen, nachdem sie zwei Kinder auf dem Rücksitz gesehen hatten. Dann seien die zwei Erwachsenen aus dem Auto geflohen, hätten es in die Luft gesprengt und so die zwei Kinder und noch drei in der Nähe stehende erwachsene Zivilisten getötet.
Das scheint neu bei den Talibans in Afghanistan zu sein, in unserer Region ist das eine Jahrzehnte alte Tradition. Es wird viel von asymmetrischem Krieg gesprochen und damit die armen und schwachen Palästinenser, die von den so schrecklich starken Israelis vereinnahmt werden, gemeint. Doch es ist, so denke ich, gerade umgekehrt. Wir (und auch andere, wie die NATO-Soldaten in Afghanistan und Irak), kämpfen mit Sinn für eine gewisse Moral, die uns Grenzen auferlegt. Die anderen, Hamas, Hisbollah, Taliban oder al-Quaeda kennen solche Einschränkungen nicht. Ihr Ziel ist das Töten von Menschen, egal, ob eigene oder andere. Sie sind in einem Wahn verbunden, der auf einer verzerrten Religion beruht, die sie in einen rasenden Mordwahn versetzt, in dem alles erlaubt ist, besonders der Mord Unschuldiger und Unbeteiligter.

Machen wir uns nichts vor. Die Besetzung der Westbank muss beendet werden. Gaza ist „befreit“, das Resultat für die ganze Welt zu sehen. Ob die Palästinenser fähig sind oder nicht, ein geordnetes Staatswesen zu führen oder auch nur in Angriff zu nehmen, ist an Hand der Erfahrung mit Gaza stark zu bezweifeln. Doch darf das nicht zum Problem Israels werden. Die Besetzung ist ein Stein um den Hals Israels, der den Zionismus behindert und auf die Länge auch die heute blühende Wirtschaft bedrohen wird.

Trotzdem stelle ich fest: die grösste Bedrohung des Friedens ist nicht Israel, sind nicht die Palästinenser, sondern eine Sammlung von Ideen, die sich global breitmacht. Ihre Grundlage ist ein amoralischer Gott, der sogar Mord an Kindern rechtfertigt, um seine Lehre zu verbreiten. Religion ist das schon lange nicht mehr, sondern ein als Spiritualismus getarnter Nihilismus, kalt, ohne Mitgefühl und ohne Mitleid. Er kennt keine Grenzen und könnte bald in der Lage sein über Atomwaffen zu verfügen.

Inzwischen erwacht sogar das palästinensische Volk. Nur 12% behaupten heute, dass die Vorgänge in Gaza die volle Verantwortung Israels seien. Des palästinensischen Umfragengurus Kahlil Shikakis Umfrage ergab, dass die Schuld dafür die inneren Kämpfe und das Fehlen von Recht und Ordnung in Gaza gewesen seien, 56% denken so. Es gibt sogar einige Gazaner, allerdings ohne Prozentangabe, die sich über eine Rückkehr der Israelis nach Gaza glücklich schätzen würden. Das ist schlimm und kein Kompliment, denn es zeigt vor allem einen völligen Mangel von Vertrauen in die eigene politische Landschaft und die eigene Gesellschaft auf.

Als Jude sage ich unzweideutig nein zu anachronistischen Verfälschungen des Judentums, das denkt, die Zeiten Josuas wären zurückgekommen und Gott verlange von den Juden, sich im gesamten Erez Israel, also auch in besetztem palästinensischem Gebiet anzusiedeln. Wir müssen dankbar sein, dass diese Ideologie in Israel nicht dominant ist. Die grosse Mehrheit der Israelis lehnt dies ab und ist nicht bereit, seine Kinder als Märtyrer Gott zu opfern oder die gesamt Welt zu bedrohen.
Wäre ich Muslim, wäre ich beschämt über die nihilistischen islamischen Bewegungen, die den Namen des Islam beschmutzen. Ich würde mich so schnell wie nur möglich davon distanzieren. Doch warum geschieht nichts dergleichen? Wurden alle Muslime als Geisel ihrer Extremisten mundtot gemacht? Es gibt viele gescheite und weniger gescheite (wie ich selbst) Schreiber, die die Antwort zu dieser Frage suchen – gefunden hat sie noch keiner, was zwar nicht alle zuzugeben bereit sind. Schlussendlich wird es eine Aufgabe der Psychologie sein, dem bedrohten Westen zu erklären, was zu tun sei. Sind nicht wir Juden in der Psychologie und Psychiatrie führend?
(Teile obiger Gedanken sind einem englischen Artikel "The Real Danger: Middle East and Beyond von Carlos entnommen)

Samstag, Juni 23, 2007

Die beleidigten Massen, eine Vernissage und israelisch humanitäres

23.6.2007
Schon wieder ist es passiert. Salman Rushdie, nun Sir Salman und vor etwa zwanzig Jahren von einem der bösartigsten Menschen der neueren Geschichte, Ayatollah Khomeini, per Fatwa zum Tode verurteilt, wurde zum Ritter geschlagen und die muslimischen Massen dadurch zum kochen manipuliert. Diese Massen, von Armut, Ignoranz und Diktatur geschlagen, werden von ihren Mächtigen, egal ob sekulär oder fromm, instrumentalisiert, es finden sorgfältig organisierte spontane Massendemonstrationen mit Teilnehmerzahlen statt, von denen wir israelischen Linken für unsere Friedensdemos und ähnlichem nur träumen können.

Das hat Methode und ist Ausdruck übelster Manipulation von Menschen, die mehrheitlich weder Lesen noch Schreiben können (bestenfalls kennen sie den Koran auswendig), die zu einer Obrigkeitshörigkeit erzogen worden sind, die an den Hauptmann von Köpenick erinnert, nur eben statt Witz, Hass und Gewalt ausstrahlend. Keiner dieser Demonstranten und die meisten der Manipulierten haben vom Thema auf das sie gehetzt werden nicht die geringste Ahnung – einzig wird ihnen vorgegaukelt, der Islam werde beleidigt. Nebenbei werden oft noch Menschen im Namen Allahs umgebracht, Opfer, die sich oft gerade für ihre hysterischen Mörder einsetzen. Ich denke da an die Nonnen, denen die Worte Benedikts dem XVI, das Leben gekostet haben.
Sir Salman war meines Wissens der erste solche Fall, später gab es die Karikaturen aus Dänemark, da gab es den Papst, der byzantinische Geschichte zitierte, da gab es Oriana Fallaci sel., die etwas gegen den heutigen Islam hatte und sogar vor ein amerikanisches Gericht kam, da ist Shirin Ebadi, die iranische Menschrechtsanwältin, da ist die Feministin Taslima Nasrin aus Bangladesh, die aus ihrem Heimatland fliehen musste, nachdem ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt wurde, da ist der zweite oben beschriebene Sir Salman Rushdie Streich, wegen seiner Adelung durch die britische Königin (deren Bildnisse und Puppen inzwischen in progressiven muslimischen Ländern auch schon verbrannt werden). Das genügt, die Liste könnte fortgesetzt werden.

Heute fand in unserer Galerie für zeitgenössische Kunst in Umm El-Fahm die Vernissage einer Ausstellung von Sharif Walid statt, für einmal eine Einzelausstellung. Sharif Walid malt grosse dekorative Bilder und ist, wie an der Ausstellung zu sehen, auch als Modedesigner tätig. Er stellt praktische Kleidung für Passanten von Strassensperren in der Westbank vor, die den inspizierenden Soldaten und den inspizierten Palästinensern Zeit und Arbeit spart. Durch cleveren Gebrauch von Reiss- und Klettverschlüssen und auch modisch-eleganten Öffnungen in Hemd, Jacke oder Mantel, kann sich die israelische Sicherheitsbehörde versichern, dass keine Sprengstoffgürtel durchgeschmuggelt werden. Das Thema, traurig wie es für alle ist, wird von Sharif Walid mit Humor angegangen. Es verstärkt meine Meinung, dass das Problem nur durch die Aufhebung dieser heute ziemlich nutzlosen Anlagen, gelöst werden kann (siehe Tagebucheintrag vom 24.4.2007).

Noch etwas ganz aktuelles. Wie vorauszusehen, wird Israel nun beschuldigt, es habe eine vollständige Sperre über Gaza verhängt, mit dem Ziel es auszuhungern. Wie immer, ist das erlogen. Am Beispiel des 21. Juni 2007, also vor zwei Tagen, sei hier demonstriert, wie so eine Sperre aussieht, während die Welt noch darüber diskutiert, was zu unternehmen sei, um den Gazabewohnern zu helfen, falls das überhaupt opportun sei. Das hauptsächliche Problem ist die Tatsache, dass die Palästinenser sich weigern, israelische Inspektionen zuzulassen. Trotzdem, vor zwei Tagen fanden folgende Lieferungen und Durchgänge in beide Richtungen durch die Keren Hashalom und Erez Durchgänge nach und von Gaza statt:

• Über 400 Tonnen Nahrungsmittel: 130 Tonnen Mehr, 49 Tonnen Reis, 49 Tonnen Zucker, 5 Tonnen Tee, 8 Tonnen Milchpulver, 33 Tonnen Linsen, 19,7 Tonnen Margarine, 18,5 Tonnen Gerste, 34 Tonnen Makkaroni, 20 Tonnen Bohnen, 15 Tonnen Humus und 2 Tonnen Suppe.
• 7 Tonnen Desinfektionsmittel
• 160'000 Liter Dieselöl, 40'000 Liter Benzin vom Nahal Oz Treibstoffterminal
• 8 verletzte Palästinenser wurden von Gaza Spitälern zu ärztlicher Behandlung in Israeli Spitäler überführt
• Nachts wurde am Erez Durchgang Palästinensern geholfen, die nach Ägypten ausreisen wollten
• Etwa 100 Palästinenser mit Doppelbürgerschaft durften durch den Erez Eingang nach Israel einreisen
• 2 Ärzte des Roten Kreuzes kamen durch den Erez Eingang nach Gaza, um in Spitälern zu helfen.

Das geschah am 21. Juni 2007. Ich nehme an, dass täglich ähnliches passiert. Diese Information wurde von der israelischen Armee veröffentlicht und ich habe keinen Grund, mich an irgendwelchen reflexartigen Zweifeln daran zu beteiligen.

Montag, Juni 18, 2007

Lieber ohne Kommentar

20.6.2007
Die beeindruckenden Vorgänge der vergangenen Tage in Gaza zeigen dem, der es zur Kenntnis nehmen will, was uns Israelis, egal ob Juden oder nicht, blühen wird, falls Israel nur einmal einen Krieg verlieren würde. Denn ein gewonnener Krieg erhält uns bis zum nächsten gewonnenen Krieg am Leben.

Deshalb kommentarlos eine Auswahl von in arabischen Kreisen beliebten Umgangsmethoden mit besiegten Feinden – oder wer als Feind gehalten wird. Gilt für Kinder ebenso wie für Erwachsene. Ich will betonen, dass es sich in keinem Fall um Schiess- oder andere Unfälle handelt, sondern um kühl geplante und vielleicht in einem Hass- oder Drogenrausch ausgeführte Handlungen. Ebenso gilt die Tatsache, dass die aufgeführten Handlungen nicht nur auf eine der palästinensischen Parteien beschränkt sind.

• Exekution vor der Familie, mit anschliessender Exekution der Familie selbst.
• Wurf aus dem Fenster vom 15. Stockwerk eines Hochhauses.
• Kreuzigung, eine besonders für Christen beliebte Behandlung.
• Enthauptung, möglichst vor laufender Kamera.
• Erstechen mit anschliessendem Bauchaufschlitzen.
• Lynch.
• Zerstückelung des Opfers, dann Überreichen der Teile an die Familie.
• Ermorden der Kinder eines „Feindes“.
• Abschneiden geschminkter Frauenlippen vor der Steinigung.
• Zerschiessen eines Hauses samt Bewohnern.
• Überfall auf Spitäler, Ermordung von Ärzten und Patienten.

Keine der genannten Mordmethoden sind neu, die meisten wurden und werden besonders seit Beginn der zweiten Intifada an Israelis und Arabern ausgeübt, werden aber auch im Irak, Sudan, Afghanistan etc, gerne benutzt. Nur sind sie in den vergangenen Woche verstärkt zwischen den Palästinensern, besonders in Gaza, geübt worden. Sämtliche der oben erwähnten Prozeduren sind in den Medien dokumentiert und leicht zu finden. Die Liste ist nicht vollständig, aber repräsentativ.

Um nicht ganz dem Trübsinn zu verfallen, hier eine Idee zur Abhilfe:
In Amerika gibt es eine Friedensorganisation jüdischer Besserwisser mit dem Namen Brit Tzedek v'Shalom (BTvS), the Jewish Alliance for Justice and Peace, geleitet unter anderem von Diane Balser, die dem Altlinken und Neurealisten Ami Isseroff gewaltig auf den Geist geht. Gerade in den heutigen Tagen innerpalästinensischer Gewalt scheint Frau Balser ebenso gewaltig in Schwung gekommen zu sein. Ami behauptet – und da er 24 Stunden im Tag lesend und schreibend vor dem PC sitzt, wird er wohl wissen von was er redet – dass gerade dieser Tage Frau Balser von einem Dialog Israels mit Hamas spricht. Ami hat nun einen Plan entwickelt, wie Frau Balsers Drang entsprochen werden könnte, unter Mitwirkung von Frau Balser und ihren Damen des BTvS. Ami schlägt vor, dass BTvS einen Friedenspreis von $ 10 Millionen für Herrn Haniye und $ 1 Million für jedes Mitglied seiner Regierung verleihen soll. Haniye und seine Mannen werden in die USA geflogen und an einer speziellen Zeremonie mit dem Preis bedacht. Sie werden zusammen mit den Damen des BTvS auf dem Podium sitzen, die Damen mit wunderbaren Décolletés mit einem goldenen Davidstern am Hals. Sie werden alle „Hatikva“ und „Heveinu Shalom aleichem“ singen und vielleicht kann sich Präsident Bush freimachen und zum persönlich gratulieren kommen, zusammen mit Abe Foxman vom ADL. Haniye wird fotografiert beim Essen von Gefillte Fisch. Über dem Podium werden Banner hängen, beschriftet in englischer Sprache mit „Juden lieben Haniye, Haniye liebt Juden“ und all das wird vom Fernsehsender Al-Jazeera übertragen. Wenn Haniye und seine Regierungsmitglieder zu Hause ankommen, werden sie vor den Augen ihrer Familien exekutiert. Ami scherzt, dass damit das Hamasproblem gelöst wäre. Ohne Humor kommt man beim Betrachten und Erleben der Weltpolitik nicht über die Runden und Ami hat fürs phantasievolle Sinnieren meine volle Unterstützung. Ob’s was hilft, werden wir sehen. Ich denke nicht, aber immerhin ist es gut für die eigene Psyche.

Sonntag, Juni 17, 2007

Letzte Worte eines Fatah-Aktivisten

15.6.2007
In Gaza hat Hamas die Fatah besiegt. Im Bericht des Daily Telegraph ist etwas zu lesen, das uns Juden eigentlich einfahren sollte: Hamas stürmte das Haus von Jamal Abu Jediyan, Generalsekretär der Fatah in Nordgaza und ermordeten ihn. Zwanzig Minuten früher hörte der Reporter des Daily Telegraph im palästinensischen Radiosender „Sawt Al Hurriya“ den Bruder Jediyans, der panisch den Sender anrief: „Die schiessen auf uns mit RPGs, Minenwerfern. Wir sind keine Juden!“, während im Hintergrund Gewehrfeuer zu hören war. Kurz darauf war er tot.
„Wir sind keine Juden“, sagte der Fatahkämpfer und meinte „deshalb sollte er eigentlich nicht sterben“. Palästinenser, inklusive Fatah, waren so fixiert auf ihre Idee des „Widerstands“ und so fasziniert mit ihrem nationalen Genozid-Projekt, dass sie gar nicht auf den Gedanken kamen, Hamas Waffen könnten auf sie gerichtet werden. Hamas ist auf Islamisierung des palästinensischen Volkes aus, das Projekt eines palästinensischen Staates ist für sie kein Thema. Jetzt wird es das erste Opfer dieser von Iran gesteuerten Islamisierung, noch vor den Juden. Die Palästinenser verinnerlichten nie die Idee eigener Souveränität und was es eigentlich heisst einen eigenen Staat aufzubauen. Dazu hätten sie ihr Völkermordprojekt und ihren Rassismus für den Aufbau eines eigenen Staatswesens aufgeben müssen.
Islam Shahawan, Sprecher der Hamas Miliz gab am Hamas Radio bekannt: „Wir sagen unserem Volk, die Vergangenheit ist beendet und die Zeit der Gerechtigkeit und islamischer Herrschaft hat begonnen“.
Ebenso interessant ist mein eigenes Erlebnis vor wenigen Tagen. Ich machte Bekanntschaft mit Yael Kaynan, einer hübschen blonden Amerikanerin, etwa 30 Jahre alt und, das gab bei mir den Ausschlag, aus New Orleans. Yael (früher trug sie den typisch jüdischen Namen Katelyn Y.A. McKenna) hat Israel ihr Heim gemacht hat. Sie promovierte an der Ohio University und arbeitet heute an der Ben Gurion Universität in Sde Boker und am Interdisciplinary Center (IDC) in Herzliya. Ihre Fachgebiete sind Kommunikation und Sozialwissenschaften. Yaeli spricht Deutsch, weil sie einige Zeit an der Universität Konstanz verbracht hat.
Von ihr hörte ich, dass in der palästinensischen Gesellschaft, vor allem in der Westbank, das Thema eines föderativen Zusammenschlusses des dahinsiechenden Planes eines Staates Palästina an das Königreich Jordanien immer mehr diskutiert wird. Das wäre die einzig mögliche Alternative zum Kleinstaat Palästinas neben Israel. Die Einstaatenlösung ist ein feuchter Traum extremistischer Pelästinenser, der ausschliesslich das Ziel hat den jüdischen Staat Israel zu liquidieren. Die Diskussion über eine Föderation begann auf Initiative von Abdul Salam Majali, ehemaliger Premierminister Jordaniens. Er rief Anfang 2007 etwa siebzig palästinensische Professoren, Geschäftsleute und Parlamentarier nach Akaba zu einer Konferenz zusammen. Das Datum fiel ungefähr auf den vierzigsten Jahrestag von Jordaniens Verlust der bisher von ihr besetzten Westbank. Die Idee einer Föderation oder Konföderation würde, so denkt zum Beispiel Bibi Netanyahu, grosser Fan dieser Idee, würde die Friedensaussichten der Region enorm verbessern. Einige Jordanier sind besorgt um die Stabilität des Königreiches. Jetzt schon hat Jordanien über eine Million irakischer Flüchtlinge aufgenommen. Palästinenser waren und sind ein Unruhefaktor für denen Staat, der sich mit ihnen abgibt. Ein Palästinenser findet die Idee israelische Panzer gegen jordanische Panzer auszutauschen einen Unsinn und erinnert, vielleicht unbewusst, an den palästinensischen Hass gegen das Königreich Jordanien und seine Armee, die gefürchtete arabische Legion. Einige Jordanier finden, dass Jordanien zwar mit der Westbank historische Verbindungen habe, doch Gaza unregierbar sei. Zudem wäre es interessant darüber von der Hamas zu hören, sind doch seine Beziehungen zu Jordanien, einem relativ modernen arabischen Staat mit einer vernünftigen Regierung, nicht die Besten.
Bis jetzt ist die offizielle Stellung Jordaniens, dass eine föderative Regelung mit Palästina erst nach dem Entstehen des offiziellen Staates Palästina zur Diskussion gebracht werde. Doch, wie im Mittleren Osten üblich, sagt keiner was er meint und meint keiner was er sagt.
Warum kommt die Idee einer Föderation gerade heute zur Sprache? Die frühere Verbindung zwischen den beiden Völkern endete in Scheidung, als König Hussein 1984 die Westbank aufgab, obwohl die arabische Welt und die Palästinenser dies schon seit 1974 verlangt hatten, als sich die Letzteren als eigenes Volk entdeckten. Deswegen ist es recht interessant, dass die Idee der Wiedervereinigung mehr Zustimmung auf der palästinensischen Seite findet. Sie könnte mit wirtschaftlichen Erwägungen zusammenhängen, denn wirtschaftlich hat Israel zu Jordanien gute Beziehungen.
Meine erste Reaktion zu dieser Idee war reflexartig: „Das wäre doch Selbstmord für das Königreich!“ Vielleicht aber auch nicht. Möglicherweise wird Jordanien sich wirklich erst für eine Partnerschaft mit den Palästinensern erwähnen, falls Israel sich wirklich aus der Westbank zurückziehen sollte und in der Folge die heutigen Zustände Gazas auch dort ausbrechen würden – was aus heutiger Sicht nicht anders zu erwarten wäre.
Immerhin, es werden Alternativen diskutiert, über die leider in den Medien kaum etwas zu lesen oder zu hören i

Freitag, Juni 15, 2007

Jüdisch-arabische Suche nach Verständnis in Frankreich

14.6.2007
Von Shomernet, dem Website des amerikanisch-kanadischen Haschomer Hazair (jüdisch-zionistischer Jugendbund, dem Lea in Kanada und ich in der Schweiz angehörten), erhielt ich folgende wunderbare Story, die ich hier in Goethes Sprache und vor allem Stil weitergebe:
Was passiert, wenn eine Fliege in den Kaffee fällt? (Eine realistische politische Charakterisierung der heutigen Welt)
• Der Engländer: Schüttet die Kaffeetasse aus und verlässt das Kaffeehaus.
• Der Amerikaner: Nimmt die Fliege aus der Tasse und trinkt den Kaffee.
• Der Chinese: Isst die Fliege und schüttet den Kaffee weg.
• Der Japaner: Trinkt den Kaffee mit der Fliege, weil diese eine Gratiszugabe war.
• Der Israeli: Verkauft den Kaffee dem Amerikaner, die Fliege dem Chinesen und bestellt einen frischen Kaffee.
• Der Palästinenser: Beschuldigt den Israeli für den Gewaltakt eine Fliege in seinen Kaffee getan zu haben; beantragt bei der UNO Hilfe; bekommt von der EU ein Darlehen um einen frischen Kaffee zu bestellen; kauft mit diesem Geld jedoch Sprengstoff und jagt damit das Kaffeehaus in die Luft, in dem gerade der Engländer, der Amerikaner, der Chinese und der Japaner versuchen dem Israeli zu erklären, er sei zu aggressiv gewesen.

Es gibt auch Ernsthaftes und wirklich Wissenswertes:
Kürzlich habe ich Rabbiner Michel Serfaty kennen gelernt. Er hielt einen Vortrag über seine Arbeit. Nicht die des Gemeinderabbiners von Ris-Orangis, einem an der Seine gelegenen Vorort von Paris, sondern seinen Einsatz als Jude und Rabbiner, der das Gespräch mit der muslimischen Jugend Frankreichs sucht und findet. Nicht auf akademischer Ebene, denn Vorträge über Koexistenz halten oder sich auf öffentliche Diskussionen mit einem Imam einlassen – das kann jeder. Zwar ist er auch Direktor der Abteilung für jüdische Studien an der Universität Nancy und beratendes Mitglied des rabbinischen Konsistoriums von Paris – das ist schön so. Aber mit was mich Rabbiner Serfati beeindruckte, war etwas anderes.

Ich möchte in seinen eigenen Worten, wenn auch gekürzt, erzählen, um was es geht. Dazu muss ich etwas ausholen, doch das Thema ist es wert.
Erst 2002 entschied sich das rabbinische Konsistorium von Paris mit den französischen Muslims Kontakte aufzunehmen. Dazu gründeten sie die „Commission de Relations avec autre Religions“ (CRAR), etwas für das religiöse Judentum Frankreichs absolut Neues. Im Mai 2002 wurde der Entscheid Kontakte zur französischen muslimischen Gemeinde zu suchen, als Anliegen mit höchster Priorität bezeichnet. Schon im Juli desselben Jahres empfing CRAR über zwanzig der führenden Muslims aus der politischen, religiösen und intellektuellen muslimischen Szene. Doch der Einfluss der zweiten Intifada machte weitere Kontakte schwierig. In den folgenden zwei Jahren wurde die jüdische Gemeinschaft von einer enormen Zahl antisemitischer Vorfälle, ausgelöst durch einzelne Nordafrikaner, heimgesucht und war frustriert keine Kontakte zur muslimischen Seite zu gewinnen. Zudem wurde die Arbeit dadurch erschwert, dass ausser dem CRIF (dem französischen SIG), von keinen jüdischen Gremien Unterstützung zu erhalten war, vor allem nicht von den verschiedenen Rabbinaten des Landes. Die Gruppe gründete einen jüdisch-muslimischen Freundschaftsverband (AJMF), in einem gemeinsamen Text verkündete dieser seine Ziele: historische Missverständnisse durch gegenseitiges Wissen und Respekt ersetzen; sich um aktive Kooperation und Dialog bemühen und damit Ungerechtigkeiten und Diskrimination, von beiden Gemeinschaften in der Vergangenheit erlitten, aus dem Weg zu räumen; gemeinsam kulturelle, künstlerische, sportliche und touristische Aktivitäten als Weg zu bessere gegenseitigen Beziehungen einzuführen und als letztes und wichtigstes, zukünftigen Generationen durch alle möglichen Medien Wissen über Judentum, Islam und deren gemeinsame Vergangenheit, das glückliche und das schmerzliche, zu vermitteln. Am 21. November 2004 fand das erste gemeinsam durchgeführte Ereignis statt, 1500 Menschen fanden sich zu verschiedenen Aktivitäten ein. Es gab eine grosse Ausstellung in der Juden und Muslime über die „Anderen“ informiert wurden, es gab intellektuelle Diskussionen und Theateraufführungen. Obwohl Teile der Presse den Anlass überschwänglich als „turning point“ in den Beziehungen zwischen Juden und Muslims in Frankreich bezeichneten, war den Organisatoren klar, dass die eigentliche Arbeit noch gar nicht begonnen hatte. Es wurde eine „Tour de France der Freundschaft“ durchgeführt, eine fünfunddreissig Tage dauernde Reise in einem Bus, dessen inneres als kleines Museum gestaltet wurde. Diese Tour von über 7000 Kilometer Länge, in der vierzig Städte, sechzig Banlieues (das sind die trostlosen französischen Vorstädte, in denen muslimische Gewalt gegen Juden und andere gebraut worden war und wird) und nahmen an dreissig Treffen mit Muslimen jeder Altergruppe teil. Nach Abschluss dieser Reise kamen die Teilnehmer zum Schluss, dass sie erst den ersten Schritt getan hätten, den Islam in Frankreich kennen zu lernen, seine Vielfältigkeit, die politische und soziale Situation und die Herausforderung der Integration in ein grundsätzlich christliches Land und den Beziehungen zu dessen Juden. Die Aufruhr Ende 2005 und der Mord an Ilan Halimi, einem jungen Juden, der von afrikanischen Muslims entführt und ermordet worden war, überzeugte diese Gruppe, dass man nicht nur beobachten, sondern sich aktiv und ehrlich mit Muslimen, vor allem jungen Muslime, das Gespräch suchen und ihnen zuzuhören müsse. Es fanden im Frühjahr zwei weitere Tours de France statt, eine davon ausschliesslich in vierzig muslimischen Gemeinschaften innerhalb der Ile de France um Paris.

Reaktionen der besuchten Muslime waren sehr gemischt. Auf der einen Seite äusserten viele ihre Freundschaft und Sympathien zu Juden, den Wunsch in Frieden zu leben, einige lehnten den Antisemitismus ab und äusserten Sympathien für Israel und sprachen über ihre Gefühle, als sie über die Shoah lernten. Auf der anderen Seite wurden wir mit klassischen Stereotypen über das jüdische Volks, seiner Religion und Geschichte konfrontiert, einer antijüdischen Einstellung, die oft und leichtfertig in verschiedenen Milieus der muslimischen Gesellschaft geäussert wird. Vielen führenden Mitglieder lokaler Regierungen, Nachbarschaften, Schulen und kulturellen und sportlichen Organisationen scheint es nichts auszumachen, mit Ausdrücken von Misstrauen, Verdächtigungen und sogar Hass und Gewalt zu leben, die sich frei in Sportstadien, Schulklassen, Märkten und gewissen Moscheen in den Banlieues breitmachen.

Bei Gesprächen mit Juden der Pariser Region wurden ähnliche Stereotypen über Muslime geäussert. Der wichtigste Unterschied besteht jedoch darin, dass Gewalttätigkeit und Hass auf jüdischer Seite nicht zu finden sind.

Zusammenfassend, bezeichnet Rabbi Serfaty, die Erfahrungen mit der muslimischen Gemeinschaft als sehr gemischt. Sie wurden von Funktionären verschiedener Moscheen empfangen und es wurde ihnen versichert, dass es in gerade ihrer Moschee keinerlei Antisemitismus und Gewalt gegen Juden gäbe. Am Beispiel des Repräsentanten der Grand Mosque in Paris, der mutig den israelischen Botschafter und eine jüdische Delegation aus den USA empfing und dafür von Führern der antijüdischen Opposition beschimpft und bedroht worden war ist muslimischer Mut zu erkennen. CRAR, die sich hauptsächlich auf die Beziehungen zwischen Juden und Muslims in Frankreich beschränken wollte, kam nicht darum herum, über Israel zu sprechen und entdeckte, dass man mit guten Argumenten Meinungen, sogar bei radikalen Anti-Zionisten, beeinflussen könne. Die Hilfe jüdischer Organisationen war, ausser von CRIF, dürftig, der Oberrabbiner von Paris versuchte sogar die Touren zu stoppen und zu desavouieren. Besonders der Besuch in Bagneux, der Stadt in der Ilan Halimi entführt, gequält und ermordet worden war, missfiel vielen Juden, die Gruppe jedoch fand, dass man nicht die gesamt muslimische Bevölkerung von Bagneux dafür verantwortlich machen könne.

Rabbi Serfaty selbst ist auch Streetworker, ein Sozialarbeiter, der den Kontakt zu muslimischen Menschen sucht, sich allein auf die Suche von Gesprächen auf Märkten, Geschäften, Kaffeehäuser und sogar bei Familien macht und findet.
Die Aktivitäten von CRAR, die sich auch gegen Widerstände in den eigenen Reihen durchsetzt, setzen einen jüdischen Mut voraus, der mir im heutigen Europa bemerkenswert erschient. In England, wo die Situation nicht viel besser ist als in Frankreich, gibt es meines Wissens nichts Vergleichbares. In anderen europäischen Ländern sind die Verhältnisse (noch) recht friedlich – vielleicht gerade deshalb sollte darüber nachgedacht werden, ob es nicht sinnvoll wäre vorbeugend ähnliches zu unternehmen. Schweizer Juden haben heute Freunde in der Schweiz, die sich für uns einsetzen und oft genug die Arbeit tun, die den Juden vorbehalten wäre. Das ist natürlich schön, beruhigend, aber auch einschläfernd. Zudem auch unfair unseren nichtjüdischen Freunden gegenüber.

Demokratie aus israelisch - Demokratie aus palästinensisch

13.6.2007
Lea und ich hatten heute Fernsehtag. Grund dazu war die Präsidentenwahl in der Knesset. Wir zitterten für Shimon Peres, obwohl ich mit einem Teil meines Herzens auch Colette Avital den Daumen hielt. Doch was geschah hat unseren Glauben in die israelische Demokratie gestärkt und eine Knesset präsentiert, die mich die Augen reiben liess. Bei soviel Höflichkeit, gegenseitiger Rücksichtsnahme, Altruismus und der fehlenden Demonstration politischen und persönlichen Egoismus und Autismus, machte uns glauben, wir wären auf einem anderen Stern.
Die drei Kandidaten waren Shimon Peres, Colette Avital und Rubi Rivlin, wobei Avital als Aussenseiterin ohne Chancen galt. Während der geheimen Abstimmung, in der ein Parlamentarier nach dem anderen hinter einer Wand verschwand und seinen Wahlzettel ins Wahlcouvert legte, sass Peres ganz allein und kreidebleich am Regierungstisch, fürs schlimmste gewappnet. Für den Wahlgewinn wären 61 Stimmen der insgesamt 120 Abgeordneten nötig. Im ersten Durchgang erhielt Peres 58, Rivlin 37 und Avital 21 Stimmen. Dann geschah etwas unerwartetes. In der Pause vor dem zweiten Durchgang gaben Rivlin und Avital bekannt, dass sie ihre Kandidatur zu Gunsten Shimon Peres zurückziehen würden. Besonders Rivlin, der im zweiten Durchgang vielleicht eine Chance gehabt hätte, dieser Rivlin weinte, ich beinahe auch und die Wahl von Peres wurde zur einen Formalität. Es war die Art und Weise, mit der diese zwei Kandidaten, Avital eine Linke der Arbeitspartei, Rivlin ein Rechter des Likud, sich entschieden, dass der neue Präsident Shimon Peres heissen sollte. Sie taten es mit grosser Würde und gaben so der angeschlagenen israelischen Politik ein wenig ihrer eigenen verlorenen Ehre zurück. Wer weiss, vielleicht leitete das eine Wendung zu Besserem ein. Wenn man sich erinnert, wie vor sieben Jahren Shimon Peres entgegen allen Erwartungen, Aussagen und Versprechungen, besonders frommer Abgeordneter, von Moshe Katzav, dem Mann mit dem offenen Hosenladen (was in politischen Kreisen damals durchaus schon bekannt war), geschlagen worden war – es wurde dann als Rassismus kommentiert, denn Shimon Peres ist ein weisser Aschkenase, während Katzav orientalischer Abstammung ist. Die von ihrem Rabbiner Ovadia Josef gesteuerte und damals noch mächtigere Schas-Partei wollte das nicht dulden, sie, die Frommen und Gesetzestreuen zogen es vor, einen der „ihren“ als Präsident zu haben und so geschah es dann auch. Heute jedoch, als Peres plötzlich als alleiniger Kandidat feststand, bekam er die Unterstützung von Bibi Netanyahu und dessen Likud und den Frommen. Es scheint, dass vor allem standfeste Rechtsextremisten, die Peres das Oslo-Debakel nicht verzeihen wollen, gegen ihn stimmten. Für uns war diese Präsidentenwahl eine gelungene Demonstration guten Demokratieverständnisses und wir fühlten uns gut wie schon lange nicht.
Genau das Gegenteil davon wird uns von den Palästinensern vor unserer Haustür, in Gaza vordemonstriert. Die Palästinenser hatten freie demokratische Wahlen und wählten ihr Parlament und eine islamistische Regierung der Hamas. Damit glauben sie (und werden von westlichen Friedensneurotikern darin bestärkt), sie seien der Demokratie verpflichtet. In der arabischen Welt wird Demokratie auf Wahlen reduziert. Es wird vergessen, dass Demokratie weit mehr ist als nur freie Wahlen, Prinzipien wie Rücksichtnahme auf Minderheiten, Freiheit für und von Religion, Gedankenfreiheit und das Recht, sich frei auszudrücken und noch einiges mehr. Weil es in Syrien, Irak und Ägypten Wahlen gibt, sind diese Länder noch lange keine Demokratien, sondern bleiben Diktaturen. Jetzt bringen sich die Anhänger der Fatah und der Hamas mit grausamer Begeisterung gegenseitig um, werfen Menschen aus Hochhäuser, erschiessen Ärzte und Patienten in Spitälern, erschiessen Kinder politischer Gegner und jeden, der sie schief oder nicht schief ansieht. Man hört und liest gelegentlich, dass sich verschiedene Gazapalästinenser nach der israelischen Besetzung zurücksehnen. Ich hoffe, unsere Regierung lässt sich davon nicht zu dummen Taten beeinflussen. Heute sah ich in den Nachrichten, wie sich palästinensische Männer und Frauen auf schwer bewaffnete „Widerstandskämpfer“ stürzten, versuchten ihnen die Waffen abzunehmen um diesen Bürgerkrieg und Massenmord zu beenden. Einer dieser tapferen Zivilisten sei erschossen und viele verwundet worden. Ähnliches findet zurzeit im Libanon, Afghanistan und Irak statt, jeder gegen jeden. UNO-Soldaten und amerikanische, englische und andere Soldaten, die dort eigentlich helfen sollten, sind Publikum, zum Zuschauen verurteilt und verlieren oft ihr Leben. In der perversen Welt der Friedensjünger unserer, der westlichen Welt und natürlich bei den Arabern selbst, wird für all das Israel und die USA in die Zange genommen.
Wir sind heute Zeuge, wie sich die Tragödie des Zusammenbruchs der palästinensischen Gesellschaft in Gaza und vielleicht der gesamten palästinensischen und arabischen Gesellschaft in Religion und Barbarei zusammenbraut. Wir erhalten eine Lektion mittelöstlicher Demokratie. Es stimmt, die Palästinenser hatten frei Wahlen und wähnen sich Demokraten. Doch, zusätzlich zum oben erwähnten, Demokratie ist eine Unmöglichkeit, wenn sich eine der Parteien – und ihn diesem Fall die regierende Partei Hamas – sich dem Völkermord verschrieben hat. 1933 fand ähnliches in Deutschland statt. Demokratie wächst nicht aus einem Gewehrlauf, das Monopol der Gewalt und entsprechend des Waffengebrauchs, darf nur in den Händen der Regierung liegen. In Gaza hat jede Partei und jede Grossfamilie eine eigene Armee. Es finden private Abrechnungen zwischen Clans und Banden unter dem Deckmantel eines „Freiheitskampfes“ gegen Israel oder eines Kampfes für den „Shariahstaat“ statt. In diesem Zusammenhang fällt mir die Geschichte der „Altalena“ ein, in der Ben-Gurion in 1948 ein Schiff dieses Namens, voller Waffen für Menachem Begins Privatarmee „Lehi“ versenken liess, um das Prinzip des staatlichen Gewaltmonopols durchzusetzen.
Israel soll schuld daran sein, dass in Gaza Fatah, Hamas und verschiedene Grossfamilien sich im gegenseitigen Killen zu übertreffen suchen, statt ihr Land aufzubauen. Dazu hatten sie nach dem Abzug Israels aus dem Ausland Milliardenhilfe erhalten, sich stattdessen aber Waffen angeschafft. Im Irak findet dasselbe statt, Schiiten gegen Sunniten, in Afghanistan Steinzeitislamisten gegen solche aus der Juraperiode. Minderheiten werden ver- und gejagt und umgebracht, Frauen, rechtlos wie Vieh, ebenso.
Der Zustand in Gaza ist das Resultat unrealistischen Denkens, das voraussetzt, dass eine sekuläre Weltsicht (Fatah) und islamistischer, jihadistischer Fundamentalismus (Hamas, Islamischer Jihad) koexistieren können. Weiter verlieren bewaffnete Gruppierungen in einem geordneten Staat ihr Existenzrecht. Die Palästinenser müssen wählen: entweder ein eigener Staat oder „Widerstandsgruppen“. Beides zusammen führt zu Zuständen wie in Gaza heute und möglicherweise in der Westbank morgen. Diese Sicht der Dinge ist auf andere Konfliktherde der arabischen Welt weitgehend übertragbar. Israel hat die Wahl: entweder zuschauen und vielleicht den Raketenhagel auf Sderot eindämmen oder durch Eingehen auf die arabische Friedensinitiative eine politische Regelung anzustreben. Einfach Publikum spielen - das geht auf die Dauer nicht.

Mittwoch, Juni 13, 2007

Dialog - die Abwertung eines Begriffes

8.6.2007
Wer mein Tagebuch liest weiss, dass ich mich immer für das Gespräch einsetze, nicht nur weil ich ein natürlicher Schnörri bin, sondern weil ich im politischen Kontext dachte, dass, wer redet nicht schiesst. Inzwischen hat die Wirklichkeit uns eingeholt und bewiesen, dass dieses früher Selbstverständliche heute nicht mehr selbstverständlich ist. In der Realität des Terrorismus wird geredet bis zur Erschöpfung, vorwiegend mit Repräsentanten der Gegenseite, die auf das Geschehen keinerlei Einfluss haben. Zur selben Zeit wird Israel von Staatsmänner aus aller Welt und solchen, die sich dafür halten, aufgefordert Dialoge zu führen, Abkommen zu treffen und nett zueinander zu sein, während Raketen in Israel explodieren, Leute töten, Gesunde zu Krüppeln machen und Sachschäden verursachen. Es wird sogar verlangt, einen Dialog mit jenen zu führen, die uns aus religiösen und ideologischen Gründen (was das Selbe ist) vernichten wollen. Es geht mir hier darum um den Reflexbegriff „Dialog“ zu besprechen und einen Unterschied zwischen Dialog mit Feinden oder Gegnern und dem Dialog mit jenen herauszuschälen, deren einziges Ziel es heute ist, uns zu vernichten.
Darum sollten wir uns überlegen, was ein Aufruf zum Dialog eigentlich soll. Was verlangt man von Israel und seinen Israelis? Über was sollen wir dialöglen? Genau so wenig wie während dem Krieg vor siebzig Jahren mit den Nazis kein Dialog geführt worden ist. Damals wurde, um das bedingungslose Kriegsende durchzusetzen, Städte wie Dresden, Hamburg und Berlin flachgebombt, etwas, das heute pervers den Alliierten als Kriegsverbrechen vorgeworfen wird. Dabei waren Bombenangriffe auf diese Städte vor allem die Antwort auf die Bombardierung Londons, den Londoner Blitz. Manche versuchen sogar dies mit den Missetaten von Soldaten der Roten Armee aufzurechnen und zu relativieren. Auch hier wird bewusst vergessen, wer für diesen Krieg ausgelöst hatte. Wie in den ersten Jahrzehnten nach Kriegsende wurden die Sieger – die UdSSR, Grossbritannien, USA als Sieger gefeiert – heute wird sogar der Sieg über die Nazis relativiert, obwohl gerade dieser sie, im Gegensatz zu unseren Kriegen, zu einem sehr soliden und fruchtbaren Frieden geführt hatte. Genau so wurden israelische Siege in Kriegen bis 1967 gesehen, ohne die es heute den Staat nicht mehr geben würde. Aber heute wird auch das relativiert und der Vorrang des Überlebens Israels wird von einer wachsenden Zahl Leute als nicht mehr relevant erklärt.
Also, mit den arabischen Staaten müssen wir unbedingt einen Dialog einleiten – unsere wundervolle Regierung ziert sich, die privaten Ängste israelischer Politiker, ihre Macht an die Konkurrenz zu verlieren, hindert sie daran. Es kann durchaus sein, dass solche Dialoge zu nichts führen und bestenfalls beweisen, dass unsere Partner im Dialog es nicht ehrlich meinen. Genau so, wie Ehud Barak es fertig brachte, den wirklichen Yasser Arafat zu entlarven, der, nachdem er fast alles erhalten hatte, die Intifada 2 auslöste, damit Tausende Israelis (hauptsächlich Zivilisten) und Palästinenser (hauptsächlich Terroristen) tötete und damit einen palästinensischen Staat in die sehr ferne Zukunft verbannte. Mit Terrororganisationen zu dialöglen ist Unsinn, denn über was soll man den mit jemandem sprechen, dessen einziger und dokumentierter Lebenszweck es ist, uns zu vernichten. Sollen wir mit Hamas, Hisbullah oder den verschiedenen islamischen Brüdern über die Art unserer Abschlachtung verhandeln?

Samstag, Juni 02, 2007

Das virtuelle Irrenhaus

2.6.2007
Zwar geschieht es selten, doch wenn ich nicht mehr weiter weiss oder den Blues habe, singe ich nicht wie B.B. King: „I wanna stop living and go shopping instead“ (ich will aufhören zu leben und stattdessen einkaufen gehen), sondern tue etwas noch masochistischeres. Ich lese in den verschiedenen Foren der Internetzeitungen, wie Haaretz, YNet, Spiegel oder Weltwoche und erkenne (vielleicht in völliger Verkennung der Realität), dass ich nicht zu den Leuten gehöre, die hassen und diesen Hass in einem Medienforum aussprühen. Man sollte denken, dass so ein Forum eine psychohygienische Funktion hat, wo Giftspritzer ihren antisemitischen, antizionistischen Kropf leeren können. Das erst noch meist feige anonym, wie in Hasskreisen üblich. Doch nach wiederholtem Genuss dieses verbalen Drecks habe ich entdeckt, dass es weitgehend und immer wieder dieselben Klugscheisser sind, die zu mich interessierenden Themen ihre Meinung oder besser gesagt, ihre hasserfüllten Vorurteile abgeben. Daraus ist zu schliessen, dass diese psychohygienische Funktion der Foren illusorisch ist und dass die hasserfüllte Dummheit vieler Forumschreiber sich nicht abbauen lässt, sie ist ein Perpetuum mobile, das aus sich selbst Kraft schöpft und weiter wuchert. Natürlich gibt es Beiträge in den Foren, in den man spürt, wie der Schreibende sich überwindet und kühl versucht ideologisierten Idioten verifizierte Fakten Nahe zu bringen und damit in eine Betonwand rennt. Es wiederholt sich das bekannte Phänomen, dass Tatsachen, Wissen und Verstand bei ideologischen Eiferern abprallen, als wären sie von einer Teflonhülle umgeben. Das ist in einem politischen Internetforum nicht anders, als bei Diskussionen extremistischer Friedenseiferer, die zwar „Juden nach Palästina“ und in vollkommener Logik auch „Palästina den Palästinensern“ schreien und damit und anderem das Recht der Palästinenser und Islamisten fördert, bis zum letzten Israeli Massenmorde zu veranstalten und sich dann über Israels Selbstverteidigung zu empören. Es dauerte lange, doch ist nun sogar mir klar geworden, dass selbsternannte Friedensfreunde - wie z.B. in der Schweiz jene mit dem Spruch „Nicht in meinem Namen“, als hätte ich sie gefragt, ob sich Israel bitte verteidigen dürfe – tatsächlich den arabischen Terror fördern. Denn wer sich ihm nicht entgegenstellt, macht ihm Tür und Tor auf.

All das oben Geschriebene ist gerade in diesen Tage besonders krass wahrzunehmen. Der Boykott Israels durch britische Akademiker – der gerade jene strafen will, die sich wirklich für das einsetzen, das von diesen akademischen Eiferern eigentlich vordergründig gefordert wird. Sollte man meinen. Oder die Verurteilung Israels dafür, dass es sich gegen den Raketenregen aus dem Gazastreifen wehrt, während das innerpalästinensische Schlachtfest, in dem, bei Licht besehen, sich die Palästinenser gegenseitig genau das antun, was sie bisher für uns Juden reserviert hatten.

Damit es uns im Lande nicht langweilig wird, haben wir unsere hausgemachten Sorgen: eine Regierung korrupter Nichtsnutze (Ausnahmen vorbehalten), die es nicht einmal fertig bringt den saudisch-arabischen Friedensplan mit seinen Initianten zu diskutieren, die das Schulsystem weiter kaputt macht, den Staat schwächt und die Raffgier weniger auf Kosten der Allgemeinheit fördert, die der Armee Carte Blanche in den besetzten Gebieten gibt, statt den Abzug Israel aus der Westbank auch nur zu erwägen, die viel zu wenig für seine benachteiligten arabischen Bürger tut und damit die langfristige Zukunft des Staates aufs Spiel setzt, …….

Voilà, das war mein heutiger psychohygienischer Befreiungsakt. Hier scheint die Sonne, es weht ein kühler Wind und ich werde mich nun in den Garten setzten und Walter Isaacsons soeben erschienene Einstein-Biographie lesen. Wo ist der politische Einstein, der Menschenfreund, Frauenheld, Zionist und anständige Mensch der heutigen Tage? Er fehlt mir und der Welt.

Ueber Heuchelei

23.5.2007
Mit grossem Verständnis, fast schon Beifall, sehen die UNO und die internationale Staatengemeinschaft dem Töten unschuldiger Palästinenser durch die erbarmungslose und brutale Armee zu. Allerdings ist diese Armee, die des arabischen Staates Libanon. Faszinierend ist es diesen Wandel öffentlicher Wahrnehmung festzustellen. Plötzlich ist es völlig verständlich für eine Armee islamistische Extremisten der Fatah al-Islam mit Panzern anzugreifen, Terroristen, die sich, wo denn sonst, hinter unschuldigen Zivilisten verstecken und diese als Schild missbrauchen. Im vorliegenden Fall handelt es sich um Zivilisten des Dorfes Nahr al-Bard. Als Israel genau dasselbe vor einem Jahr gegen die Hisbullah tat, als diese viele südlibanesische Dörfer und ihre Bewohner zu Geisel nahmen, ging ein Aufschrei durch die Welt. Wo sind die Gutmenschen, die palästinensischen Honig kaufen, voller Verständnis und Erbarmen palästinensischen und islamischen Terror unterstützen, wo sind sie, wenn sich für einmal nicht Israel seiner Haut wehrt, sondern sein arabischer Nachbarstaat Libanon? Vielleicht sind sie dran Argumente zu finden, um das Ganze Israel in die Schuhe zu schieben. Oder sie zieren sich. Warten wir ab. Ernsthaft – immer klarer wird, wie quer islamistische Organisationen – ausnahmslos mit Terror beschäftigt – in den Hälsen arabischer Staaten stecken. Das ist nicht neu. Vor fünfundzwanzig Jahren hatte der syrische Präsident Assad (der Papa) Ärger mit Islamisten, liess die Stadt Hamma flach bomben, erzielte zwischen zwanzig und dreissig Tausend Tote und hatte danach Ruhe. Niemand hatte sich daran – bis heute - gestört.
Übrigens wurde heute in Sderot das elfte Opfer islamistischer Kassamraketen aus dem Gazastreifen zu Grabe getragen. Diese von allen Israelkritikern verniedlichte Waffe, tötet – genau so effizient, wie eine Rakete aus einem israelischen Helikopter. Der einzige Unterschied ist, dass Israel seine Waffen immer, aber nicht immer erfolgreich, auf militärisch definierte Ziele einsetzt, während Hamas, Islamischer Jihad und andere, diese mit nur mit einem Ziel abschiessen, möglichst viele jüdische Zivilisten zu töten. Soviel zum Märchen, palästinensische Raketen seien niedliches Feuerwerk, das bestenfalls etwas Lärm mache, islamische Knallfrösche also.