Leben in Israel - Uris Tagebuch

Uri Russak schreibt Persönliches. Er schreibt über Politik, angewandten Zionismus und über seine Freunde - Juden, Araber, Drusen, Christen in Israel und ausserhalb. Er selbst sieht sich als Realist, kann Exremisten jeder Art nicht ausstehen. In Israel wird er oft Linksextremist genannt, im Ausland, besonders in der Schweiz, wo er geboren wurde, wird er als Rechter beschimpft. Das gefällt ihm.

Name:
Standort: Zichron Ya'akov, Israel

Das Leben in Israel ist nie langweilig. Von vielen gehasst und von vielen respektiert ist unser Land das erfolgreichste Projekt seit dem zweiten Weltkrieg, was natürlich nicht von allen gern gehört wird aber dennoch stimmt. Ich lebe und atme dieses Land, kritisiere viel und bin täglich wieder beeindruckt über die Energie und die Kreativität der Israelis und ihrer ans Anarchische grenzende Demokratie. Ich bin Aktivist für Koexistenz mit den arabischen Mitbürgern, gelte hier als politisch Linker, während ich in der Schweiz, wo mein Zielpublikum mehrheitlich lebt, bei einigen als Rechtsextremist verschrien bin, womit ich ganz gut leben kann.

Mittwoch, Januar 03, 2007

Rauchen ist tödlich

28.12.2006 - Rauchen ist tödlich
Erst möchte ich mich für den verstümmelten Satz in meinem Tagebucheintrag vom 26.12.2006 entschuldigen. Es ging um Schalom Ben-Chorin und der Satz hätte heissen sollen: „Mich Schalom Ben-Chorins Meinung anschliessend, dass Jesus lebte, stelle ich hier nur zwei Punkte zur Diskussion“. Leider bin ich nicht in der Lage einen Korrektor einzustellen und so solch peinliche Fehler zu vermeiden. Sorry!
„Rauchen ist tödlich“ steht auf allen Zigarettenpäckchen in der Schweiz. Darüber bin ich noch immer zutiefst beeindruckt, wundere mich jedoch, dass das Zigarettengeschäft trotz diesen geschäftsschädigenden Warnungen, trotz astronomischen Preisen und trotz allgemeinem Wissen über die Tödlichkeit des Rauchens, noch immer ein profitables Geschäft zu sein scheint.
Rauchen ist nur eine der vielen Süchte, es gibt andere Drogen, die süchtig machen und nicht weniger tödlich sind. So wie extremistische Ideologien, die auf Hass, Massenmord und Todessehnsucht für sich und Unbeteiligte bauen und deren einziges Ziel es ist eine andere Kultur, Religion, ein anderes Land und sein Volk auszulöschen – nur wie sie anders sind, auch weil sie besser und erfolgreicher sind, als die fanatischen Hasser und ihre Weltsicht. Dazu kommt, dass Rauchen vor allem für den Raucher selbst schädlich bis tödlich ist, während politischer Religions- und Rassenhass alle bedroht, die ihm nahe oder in seinem Visier sind.
Darum denke ich, dass der Vermerk „Rauchen ist tödliche“ auch in der Weltpolitik in angepasster Form verwendet werden sollte. „Islamofaschismus ist tödlich“, „Nazis sind tödlich“, „Extremismus ist tödlich“ – solche Warnungen sollten jede Meldung und jedes Erwähnen dieser Phänomene begleiten. Möglichkeiten zur Anwendung gibt es viele. Nur wer beide Augen fest geschlossen hält und zudem den Kopf in den Sand steckt, nimmt nicht wahr, dass die sich Welt ändert, dass die westliche Zivilisation und ihre Errungenschaften, die, zugegeben, nicht alle wundervoll sind, ernsthafte Konkurrenz erhalten hat. Wie einst Attila und seine Hunnen oder Dschingis Khan (nicht Kahn) ist eine barbarische Gefahr entstanden, die weder zivilisatorisch oder ethisch Alternativen bietet, sondern unserer westlichen Demokratie und ihrer freien Gesellschaft nur Totalitarismus entgegenzusetzen hat. Deshalb denke ich, dass in der Schweiz und im restlichen Europa eine Kampagne zur Augenöffnung lethargischer Bürger stattfinden muss – falls es nicht schon zu spät ist. Immer wieder lese und höre ich in der deutschen, englischen und Schweizer Presse über „Eurabien“, das heute schon existiere und nur noch nicht offiziell wahrgenommen werde. Die Völkerwanderung hat schon vor Jahrzehnten begonnen – die sinkende Geburtenzahl der Europäer schuf ein Vakuum in Europa und ein Vakuum wird automatisch gefüllt. Früh schon stellte Max Frisch fest: „Man rief Arbeitskräfte und es kamen Menschen“. Das war eine zutiefst menschliche Feststellung und konnte, so jedenfalls sehe ich es, nur in der heutigen humanistischen Kultur Europas entstehen. Auch heute braucht Europa mehr Menschen, jedoch solche, die sich in ihr Gastland integrieren (nicht assimilieren) und nicht ihre überholten und zum Teil barbarischen Traditionen ihren Gastgebern aufoktroyieren wollen.
„Rauchen ist tödlich“ gilt für missverstandenen Multikulturalismus, Liberalismus (das Wort Toleranz ist mir in diesem Zusammenhang zuwider) und politische Korrektheit, die auf ein eigenes Ich zu Gunsten eines falschen und nicht hinterfragten Verständnisses für herzige „Andere“ verzichtet. Denn das was der aggressive Islam (es gibt auch einen anderen, der sich leider kaum artikuliert) von uns fordert, wird im umgekehrten Fall, in den Ländern seiner Herkunft, nicht toleriert und sogar bestialisch bestraft. Erst wenn in Saudiarabien Kirchenglocken läuten und mit dem Muezzin einen freundschaftlichen Wettstreit beim Ruf zum Gebet abhalten, erst wenn es keine Christenverfolgungen in arabischen Ländern mehr gibt – Judenverfolgungen sind kein Thema mehr, denn praktisch alle Juden sind schon vor Jahrzehnten aus arabischen Ländern unter Hinterlassung ihres Besitzes verjagt worden – wenn Vielfalt von Religionen, Traditionen und Kulturen nicht nur für sich, sondern für alle gefordert und vorgelebt wird – dann können wir aufatmen. Damit will ich nicht der zur Zeit in der Schweiz von rassistischen „patriotischen“ Kreisen gegen den Bau von moslemischen Friedhöfen und Moscheen mit Minarett veranstalteten Hatz das Wort reden, doch müssen diese muslimischen Bestrebungen Teil des Willens zur Integration sein. Hier in Israel haben das die meisten begriffen. Besonders die genannte „Linke“ wie „Frieden jetzt“ und andere Gruppieren des israelischen Friedenslagers, wissen das und wollen vor allem das Überleben Israels sichern, ohne dem Hass unserer eigenen Rechtsextremisten zu erliegen, die Gefahr laufen, der Mentalität unserer jihadistischen Gegner zu verfallen. Bewegungen wie „Frieden jetzt“, auch wenn ich mich nicht mit allen ihren Aussagen identifiziere, tragen bei, mit realistischem Humanismus dem starken jüdisch-religiösen Extremismus eine Alternative entgegenzusetzen. Das zeigt, dass „Die Seele Israel“, entgegen der Meinung meines Freundes Ernest Goldberger, nicht zu einem schlechten Witz verkommen ist. Die Alternative wäre nationaler Selbstmord.Zum Abschluss ein Aufruf, der so wird gehofft, Leben retten kann und ganz genau ins oben beschriebene Thema passt und es illustriert. Die achtzehnjährige Iranerin Nazanin Fatehi soll gehängt werden, weil sie und ihre Nichte sich gegen die Vergewaltigung durch drei Basiji-Wächter gewehrt hat. Hier sind drei Links, der erste für den Aufruf, während der zweite und dritte die religiöse Menschenverachtung der iranisch-islamischen Welt illustriert, deren Totalitarismus (nicht nur den iranischen) ich oben angetönt habe.