Links, Rechts und essen gehen
Etwas das mich immer wieder beschäftigt, ist die heutige perverse Kombination der extrem linken Politszene der sonst meist zivilisierten westlichen Welt und dem reaktionären jihadistischen Islam. Die Jihadisten morden weltweit im Namen ihrer Religion (das Christentum tat dasselbe bis vor einigen hundert Jahren) und werden von linksextremistischen Apologeten und Fans dazu ermuntert, gelobt und vor allem „verstanden“. Das ist in Europa so und in Nordamerika auch. Diese
Situation hat zu einer fast totalen Entwertung und Verfälschung der politischen Begriffe „Links“ und „Rechts“ geführt. Die soziale Komponente hat sich zu grossen Teilen verflüchtigt – es geht, weltweit gesehen, nur noch um das Überleben der Moderne per se, der freien Gesellschaft und der Demokratie. Diese Bedrohung hat in Europa schon sehr konkrete Formen angenommen und es gibt Fachleute, die denken für das alte Europa sei es schon zu spät, der islamistische Zug zurück ins Mittelalter sei schon abgefahren. Schon sehen sie die Unterdrückung der Frau, Morde zur Erhaltung der Familienehre, Steinigungen, Köpfungen und andere kulturelle Kostbarkeiten der muslimischen Welt in die EU importiert, zum Alltag gehörend und alle Bürger verpflichtend. Nicht einmal Pornografie wird erlaubt sein. Schon ist diese Zukunft mit der Akribie eines Science-Fiction Erzählers verfasst, in Kurzgeschichten und Romanen zu lesen. Sogar Hendryk M. Broder hat sich damit beschäftigt – in seiner Darstellung Deutschlands in 2067 Jahren trägt der deutsche Bundespräsident einen arabischen Namen. Broder ist grosszügig – wenn nichts unternommen wird, könnte es schneller gehen.
Mit Israels Existenz hat das wenig bis gar nichts zu tun. Wer das behauptet, glaubt einen Sündenbock gefunden zu haben, wozu, geschichtlich gesehen, wir Juden, ob in Israel oder anderswo, uns glänzend eignen. Aber Israel unterliegt derselben Bedrohung, wie andere Länder der westlichen Moderne, mit der zusätzlichen Komponente des Palästinenserproblems, einer Art Problem, das in jeder anderen Region schon vor Jahrzehnten gelöst worden wäre.
Was aber doch mit Israel und dem Hass zu tun hat, das gegen unser Land versprüht wird und unzählige, sonst vernünftig scheinende Menschen der westlichen Welt angesteckt hat, ist die krankhafte Hassproduktion gegen alles jüdische im allgemeinen und Israel im besonderen. Dieser Virus wird in arabischen Schulen systematisch gelehrt und im palästinensischen Schulsystem perfektioniert. Soeben ist eine Übersicht über dieses Phänomen erschienen, in dem der Lehrstoff des zwölften Schuljahres palästinensischer Schulen veröffentlicht und kommentiert wird. Sie zeigt, wie der frühere, vom künstlichen Nationalismus motivierte Hass inzwischen zum von Religion motivierten Hass mutiert ist, der den lieben Gott für seine Sache bemüht. Diese hervorragend dokumentierte Fleissarbeit von 38 Seiten lege ich diesem Tagebucheintrag als Attachment bei.
Wir feiern Purim. Einen Bösewicht der heutigen Tage, der uns umbringen will wie der Haman der Purimgeschichte, habe ich als Einzelnen nicht ausgemacht, es gibt heute mehr als nur einen, auch wenn sich, nicht nur weil er Perser ist, sich Mahmoud Ahmedinejad anbietet. Jenen unter Uris Tagebuch lesenden Freunden, welche die Purimgeschichte nicht kennen, habe ich hier eine kurze Zusammenfassung einkopiert, die von Rabbiner Dr. Joel Berger in Deutschland verfasst worden und in der Website des Zentralrats der Juden in Deutschland zu finden ist.
PURIM
Von Dr. Joel Berger, Landesrabbiner a.D.
Im Monat Adar begehen wir das Purim-Fest, den heiteren Höhepunkt des jüdischen Jahres. Es ist daher verständlich, wenn man dieses Fest, das nur einen einzigen Tag dauert, etwas ausdehnen und verlängern möchte. Die Quelle der Freude liegt in jenen Ereignissen, die uns das biblische Buch Esther, die Lektüre des Festes, überliefert: Die Heldin des Buches, eine jüdische Frau wird Königin in Alt-Persien. So gelingt es ihr mit Hilfe ihres Onkels Mordechaj, die Juden Persiens vor der drohenden Ausrottung durch den Bösewicht, Minister Haman, zu vereiteln. Nur ein einziges Mal traten im Altertum Juden aus einer Auseinandersetzung siegreich hervor und konnten so ihr Leben retten! Dies ist sicherlich ein hinreichender Grund für ein ausgelassenes Fest.
Was das Esther Buch und seine Aussage betrifft, waren sich die Rabbiner unschlüssig über seinen bleibenden Wert: Die Gelehrten behaupteten, dass sich bis zum Auftritt des persischen Bösewichts Haman noch nie ein Präzedenzfall ergeben hatte, bei dem das gesamte jüdische Volk eines Weltreiches ausgerottet werden sollte. Darum, so die Rabbiner, sei diese Geschichte einmalig. Spätere Generationen würden die Geschichte nicht nachvollziehen oder verstehen können, deshalb müsse das Buch auch nicht in den biblischen Kanon aufgenommen werden. Viele Gelehrte beurteilten die Esther-Geschichte als völlig irrelevant, da sie sich, ihrer Meinung nach, nicht wiederholen würde, so dass kommende Geschlechter aus der Geschichte also keinen Nutzen ziehen könnten.
Die Geschichte bestätigte jedoch auf grausame Weise die Meinung derjenigen, die die Vorfälle dieses geplanten Genozids für wiederholbar hielten und bereit waren, die Esther-Geschichte als einen Teil der Schrift zu bewahren. Esther wird vom Talmud als eine der sieben Prophetinnen der Israeliten gewertet. Die Aussage ihres Buches ist dem Talmud zufolge eine Botschaft über Zeit und Raum hinaus; Esther erkannte instinktiv, dass sich diese Existenzbedrohung wiederholen könne. Darum nahmen die Weisen letztendlich Esthers „Antrag“ an und hielten die Purimgeschichte in die Heilige Schrift fest.Ich muss gestehen, dass ich in der Vergangenheit das Purimfest, wegen der darin demonstrierten Schadenfreude nicht mochte und das auch offen aussprach. Wenn wir uns aber die heutige Welt ansehen und die neuen Gefahren für uns Juden zur Kenntnis nehmen, dann denke ich, dass dieser jüdische Feiertag, wie viele andere ein Fest des Überlebens, heute so aktuell ist, wie das letzte Mal vor sechs, sieben Jahrzehnten. So lasset uns feiern, nach alten bewährten jüdischen Motto: „Sie wollten uns umbringen, wir haben sie besiegt, so lasset uns essen!“.

1 Comments:
B"H
Selbst die Megillath Esther wurde im Iran antisemitisch ausgelegt: Die Juden wuerden die Ermordung von Teilen des antiken iranischen Volkes auch noch feiern.
Die Megillah ist, wie du schon schreibst, nicht Zeit- oder Raumgebunden. Wer glaubt, es handele sich dabei um eine antike Story, der irrt. Die Megillah ist heute genauso aktuell wie damals. Vielleicht heute wieder mehr als denn je.
Miriam
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