Leben in Israel - Uris Tagebuch

Uri Russak schreibt Persönliches. Er schreibt über Politik, angewandten Zionismus und über seine Freunde - Juden, Araber, Drusen, Christen in Israel und ausserhalb. Er selbst sieht sich als Realist, kann Exremisten jeder Art nicht ausstehen. In Israel wird er oft Linksextremist genannt, im Ausland, besonders in der Schweiz, wo er geboren wurde, wird er als Rechter beschimpft. Das gefällt ihm.

Name:
Standort: Zichron Ya'akov, Israel

Das Leben in Israel ist nie langweilig. Von vielen gehasst und von vielen respektiert ist unser Land das erfolgreichste Projekt seit dem zweiten Weltkrieg, was natürlich nicht von allen gern gehört wird aber dennoch stimmt. Ich lebe und atme dieses Land, kritisiere viel und bin täglich wieder beeindruckt über die Energie und die Kreativität der Israelis und ihrer ans Anarchische grenzende Demokratie. Ich bin Aktivist für Koexistenz mit den arabischen Mitbürgern, gelte hier als politisch Linker, während ich in der Schweiz, wo mein Zielpublikum mehrheitlich lebt, bei einigen als Rechtsextremist verschrien bin, womit ich ganz gut leben kann.

Samstag, Mai 05, 2007

Dies und das

18.4.2007

Ariel Sharon hat es halt gewusst
In Amerika gibt es eine jüdische Zeitung mit dem Namen „Forward“. Sie ist der jüngere Bruder der uralten, in 1897 gegründeten jiddischen Zeitung “Forverts“ (Vorwärts), die auch heute noch erscheint. Forward wird in vielen israelischen Zeitungen zitiert und ich glaube, dass auch im Tachles gelegentliche Artikel daraus ins Deutsche übersetzt erscheinen. Was auch immer, vor wenigen Tagen erschien im Forward ein Artikel von Yossi Alpher mit dem Titel „Sharon warnte Bush“. Darin wird beschrieben, wie Ariel Sharon in den Wochen vor März 2003 George W. Bush privat mit klaren Worten erklärte, was er über Bushs Kriegspläne im Irak halte. Es war eine freundliche aber eindeutige Warnung. Sharon glaubte zwar zu jener Zeit auch, dass Saddam Hussein eine Bedrohung für den Mittleren Osten darstelle und Massenvernichtungswaffen besitze. Gemäss Danny Ayalon, dem damaligen Botschafter Israels in Washington, sagte der Sharon dem Bush, dass, wenn er schon Irak besetzen wolle, er wenigstens davon absehe, dort eine Demokratie zu implantieren. „Traditionell und kulturell bedingt, sei die arabische Welt nicht für eine Demokratisierung gebaut“, habe er gesagt. Politisch korrekt gelesen ist diese Behauptung rassistisch, doch wenn wir ehrlich sein wollen und diese arabische Welt bis heute betrachten, schleckt keine Geiss den Eindruck weg, dass Sharon recht hatte.
Erster Preis für eine Entführung
In Gaza wurde vor kurzem ein BBC-Journalist entführt. Nicht von Israel, sondern von einer Gruppe palästinensischer Freiheitskämpfer oder was dafür gehalten wird. Parallel dazu hat die britische Nationale Journalisten Union ihre Regierung aufgefordert Israel und seine Handelsgüter mit einem Boykott zu belegen. Es geht auch das Gerücht um, der Zeitungsmann sei exekutiert worden. Wie wird sich die britische Presse für die nächste Entführung revanchieren?
Wie man seine Frau religiös korrekt prügelt
Von Ruben habe ich einen Kurzfilm aus dem arabischen Fernsehen erhalten, der es in sich hat. Wir Männer werden belehrt, wie wir unsere Frauen zu schlagen haben – so im Sinne Allahs, der das so wolle. Diese kurze Lektion vom Bahraini Kleriker Scheich Abdullah Latif Al Mahmoud belehrt uns Männer wie, wo, warum und vor wem man seine Frau schlagen soll. Man darf es nicht vor den Kinder tun, nur wenn der Mann mit der Frau allein ist (also ohne Zeugen), die Frau darf nicht bluten, es sollten auch keine Knochen gebrochen werden – das sind einige der Regeln. Es steht aber auch, dass falls die Frau ihrem Mann verzeihe, von Allah nicht erwartet werden soll, am Tage des Letzten Gerichts dasselbe zu tun. Allah kennt seine Pappenheimer. Dieses interessante Erziehungsmaterial wurde von MEMRI vermittelt. Es wundert mich immer wieder, warum unsere progressiven Schwestern der Israel hassenden Variante im freien Westen, sich nicht für Menschenrechte arabischer Frauen einsetzen, denn das Problem ist allen bekannt, es gibt reiche Literatur darüber und bezieht sich nicht nur auf Schläge. Fairerweise muss festgestellt werden, dass auch in der freien westlichen Gesellschaft Frauen geprügelt werden – aber noch habe ich kein modernes Handbuch dafür von Pfarrern, Priestern und Rabbinern zum Thema gefunden.
Lassen wir uns nicht zu jüdischen Hysterien hinreissen
Wieder einmal liessen wir uns zu einer entsetzten Reaktion hinreissen, als berichtet wurde, dass in Grossbritanniens Schulen das Thema Holocaust vom Schulplan abgesetzt worden sei, weil es muslimische Schüler beleidigen könnte. Dass Muslime heute sich wegen jeder Kleinigkeit als beleidigte Leberwürste aufführen und andere deswegen bedrohen, ist Teil des heutigen Lebens. Aber in diesem Fall war die Behauptung unwahr! Sie wurde von der englischen Presse, in ihrer Hast eine Schlagzeile zu haben, ohne näheres Hinsehen und ohne zu hinterfragen veröffentlicht. Wer mehr darüber wissen will, hier der Link.
Es war die Geschichtsabteilung einer einzigen Schule, die aus Furcht vor muslimischen Schülern und der muslimischen Gesellschaft das Thema Holocaust vom Lehrplan absetzte. Ähnliches geschah in einer anderen Geschichtsklasse, in der das Thema Kreuzzüge abgesetzt worden war – aus genau gleichen Gründen. Das ist wahr!
Das Erziehungsministerium gab schon im Januar 2007 bekannt, dass im nationalen Lehrplan alle wichtigen historischen Ereignisse enthalten sein müssen, der Holocaust gehöre zwingend dazu und keine Schule sei berechtigt, dieses Thema fallen zu lassen.
Wir Juden müssen aufpassen, nicht ins Fahrwasser der muslimischen Reaktionen zu geraten, die jeden Mist, meist imaginär oder dann mutwillig missverstanden, gewalttätig anvisieren und Fakten prinzipiell nicht zur Kenntnis nehmen. Schon schrieben jüdische Hysteriker unreflektiert über das Thema Holocaust, das aus dem nationalen Schulplan verbannt worden sei. Jüdische Stellungsnahmen müssen sich von muslimischer Hysterie total abheben – lieber schweigen, als auf offensichtlichen Unsinn hereinzufallen und sich als Faktenverdreher einen schlechten Namen zu schaffen.