Leben in Israel - Uris Tagebuch

Uri Russak schreibt Persönliches. Er schreibt über Politik, angewandten Zionismus und über seine Freunde - Juden, Araber, Drusen, Christen in Israel und ausserhalb. Er selbst sieht sich als Realist, kann Exremisten jeder Art nicht ausstehen. In Israel wird er oft Linksextremist genannt, im Ausland, besonders in der Schweiz, wo er geboren wurde, wird er als Rechter beschimpft. Das gefällt ihm.

Name:
Standort: Zichron Ya'akov, Israel

Das Leben in Israel ist nie langweilig. Von vielen gehasst und von vielen respektiert ist unser Land das erfolgreichste Projekt seit dem zweiten Weltkrieg, was natürlich nicht von allen gern gehört wird aber dennoch stimmt. Ich lebe und atme dieses Land, kritisiere viel und bin täglich wieder beeindruckt über die Energie und die Kreativität der Israelis und ihrer ans Anarchische grenzende Demokratie. Ich bin Aktivist für Koexistenz mit den arabischen Mitbürgern, gelte hier als politisch Linker, während ich in der Schweiz, wo mein Zielpublikum mehrheitlich lebt, bei einigen als Rechtsextremist verschrien bin, womit ich ganz gut leben kann.

Samstag, März 31, 2007

Ein Leckerbissen für den multikulturellen Friedensaktivisten

31.3.2007
Schon wieder eine empörende Menschenrechtsverletzung, welche sich nahtlos an die bisherigen Menschenrechtsverletzungen anfügt. Ganz kurz war zu lesen, dass eine Neunzehnjährige, die mit einem Messer bedroht und dann entführt worden ist, anschliessend von einer Gruppe Männer vergewaltigt und von ihrem Bruder verprügelt wurde, vom Gericht zu neunzig Peitschenhieben verurteilt worden ist. Der Grund zu ihrer Verurteilung war, dass sie sich mit nicht mit ihr verwandten Männern – den Entführern und Vergewaltigern – getroffen hätte. Die Vergewaltiger wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Da dieser Vorfall nicht im erleuchteten Staate Israel stattgefunden hatte, sondern im mittelalterlchen Saudiarabien, wurde er nur in der Dubaier Zeitung „Khaleej Times“ und in der „Saudi Gazette“ berichtet. Dadurch haben erleuchtete Gutmenschen einmal mehr die Chance verpasst, Menschrechtsverletzungen anzuprangern und zu verurteilen – denn wer liest schon täglich die „Khaleey Times“ ausser Uri? Immerhin, mit diesem Bericht und der Möglichkeit, diesen absolut nicht einmaligen, sondern auf Tradition beruhenden Skandal an die grosse Glocke zu hängen, ermögliche ich den Juden und Jüdinnen der „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina“ und anderen (vermeintlichen)Friedensgruppen ihre kraftvolle Stimme zu erheben und diese Barbarei zu verurteilen. Wer weiss, vielleicht bringen sie es fertig, Israel und den Zionismus dafür verantwortlich zu machen.

In der heutigen Wochenendausgabe von „Haaretz“ schreibt Bradley Burston einen allgemeinen Artikel mit dem Titel „Muslim victims, our silence“ über das oben aufgegriffene Thema muslimischer Gewalt gegen sich selbst und das Schweigen der Welt dazu. Als der zwölfjährige Mohammed Al-Dura am 30. September 2000 sein Leben in einem von Palästinensischen Bewaffneten orchestrierten Schusswechsel mit israelischen Soldaten verlor, wurde er zum „Musteropfer“ israelischer Mordlust empor stilisiert, obwohl inzwischen jedermann klar ist, dass er von palästinensischer Seite erschossen wurde, mit dem Ziel, die Welt in Empörung zu lügen. Wie das Jenin-Massaker und anderen, gehört diese Lüge zum Arsenal arabischer Propaganda gegen Israel. Das ist das Eine. Heute, wenn die Gewalt in den besetzten Gebieten mehrheitlich zwischen palästinensischen Faktionen stattfindet und Israel damit nicht das Geringste damit zu tun hat, werden Kindermorde, Massenerschiessungen, Racheakte zwischen Parteien, Stämmen, Grossfamilien und ähnliches gelegentlich berichtet, aber kaum kommentiert und schon gar nicht be- oder verurteilt. Es scheint eine Art westlich-europäischer Rassismus gegen das arabische Volks zu bestehen, der all dies als kulturelle Eigenheit hinnimmt und sich nicht aufrafft sich darüber zu äussern. Diese selektive Blindheit gegenüber muslimischer Gewalt, meist extremste Gewalt aus einem uns unverständlichen Hass heraus hat Tradition. So wird die Gewalt in der besetzten Westbank und Gaza als Resultat israelischer Besetzung angesehen. Ebenso wird die muslimische Gewalt der Sunniten gegen Schiiten, der Schiiten gegen die Sunniten, aller gegen die Christen und aller gegen alle als Frucht der amerikanischen „Besetzung“ des Irak verstanden, als ob zu Saddam Hussein’s Zeiten Irak ein Paradies der Liebe und Gewaltlosigkeit gewesen wäre. Genau so im Libanon: Die Syrien wurden vertrieben, die Gewalt und der Tod blieb im Land. Ich denke man kann die Gewalt zwischen politischen und religiösen Gruppen und die Gewalt innerhalb Familien, Stämmen und Dörfern nicht voneinander trennen, denn sie bestehen auf der selben Grundlage eines mittelalterlichen Religionsverständnisses und Ehrgefühls, die von heutigen modernen Zivilisationen, ob europäisch, australisch, amerikanisch und sogar von Japan und Korea abgelehnt wird. Es sei denn Multikulti Freaks wollen das selektiv als kulturelle und damit tolerierbare Eigenheiten sehen.

An einem Hassfest des UN-Rats für Menschenrechte gab es einen kleinen Eklat, als vor einer Woche, am 23. März 2007 ein Jude namens Hillel Neuer, Direktor der UN-Watch, eine kurze Rede hielt. Dank YouTube kann sie unter die Leute gebracht werden, denn die Rede wurde aus dem Protokoll gestrichen. Ein rhetorisches Meisterstück ist es nicht, aber Neuer sagt wenigsten wie es wirklich ist und das hat in den heiligen Genfer Hallen, in denen dieser Rat für Menschenrechte seine Vorstellungen veranstaltet, seltenheitswert. Dies ist der Link dazu: http://www.unwatch.org/site/apps/nl/content2.asp?c=bdKKISNqEmG&b=1313923&ct=3698367&msource=UNWnews&tr=y&auid=2501956

Hier ist auch die deutschsprachige Übersetzung von Neuers Frechheit zu lesen, sowie die Reaktion des Vorsitzendes des Rats für Menschenrechte. Ein Kommentar erübrigt sich.

Hillel Neuer, Direktor UN Watch:

Herr Präsident,
vor sechs Jahrzehnten, während der Nachwirkungen des Nazi-Horrors, versammelten sich Eleanor Roosevelt, Réné Cassin und andere bedeutende Personen hier, am Ufer des Genfer Sees, um die Grundsätze menschlicher Würde noch einmal zu beteuern. Sie gründeten die Menschenrechtskommission. Heute fragen wir: Was wurde aus ihrem noblen Traum? In dieser Sitzung erfahren wir die Antwort. Angesichts eindringlicher Berichte aus aller Welt über Folter, Verfolgung und Gewalt gegen Frauen: Was hat der Rat verkündet, und was hat er entschieden?
Nichts. Seine Antwort war Schweigen. Seine Antwort war Gleichgültigkeit. Seine Antwort war kriminell. Man könnte in Harry Trumans Worten sagen, dass dies ein untätiger und nichtswürdiger Rat geworden ist. Aber das wäre ungenau. Denn der Rat hat etwas getan. Er hat eine Resolution nach der anderen verabschiedet, in denen ein einzelner Staat verurteilt wurde: Israel. In acht Stellungnahmen – und drei weitere werden in dieser Sitzung folgen – wurde der Hamas und der Hizbollah Straffreiheit zugesichert. Der gesamt Rest der Welt – mit Abermillionen Opfern in 191 Ländern – wird weiterhin ignoriert.
Also: Ja, der Rat tut etwas. Und die Diktatoren des Nahen Ostens, die diese Kampagne orchestrieren, werden Ihnen sagen, dass das gut so ist. Und dass sie versuchen, die Menschenrechte zu schützen, die Rechte der Palästinenser. Die rassistischen Mörder und Vergewaltiger der Frauen von Darfur berichten uns, dass sie sich um die Rechte der palästinensischen Frauen kümmern, die Besetzer Tibets kümmern sich um die Besetzten, und die Schlächter der Muslime in Tschetschenien kümmern sich um die Muslime. Aber kümmern sich diese selbst ernannten Verteidiger wirklich um die Rechte der Palästinenser?
Denken wir an die vergangenen Monate. Mehr als 130 Palästinenser wurden durch palästinensische Streitkräfte getötet. Das ist das Dreifache der Zahl der Toten, die den Vorwand für die beiden Sondersitzungen im vergangenen Juli und November bildete. Doch die Meister der Rechte der Palästinenser – Ahmadinedjad, Assad, Ghaddafi, John Dugard –, sie sagen nichts. Der kleine dreijährige Junge Salam Balousha und seine zwei Brüder wurden in ihrem Auto von Truppen des Premierministers Haniya ermordet. Warum hat dieser Rat beschlossen zu schweigen? Weil Israel nicht dafür beschuldigt werden konnte. Weil in Wahrheit die Despoten, die diesen Rat führen, sich um nichts weniger scheren als um die Palästinenser und generell um die Menschenrechte.
Sie versuchen, die israelische Demokratie zu dämonisieren, den jüdischen Staat zu delegitimieren, das jüdische Volk zum Sündenbock zu machen. Sie versuchen außerdem noch etwas anderes, nämlich die eigentliche Sprache und Idee der Menschenrechte zu entstellen und zu pervertieren. Sie fragen: Was ist aus dem Traum der Gründer geworden? Durch furchtbare Lügen und moralische Verdrehungen wurde er in einen Albtraum verwandelt.
Vielen Dank, Herr Präsident.


Luis Alfonso de Alba
Die Antwort des Präsidenten des Menschenrechtsrats
Zum ersten Mal in dieser Sitzung werde ich keinen Dank für eine Stellungnahme aussprechen. Ich sollte das gegenüber dem angesehenen Repräsentanten der Organisation, die gerade zu Wort kam, betonen, gegenüber dem angesehenen Repräsentanten von United Nations Watch, wenn Sie so freundlich wären, mir zuzuhören. Es tut mir Leid, dass ich mich außerstande sehe, Ihnen für Ihre Äußerungen zu danken. Ich sollte erwähnen, dass ich keine ähnlichen Stellungnahmen hier im Rat dulden werde. Die Art und Weise, in der hier auf Mitglieder des Rats Bezug genommen wurde und in der auf den Rat selbst Bezug genommen wurde, ist unzulässig. In Erinnerung an die Personen, auf die Sie sich bezogen haben, die Gründer der Menschenrechtskommission, und zum Wohle der Menschenrechte ermahne ich Sie, bei zukünftigen Stellungnahmen ein Minimum an gutem Benehmen und korrekter Sprache an den Tag zu legen. Andernfalls wird jedes Statement, das Sie in einem ähnlichen Tonfall wie heute von sich geben, aus dem Protokoll gestrichen werden.


(The original German translation can be found at http://lizaswelt.blogspot.com/2007/03/alter-wein-in-neuen-schluchen.html)

Lea und ich wünschen all unseren Freunden ein schönes und für wen es zutrifft, koscheres, Pessachfest. Wenn ihr könnt, ladet nichtjüdische Gäste ein, damit diese etwas über jüdischen Freiheitsdrang und jüdische Küche erfahren.