Leben in Israel - Uris Tagebuch

Uri Russak schreibt Persönliches. Er schreibt über Politik, angewandten Zionismus und über seine Freunde - Juden, Araber, Drusen, Christen in Israel und ausserhalb. Er selbst sieht sich als Realist, kann Exremisten jeder Art nicht ausstehen. In Israel wird er oft Linksextremist genannt, im Ausland, besonders in der Schweiz, wo er geboren wurde, wird er als Rechter beschimpft. Das gefällt ihm.

Name:
Standort: Zichron Ya'akov, Israel

Das Leben in Israel ist nie langweilig. Von vielen gehasst und von vielen respektiert ist unser Land das erfolgreichste Projekt seit dem zweiten Weltkrieg, was natürlich nicht von allen gern gehört wird aber dennoch stimmt. Ich lebe und atme dieses Land, kritisiere viel und bin täglich wieder beeindruckt über die Energie und die Kreativität der Israelis und ihrer ans Anarchische grenzende Demokratie. Ich bin Aktivist für Koexistenz mit den arabischen Mitbürgern, gelte hier als politisch Linker, während ich in der Schweiz, wo mein Zielpublikum mehrheitlich lebt, bei einigen als Rechtsextremist verschrien bin, womit ich ganz gut leben kann.

Samstag, März 31, 2007

Ein Leckerbissen für den multikulturellen Friedensaktivisten

31.3.2007
Schon wieder eine empörende Menschenrechtsverletzung, welche sich nahtlos an die bisherigen Menschenrechtsverletzungen anfügt. Ganz kurz war zu lesen, dass eine Neunzehnjährige, die mit einem Messer bedroht und dann entführt worden ist, anschliessend von einer Gruppe Männer vergewaltigt und von ihrem Bruder verprügelt wurde, vom Gericht zu neunzig Peitschenhieben verurteilt worden ist. Der Grund zu ihrer Verurteilung war, dass sie sich mit nicht mit ihr verwandten Männern – den Entführern und Vergewaltigern – getroffen hätte. Die Vergewaltiger wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Da dieser Vorfall nicht im erleuchteten Staate Israel stattgefunden hatte, sondern im mittelalterlchen Saudiarabien, wurde er nur in der Dubaier Zeitung „Khaleej Times“ und in der „Saudi Gazette“ berichtet. Dadurch haben erleuchtete Gutmenschen einmal mehr die Chance verpasst, Menschrechtsverletzungen anzuprangern und zu verurteilen – denn wer liest schon täglich die „Khaleey Times“ ausser Uri? Immerhin, mit diesem Bericht und der Möglichkeit, diesen absolut nicht einmaligen, sondern auf Tradition beruhenden Skandal an die grosse Glocke zu hängen, ermögliche ich den Juden und Jüdinnen der „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina“ und anderen (vermeintlichen)Friedensgruppen ihre kraftvolle Stimme zu erheben und diese Barbarei zu verurteilen. Wer weiss, vielleicht bringen sie es fertig, Israel und den Zionismus dafür verantwortlich zu machen.

In der heutigen Wochenendausgabe von „Haaretz“ schreibt Bradley Burston einen allgemeinen Artikel mit dem Titel „Muslim victims, our silence“ über das oben aufgegriffene Thema muslimischer Gewalt gegen sich selbst und das Schweigen der Welt dazu. Als der zwölfjährige Mohammed Al-Dura am 30. September 2000 sein Leben in einem von Palästinensischen Bewaffneten orchestrierten Schusswechsel mit israelischen Soldaten verlor, wurde er zum „Musteropfer“ israelischer Mordlust empor stilisiert, obwohl inzwischen jedermann klar ist, dass er von palästinensischer Seite erschossen wurde, mit dem Ziel, die Welt in Empörung zu lügen. Wie das Jenin-Massaker und anderen, gehört diese Lüge zum Arsenal arabischer Propaganda gegen Israel. Das ist das Eine. Heute, wenn die Gewalt in den besetzten Gebieten mehrheitlich zwischen palästinensischen Faktionen stattfindet und Israel damit nicht das Geringste damit zu tun hat, werden Kindermorde, Massenerschiessungen, Racheakte zwischen Parteien, Stämmen, Grossfamilien und ähnliches gelegentlich berichtet, aber kaum kommentiert und schon gar nicht be- oder verurteilt. Es scheint eine Art westlich-europäischer Rassismus gegen das arabische Volks zu bestehen, der all dies als kulturelle Eigenheit hinnimmt und sich nicht aufrafft sich darüber zu äussern. Diese selektive Blindheit gegenüber muslimischer Gewalt, meist extremste Gewalt aus einem uns unverständlichen Hass heraus hat Tradition. So wird die Gewalt in der besetzten Westbank und Gaza als Resultat israelischer Besetzung angesehen. Ebenso wird die muslimische Gewalt der Sunniten gegen Schiiten, der Schiiten gegen die Sunniten, aller gegen die Christen und aller gegen alle als Frucht der amerikanischen „Besetzung“ des Irak verstanden, als ob zu Saddam Hussein’s Zeiten Irak ein Paradies der Liebe und Gewaltlosigkeit gewesen wäre. Genau so im Libanon: Die Syrien wurden vertrieben, die Gewalt und der Tod blieb im Land. Ich denke man kann die Gewalt zwischen politischen und religiösen Gruppen und die Gewalt innerhalb Familien, Stämmen und Dörfern nicht voneinander trennen, denn sie bestehen auf der selben Grundlage eines mittelalterlichen Religionsverständnisses und Ehrgefühls, die von heutigen modernen Zivilisationen, ob europäisch, australisch, amerikanisch und sogar von Japan und Korea abgelehnt wird. Es sei denn Multikulti Freaks wollen das selektiv als kulturelle und damit tolerierbare Eigenheiten sehen.

An einem Hassfest des UN-Rats für Menschenrechte gab es einen kleinen Eklat, als vor einer Woche, am 23. März 2007 ein Jude namens Hillel Neuer, Direktor der UN-Watch, eine kurze Rede hielt. Dank YouTube kann sie unter die Leute gebracht werden, denn die Rede wurde aus dem Protokoll gestrichen. Ein rhetorisches Meisterstück ist es nicht, aber Neuer sagt wenigsten wie es wirklich ist und das hat in den heiligen Genfer Hallen, in denen dieser Rat für Menschenrechte seine Vorstellungen veranstaltet, seltenheitswert. Dies ist der Link dazu: http://www.unwatch.org/site/apps/nl/content2.asp?c=bdKKISNqEmG&b=1313923&ct=3698367&msource=UNWnews&tr=y&auid=2501956

Hier ist auch die deutschsprachige Übersetzung von Neuers Frechheit zu lesen, sowie die Reaktion des Vorsitzendes des Rats für Menschenrechte. Ein Kommentar erübrigt sich.

Hillel Neuer, Direktor UN Watch:

Herr Präsident,
vor sechs Jahrzehnten, während der Nachwirkungen des Nazi-Horrors, versammelten sich Eleanor Roosevelt, Réné Cassin und andere bedeutende Personen hier, am Ufer des Genfer Sees, um die Grundsätze menschlicher Würde noch einmal zu beteuern. Sie gründeten die Menschenrechtskommission. Heute fragen wir: Was wurde aus ihrem noblen Traum? In dieser Sitzung erfahren wir die Antwort. Angesichts eindringlicher Berichte aus aller Welt über Folter, Verfolgung und Gewalt gegen Frauen: Was hat der Rat verkündet, und was hat er entschieden?
Nichts. Seine Antwort war Schweigen. Seine Antwort war Gleichgültigkeit. Seine Antwort war kriminell. Man könnte in Harry Trumans Worten sagen, dass dies ein untätiger und nichtswürdiger Rat geworden ist. Aber das wäre ungenau. Denn der Rat hat etwas getan. Er hat eine Resolution nach der anderen verabschiedet, in denen ein einzelner Staat verurteilt wurde: Israel. In acht Stellungnahmen – und drei weitere werden in dieser Sitzung folgen – wurde der Hamas und der Hizbollah Straffreiheit zugesichert. Der gesamt Rest der Welt – mit Abermillionen Opfern in 191 Ländern – wird weiterhin ignoriert.
Also: Ja, der Rat tut etwas. Und die Diktatoren des Nahen Ostens, die diese Kampagne orchestrieren, werden Ihnen sagen, dass das gut so ist. Und dass sie versuchen, die Menschenrechte zu schützen, die Rechte der Palästinenser. Die rassistischen Mörder und Vergewaltiger der Frauen von Darfur berichten uns, dass sie sich um die Rechte der palästinensischen Frauen kümmern, die Besetzer Tibets kümmern sich um die Besetzten, und die Schlächter der Muslime in Tschetschenien kümmern sich um die Muslime. Aber kümmern sich diese selbst ernannten Verteidiger wirklich um die Rechte der Palästinenser?
Denken wir an die vergangenen Monate. Mehr als 130 Palästinenser wurden durch palästinensische Streitkräfte getötet. Das ist das Dreifache der Zahl der Toten, die den Vorwand für die beiden Sondersitzungen im vergangenen Juli und November bildete. Doch die Meister der Rechte der Palästinenser – Ahmadinedjad, Assad, Ghaddafi, John Dugard –, sie sagen nichts. Der kleine dreijährige Junge Salam Balousha und seine zwei Brüder wurden in ihrem Auto von Truppen des Premierministers Haniya ermordet. Warum hat dieser Rat beschlossen zu schweigen? Weil Israel nicht dafür beschuldigt werden konnte. Weil in Wahrheit die Despoten, die diesen Rat führen, sich um nichts weniger scheren als um die Palästinenser und generell um die Menschenrechte.
Sie versuchen, die israelische Demokratie zu dämonisieren, den jüdischen Staat zu delegitimieren, das jüdische Volk zum Sündenbock zu machen. Sie versuchen außerdem noch etwas anderes, nämlich die eigentliche Sprache und Idee der Menschenrechte zu entstellen und zu pervertieren. Sie fragen: Was ist aus dem Traum der Gründer geworden? Durch furchtbare Lügen und moralische Verdrehungen wurde er in einen Albtraum verwandelt.
Vielen Dank, Herr Präsident.


Luis Alfonso de Alba
Die Antwort des Präsidenten des Menschenrechtsrats
Zum ersten Mal in dieser Sitzung werde ich keinen Dank für eine Stellungnahme aussprechen. Ich sollte das gegenüber dem angesehenen Repräsentanten der Organisation, die gerade zu Wort kam, betonen, gegenüber dem angesehenen Repräsentanten von United Nations Watch, wenn Sie so freundlich wären, mir zuzuhören. Es tut mir Leid, dass ich mich außerstande sehe, Ihnen für Ihre Äußerungen zu danken. Ich sollte erwähnen, dass ich keine ähnlichen Stellungnahmen hier im Rat dulden werde. Die Art und Weise, in der hier auf Mitglieder des Rats Bezug genommen wurde und in der auf den Rat selbst Bezug genommen wurde, ist unzulässig. In Erinnerung an die Personen, auf die Sie sich bezogen haben, die Gründer der Menschenrechtskommission, und zum Wohle der Menschenrechte ermahne ich Sie, bei zukünftigen Stellungnahmen ein Minimum an gutem Benehmen und korrekter Sprache an den Tag zu legen. Andernfalls wird jedes Statement, das Sie in einem ähnlichen Tonfall wie heute von sich geben, aus dem Protokoll gestrichen werden.


(The original German translation can be found at http://lizaswelt.blogspot.com/2007/03/alter-wein-in-neuen-schluchen.html)

Lea und ich wünschen all unseren Freunden ein schönes und für wen es zutrifft, koscheres, Pessachfest. Wenn ihr könnt, ladet nichtjüdische Gäste ein, damit diese etwas über jüdischen Freiheitsdrang und jüdische Küche erfahren.

Christen der arabischen Welt

16.3.2007
Es ist eine bekannte Tatsache, dass grosse Teile der christlichen Bevölkerung des Libanons, der palästinensischen Westbank, Irak, Iran und auch Ägyptens nach Europa, die USA, Kanada und Australien flüchten. Die christliche Population in diesen Ländern wird kleiner und kleiner. Der Grund dazu ist die ebenso bekannte Tatsache, dass sie in diesen (aber auch anderen) muslimischen Ländern bedroht, verfolgt und umgebracht werden. Zum Teil durch politische und sektiererische Machthaber wie in Palästina, zum Teil durch Islamisten wie im Libanon und Ägypten. In den Medien wird seit Jahren unterschlagen, dass im Gegensatz zu uns Juden, die sich nach nationalen Katastrophen aufrappeln und ihr Schicksal gemeinschaftlich in eigene Hände nehmen, das Schicksal der Christen in muslimischen Ländern die christliche Welt nicht sonderlich zu berühren scheint. Christen und Juden in Israel und im Westen sammeln für die „armen“ Palästinenser, die das viele Geld der UNO, aus Europa und Amerika statt für Nahrungsmittel für Waffen und Terror ausgeben – aber über Aktionen oder gar Demonstrationen für die verfolgten christlichen Minderheiten hört, sieht oder liest man nichts. Ich habe mich ein wenig umgesehen und Informationen zusammengetragen, die ich hier als Zusammenfassung präsentiere. Diese ist weder umfassend und schon gar nicht komplett, da ich aber über das Thema weder promoviere noch ein Buch schreibe, muss diese kurze Abhandlung fürs erste genügen. Ich stelle die Frage, warum das weltweite Christentum, in all seinen Richtungen, sich nicht für ihre verfolgten Glaubensbrüder in der arabischen Welt einsetzt.
Ob Christen in arabischen Ländern überhaupt Araber sind ist umstritten. Angehörige altorientalischer Kirchen, wie die Kopten Ägyptens, die Maroniten im Libanon, die Syrisch-Orthodoxe Kirche, die Assyrische Kirche (auch Nestorianer genannt), die mit ihnen verwandte Chaldäisch-Katholische Kirche und andere sind es wahrscheinlich nicht, denn sie waren in ihren Ländern seit Jahrhunderten ansässig, meist lange bevor die Araber aus ihrer arabischen Halbinsel ausbrachen und mit dem Schwert den Islam verbreiteten. Durch die starke Ausweitung arabischer Kultur und politischer Systeme sowie arabistischer Ideologien, sind die Christen in den davon betroffenen Ländern zum Teil arabisiert worden. Viele fühlen sich heute zwangsarabisiert, ihre Identität, ähnlich wie die der Kurden und Assyrer in der Türkei, wird unterminiert (Dr. Walid Phares, 2004).

Ich habe versucht statistische Daten über die Anteile der Christen in den Ländern Ägypten, Libanon, Syrien, Irak, Jordanien und Palästina finden. Es gibt sie, doch sind die Unterschiede der verschiedenen Statistiken, obwohl stets für dasselbe Jahr, so gross, dass ich darauf verzichtete, Zahlen und Vergleich zu bringen - mit wenigen Ausnahmen, die mir verlässlich erscheinen. So sollen in obgenannten Ländern in 1995 rund 6,43 Millionen Christen gelebt haben, ein Bevölkerungsanteil von 6,3%. Geordnete Statistiken fand ich, wie gesagt, nicht, doch einzelne Angaben sind zwar aussagekräftig, aber trotzdem mit Vorsicht zu geniessen. Hier ein paar konkrete Beispiele aus den Publikationen von Magdy Khalil und anderen Quellen:

Nehmen wir als erstes das uns Israelis nahe stehende Bethlehem in der besetzten Westbank. 1990 waren 60% der Stadtbewohner Christen, 2001 waren es noch 20%. Inzwischen sinkt diese Zahl noch weiter. In der Westbank und Gaza gesamthaft lebten vor wenigen Jahrzehnten noch 17% Christen, heute sind es weniger als 2%. Gemäss Magdi Khalil (2005) wurde, nachdem eine palästinensisch-muslimische Führung unter der Leitung von Jasser Arafat das Ruder in der Westbank übernommen hatte, die christliche Bevölkerung mit einer Steuer zur Finanzierung der Selbstmordattentate belegt. Unverschleierte christliche Frauen wurden in Gaza angegriffen, sodass sie aus Angst einen Schleier anlegten.

Im Irak sind 40% aller Flüchtlinge Christen (Okt. 2006), obwohl ihr Bevölkerungsanteil weniger als 3% beträgt. (Interessant ist auch die Tatsache, dass im nichtarabischen, aber nicht minder islamischen Iran, der christliche Bevölkerungsanteil von 0,1% auf 0,01% gesunken ist). Früher vom säkularen Saddam Hussein vor Islamisten geschützt, wenn nicht sogar protegiert, sind sie im gegenwärtigen innerislamischen Terror- und Bürgerkrieg zwischen die Fronten geraten. Der islamische Fanatismus kroch unter dem Stein hervor, griff erst die Christen gehörenden Läden alkoholischer Getränke an und zerstörte einige Hundert davon. Danach wurden die unverschleierten christlichen Frauen terrorisiert, Kirchen angegriffen und als nächstes wurden Christen aus „religiösen“ Gründen umgebracht. Heute sind 40% aller irakischen Flüchtlinge Christen, obwohl ihr Bevölkerungsanteil nur etwa 2-3% beträgt.

Der Libanon war bis 1975 ein Staat, dessen Bevölkerung aus 50-60% Christen bestand, die den relativ modernen westlichen Stil des Landes bestimmt hatten. Heute ist dieser Prozentsatz auf 25-30% gesunken, das libanesische Emigrationsministerium schätzt die Zahl seither ausgewanderter Libanesen auf 5 Millionen, davon 3,5 Millionen Christen. Der libanesische Patriarch Nasr Allah Safir drückte die Situation so aus: „Die [libanesischen] Christen fühlen sich [politisch] ausgelassen, klar unerwünscht“. Die Tage des Libanons als Zufluchtshafen verfolgter Minderheiten sind offensichtlich vorbei. Wie Brigitte Gabriel in ihrem Buch „Because they hate“ (Weil sie hassen) beschreibt, wurden in den siebziger Jahren ganze christliche Dörfer erst von Palästinensern, später von Islamisten, angegriffen und ihre Einwohner zu Tausenden getötet. Das war weit vor dem israelischen Einmarsch in den Libanon von 1982 und wurde, vielleicht deshalb, von der Welt ignoriert.

Die Kopten in Ägypten leben gefährlich. Sie gelten als isolierte Minderheit im Land, als verfolgte Kirche. Mushee Maouz, ein ägyptischer Journalist, beschreibt es so: „Die koptische Teilnahme am politischen Leben ist minimal. Die friedliche Integration der Kopten in die [ägyptische] Gesellschaft begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts, wurde aber immer wieder durch militante Islamisten (es gab sie schon damals. Uri) unterbrochen, was die Kopten beunruhigte und zu Spannungen zwischen Muslimen und Christen führte“. Kopten werden von Islamisten einzeln in den Grosstädten und gleich gruppenweise in den Dörfern in Pogromen ermordet, ihre Kirchen angezündet. Nur wenig ist darüber in den Medien zu lesen. Im Gegensatz zu anderen christlichen Gemeinschaften im Mittleren Osten, sprechen die Kopten heute recht offen über ihre Lage und ihre Alternative – die Auswanderung.

In Syrien und Jordanien, zwei Ländern, in denen es Christen noch relativ gut geht, werden sie von Islamisten und der danieder liegenden Wirtschaft bedrängt. Seit dem 11. September 2002 leiden sie unter dem Hass gegen alles Westliche. Um den britischen Reporter Martin Buckley zu zitieren: „Die Christen in Jordanien ....... werden fälschlicherweise verdächtigt eine Fünfte Kolonne zu sein, weder dem Westen noch dem Osten zuzugehörend. Ihre Loyalität und ihr Patriotismus wird bezweifelt.“ Ein unglücklicher und unberechtigter Vorwurf, der einigen von uns bekannt vorkommen wird.

Das sind nur ein paar Beispiele aus der Nachbarschaft. Christen werden auch in Indonesien und in katholischen Philippinen auf brutalste Art und Weise gejagt. Oh ja, in Saudi Arabien gibt es auch Christen – aber alles Ausländer, denn jemand muss dort ja auch arbeiten. Die Ausübung des christlichen und jedes anderen nicht islamischen Glaubens wird sehr streng bestraft, weit strenger noch als der Konsum eines Gläschen Weins.

Die Abwanderung ganzer christlicher Volksteile aus der arabischen Welt in den Westen begann in 1960, als durch Verstaatlichungen der Wirtschaft dieser Staaten, alle mit autoritären, wenn nicht sogar totalitären Regierungen, die Aussicht auf eine wirtschaftlich und sozial positive Entwicklung noch weiter abnahm. Zudem bestand (und besteht) ein grundsätzliches Problem der im Vergleich zu ihren nichtchristlichen Mitbürgern weit besser gebildeten Christen, indem in diesem Teil der Welt die Idee der Partizipationsdemokratie und der Menschenrechte nie respektiert worden ist. Der Einfluss von Demokratie und die Einführung einer offenen freien Gesellschaft blieb daher reines Wunschdenken.

Seit dem Erstarken des fundamentalistischen Islams der letzten zehn bis fünfzehn Jahre hat sich den sozialen und wirtschaftlichen Problemen der arabischen Gesellschaft, das Problem des religiösen Fanatismus dazugesellt. In der Zeit des arabischen Nationalismus, der sich im Nasserismus und im Entstehen der faschistischen und säkularen Ba’ath-Partei in Ländern wie Syrien und Irak manifestierte. In der quasi-westlichen Ba’ath waren christliche Araber oft führend dabei. Die Ba’ath-Partei wurde vom griechisch-orthodoxen Christen Michel Aflaq in 1947 gegründet und kam in diesen zwei Ländern in 1963 als pan-arabische Partei an die Macht. Sie trennten sich aus Gründen der Rivalität in 1966. In Syrien regiert sie noch heute, in Irak fand sie mit dem Hinscheiden Saddam Husseins ein Ende, auch wenn sie in Teilen der irakischen Terrorszene ideologisch noch überlebt. Bis heute jedoch gibt es arabische Christen, die gegen westliche Werte und gegen den Zionismus kämpfen – ein Phänomen, das für uns schwer zu verstehen ist. Inzwischen wurde der säkulare Ba’athismus vom noch weit rabiateren Islamismus abgelöst – das irakische Volk ist vom Regen in die Traufe gefallen.

Mehr den je leben arabische Christen (wie auch Juden, die jedoch fast gesamthaft aus der arabischen Welt verjagt worden sind und heute in Israel und dem Westen leben) inmitten einer rassistischen Kultur, die Nicht-Muslime als minderwertig betrachtet. Durch den Jihadismus, der im heutigen Islam den Ton angibt, auch wenn er zahlenmässig wohl in der Minderheit gegenüber einer schweigenden und verschüchterten Mehrheit steht, werden Christen eingeschüchtert. Das hat, so scheint es, dreierlei Folgen. Entweder sie fliehen ins Ausland, eine Wahl, die vor allem von begüterten Christen wahrgenommen werden kann. Oder, zweitens, sie ducken sich und warten, bis das islamistische Unwetter vorüber ist – eine in meinen Augen totgeborene Hoffnung. Oder, drittens, sie machen mit, werden „islamistischer“ als El-Kaida und versuchen sich damit einzureden, durch Selbstaufgabe überleben zu können. Damit sind sie gewissen Juden ähnlich, die vor allem im Ausland, aber auch einige wenige in Israel, im Chor der „Delegitimisten“ Israels mitsingen, seine imaginären Verbrechen (denken wir an das „Massaker“ von Jenin und ähnliche Lügen) am Leben erhalten, sich in grotesken Vereinigungen organisieren und all das umarmen, das bei denkenden Menschen der freien westlichen Gesellschaft eigentlich Abscheu auslösen sollte. Die Pervertierung des Wortes „Gerechtigkeit“, wie in „gerechtem Frieden“, ist das Markenzeichen.

Ich entschuldige mich, wieder einmal abgeschweift zu sein.

Abschliessend noch eine Erklärung. Bestimmt werde ich gefragt werden, warum ich über Christen der arabischen Welt berichte, ja mich quasi für sie stark mache. Die gemeinsame Vergangenheit zwischen Juden und Christen war vorwiegend hässlich, die Gegenwart und Zukunft sieht heller aus. Obwohl ich eigentlich für keine Religion, nicht einmal für die eigene, allzu grossen Respekt hege, besitze ich einen entwickelten Sinn für Solidarität. Deshalb frage ich mich, wenn ich mit der Situation der Christen der arabischen Welt konfrontiert bin: Warum setzt sich das weltweite Christentum aller Schattierungen nicht für seine Brüder ein??? Hat es Angst vor dem Bleihammer der Erdölindustrie, vor jihadistischem Terrorismus, hat es Angst vor Emigranten mit dunklerer Haut und anderer Sprache? Oder gar vor diplomatischen Krisen mit den Machthabern im Mittleren Osten und noch mehr antichristlichen Pogromen in jener Welt, in der der Islam den Ton angibt? Ich weiss es nicht, ich kann nur raten.

Donnerstag, März 15, 2007

Jimmy Carter und ich

14.3.2007
Von verschiedenen Seiten wurde ich um meine Meinung zu Jimmy Carters Buch „Palästina, Frieden nicht Apartheid“ gefragt und ich weigerte mich darüber eine Meinung zu haben, bevor ich das Buch gelesen hätte. Doch jetzt, endlich, nach Tagen sorgfältiger Lektüre gestatte ich mir über das Buch und seinen Autor eine Meinung zu haben.

Jimmy Carters Verhältnis zu Israel – sein Buch „Palästina, Frieden nicht Apartheid“

Ich denke, dass Schreiben, ob Bücher, Zeitungsartikel, religiöse Traktate oder Leserbriefe für viele Leute auch eine psychohygienische Funktion besitzt. Ich schliesse mich dabei nicht aus. Bei Ex-Präsident Jimmy Carter trifft das wohl auch zu, doch die vielen Vorwürfe von israelischer und jüdischer und die Lobhudeleien von arabischer Seite und ihrer Jünger messen „Palästina, Frieden nicht Apartheid“ sachlich zu viel Wichtigkeit zu. Vor allem bin ich mit der hysterischen Anklage des Antisemitismus Carters nicht einverstanden. Das ist billig und beweist, dass die meisten dieser Kritiker das Buch nicht gelesen haben.
Zu kritisieren ist bei Carters Buch vor allem der Titel „Palästina, Frieden nicht Apartheid“ (ich las allerdings die englische Originalversion, meine Rezension beruht darauf und ich weiss nicht einmal, ob es eine deutsche Ausgabe gibt) und die letzten Seiten des Buches, auf denen die „Apartheid“ breitgeschlagen wird. Zwar hat Carter inzwischen erklärt, dass es in Israel keinerlei Apartheid gäbe und er damit ausschliesslich die Zustände in den besetzten Gebieten meine. Der Schaden für Israel und zum Teil für die Juden im Rest der Welt ist nicht mehr zu reparieren. Trotz den bei Ausbruch der zweiten Intifada notwendig gewordenen Sicherheitsmassnahmen, die zu starken Einschränkungen der Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bevölkerung in den besetzten Gebieten geführt haben, sind diese nicht Ausdruck rassischer Überlegenheit oder ähnlichem, sondern wurden ausschliesslich durch die Israel weit über tausend ermordete Bürger kostende Gewalttätigkeit palästinensischer Terroristen (ich stehe zu diesem Wort) notwendig. Es geht um die Güterabwägung zwischen dem Gut israelischen Lebens (damit sind sämtliche israelischen Bürger gemeint) und dem Gut unbeschränkter Bewegungsfreiheit der Palästinenser. Carter unterstützt die palästinensische Seite, denn er ist stets auf Seite der „Armen“ und „Unterdrückten“. Damit beweist er, dass er über die Geschichte des arabisch-israelischen Konfliktes grundsätzlich wenig Ahnung hat. So fängt bei ihm der Beginn dieser Auseinandersetzung erst nach Israels Unabhängigkeiterklärung 1947/8 an. Frühere Judenverfolgungen im alten Palästina, wie der Massenmord an Juden in 1929 im Gush Etzion, das Pogrom in Safed in 1834, bei dem 2000 jüdische Bürger aus dieser Stadt fliehen mussten oder gar die Machenschaften des Muftis von Jerusalem, der sich mit Hitler verbündete und in Bosnien zwei muslimische SS-Einheiten – eine davon kommandiert von Arafats Onkel - auf die Beine stellte.
Andere Beweise seiner Unwissenheit – Lügen will ich Carter nicht unterstellen – ist seine vielfache Erwähnung der „Mauer“ (rund fünf Prozente des Sicherheitszaunes), das mehrfache Erwähnen der Sheba-Farm an der israelisch-syrisch-libanesischen Grenze, ohne von der offiziellen Bestätigung der UNO zu wissen, dass diese Farm zu Syrien und nicht dem Libanon gehört. Die Sheba-Farm wurde von der Hisbullah zur Ausrede erkoren, Israel auch weiterhin zu beschiessen, was inzwischen zu zahlreichen Opfern geführt hat. Ebenso wenig erwähnt Carter die etwa 800'000 jüdischen Flüchtlinge aus arabischen Ländern, die Ende der vierziger Jahre aus diesen Ländern gejagt worden sind und ihren Besitz zurücklassen mussten. Diese Zahl jüdischer Flüchtlinge entspricht etwa der Zahl arabischer Flüchtlinge, die durch den arabischen Angriff auf das soeben gegründete Israel in 1948 ihr Heim verliessen, zum Teil freiwillig, zum Teil nicht. (Im Gegensatz zu palästinensischen Flüchtlingen wurden sie nicht zum „Flüchtlingsproblem“ – sie sind integriert, die meisten in Israel, aber auch in den USA, Kanada und Frankreich).
Als ehemaliger Präsident des mächtigsten Landes der Erde sollte Carter wissen, das es zwar friedenswillige arabische Staatsführer gibt, deren Volk (Marokko sei vielleicht ausgenommen) hingegen noch immer in einer antijüdischen und antiisraelischen Massenhysterie verharrt, verursacht nicht zuletzt durch die offizielle Erziehung zum Judenhass. Dieses Phänomen ist beim Friedenspartner Ägypten beispielhaft zu beobachten: israelische Politiker gehen bei Mubarak ein und aus, während das Volk, die Berufsverbände, der Klerus und andere den Krieg gegen Israel fordern und dafür mit viel Hass demonstrieren. Aus demselben Grund feiern arabische Mobs jeden erfolgreichen jihadistischen Anschlag auf Israel und andere westliche Länder, tanzen auf Strassen und Dächern und verteilen Bonbons. Carter verurteilt eindeutig den Terror, ohne Einschränkungen. Seine Aussage, dass arabische Terroranschläge bei wachsenden Friedenshoffnungen abflauen ist jedoch falsch – das Gegenteil ist der Fall, wie die Geschichte der letzten Jahrzehnte beweist. Zudem ist zu beobachten, dass fast jedes Mal wenn Verhandlungen zwischen Israel und Palästinensern stattfinden, illustrativ einer oder mehrere Selbstmordanschläge stattfinden.
Einer der zahlreichen Mängel in Carters Wissensschatz ist seine Begeisterung für Jassir Arafat und dessen soziale Ader. Entweder hat Carter die PLO-Charta nie gelesen oder er will sie nicht verstehen. Arafats soziale Ader bestand, wie inzwischen jedem bekannt sein sollte, aus seiner persönlichen Korruption und dem Charme, mit dem er seine Besucher becircte. Auf die Gegenwart übertragen ist es schwierig zu verstehen, dass mit der islamistischen Hamas Friedensverhandlungen gefordert werden, ohne deren Charta gelesen zu haben, die eindeutig die völlige Zerstörung Israels fordert.
Neben dem „Apartheid“ Titel und dem Apartheid-Vergleich der Zustände in den besetzten Gebieten – die in meinen Augen die einzigen wirklich böswilligen Aussagen sind, gibt es die zahlreichen falschen Behauptungen und noch mehr, die Auslassungen, die dem Buch den Anspruch ein seriöses Werk zu sein absprechen. Falsche Fakten (oder Irrtümer) sind, so denke ich wohlwollend, auf mangelndes oder auf Vorurteilen beruhendes Wissen Carters zurückzuführen. Das darf von einem Mann von seiner Statur nicht toleriert werden.
Ich möchte hier einige dieser Falschheiten und der Auslassungen auflisten und gleichzeitig die Seitennummer angeben, auf der sie in der englischen Ausgabe (Simon & Schuster, 2006) darauf Bezug haben:
· Carter schreibt ausführlich über die palästinensischen Flüchtlinge (S. 58), während er die jüdischen Flüchtlinge aus arabischen Ländern in einem Nebensatz fast völlig unterschlägt (S. 67), obwohl ihre Zahl mindestens ebenso hoch war, als diejenige der Palästinenser. Der Unterschied war, dass sämtliche jüdischen Flüchtlinge aus ihren ehemaligen Heimatländern, nach Beschlagnahme ihres Besitzes, ausgewiesen worden waren, was nur für einen Teil der Palästinenser zutrifft, da sie teilweise von arabischen Regierungen aufgefordert worden waren, ihre Dörfer zu verlassen, mit dem Versprechen nach dem Sieg über die Juden dorthin zurückkehren zu können.
· Carters Buch vermittelt den Eindruck, dass in 1967 Israel die Westbank nur eroberte, weil sie diese annektieren wollte. Dass Jordaniens König Hussein auf eine (telefonische) Lüge von Ägyptens Präsident Nasser hereingefallen war und den Krieg gegen Israel eröffnete scheint Carter nicht zu wissen. Als dokumentiertes Detail sei erwähnt, dass Israel den jordanischen König bekniet hatte, sich aus dem Sechstagekrieg herauszuhalten – wie wir wissen, ohne Erfolg.
· Den Massenmord an Palästinensern in Sabra und Shatila durch christliche Milizen lastet er ausschliesslich Ariel Sharon an (S. 95). Die mordenden Christen bleiben unerwähnt.
· Über den palästinensischen Hass, der durch die palästinensischen Schulen, Medien und Regierungsstellen dem Volk eingebläut wird, verliert Carter im ganzen Buch kein Wort.
· Einen von Israel verursachten Schiessunfall in einem UNO-Posten, in dem in 1996 Libanesen Zuflucht gefunden hatten und über hundert Tote verursacht hatte, nennt Carter einen „Angriff“ (S. 98). Israel hatte sich umgehend entschuldigt und Wiedergutmachung angeboten.
· Die Verfolgung der christlichen Bevölkerung im Libanon und in der Westbank durch Islamisten und muslimische Behörden wird nirgends erwähnt. Stattdessen wird sie Israel angelastet (S. 127). Ein Exodus der Christen Israels findet nicht statt, ganz im Gegensatz zur Westbank, Libanon, Irak und anderen arabischen Ländern.
· In seinen Zeilen über Israels Verhältnis zu Jordanien heute (S. 123) verliert Carter kein Wort darüber, dass es seit dem 25. Juli 1994 einen Friedensvertrag zwischen den zwei Ländern gibt, der im Vergleich zum erkalteten Friedensabkommen mit Ägypten zu einem guten Verhältnis auch in wirtschaftlicher Beziehung geführt hat.
· In Carters Buch ist keine Erwähnung der relativ neuen religiösen Komponente im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern zu finden – obwohl diese Komponente in den letzten Jahren sämtliche Konflikte in Mittleren Osten überschattet.
· In seinen Beschreibungen von Gaza (S. 175) werden die Raketen, die von den Palästinensern auf Israel geschossen werden, mit keinem Wort erwähnt.
· Endlich auf Seite 187 ist eine negative Einschätzung palästinensischer Gewalt, die in ein „dead end“ führen werde, zu lesen.
Ich bin es leid obige Aufzählung der Unterlassungen und missverstandenen Fakten weiterzuführen und denke, dass Carters Buch das oberflächliche Werk eines Mannes ist, der den Kredit für den bisher einzigen erfolgreichen Handel von Frieden für Land zwischen Israel und Ägypten beansprucht. Etwas recherchieren ergab, dass die hauptsächlichen Abmachungen geheim zwischen Moshe Dayan und Sadats Delegierten Dr. Hassan Tuhami, im marokkanischen Rabat festgelegt worden waren, zwei Monate vor Sadats Besuch in Jerusalem und ohne Carters Wissen – worüber er äusserst beleidigt gewesen sein soll. Eine leider nicht verifizierbare Aussage lautet, dass Sadat im Entwurf seiner Memoiren geschrieben habe: „Ich muss mit den Israelis sprechen bevor dieser idiotische amerikanische Präsident alles ruiniert“. Diese Aussage erhielt ich von einem mit der Materie bestens bekannten Freund, der zu jener Zeit als Presseoffizier bei der Pressestelle der israelischen Armee gearbeitet hatte. Verifizierbar macht sich Sadat in seinen Memoiren über Carters Naivität gegenüber dem damaligen syrischen Machthaber lustig. Er schrieb: „Carter wusste nicht wie mit den Syrern umzugehen. Er glaubte, sie seien vertrauenswürdig und war bestürzt herausfinden, dass das Wort eines Syrers eigentlich Tausend und ein Wort ist und das was von ihnen an einem Tag akzeptiert worden sei, am nächsten Tag von ihnen zurückgewiesen werde“.
Zusammenfassend denke ich, dass man Jimmy Carter nicht den Vorwurf machen soll Antisemit zu sein. Ein inzwischen schon traditioneller Trick vieler Israelkritiker ist es Israel mit erlogenen Behauptungen zu provozieren und dann zu behaupten: „Aha! Niemand kann Israel kritisieren, ohne umgehend als Antisemit angeklagt zu werden“. Auch Carter tut dies auf seine Art, indem er falsche Palästinenserpropaganda wiederholt und anschliessend seine Liebe zum jüdischen Volk bekundet. Aber wir sollten darauf nicht hereinfallen und uns nicht provozieren lassen.
Auf der anderen Seite ist er, nicht nur seit heute, ein politisches und geistiges Leichtgewicht, das wegen seiner vierjährigen und wenig erfolgreichen Amtszeit als Präsident der USA von den Medien viel zu ernst genommen wird. Regierungen geben ihm Ehre, aber mehr nicht. Carter fehlt das Wissen politischer und geschichtlicher Zusammenhänge, er sieht das meiste durch die Brille eines wiedergeborenen Christen. Wie oben gezeigt, wurde er nicht einmal von Sadat ernst genommen. Seine Wahrnehmung ist selektiv. Was mich sehr stört ist Carters, dem praktizierenden Christen, nicht existente Solidarität mit den verfolgten Christen der arabisch-muslimischen Welt, bei der er nicht nur mangelndes Wissen beweist. Hätte er heute wirklichen Einfluss, könnte er hier viel unternehmen. Doch sein Einsatz für das nahöstliche Christentum, hunderte von Jahren älter als der Islam, ist nicht auszumachen.
Die von Carters Buch verursachte Aufregung ist ein Propagandafeldzug für den Autor. Es stört mich, dass sich vor allem jüdische Kreise so stark aufregen, auf die Barrikaden steigen, von Antisemitismus reden und wertlose Wellen schlagen, statt einfach festzustellen, dass das Buch schlecht recherchiert und fachlich, wie sein Autor, ein nicht ernst zu nehmendes Leichtgewicht ist. Sogar wenn da und dort ein Ansatz, vielleicht als Alibi, von Sympathie für Israel zu finden ist. Denn wer für Israel Antipathien hegt, wird sich von Carters Buch bestätigt fühlen, andere, die sich in der Materie auskennen, werden den Bluff durchschauen.

Familienehre

8.3.2007
In der israelischen Stadt Ramle gibt es eine arabisch-muslimische Familie, deren Frauen zurzeit auf die Barrikaden gegen ihre Männer steigen. Nicht nur gegen die Ehemänner, sondern alle männlichen Familienmitglieder, deren Ehrgefühl bisher dazu geführt hat, dass in den vergangenen sechs Jahren acht ihrer Frauen wegen einer vermeintlichen Verletzung der Familienehre umgebracht worden sind. Im islamischen Familienleben befindet sich die Ehre der Männer zwischen den Beinen der Frauen, egal ob es die Ehefrau, die pubertierende Schwester oder eine Cousine ist. Dieselbe Situation gilt ebenso in europäischen Ländern bei türkischen und anderen Muslims, so lange sie nicht in der „Leitkultur“ ihres Gastlandes integriert sind, dem sich die Mehrheit, so lese ich, verweigern. An der Universität Erlangen in Deutschland ist ein interessantes Papier veröffentlich worden, das sich mit der Problematik der Morde zur Erhaltung der Familienehre befasst. In Israel werden im Durchschnitt jedes Jahr zwölf Frauen aus Gründen der Familienehre umgebracht, vom Vater, von Brüdern und Vettern, die verstimmt sind, weil sich die Frau nicht dem männlichen Ehrgefühl unterwirft. Sogar Mütter haben, so las ich, aus Gründen der Familienehre ihre Töchter umgebracht - eine Tatsache, die bezeugt, wie muslimische Frauen von verwerflichen Pseudo-Ehrgefühlen ihrer patriarchalischen Welt vergiftet werden. Aus diesem Grund gehört auch dazu, dass vergewaltigte Frauen nicht als Opfer gesehen werden, sondern als Täterinnen, die bestraft werden müssen, was einem Todesurteil gleichkommt. In Pakistan ist ein Fall bekannt, in dem ein Vater seiner Tochter, die sich weigerte den für sie bestimmten Mann zu heiraten, den Hals durchschnitt. Vorsichtshalber, denn sie könnten seiner Ehre in einigen Jahren das gleiche antun, tötete er weise voraussehend auch noch seine drei jüngeren Töchter.
Wie reagieren Apologeten der islamischen Kultur, jene aus der linken Szene, die in ihrer eigenen Welt, unbeeinflusst von den Realitäten des wirklichen Lebens, ihre ideologisch überlebten Vorstellungen politischer Korrektheit pflegen? Ich habe im Internet und in Schriften recherchiert und eigentlich wenige Argumente gefunden, die sich zudem fast überall wiederholen:
· Nur Neokolonialisten verurteilen Morde zur Erhaltung der Familienehre.
· Ausführlich werden kulturelle Geschichte und Hintergründe dargelegt, ganz ohne Bezug auf die heute Zeit, als befinde die arabische Gesellschaft noch immer in der Steinzeit. Zu dieser Einstellung gehört auch die wohl berechtigte Behauptung, Morde zur Erhaltung der Familienehre seien ein vorislamisches Phänomen. Sind Traditionen nur deshalb weiterzuführen, weil sie Jahrhunderte oder Jahrtausende alt sind?
· Apologeten nennen Morde zur Erhaltung der Familienehre eine Tat aus Leidenschaft. Das stimmt nicht, Taten aus Leidenschaft sind abrupt und unüberlegt, während es sich hier um wohlüberlegte und meist im Rat der Männer der Familie beschlossene Morde handelt, zu deren Ausführung jemand aus der Familie delegiert wird (siehe oben).
· Muslimische Reaktionäre definieren die Situation so: Unsere Frauen, unsere Familien, unsere Gesellschaften sind anders als die in den modernen westlichen Ländern. Und die Reihenfolge ist zugleich eine Kausalkette: Weil die Frauen anders sind, deshalb sind die Familien anders und deshalb sind die Gesellschaften besser. Die Frauen stehen am Anfang dieser Kette und stehen deshalb besonders unter dem Druck der muslimischen Rechten.
Vor allem in Jordanien scheint man sich bewusst zu sein, dass etwas geschehen müsse. In einem Bericht der Amnesty International habe ich folgenden Abschnitt über den heutigen Zustand gelesen:
Tötungen aus Gründen der »Familienehre«
Innerhalb des Jahres 2000 wurden mindestens 21 Personen aus Gründen der »Familienehre« getötet. Das Oberhaus stimmte für die Aufhebung des Paragraphen 340 des Strafgesetzbuches, der unter anderem vorsah, männliche Familienangehörige, die eine des Ehebruchs schuldige weibliche Angehörige töten, von Bestrafung auszunehmen oder ihr Strafmaß zu verkürzen, wenn das Opfer in einer »ehebrecherischen Situation« ertappt wurde. Das Unterhaus lehnte die Abschaffung des Paragraphen später jedoch ab.
Im Februar verurteilte ein Gericht in Amman den 34-jährigen Samir Ayed wegen Mordes an seiner 32-jährigen Schwester Hanan im Jahre 1999 zu einem Jahr Gefängnis. Das Gericht entschied, dass Paragraph 98 des Strafgesetzbuches in seinem Fall anzuwenden sei. Laut diesem Paragraphen wird ein geringeres Strafmaß für Verbrechen in den Fällen angesetzt, in denen die Tat, provoziert durch eine widerrechtliche oder gefährliche Handlung des Opfers, »im Affekt« begangen wurde. Nachdem die Familie des Opfers die Strafanzeige gegen den Angeklagten zurückgezogen hatte, wurde das Strafmaß auf die Hälfte reduziert.
Eigentumsdelikte werden weit schwerer bestraft als Morde zur Erhaltung der Familienehre. Das gilt auch für Länder des westlichen Kulturkreises wie Israel und Deutschland.
Abschliessend ein Link zur Stellung der Frau in der arabisch-islamischen Welt, der relativ kurz aus der Feder von Prof. Munir D. Ahmed (Universität Hamburg und Lahore) in deutscher Sprache Informationen zum Thema vermittelt.

Aus der Fundgrube

4.3.2007
Der Beweis der unflätigen Lügenpolitik der muslimischer Welt über Archäologie am, im und um den Tempelberg in Jerusalem ist leicht erbracht, sobald man sich über die Tätigkeit des Wakf (der für den muslimischen Teil des Tempelbergs zuständigen muslimischen Behörde) in den vergangenen Jahre informierte. Carlos (ich besitze seine E-Mail Adresse, also ist er nicht anonym, zudem ist er Mitglied der politisch progressiven Internetgemeinschaft des Gurus Ami Isseroff) hat in seiner Website (leider in Englisch) eine Zusammenfassung erstellt, die ich hier per Link zur Verfügung stelle. Ich will das Thema aber damit schliessen, in dem ich auf den Doppelstandard der Beurteilung des religiösen Respekts und der Rücksicht auf Gefühle hinweise, die im Hinblick auf Archäologie und Tempelberg (und anderer religiös wichtiger jüdischer und christlicher Orte im Heiligen Land) bestehen. Israel wird verurteilt für das, was es nicht tut, während der palästinensische Islam seine antijüdische Vernichtungswelle biblischer Stätten im Stillen und offiziell unbemerkt ausüben kann. (Es lohnt sich, in obigem Link etwas zu wühlen, es sind darin einige Bijoux versteckt). Dieser Doppelstandard wird in fast allem angewendet, welches Interaktionen zwischen Israel und seinen Feinden betrifft. Es wird behauptet, das sei so, weil Israel als jüdischer Staat mit seiner freien Gesellschaft halt eben eine weit höheres moralisches Niveau repräsentiere und deshalb entsprechendes von ihm erwartet werden. Das ist Rassismus, könnte aber auch ein lieb gemeintes Kompliment sein – doch sei mir verziehen, wenn ich das nicht glauben kann. Denn mit dieser höheren, da jüdischen Ethik kommt mir die Sache mit der „Überreaktion“ und der „Unverhältnismässigkeit“ hoch, zwei Begriffe, mit denen Israel im vergangenen und verlorenen Libanonkrieg vom freundlichen Ausland überschütten worden war. Denn was unsere nachbarlichen „Barbaren“ tun dürfen, soll Israel mit obigem Argument verwehrt werden. Womit uns Juden und den nichtjüdischen Mitbürgern des Landes wieder einmal die Opferrolle zugemutet wird.
Ihr wisst, dass ich Hendryk M. Broder mag. Seine persönliche Website ist herrlich, sein Spott, seine ätzende Ironie und seine gutmütige Bösartigkeit verträgt nicht jeder. Broder bringt es fertig über Seiten an sich gerichtete Leserbriefe (andere sagen dem „Forum“) zu veröffentlichen, die durchwegs so bösartig und dumm sind, dass sie schlicht nicht ernst genommen werden können.
In Broders Website fand ich eine Veröffentlichung des American Jewish Committees (AJC) brandneu in deutscher Sprache: „Fortschrittliches jüdisches Denken und der Neue Antisemitismus“ von Alvin H. Rosenfeld in deutscher Übersetzung. Dieses Schriftstück von siebzehn Seiten führte zu aufgeregten Diskussionen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in den USA und in Europa (was wohl der Grund zur Übersetzung ins Deutsche war). Rosenfeld greift in dieser Schrift den Anti-Israelismus der extremen jüdischen Linken an, repräsentiert von wunderlichen Juden wie Michael Lerner, Noam Chomsky, einigen mit dem Namen Rose und zahlreichen anderen. Wie all jene, die sich über kritische Juden aufregen, schiesst Rosenfeld manchmal übers Ziel hinaus, doch ziehe ich jeder Zeit eine Diskussion, sogar eine gehässige wie die Vorliegende, dem Mundtot machen vor. Allerdings muss sich jeder Israel- und Judenhasser (die Grenzen sind fliessend), ob jüdisch oder nicht, klar sein, dass er sich Angriffen von zornigen Menschen aussetzt, denen ein humanistisches Ideal und eine erfolgreich realisierte Phase der heutigen jüdischen Geschichte als „Verbrechen“ vorgehalten wird. Vorgehalten wird, das will ich hier feststellen, wider besseres Wissen. Was schert den Zionhasser die freie demokratische Gesellschaft für alle, die wirtschaftliche Blüte, von der alle profitieren und besonders den israelischen Arabern eine Lebensqualität ermöglicht, von der sie, wären sie in den Nachbarsländern nur träumen könnten – das unter Berücksichtigung meiner eigenen Vorbehalte gegenüber noch immer bestehenden ungesetzlichen Benachteiligung dieses Volksteils.
Rosenfeld vergleicht die rabiaten Ansichten antiisraelischer Juden des politisch linken Spektrums (in Amerika heissen sie Liberale), englische und amerikanische Intellektuelle, mit den Antisemiten der neueren Geschichte, von Hitler bis zu Ahmedinejad. Mit Ausnahme von Richard Cohen der Washington Post, der fälschlicherweise von Rosenfeld dieser Gruppe hinzugefügt worden ist und bei dem er sich inzwischen öffentlich entschuldigt hat, vertreten alle von Rosenfeld gescholtenen die „Abschaffung“ Israels wenn auch in verschiedenen Grad. Grundsätzlich gilt der Kampf dieser Progressiven nicht Israels Politik, sondern seiner Legitimität und seiner Existenz (Rosenfeld, S. 8). Das heisst von der augenblicklichen Abschaffung des Landes (was mit uns Juden geschehen sollte, daran wird nicht gedacht), sei es ein bi-nationaler Staat, in dem innert wenigen Jahren eine arabische Mehrheit die Macht übernehmen würde bis zum bekanntesten jüdischen Antizionisten, Noam Chomsky, der aus pragmatischen Gründen einer Zweistaatenlösung zustimmt und sich damit als relativ zahm geoutet hat.
Da jeder mittels obigem Link diese siebzehn Seiten (netto vierzehn) selbst lesen kann, hier als Zückerchen nur ein paar Aussagen, nicht Zitate, mit ihrem jeweiligen UrheberIn:
· Jacqueline Rose:
o „Wir betrachten Zionismus als eine Form kollektiven Wahnsinns“
o Sie erfindet eine angebliche Verbindung zwischen dem Zionismus und den Nazis, in dem sie von einem Treffen von Herzl und Hitler in der Pariser Oper bei Wagner Aufführung berichtet, die bei Herzl das Schreiben des „Judenstaat“ und bei Hitler des „Mein Kampf“ ausgelöst hätte – nur schon rein zeitlich gesehen ein kompletter Unsinn, den als Hitler zum ersten Mal in Paris war, war Herzl schon vierzig Jahre lang tot.
· Michael Neumann:
o Er wirft Israel einen Rassekrieg gegen die Palästinenser vor.
o „Wenn man sagt, diese Auffassung (Antizionismus) sei Antisemitisch, so ist es vielleicht sinnvoll, antisemitisch zu sein.“
o „.. Das Vergiessen jüdischen Blutes als welterschütterndes Unheil anzusehen ist Rassismus, nämlich die Höherbewertung des Blutes der einen Rasse gegenüber allen anderen.“
o Neumann rät: „wir sollten Antisemitismus niemals ernst nehmen, ja vielleicht sollten wir unseren Spass damit haben.“
· Rabbi David Weiss::
o „Die Zionisten sind noch schlimmer als Hitler“
Ich gebe zu, dass es sehr einfach und unfair ist Israelkritiker sofort als Antisemiten darzustellen. Nur unsere eigenen radikalen Nationalisten sind unfähig Kritik an Israels Politik zu schlucken – so lange sie nicht ihren eigenen fundamentalistischen Kriterien entsprechen. Deshalb muss Kritik israelischer Politik zum täglichen Brot gehören, akzeptiert und offen diskutiert werden. In Israel gehört es schon seit seiner Gründung zum täglichen Brot, in unserer Extremdemokratie kein Wunder. Es liegt, meine ich, in der eigenen Beurteilung jedes Einzelnen, wie weit er mit seiner Kritik gehen will.
Wenn es hingegen um die „Legitimation“ der Existenz Israels geht, dann trifft, so denke ich, das Adjektiv „antisemitisch“ durchaus zu. Ein weiteres Kriterium scheint mir die Weigerung zu sein, Israels „Untaten“ so darzustellen, als geschähen diese in einem Vakuum, ohne feindliche, oft mordbesessenen Feinde, denen jedes Mittel recht ist, um an ihr Ziel zu gelangen. Ich glaub mich zu wiederholen, doch unsere „progressiven“ Freunde nehmen die Wirklichkeit ausschliesslich dann zur Kenntnis, wenn sie ihrer Ideologie in den Kram passt. „Positives über Israel“, so hörte ich einst jemanden sagen, „interessiert mich nicht.“
Mit einer recht neuen Behauptung aus diesem Milieu schliesse ich:
Israel verhindert nicht nur die Bildung eines demokratischen, säkularen palästinensischen Staates - den die Palästinenser natürlich längst hätten, wenn es Israel nicht gäbe -, es hält auch die arabischen Länder davon ab, bei sich daheim demokratische Verhältnisse einzuführen, weil sie vor lauter Stress mit Israel dazu keine mentalen Ressourcen frei haben. Und natürlich bedroht Israel den Weltfrieden, den Nordkorea, Pakistan, Iran und China täglich aufs Neue garantieren. Träumten früher die Antisemiten von einer Welt ohne Juden, träumen die Antizionisten heute von einer Welt ohne Zionismus. Und so, wie sich die Antisemiten in ihrer Wahnwelt an die Juden klammerten, klammern sich heute die Antizionisten an Israel. So bekommt jeder Sesselpupser einen Fuß in die Tür zur Ewigkeit. Er muss nur den Satz "Nieder mit dem Zionismus!" aussprechen können, ohne sich zu verhaspeln.
Das kann natürlich nur von Hendryk M. Broder stammen. Im Gegensatz zu den extremen Israelkritikern von ganz Links und ganz Rechts, entwickelt sich sein Sinn zu Höchstleistungen, wenn er über Spinner spinnt.
Noch so einer: die Zeitschrift Focus soll in seiner on-line Ausgabe gemeldet haben:
„Israel droht Iran mit Selbstverteidigung“.
Selten habe ich so gelacht.

Links, Rechts und essen gehen

1.3.2007
Etwas das mich immer wieder beschäftigt, ist die heutige perverse Kombination der extrem linken Politszene der sonst meist zivilisierten westlichen Welt und dem reaktionären jihadistischen Islam. Die Jihadisten morden weltweit im Namen ihrer Religion (das Christentum tat dasselbe bis vor einigen hundert Jahren) und werden von linksextremistischen Apologeten und Fans dazu ermuntert, gelobt und vor allem „verstanden“. Das ist in Europa so und in Nordamerika auch. Diese
Situation hat zu einer fast totalen Entwertung und Verfälschung der politischen Begriffe „Links“ und „Rechts“ geführt. Die soziale Komponente hat sich zu grossen Teilen verflüchtigt – es geht, weltweit gesehen, nur noch um das Überleben der Moderne per se, der freien Gesellschaft und der Demokratie. Diese Bedrohung hat in Europa schon sehr konkrete Formen angenommen und es gibt Fachleute, die denken für das alte Europa sei es schon zu spät, der islamistische Zug zurück ins Mittelalter sei schon abgefahren. Schon sehen sie die Unterdrückung der Frau, Morde zur Erhaltung der Familienehre, Steinigungen, Köpfungen und andere kulturelle Kostbarkeiten der muslimischen Welt in die EU importiert, zum Alltag gehörend und alle Bürger verpflichtend. Nicht einmal Pornografie wird erlaubt sein. Schon ist diese Zukunft mit der Akribie eines Science-Fiction Erzählers verfasst, in Kurzgeschichten und Romanen zu lesen. Sogar Hendryk M. Broder hat sich damit beschäftigt – in seiner Darstellung Deutschlands in 2067 Jahren trägt der deutsche Bundespräsident einen arabischen Namen. Broder ist grosszügig – wenn nichts unternommen wird, könnte es schneller gehen.

Mit Israels Existenz hat das wenig bis gar nichts zu tun. Wer das behauptet, glaubt einen Sündenbock gefunden zu haben, wozu, geschichtlich gesehen, wir Juden, ob in Israel oder anderswo, uns glänzend eignen. Aber Israel unterliegt derselben Bedrohung, wie andere Länder der westlichen Moderne, mit der zusätzlichen Komponente des Palästinenserproblems, einer Art Problem, das in jeder anderen Region schon vor Jahrzehnten gelöst worden wäre.

Was aber doch mit Israel und dem Hass zu tun hat, das gegen unser Land versprüht wird und unzählige, sonst vernünftig scheinende Menschen der westlichen Welt angesteckt hat, ist die krankhafte Hassproduktion gegen alles jüdische im allgemeinen und Israel im besonderen. Dieser Virus wird in arabischen Schulen systematisch gelehrt und im palästinensischen Schulsystem perfektioniert. Soeben ist eine Übersicht über dieses Phänomen erschienen, in dem der Lehrstoff des zwölften Schuljahres palästinensischer Schulen veröffentlicht und kommentiert wird. Sie zeigt, wie der frühere, vom künstlichen Nationalismus motivierte Hass inzwischen zum von Religion motivierten Hass mutiert ist, der den lieben Gott für seine Sache bemüht. Diese hervorragend dokumentierte Fleissarbeit von 38 Seiten lege ich diesem Tagebucheintrag als Attachment bei.

Wir feiern Purim. Einen Bösewicht der heutigen Tage, der uns umbringen will wie der Haman der Purimgeschichte, habe ich als Einzelnen nicht ausgemacht, es gibt heute mehr als nur einen, auch wenn sich, nicht nur weil er Perser ist, sich Mahmoud Ahmedinejad anbietet. Jenen unter Uris Tagebuch lesenden Freunden, welche die Purimgeschichte nicht kennen, habe ich hier eine kurze Zusammenfassung einkopiert, die von Rabbiner Dr. Joel Berger in Deutschland verfasst worden und in der Website des Zentralrats der Juden in Deutschland zu finden ist.
PURIM
Von Dr. Joel Berger, Landesrabbiner a.D.
Im Monat Adar begehen wir das Purim-Fest, den heiteren Höhepunkt des jüdischen Jahres. Es ist daher verständlich, wenn man dieses Fest, das nur einen einzigen Tag dauert, etwas ausdehnen und verlängern möchte. Die Quelle der Freude liegt in jenen Ereignissen, die uns das biblische Buch Esther, die Lektüre des Festes, überliefert: Die Heldin des Buches, eine jüdische Frau wird Königin in Alt-Persien. So gelingt es ihr mit Hilfe ihres Onkels Mordechaj, die Juden Persiens vor der drohenden Ausrottung durch den Bösewicht, Minister Haman, zu vereiteln. Nur ein einziges Mal traten im Altertum Juden aus einer Auseinandersetzung siegreich hervor und konnten so ihr Leben retten! Dies ist sicherlich ein hinreichender Grund für ein ausgelassenes Fest.
Was das Esther Buch und seine Aussage betrifft, waren sich die Rabbiner unschlüssig über seinen bleibenden Wert: Die Gelehrten behaupteten, dass sich bis zum Auftritt des persischen Bösewichts Haman noch nie ein Präzedenzfall ergeben hatte, bei dem das gesamte jüdische Volk eines Weltreiches ausgerottet werden sollte. Darum, so die Rabbiner, sei diese Geschichte einmalig. Spätere Generationen würden die Geschichte nicht nachvollziehen oder verstehen können, deshalb müsse das Buch auch nicht in den biblischen Kanon aufgenommen werden. Viele Gelehrte beurteilten die Esther-Geschichte als völlig irrelevant, da sie sich, ihrer Meinung nach, nicht wiederholen würde, so dass kommende Geschlechter aus der Geschichte also keinen Nutzen ziehen könnten.
Die Geschichte bestätigte jedoch auf grausame Weise die Meinung derjenigen, die die Vorfälle dieses geplanten Genozids für wiederholbar hielten und bereit waren, die Esther-Geschichte als einen Teil der Schrift zu bewahren. Esther wird vom Talmud als eine der sieben Prophetinnen der Israeliten gewertet. Die Aussage ihres Buches ist dem Talmud zufolge eine Botschaft über Zeit und Raum hinaus; Esther erkannte instinktiv, dass sich diese Existenzbedrohung wiederholen könne. Darum nahmen die Weisen letztendlich Esthers „Antrag“ an und hielten die Purimgeschichte in die Heilige Schrift fest.Ich muss gestehen, dass ich in der Vergangenheit das Purimfest, wegen der darin demonstrierten Schadenfreude nicht mochte und das auch offen aussprach. Wenn wir uns aber die heutige Welt ansehen und die neuen Gefahren für uns Juden zur Kenntnis nehmen, dann denke ich, dass dieser jüdische Feiertag, wie viele andere ein Fest des Überlebens, heute so aktuell ist, wie das letzte Mal vor sechs, sieben Jahrzehnten. So lasset uns feiern, nach alten bewährten jüdischen Motto: „Sie wollten uns umbringen, wir haben sie besiegt, so lasset uns essen!“.

Die damalige arabische Presse zum Flüchtlingsproblem

24.2.2007
Zwei Astronauten, soeben auf dem Mars angekommen, gehen auf dem Planeten spazieren. Der eine wundert sich, ob es auf dem Mars wohl Sauerstoff gäbe. Sein Kollege schlägt vor: „Zünden wir doch ein Streichholz an, wenn es brennt wissen wir, dass es Sauerstoff gibt.“ Er zieht eine Streichholzschachtel aus der Tasche seines Weltraumanzugs und will ein Streichholz anzünden. Da rennt ihm ein grünes Marsmännchen entgegen und ruft ihm zu: „Gott behüte, nicht anzünden!“ Es kommen noch weitere grüne Marsmännlein und Marsweiblein und rufen: „Nicht anzünden, nicht anzünden!“ Der Astronaut will wissen warum er das Streichholz nicht anzünden soll, es sei doch im Namen der Wissenschaft. Die grünen Marsmenschen rufen ihm zu: „Heute ist Schabbes, heute ist Schabbes!.“

Soviel zur Universalität des Judentums.

Aus der linken Hasbara Szene (Hasbara heisst auf Hebräisch Öffentlichkeitsarbeit und ist die Bezeichnung dessen, das vom offiziellen Israel auf einem Niveau fast vollkommener Talentlosigkeit betrieben wird) wurden mir Zitate mit Quellenangaben unter die Nase gehalten, die ich unbedingt weiter geben will. Sie beweisen, dass arabische Propaganda zu einem wesentlichen Teil erlogen ist. Doch ist ebenso belegt, dass Israel die Gelegenheit des arabischen Angriffs in 1948 auf seine Art benutzte, einen Teil der Araber Palästinas loszuwerden – etwas, das ohne diesen von den arabischen Staaten ausgelösten Krieg und der arabischen Missachtung des UNO-Beschlusses 181 nicht geschehen wäre.

Hier, bitteschön, die Zitate aus der arabischen Presse und einem Zitat aus einer holländischen Zeitung. Ich habe jedes Zitat ins Deutsche übersetzt.

QUOTE: "The Arab states which had encouraged the Palestinian Arabs to leave their homes temporarily in order to be out of the way of the Arab invasion armies, have failed to keep their promise to help these refugees." The Jordanian daily newspaper Falistin, Feb 19, 1949.
“Die arabischen Staaten, die die palästinensischen Araber ermuntert haben, ihr Heim zeitweilig zu verlassen, um den arabischen Invasionsarmee nicht im Wege zu stehen, haben ihr Versprechen diesen Flüchtlingen zu helfen, nicht gehalten”. (Die jordanische Tageszeitung Falastin, 19. Feb. 1949)QUOTE: "For the flight and fall of the other villages it is our leaders who are responsible because of their dissemination of rumours exaggerating Jewish crimes and describing them as atrocities in order to inflame the Arabs..." The Jordanian daily newspaper, Al Urdun, April 9, 1953.
„Für die Flucht und den Fall anderer Dörfer sind unsere Führer verantwortlich, denn sie waren es, die weit übertriebene Gerüchte über jüdische Untaten streuten und diese Gräueltaten nannten, um die Araber aufzuhetzen…..”.
(Die jordanische Tageszeitung Al Urdun, 9. April 1953)QUOTE: "The 15th May, 1948 arrived... on that day the Mufti of Jerusalem appealed to the Arabs of Palestine to leave the country, because the Arab countries were about to enter and fight in the stead." The Egyptian daily Akhbar El Yom, Oct 12, 1963.
"Der 15. Mai 1948 traf ein ...... an diesem Tag appellierte der Mufti von Jerusalem an die Araber Palästinas, das Land zu verlassen, weil die arabischen Staaten bereit waren einzumarschierenund zu kämpfen.”
(Die ägyptische Tageszeitung Akhbar El Yom, 12. Oktober 1963).: QUOTE: "The fact that there are these refugees is the direct consequence of the act of the Arab states in opposing partition and the Jewish state. The Arab states agree upon this policy unanimously and they must share in the solution of the problem." Emile Ghoury, secretary of the Palestinian Arab Higher Committee, in an interview with the Beirut Telegraph Sept. 6, 1948.
„Die Tatsache, dass es Flüchtlinge gibt, ist die direkte Konsequenz der Tatsache, dass die arabischen Staaten sich die Teilung [Palästinas] und einem jüdischen Staat widersetzten. Die arabischen Staaten stimmten dieser Politik einstimmig überein und sie müssen sich in der Lösung des Problems teilen”. (Emile Ghoury, Sekretär des palästinensischen Höheren Komitees, in einem Interview mit dem Beirut Telegraph, 6. September 1948)"Who brought the Palestinians to Lebanon as refugees, suffering now from the malign attitude of newspapers and communal leaders, who have neither honor nor conscience? Who brought them over in dire straits and penniless, after they lost their honor? The Arab states, and Lebanon amongst them, did it." The Beirut Muslim weekly Kul-Shay, Aug. 19, 1951.
„Wer brachte die Palästinenser als Flüchtlinge in den Libanon, wo sie von der bösartigen Haltung der Zeitungen und der lokalen Führer zu leiden hatten, welche weder Ehre noch Gewissen hatten? Wer brachte sie voller Nöte und ohne Geld, nachdem sie ihre Ehre verloren hatten? Die arabischen Staaten und der Libanon war einer davon“. (Die Beiruter Wochenzeitschrift Kul-Shai, 19. August 1951.)
QUOTE: "The Palestinian People does not exist. The creation of a Palestinian state is only a means of continuing our struggle against the state of Israel for our Arab unity. In reality today there is no difference between Jordanians, Palestinians, Syrians and Lebanese. Only for political and tactical reasons do we speak today about the existence of a Palestinian people, since Arab national interests demand that we posit the existence of a distinct 'Palestinian people' to oppose Zionism." Zahir Musehin (Palestine Liberation Organisation executive committee member. March 31, 1977 in the Dutch newspaper 'Trouw')
“Das palästinensische Volk gibt es nicht. Die Schaffung eines palästinensischen Staates ist nur ein Mittel im Kampf gegen den Staat Israel für die arabische Einheit. In der heutigen Wirklichkeit gibt es keinen Unterschied zwischen Jordaniern, Palästinensern, Syrern und Libanesen. Ausschliesslich aus politischen Gründen sprechen wir heute vom palästinensischen Volk, da das nationale arabische Interesse verlangt, durch die Existenz eines „palästinensischen Volkes“ dem Zionismus zu widerstehen“.
(Zahir Musehin, Mitglied des Exekutivkomitees der PLO, 31. März 1977, in der holländischen Zeitung ‚Trouw’.

Diese Zitate und der daraus ersichtliche Nachweis der (teilweisen) arabischen Geschichtslüge, entbindet Israel grundsätzlich nicht davon, wenigstens heute Frieden und Zusammenleben mit den sich heute Palästinenser nennenden ehemaligen Arabern und der gesamten arabischen Welt zu suchen. Leider ist auch bei uns in Israel eine Subkultur des Araberhasses entstanden, die sich zwar nicht mit dem Judenhass der arabischen Welt vergleichen lässt (wo sie alles anderem als eine Subkultur ist), die ich als extrem unjüdisch empfinde und die seit Mitte Siebziger Jahre nicht nur unter den Siedlern der besetzten Gebiete der Westbank, sondern auch in anderen Teilen des Volkes Anhänger gefunden hat. Das sind Früchte rassistischer Ideologien und Religion, doch auch die Folge des palästinensischen Terrors. Ähnlich wie bei Überlebenden der Shoah, sind unter Überlebenden und Familien von Terroropfern, solche zu finden, die es nicht fertig bringen (und dafür kann man ihnen keinen Vorwurf machen) auf ihre Hassgefühle zu verzichten und auf der anderen Seite gibt es Überlebende und Familien, die den Dialog mit unseren Feinden suchen und finden, mit denen sie gemeinsam ihre schrecklichen Erfahrungen zu verarbeiten versuchen.

Apartheid ?

16.2.2007
Ich habe Jimmy Carters Buch noch nicht gelesen – der Freund, der es mir aus der Schweiz gebracht hat (in Israel konnte ich es nicht finden), liest es zur Zeit noch selbst. Immerhin den Titel „Palestine: Peace Not Apartheid“ (vier Worte) habe ich mitgekriegt und ist es wert, Gedanken darüber zu verlieren.

Erst wollen wir Ordnung schaffen: was meint Carter damit? Apartheid in den besetzten Gebieten oder Apartheid gegenüber Israels arabischer Bevölkerung. Ich möchte hier über angebliche Apartheid in Israel selbst schreiben, denn was in den besetzten Gebieten passiert, passiert unter einer Kriegs- oder Besatzungsrecht, das Rechte eines grossen Teiles der Bevölkerung begrenzt. Apartheid ist das nicht, es ist simpler Selbstschutz – vielleicht übertrieben (darüber kann diskutiert werden), aber er beruht nicht auf Rassismus, sondern auf dem Überlebenswillen Israels. Vor dem Ausbruch der zweiten Intifada war die Westbank offen, Israelis fuhren dorthin, Palästinenser kamen nach Israel – beide um Geschäfte zu tätigen oder Freunde zu besuchen. Arafats Politik der Gewalt schob dem im Herbst 2000 einen Riegel und als Resultat davon, leidet die die palästinensische Bevölkerung.

Apartheid ist etwas, das gegen Teile der eigenen Bevölkerung gerichtet ist. Apartheid beruht auf rassistischen Gesetzen, die einem Teil der Bevölkerung Rechte verwehren, die für den anderen Teil dieser Bevölkerung gelten. Der diskriminierte Bevölkerungsteil wird als minderwertig deklariert. Dazu gehören sämtliche Rechte, die in einer Demokratie selbstverständlich sind, wie volle politische Rechte, volle Bewegungsfreiheit und Meinungsfreiheit. All dies ist in Israel gesichert, sie werden von allen Bürgern, Juden und Arabern, wahrgenommen – oft auch bis zum Exzess ausgenützt. Unsere Minderheiten sind im Parlament (Knesset) vertreten, geniessen den Schutz des israelischen Sozialwesens, wählen wen sie wollen, wobei, das muss festgestellt werden, kaum die Hälfte der arabischen Bevölkerung arabische Parteien wählt, viele wählen traditionelle israelische Parteien.

Die inhärente Meinungsfreiheit der israelischen Demokratie wird missbraucht. Das geschieht in der Knesset, wo Vertreter extremistischer Parteien, Juden, Araber, fromme und unfromme Nationalisten, sich oft unflätig benehmen, dessen arabische Vertreter (nicht alle) im arabischen Ausland Israel beschimpfen und zum Krieg gegen den Staat der Juden ausrufen, obwohl sie dessen gewählte Vertreter sind. Es geschieht ihnen nichts, das westlich-demokratische Konzept der Meinungsfreiheit schützt sie – und das ist gut so.

Was es gibt, wen man so will, ist eine freiwillige Apartheid der Pflichten. Wie die israelische Bürgerpflicht, das Land zu verteidigen, also Militärdienst zu leisten, dem nur ein kleiner Teil muslimischen Bürger nachkommt. Oder auch in anderen Dingen, wie sich öffentlich für den Staat einzusetzen – etwas das von vielen jüdischen Bürgern kritisch beobachtet wird und seinen Teil dazu beiträgt, dass unsere arabischen Bürger (ungerechterweise und oft pauschal) von vielen Juden (und Drusen) mit Argwohn angesehen werden.

Im Gush Segev, im westlichen Galiläa, gibt zur Zeit ein Fall antiarabischer Diskriminierung zu reden. Es ist, meines Wissens, der zweite Fall dieser Art in Israel. Ein arabisches Ehepaar, beide Architekten, die in der berühmten Schule Bezalel in Jerusalem studiert hatten, wollen in Rakefet ein Haus kaufen. Dazu mussten sie sich bei einem Auswahl-Komitee dieses Dorfes interviewen lassen und wurden abgewiesen. Der Frau wurde vorgeworfen, sie sei zu individualistisch, ihrem Mann fehle soziale Kompetenz (im Haaretz wurde die hebräische Begründung mit „lacks sufficient interpersonal sophistication“). Sophistication heisst auf Deutsch „Kultiviertheit“ oder „hoher Entwicklungstand“. Wie sich das mit dem Entscheid diese Komitees verträgt, kann jeder selbst urteilen.

Im Gush Segev wohnen unsere Kinder, also rief ich meinen Schwiegersohn Motti an, dessen beträchtliche analytische Ader ich nutzen wollte. Was steckt hinter einem Skandal mit offensichtlich rassistischem Hintergrund? Umso mehr, als die Juden im Gush Segev als ideologisch progressive Menschen gelten, die den Kontakt zu den arabischen Mitbürgern suchen und viel von Koexistenz reden. Die eine jüdisch-arabische Schule errichteten, um diese Koexistenz zu fördern. Einmal mehr, schien mir, dass Liberalität nur so lange ausgeübt wird, so lange sie nicht persönliche Verpflichtung fordert und der Andere, Nachbar nicht im entfernten Dorf, sondern im Haus daneben wäre. Was könnte dahinter stecken?

Es gibt Gründe dafür. Akzeptabel sind sie nicht. Noch sitzt den jüdischen Bewohnern des Gush Segev die arabische Revolte im Oktober 2000 im Nacken. Auch wenn sich seitdem das Verhältnis mit den arabischen Nachbarn gebessert hat, sind die Steine und die Gewalt der Araber von Sakhnin und Arabe nicht vergessen. Sie haben das Verhältnis zwischen den zwei Bevölkerungsgruppen bis heute getrübt. Der wirtschaftliche Schaden für arabische Dörfer und Städte hat sich gelindert, aber Vorbehalte sind geblieben. Auch hilft es nicht, wenn in den Einkaufszentren von Carmiel, der „Hauptstadt“ dieser Region, sich arabische Jugendliche Freiheiten gegenüber jüdischen Mädchen nehmen, die sie in ihrer eigenen geschlossenen Gesellschaft mit ihrem mittelalterlichen Ehrenkodex nicht auszuüben wagen würden.

Auch wenn die oben erwähnte arabisch-jüdische Schule Erfolge vorweisen kann, ist sie für ein Zusammenleben ohne Vorbehalte nicht genug. Die arabischen Kinder dieser Schule, werden von ihren Eltern dorthin geschickt, um ihnen eine bessere Integration in die israelische Gesellschaft zu ermöglich. Sie lernen Hebräisch ohne Akzent, sie lernen die jüdische Mentalität und Umgangsformen verstehen und sich einer modernen offenen Gesellschaft anpassen, etwas, das nicht erst und zu spät an der Universität gelernt werden kann. Das ist positiv. Das gilt natürlich auch im umgekehrten Sinn für jüdische Schüler an dieser Schule. Jüdische Kinder werden von ihren Eltern aus ideologischen Gründen gesandt, um zu lernen Kindern einer anderen Kultur zu verstehen und als Freunde zu gewinnen und, natürlich, Arabisch zu lernen. Es scheint, dass diese Schule und kommerzielle Kontakte zwischen Arabern und Juden noch nicht genügen, mehr muss zur gegenseitigen Integration und Akzeptanz getan werden – von beiden Seiten.

Es ist anzunehmen, dass das Auswahl-Komitee, einer meines Wissens illegale Institution, seinen Entscheid vor Gericht wird verantworten müssen. Doch fragt es sich, ob sich jemand, dessen Anwesenheit nicht erwünscht ist, es über sich bringen würde, neben Nachbarn zu leben, die ihn grundsätzlich nicht neben sich haben wollen. Da nützen die besten Gerichtsentscheide nicht, denn Abneigung und Vorurteile können sie nicht wegurteilen.

Apartheid ist das alles nicht. Es ist der Ausdruck fehlender Empathie und seelischer Rohheit weniger, der bestimmt den israelischen Gesetzen zuwiderläuft. So wie der in der Schweiz bestehende Rassismus Einzelner und Gruppen gegenüber Fremden und Juden gerichtlich verfolgt werden kann, auch wenn sich Vertreter öffentlicher Verbohrtheit (Dummheit schreibe ich unter keinen Umständen, auch wenn es zutrifft) aus den Rängen rechtsradikaler Parteien gegen dieses Gesetz sträuben.

Das Fachwörterbuch

Je nach ideologisch diktierter politischer Korrektheit, mangelnder Information und geliebten Vorurteilen und gelegentlich persönlicher Bösartigkeit hat sich auch zu unserem Hauskonflikt ein besonderes Vokabular entwickelt. Ami Isseroff hat englische Ausgabe erstellt und ich finde eine deutschsprachige Version nicht weniger notwendig. Deshalb habe ich eine solche entwickelte und stelle sie hier vor. Damit will ich Extremisten beider Seiten ärgern – jene, die alles Schlechte Israel anlasten und sogar seine Existenz bekämpfen – also die extreme Linke und jene Supernationalisten, die vor lauter missverstandenem Zionismus vor nichts zurückschrecken. Es ist zu erwarten, dass dieses Wörterbuch mit seinen teilweise kriminellen Ausdrücken von einigen wie selbstverständlich für die „andere Seite“ gelten soll. Also, hier bitte, alphabetisch geordnet, Uris Wörterbuch politischer Begriffe der arabisch-israelischen „Suche nach Frieden“.

Aberglauben – was die andere Seite glaubt

Absage an die Gewalt – ein Versprechen die Gewalt outzusourcen an jemanden, den man „nicht kennt“ und so verleugnen kann

Aktivist – Säuglingsmörder

Apartheid (israelische) – das Bestreben Terroristen von seinen Opfern und Autodiebe von den Autos zu trennen

Ausgewogene Reaktion – genau so viele Leute der anderen umbringen, um damit Racheakte sicherzustellen

Befreiung – der Prozess andere Menschen aus ihrer Heimat zu verjagen

Demokratie – ein Regierungssystem, das uns erlaubt den anderen zu sagen was sie zu tun hätten

Dialog – zwei Monologe

Diplomat – von uns beschäftigte Lügner

Ethnische Säuberung – ein Prozess in dem unser eigenes Volk von seinem Heim verjagt wird

Frieden – siehe Koexistenz

Geistiger Führer – ein religiöser Anführer, der zum Morde an Babies der anderen anstiftet

Gerechtigkeit - eine Situation, in der unsere Seite ihre Rechte bekommt

Gewaltlosigkeit – was von den anderen verlangt wird

Heilig – Was immer unsere Seite glaubt

Heilige Orte – ein Ort den die andere Seite beansprucht

Historische Rechte – alle Rechte,

Koexistenz - synonym mit Frieden: wir sitzen auf ihrem Land und sie tun was wir sagen

Kriegsverbrechen – jede Aktion, die den Widerstand bekämpft (siehe Widerstand)

Kriegsverbrecher – die Mörder unserer Babies

Legitim – ein Adjektiv für unsere eigenen Rechte

Lügner – Diplomaten der anderen Seite

Lügen – jeder Aussage der anderen Seite, die uns nicht gefällt

Märtyrer – Mörder ihrer Säuglinge

Menschen – wir

Menschenrechtsverletzungen – jede Aktion die die Rechte von Menschen verletzt (siehe Menschen)

Militante – Säuglingsmörder

Moralischer Relativist – jemand, der nicht versteht, dass Befreiung legitim und ethnische Säuberungen ein Verbrechen ist (siehe oben Legitim und Befreiung)

Propaganda – siehe Lügen

Rechte – Was immer unsere Seite will

Religiöse Fanatiker – religiöse Führer, der zum Babymord anstiftet

Religiöse Rechte – das Recht heilige Zeremonien und einen heiligen Glauben auszuüben

Selbstverteidigung – Mord der Babies der anderen

Sicherheit – eine Situation, in der nur die Babies der anderen ermordet werden

Sicherheitszaun – siehe Apartheid (israelische)

Staatsmann – ein Gauner, der noch nicht erwischt wurde

Spirale der Gewalt – Ausdruck um Schuld auf die anderen abzuschieben

Verhandlungen – ein Wettbewerb um festzustellen wer länger NEIN sagen kann

Waffenstillstand – eine Periode, in der Gewalt abgestritten werden kann

Wahrheit – die korrekte und einzig richtige Wahrheit aus unserer Sicht

Widerstand – Mord an ihren Säuglingen

Zivilgesellschaft – bewaffnete Banden, Islamischer Jihad und Hamas werden in einem kürzlich erschienen Buch als Zivilgesellschaften bezeichnet