Leben in Israel - Uris Tagebuch

Uri Russak schreibt Persönliches. Er schreibt über Politik, angewandten Zionismus und über seine Freunde - Juden, Araber, Drusen, Christen in Israel und ausserhalb. Er selbst sieht sich als Realist, kann Exremisten jeder Art nicht ausstehen. In Israel wird er oft Linksextremist genannt, im Ausland, besonders in der Schweiz, wo er geboren wurde, wird er als Rechter beschimpft. Das gefällt ihm.

Name:
Standort: Zichron Ya'akov, Israel

Das Leben in Israel ist nie langweilig. Von vielen gehasst und von vielen respektiert ist unser Land das erfolgreichste Projekt seit dem zweiten Weltkrieg, was natürlich nicht von allen gern gehört wird aber dennoch stimmt. Ich lebe und atme dieses Land, kritisiere viel und bin täglich wieder beeindruckt über die Energie und die Kreativität der Israelis und ihrer ans Anarchische grenzende Demokratie. Ich bin Aktivist für Koexistenz mit den arabischen Mitbürgern, gelte hier als politisch Linker, während ich in der Schweiz, wo mein Zielpublikum mehrheitlich lebt, bei einigen als Rechtsextremist verschrien bin, womit ich ganz gut leben kann.

Mittwoch, Januar 03, 2007

Talibanmanieren in Israel

3.1.2006 – Talibanmanieren in Israel

Herr Rabbiner Yosef Elyashiv, versucht zurzeit eine Art jüdische Talibanherrschaft unter seinen weiblichen Schäfchen einzuführen. Elyashiv ist das Haupt der aschkenasischen Haredim, den Litwaker Ultra-Orthodoxie (Litwak=Litauen), das aschkenasische Gegenstück zum sephardischen Rabbi Ovadia Josef. Schon sein Vorgänger, Rabbi Eleazar Schach, war ein bitterer Gegner des Zionismus – auch wenn weder er noch Elyashiv so weit gehen, wie die kuriosen Männer mit Bart und Schläfenlocken, die an Ahmedinejads Holocaust-Verleugnungs Kongress in Teheran teilnahmen. Elyashivs totalitärer Einfluss ist vor allem in Bnei Brak und Jerusalem, aber auch in anderen Orten zu spüren, wo er die Mehrheit seiner Anhänger in bewusster Armut und Ignoranz hält. Da ich persönlich, vielleicht ist es ein unschönes Vorurteil, doch haben wir immerhin etwas Ultra-Orthodoxie in der Familie (wenn auch Hassidim, die etwas mehr Freude in ihrem Leben haben dürfen als ihre Litwaker Cousins). Zurzeit kommt Eliyashiv und sein Rat der Weisen in mein Visier, weil er eine Kampagne gegen Frauen vom Zaun reisst. Als erstes verbot er ultra-orthodoxen Frauen akademische Ausbildung. Diese Frauen, die ganz offiziell für das Einkommen und somit für das Überleben ihrer Familien verantwortlich sind – während ihre Ehemänner die Thora studieren – sind natürlich daran interessiert mit ihrer Arbeit ein Optimum an Einkommen zu generieren. Dazu studieren sie, viele werden Lehrerinnen, all das zusätzlich zu den Familienpflichten und den zahlreichen Schwangerschaften in den ihnen dazu zur Verfügung stehenden Jahren. Elyashiv und sein Rat der Weisen, begrenzen nun ihre Ausbildungsmöglichkeiten und damit ihr Einkommenspotential. Schon ein BA (Bachelor of Arts) ist nun verboten. Dahinter steht, so wenigsten erkläre ich mir das, die Angst vor selbständigen Frauen, vor einem Lebensstandard, der haredischen Familien mehr Unabhängigkeit für sich selbst und von seinen „geistigen“ Führern verschaffen könnte. Mein Freund Howard, ein modern Orthodoxer denkt zwar, dass die meisten dieser Frauen auf Elyashivs Vorschriften pfeifen werden, doch bin ich da anderer Ansicht. Die Angst und die Unfähigkeit sich von der haredischen Machtstruktur zu lösen, wird es nur wenigen erlauben, sich dem Machtwort des Rabbi zu widersetzen.

Heute wurde Rabbi Elyashivs Streich 2 bekannt gegeben. Frauen dürfen nicht mehr rote Kleider tragen. Das sei aufreizend und es gäbe irgendeine Tradition, welche rote Farbe für Frauenkleidung verbietet. Elyashiv und sein Rat der Weisen haben die Anweisung erlassen Damenkonfektion nur noch in rund dreissig von ihnen als koscher erklärten Kleiderläden in Bnei Brak einzukaufen. Dieser neuesten Entwicklung gingen zahlreiche Attacken auf nicht züchtig genug bekleidete Frauen voraus, deren Kleider von frömmelnden Züchtigkeitswächtern sogar mit Bleichmittel bespritzt worden sind. Ins gleiche Kapitel gehören auch tätliche Angriffe auf Frauen, die es wagten in „koscheren“ Bussen im vorderen, für Männer reservierten Teil, zu sitzen. Auch hier ist die Tradition nur das zu tun, was der Rabbi sagt, so stark eingefleischt, dass dieser neueste rabbinische Furz mit ganz wenigen Ausnahmen befolgt werden wird.

Jetzt warten wir auf den nächsten frauenfeindlichen Streich. Könnte es sein, dass meine obigen Erklärungen falsch sind und diese Massnahmen nur der Ausdruck von Neid alter Männer sind, die ihn nicht mehr hochkriegen und deshalb ihre Macht missbrauchen?