Aus der Fundgrube
Der Beweis der unflätigen Lügenpolitik der muslimischer Welt über Archäologie am, im und um den Tempelberg in Jerusalem ist leicht erbracht, sobald man sich über die Tätigkeit des Wakf (der für den muslimischen Teil des Tempelbergs zuständigen muslimischen Behörde) in den vergangenen Jahre informierte. Carlos (ich besitze seine E-Mail Adresse, also ist er nicht anonym, zudem ist er Mitglied der politisch progressiven Internetgemeinschaft des Gurus Ami Isseroff) hat in seiner Website (leider in Englisch) eine Zusammenfassung erstellt, die ich hier per Link zur Verfügung stelle. Ich will das Thema aber damit schliessen, in dem ich auf den Doppelstandard der Beurteilung des religiösen Respekts und der Rücksicht auf Gefühle hinweise, die im Hinblick auf Archäologie und Tempelberg (und anderer religiös wichtiger jüdischer und christlicher Orte im Heiligen Land) bestehen. Israel wird verurteilt für das, was es nicht tut, während der palästinensische Islam seine antijüdische Vernichtungswelle biblischer Stätten im Stillen und offiziell unbemerkt ausüben kann. (Es lohnt sich, in obigem Link etwas zu wühlen, es sind darin einige Bijoux versteckt). Dieser Doppelstandard wird in fast allem angewendet, welches Interaktionen zwischen Israel und seinen Feinden betrifft. Es wird behauptet, das sei so, weil Israel als jüdischer Staat mit seiner freien Gesellschaft halt eben eine weit höheres moralisches Niveau repräsentiere und deshalb entsprechendes von ihm erwartet werden. Das ist Rassismus, könnte aber auch ein lieb gemeintes Kompliment sein – doch sei mir verziehen, wenn ich das nicht glauben kann. Denn mit dieser höheren, da jüdischen Ethik kommt mir die Sache mit der „Überreaktion“ und der „Unverhältnismässigkeit“ hoch, zwei Begriffe, mit denen Israel im vergangenen und verlorenen Libanonkrieg vom freundlichen Ausland überschütten worden war. Denn was unsere nachbarlichen „Barbaren“ tun dürfen, soll Israel mit obigem Argument verwehrt werden. Womit uns Juden und den nichtjüdischen Mitbürgern des Landes wieder einmal die Opferrolle zugemutet wird.
Ihr wisst, dass ich Hendryk M. Broder mag. Seine persönliche Website ist herrlich, sein Spott, seine ätzende Ironie und seine gutmütige Bösartigkeit verträgt nicht jeder. Broder bringt es fertig über Seiten an sich gerichtete Leserbriefe (andere sagen dem „Forum“) zu veröffentlichen, die durchwegs so bösartig und dumm sind, dass sie schlicht nicht ernst genommen werden können.
In Broders Website fand ich eine Veröffentlichung des American Jewish Committees (AJC) brandneu in deutscher Sprache: „Fortschrittliches jüdisches Denken und der Neue Antisemitismus“ von Alvin H. Rosenfeld in deutscher Übersetzung. Dieses Schriftstück von siebzehn Seiten führte zu aufgeregten Diskussionen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in den USA und in Europa (was wohl der Grund zur Übersetzung ins Deutsche war). Rosenfeld greift in dieser Schrift den Anti-Israelismus der extremen jüdischen Linken an, repräsentiert von wunderlichen Juden wie Michael Lerner, Noam Chomsky, einigen mit dem Namen Rose und zahlreichen anderen. Wie all jene, die sich über kritische Juden aufregen, schiesst Rosenfeld manchmal übers Ziel hinaus, doch ziehe ich jeder Zeit eine Diskussion, sogar eine gehässige wie die Vorliegende, dem Mundtot machen vor. Allerdings muss sich jeder Israel- und Judenhasser (die Grenzen sind fliessend), ob jüdisch oder nicht, klar sein, dass er sich Angriffen von zornigen Menschen aussetzt, denen ein humanistisches Ideal und eine erfolgreich realisierte Phase der heutigen jüdischen Geschichte als „Verbrechen“ vorgehalten wird. Vorgehalten wird, das will ich hier feststellen, wider besseres Wissen. Was schert den Zionhasser die freie demokratische Gesellschaft für alle, die wirtschaftliche Blüte, von der alle profitieren und besonders den israelischen Arabern eine Lebensqualität ermöglicht, von der sie, wären sie in den Nachbarsländern nur träumen könnten – das unter Berücksichtigung meiner eigenen Vorbehalte gegenüber noch immer bestehenden ungesetzlichen Benachteiligung dieses Volksteils.
Rosenfeld vergleicht die rabiaten Ansichten antiisraelischer Juden des politisch linken Spektrums (in Amerika heissen sie Liberale), englische und amerikanische Intellektuelle, mit den Antisemiten der neueren Geschichte, von Hitler bis zu Ahmedinejad. Mit Ausnahme von Richard Cohen der Washington Post, der fälschlicherweise von Rosenfeld dieser Gruppe hinzugefügt worden ist und bei dem er sich inzwischen öffentlich entschuldigt hat, vertreten alle von Rosenfeld gescholtenen die „Abschaffung“ Israels wenn auch in verschiedenen Grad. Grundsätzlich gilt der Kampf dieser Progressiven nicht Israels Politik, sondern seiner Legitimität und seiner Existenz (Rosenfeld, S. 8). Das heisst von der augenblicklichen Abschaffung des Landes (was mit uns Juden geschehen sollte, daran wird nicht gedacht), sei es ein bi-nationaler Staat, in dem innert wenigen Jahren eine arabische Mehrheit die Macht übernehmen würde bis zum bekanntesten jüdischen Antizionisten, Noam Chomsky, der aus pragmatischen Gründen einer Zweistaatenlösung zustimmt und sich damit als relativ zahm geoutet hat.
Da jeder mittels obigem Link diese siebzehn Seiten (netto vierzehn) selbst lesen kann, hier als Zückerchen nur ein paar Aussagen, nicht Zitate, mit ihrem jeweiligen UrheberIn:
· Jacqueline Rose:
o „Wir betrachten Zionismus als eine Form kollektiven Wahnsinns“
o Sie erfindet eine angebliche Verbindung zwischen dem Zionismus und den Nazis, in dem sie von einem Treffen von Herzl und Hitler in der Pariser Oper bei Wagner Aufführung berichtet, die bei Herzl das Schreiben des „Judenstaat“ und bei Hitler des „Mein Kampf“ ausgelöst hätte – nur schon rein zeitlich gesehen ein kompletter Unsinn, den als Hitler zum ersten Mal in Paris war, war Herzl schon vierzig Jahre lang tot.
· Michael Neumann:
o Er wirft Israel einen Rassekrieg gegen die Palästinenser vor.
o „Wenn man sagt, diese Auffassung (Antizionismus) sei Antisemitisch, so ist es vielleicht sinnvoll, antisemitisch zu sein.“
o „.. Das Vergiessen jüdischen Blutes als welterschütterndes Unheil anzusehen ist Rassismus, nämlich die Höherbewertung des Blutes der einen Rasse gegenüber allen anderen.“
o Neumann rät: „wir sollten Antisemitismus niemals ernst nehmen, ja vielleicht sollten wir unseren Spass damit haben.“
· Rabbi David Weiss::
o „Die Zionisten sind noch schlimmer als Hitler“
Ich gebe zu, dass es sehr einfach und unfair ist Israelkritiker sofort als Antisemiten darzustellen. Nur unsere eigenen radikalen Nationalisten sind unfähig Kritik an Israels Politik zu schlucken – so lange sie nicht ihren eigenen fundamentalistischen Kriterien entsprechen. Deshalb muss Kritik israelischer Politik zum täglichen Brot gehören, akzeptiert und offen diskutiert werden. In Israel gehört es schon seit seiner Gründung zum täglichen Brot, in unserer Extremdemokratie kein Wunder. Es liegt, meine ich, in der eigenen Beurteilung jedes Einzelnen, wie weit er mit seiner Kritik gehen will.
Wenn es hingegen um die „Legitimation“ der Existenz Israels geht, dann trifft, so denke ich, das Adjektiv „antisemitisch“ durchaus zu. Ein weiteres Kriterium scheint mir die Weigerung zu sein, Israels „Untaten“ so darzustellen, als geschähen diese in einem Vakuum, ohne feindliche, oft mordbesessenen Feinde, denen jedes Mittel recht ist, um an ihr Ziel zu gelangen. Ich glaub mich zu wiederholen, doch unsere „progressiven“ Freunde nehmen die Wirklichkeit ausschliesslich dann zur Kenntnis, wenn sie ihrer Ideologie in den Kram passt. „Positives über Israel“, so hörte ich einst jemanden sagen, „interessiert mich nicht.“
Mit einer recht neuen Behauptung aus diesem Milieu schliesse ich:
Israel verhindert nicht nur die Bildung eines demokratischen, säkularen palästinensischen Staates - den die Palästinenser natürlich längst hätten, wenn es Israel nicht gäbe -, es hält auch die arabischen Länder davon ab, bei sich daheim demokratische Verhältnisse einzuführen, weil sie vor lauter Stress mit Israel dazu keine mentalen Ressourcen frei haben. Und natürlich bedroht Israel den Weltfrieden, den Nordkorea, Pakistan, Iran und China täglich aufs Neue garantieren. Träumten früher die Antisemiten von einer Welt ohne Juden, träumen die Antizionisten heute von einer Welt ohne Zionismus. Und so, wie sich die Antisemiten in ihrer Wahnwelt an die Juden klammerten, klammern sich heute die Antizionisten an Israel. So bekommt jeder Sesselpupser einen Fuß in die Tür zur Ewigkeit. Er muss nur den Satz "Nieder mit dem Zionismus!" aussprechen können, ohne sich zu verhaspeln.
Das kann natürlich nur von Hendryk M. Broder stammen. Im Gegensatz zu den extremen Israelkritikern von ganz Links und ganz Rechts, entwickelt sich sein Sinn zu Höchstleistungen, wenn er über Spinner spinnt.
Noch so einer: die Zeitschrift Focus soll in seiner on-line Ausgabe gemeldet haben:
„Israel droht Iran mit Selbstverteidigung“.
Selten habe ich so gelacht.

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