Leben in Israel - Uris Tagebuch

Uri Russak schreibt Persönliches. Er schreibt über Politik, angewandten Zionismus und über seine Freunde - Juden, Araber, Drusen, Christen in Israel und ausserhalb. Er selbst sieht sich als Realist, kann Exremisten jeder Art nicht ausstehen. In Israel wird er oft Linksextremist genannt, im Ausland, besonders in der Schweiz, wo er geboren wurde, wird er als Rechter beschimpft. Das gefällt ihm.

Name:
Standort: Zichron Ya'akov, Israel

Das Leben in Israel ist nie langweilig. Von vielen gehasst und von vielen respektiert ist unser Land das erfolgreichste Projekt seit dem zweiten Weltkrieg, was natürlich nicht von allen gern gehört wird aber dennoch stimmt. Ich lebe und atme dieses Land, kritisiere viel und bin täglich wieder beeindruckt über die Energie und die Kreativität der Israelis und ihrer ans Anarchische grenzende Demokratie. Ich bin Aktivist für Koexistenz mit den arabischen Mitbürgern, gelte hier als politisch Linker, während ich in der Schweiz, wo mein Zielpublikum mehrheitlich lebt, bei einigen als Rechtsextremist verschrien bin, womit ich ganz gut leben kann.

Mittwoch, Januar 03, 2007

Talibanmanieren in Israel

3.1.2006 – Talibanmanieren in Israel

Herr Rabbiner Yosef Elyashiv, versucht zurzeit eine Art jüdische Talibanherrschaft unter seinen weiblichen Schäfchen einzuführen. Elyashiv ist das Haupt der aschkenasischen Haredim, den Litwaker Ultra-Orthodoxie (Litwak=Litauen), das aschkenasische Gegenstück zum sephardischen Rabbi Ovadia Josef. Schon sein Vorgänger, Rabbi Eleazar Schach, war ein bitterer Gegner des Zionismus – auch wenn weder er noch Elyashiv so weit gehen, wie die kuriosen Männer mit Bart und Schläfenlocken, die an Ahmedinejads Holocaust-Verleugnungs Kongress in Teheran teilnahmen. Elyashivs totalitärer Einfluss ist vor allem in Bnei Brak und Jerusalem, aber auch in anderen Orten zu spüren, wo er die Mehrheit seiner Anhänger in bewusster Armut und Ignoranz hält. Da ich persönlich, vielleicht ist es ein unschönes Vorurteil, doch haben wir immerhin etwas Ultra-Orthodoxie in der Familie (wenn auch Hassidim, die etwas mehr Freude in ihrem Leben haben dürfen als ihre Litwaker Cousins). Zurzeit kommt Eliyashiv und sein Rat der Weisen in mein Visier, weil er eine Kampagne gegen Frauen vom Zaun reisst. Als erstes verbot er ultra-orthodoxen Frauen akademische Ausbildung. Diese Frauen, die ganz offiziell für das Einkommen und somit für das Überleben ihrer Familien verantwortlich sind – während ihre Ehemänner die Thora studieren – sind natürlich daran interessiert mit ihrer Arbeit ein Optimum an Einkommen zu generieren. Dazu studieren sie, viele werden Lehrerinnen, all das zusätzlich zu den Familienpflichten und den zahlreichen Schwangerschaften in den ihnen dazu zur Verfügung stehenden Jahren. Elyashiv und sein Rat der Weisen, begrenzen nun ihre Ausbildungsmöglichkeiten und damit ihr Einkommenspotential. Schon ein BA (Bachelor of Arts) ist nun verboten. Dahinter steht, so wenigsten erkläre ich mir das, die Angst vor selbständigen Frauen, vor einem Lebensstandard, der haredischen Familien mehr Unabhängigkeit für sich selbst und von seinen „geistigen“ Führern verschaffen könnte. Mein Freund Howard, ein modern Orthodoxer denkt zwar, dass die meisten dieser Frauen auf Elyashivs Vorschriften pfeifen werden, doch bin ich da anderer Ansicht. Die Angst und die Unfähigkeit sich von der haredischen Machtstruktur zu lösen, wird es nur wenigen erlauben, sich dem Machtwort des Rabbi zu widersetzen.

Heute wurde Rabbi Elyashivs Streich 2 bekannt gegeben. Frauen dürfen nicht mehr rote Kleider tragen. Das sei aufreizend und es gäbe irgendeine Tradition, welche rote Farbe für Frauenkleidung verbietet. Elyashiv und sein Rat der Weisen haben die Anweisung erlassen Damenkonfektion nur noch in rund dreissig von ihnen als koscher erklärten Kleiderläden in Bnei Brak einzukaufen. Dieser neuesten Entwicklung gingen zahlreiche Attacken auf nicht züchtig genug bekleidete Frauen voraus, deren Kleider von frömmelnden Züchtigkeitswächtern sogar mit Bleichmittel bespritzt worden sind. Ins gleiche Kapitel gehören auch tätliche Angriffe auf Frauen, die es wagten in „koscheren“ Bussen im vorderen, für Männer reservierten Teil, zu sitzen. Auch hier ist die Tradition nur das zu tun, was der Rabbi sagt, so stark eingefleischt, dass dieser neueste rabbinische Furz mit ganz wenigen Ausnahmen befolgt werden wird.

Jetzt warten wir auf den nächsten frauenfeindlichen Streich. Könnte es sein, dass meine obigen Erklärungen falsch sind und diese Massnahmen nur der Ausdruck von Neid alter Männer sind, die ihn nicht mehr hochkriegen und deshalb ihre Macht missbrauchen?

Rauchen ist tödlich

28.12.2006 - Rauchen ist tödlich
Erst möchte ich mich für den verstümmelten Satz in meinem Tagebucheintrag vom 26.12.2006 entschuldigen. Es ging um Schalom Ben-Chorin und der Satz hätte heissen sollen: „Mich Schalom Ben-Chorins Meinung anschliessend, dass Jesus lebte, stelle ich hier nur zwei Punkte zur Diskussion“. Leider bin ich nicht in der Lage einen Korrektor einzustellen und so solch peinliche Fehler zu vermeiden. Sorry!
„Rauchen ist tödlich“ steht auf allen Zigarettenpäckchen in der Schweiz. Darüber bin ich noch immer zutiefst beeindruckt, wundere mich jedoch, dass das Zigarettengeschäft trotz diesen geschäftsschädigenden Warnungen, trotz astronomischen Preisen und trotz allgemeinem Wissen über die Tödlichkeit des Rauchens, noch immer ein profitables Geschäft zu sein scheint.
Rauchen ist nur eine der vielen Süchte, es gibt andere Drogen, die süchtig machen und nicht weniger tödlich sind. So wie extremistische Ideologien, die auf Hass, Massenmord und Todessehnsucht für sich und Unbeteiligte bauen und deren einziges Ziel es ist eine andere Kultur, Religion, ein anderes Land und sein Volk auszulöschen – nur wie sie anders sind, auch weil sie besser und erfolgreicher sind, als die fanatischen Hasser und ihre Weltsicht. Dazu kommt, dass Rauchen vor allem für den Raucher selbst schädlich bis tödlich ist, während politischer Religions- und Rassenhass alle bedroht, die ihm nahe oder in seinem Visier sind.
Darum denke ich, dass der Vermerk „Rauchen ist tödliche“ auch in der Weltpolitik in angepasster Form verwendet werden sollte. „Islamofaschismus ist tödlich“, „Nazis sind tödlich“, „Extremismus ist tödlich“ – solche Warnungen sollten jede Meldung und jedes Erwähnen dieser Phänomene begleiten. Möglichkeiten zur Anwendung gibt es viele. Nur wer beide Augen fest geschlossen hält und zudem den Kopf in den Sand steckt, nimmt nicht wahr, dass die sich Welt ändert, dass die westliche Zivilisation und ihre Errungenschaften, die, zugegeben, nicht alle wundervoll sind, ernsthafte Konkurrenz erhalten hat. Wie einst Attila und seine Hunnen oder Dschingis Khan (nicht Kahn) ist eine barbarische Gefahr entstanden, die weder zivilisatorisch oder ethisch Alternativen bietet, sondern unserer westlichen Demokratie und ihrer freien Gesellschaft nur Totalitarismus entgegenzusetzen hat. Deshalb denke ich, dass in der Schweiz und im restlichen Europa eine Kampagne zur Augenöffnung lethargischer Bürger stattfinden muss – falls es nicht schon zu spät ist. Immer wieder lese und höre ich in der deutschen, englischen und Schweizer Presse über „Eurabien“, das heute schon existiere und nur noch nicht offiziell wahrgenommen werde. Die Völkerwanderung hat schon vor Jahrzehnten begonnen – die sinkende Geburtenzahl der Europäer schuf ein Vakuum in Europa und ein Vakuum wird automatisch gefüllt. Früh schon stellte Max Frisch fest: „Man rief Arbeitskräfte und es kamen Menschen“. Das war eine zutiefst menschliche Feststellung und konnte, so jedenfalls sehe ich es, nur in der heutigen humanistischen Kultur Europas entstehen. Auch heute braucht Europa mehr Menschen, jedoch solche, die sich in ihr Gastland integrieren (nicht assimilieren) und nicht ihre überholten und zum Teil barbarischen Traditionen ihren Gastgebern aufoktroyieren wollen.
„Rauchen ist tödlich“ gilt für missverstandenen Multikulturalismus, Liberalismus (das Wort Toleranz ist mir in diesem Zusammenhang zuwider) und politische Korrektheit, die auf ein eigenes Ich zu Gunsten eines falschen und nicht hinterfragten Verständnisses für herzige „Andere“ verzichtet. Denn das was der aggressive Islam (es gibt auch einen anderen, der sich leider kaum artikuliert) von uns fordert, wird im umgekehrten Fall, in den Ländern seiner Herkunft, nicht toleriert und sogar bestialisch bestraft. Erst wenn in Saudiarabien Kirchenglocken läuten und mit dem Muezzin einen freundschaftlichen Wettstreit beim Ruf zum Gebet abhalten, erst wenn es keine Christenverfolgungen in arabischen Ländern mehr gibt – Judenverfolgungen sind kein Thema mehr, denn praktisch alle Juden sind schon vor Jahrzehnten aus arabischen Ländern unter Hinterlassung ihres Besitzes verjagt worden – wenn Vielfalt von Religionen, Traditionen und Kulturen nicht nur für sich, sondern für alle gefordert und vorgelebt wird – dann können wir aufatmen. Damit will ich nicht der zur Zeit in der Schweiz von rassistischen „patriotischen“ Kreisen gegen den Bau von moslemischen Friedhöfen und Moscheen mit Minarett veranstalteten Hatz das Wort reden, doch müssen diese muslimischen Bestrebungen Teil des Willens zur Integration sein. Hier in Israel haben das die meisten begriffen. Besonders die genannte „Linke“ wie „Frieden jetzt“ und andere Gruppieren des israelischen Friedenslagers, wissen das und wollen vor allem das Überleben Israels sichern, ohne dem Hass unserer eigenen Rechtsextremisten zu erliegen, die Gefahr laufen, der Mentalität unserer jihadistischen Gegner zu verfallen. Bewegungen wie „Frieden jetzt“, auch wenn ich mich nicht mit allen ihren Aussagen identifiziere, tragen bei, mit realistischem Humanismus dem starken jüdisch-religiösen Extremismus eine Alternative entgegenzusetzen. Das zeigt, dass „Die Seele Israel“, entgegen der Meinung meines Freundes Ernest Goldberger, nicht zu einem schlechten Witz verkommen ist. Die Alternative wäre nationaler Selbstmord.Zum Abschluss ein Aufruf, der so wird gehofft, Leben retten kann und ganz genau ins oben beschriebene Thema passt und es illustriert. Die achtzehnjährige Iranerin Nazanin Fatehi soll gehängt werden, weil sie und ihre Nichte sich gegen die Vergewaltigung durch drei Basiji-Wächter gewehrt hat. Hier sind drei Links, der erste für den Aufruf, während der zweite und dritte die religiöse Menschenverachtung der iranisch-islamischen Welt illustriert, deren Totalitarismus (nicht nur den iranischen) ich oben angetönt habe.

Olmerts Weihnachtsgabe

26.12.2006 – Olmerts Weihnachtsgabe
Weihnachtsstimmung bemerkt man als Jude in Israel vor allem durch die Medien. Christliche Freunde haben wir hier fast keine, wir selbst feiern natürlich Chanukka, zünden, wo immer wir gerade sind, acht Tage lange abendlich Kerzen an und freuen uns ganz besonders, wenn wir es mit unseren Enkeln tun können.
Nicht ganz neu, aber dafür immer wieder sonderbar, wenn nicht pervers, ist die in dieser festlichen Zeit jährlich wiederkehrende Behauptung Jesus sei Palästinenser gewesen – was insofern stimmt, dass zur Zeit der Römer alle Juden im römischen Palästina, Bürger Palästinas waren. Die römischen Gesetze waren so. Dass sich aber die arabischen Palästinenser der heutigen Tage als die damaligen jüdischen Palästinenser sehen und behaupten Jesus sei Palästinenser gewesen, fügt sich nahtlos an den modernen Irrwitz an, der von der modernen arabischen Welt in die Welt gesetzt und begeistert geglaubt wird. Geschichtlich unhaltbar, aber vor allem ethisch gesehen die wohl grösste Chutzpa (Frechheit) aus dieser verlogenen Welt. Einen sanftmütigen Rabbi als Palästinenser! Mich Schalom Ben-Chorins Meinung anschliessend, dass Jesus lebte, stelle ich hier nur zwei Punkte zur Diskussion. Der eine ist die Tatsache, dass Jesus ein Mann des Friedens, ein sanfter Mensch war, der seine Mitmenschen liebte und mit dem Todeskult und der Gewalttätigkeit des heutigen Jihadismus in keiner Weise in Verbindung gebracht werden kann, denn sie schliessen sich gegenseitig aus. Zwar hat sich das Christentum im Laufe seiner Geschichte keineswegs als Jünger der friedfertigen Lehren Jesu gezeigt. Spuren davon sind heute noch unter anderem bei jenen wenigen arabischen Christen zu finden, die im Libanon, der Westbank und einzelne in Israel sich mit den Jihadisten und der Hisbullah verbinden, genau nach alten Schweizer Motto „Nur die allergrössten Kälber wählen ihren Metzger selber“, auch wenn es bestimmt und vor allem, von mangelnder Zivilcourage zeugt. Sich gegen Israel zu stellen, so lange nicht geschossen wird, ist ungefährlich, sich gegen fanatisierte Islamisten zu stellen, kann den Kopf kosten. In der amerikanischen Zeitung „Independent“ ist ein Artikel zu finden, der sich mit der Mutmassung befasst – die Eingebung des Autors ist jedes Jahr um Weihnachten irgendwo zu lesen – wie wohl Josef mit seiner schwangeren Maria auf ihrem Weg nach Bethlehem durch die vielen Strassensperren gekommen, ja ob sie überhaupt durchgelassen worden wären. Der Autor suggeriert, dass man sie heute nicht durchgelassen hätte, Schwangerschaft hin oder her. Ich denke man hätte sie nach Bethlehem ziehen lassen, das vor zweitausend Jahren noch von Juden und nicht von zu achtzig Prozent Moslems (in der Zeit vor ihrer Heimsuchung durch Arafat, war die Bevölkerung Bethlehems zu achtzig Prozent christlich und zwanzig Prozent islamisch, heute ist es umgekehrt). Er zieht es vor zu unterschlagen, dass in Ambulanzen und unter den Röcken schwangerer und nicht schwangerer Frauen auch schon Sprengstoff entdeckt worden war. Womit ich beim zweiten Punkt wäre: weder Josef oder Maria und schon gar nicht Jesus hätten sich als Terroristen missbrauchen lassen, ob wohl es solche auch schon vor zweitausend Jahren gab.
Womit ich nahtlos beim nächsten Thema bin: der Olmert hat den Abbas bei sich zu Hause zu einem Gespräch mit Diner eingeladen. Abbas hat sich mit saurem Gesicht küssen lassen, es war ihm sichtlich peinlich. Arafat hätte solches genossen und Olmert wohl einen Zungenkuss verpasst, einem Vergehen wegen dem zurzeit Chaim Ramon den Kalender voller Gerichtstermine hat. Die Reportage in Olmerts Residenz erinnerte mich an die Szene auf dem Rasen im Weissen Haus anlässlich der Unterzeichnung des Oslo-Vertrages, als Rabin mit grösster und der ganzen Welt sichtbarer Überwindung Arafat die Hand reichte – ich denke, dass Bill Clinton küssen untersagt hatte.
Trotz Kuss und der folgenden Pressediskussionen darüber, wird die Regierung doch sechzig Strassensperren aufheben, obwohl die Armee nicht glücklich darüber ist. Zudem sollen Gefangene entlassen werden, vor allem Kinder und Frauen, wie es heisst. Bald wird sich zeigen, ob die Palästinenser dieses Vertrauen verdienen oder ob die Terroristen unter ihnen dieses bisschen mehr Bewegungsfreiheit missbrauchen werden. Auf jeden Fall bin ich stolz, dass Olmert seinen inneren Schweinehund überwunden hat und, ein wenig spät zwar, versucht den als gemässigt angesehenen Machmud Abbas in seinem politischen Überlebenskampf zu unterstützen. Viele Israelis trauen ihm nicht, mein Freund Howard schrieb Olmert eine E-Mail (mit Kopie an mich) und forderte ihn auf zurückzutreten. Ich bin mit Howards Sicht der Dinge nicht einverstanden und schrieb ihm dies zurück (ohne Kopie an Olmert). Doch kann ich Howard gut verstehen, als Überlebender des Terroranschlages in der Pizzeria Sbarro in Jerusalem, dessen Nichte noch immer im Koma liegt und er einen Gehörschaden und Stresssyndrome davongetragen hat, ist es seine Art, damit umzugehen. Er betreibt damit Psychohygiene und akzeptiert meine Diagnose widerspruchslos. Zwar ist es ein Thema für sich, doch möchte ich erwähnen, dass Überlebende und Familien von Terroropfern ganz verschieden mit ihren Erfahrungen umgehen – es gibt Parallelen mit Holocaustüberlebenden. Die einen hassen sämtliche Araber und werden zu aggressiven Nationalisten, während andere sich mit Familien palästinensischer Opfer verbinden, sich mit den Hintergründen dieser Untaten auseinandersetzen und alles tun, um Verständnis werben und alles tun um diese Gewalt zu neutralisieren. Vor diesen Menschen habe ich grossen Respekt. Sie sehen ihr Schicksal als Teil der Tragödie dieser Region, und nicht allein als persönliches Unglück. Es ist so viel einfacher rachsüchtig zu sein und zu hassen, als sich mit der Problematik auseinanderzusetzen und versuchen sie durch positive Arbeit zu beeinflussen oder wenigstens die Überlebenden nicht zu hasserfüllten Menschen verkommen zu lassen. Vergessen wir nicht, dass palästinensische Opfer nicht nur zufällig bei einem Terrorattentat anwesende Araber sind, sondern auch durch Unfälle und Irrtümer der israelischen Armee „produziert“ werden. Für deren Familien gilt die oben beschriebene Problematik genau so, wie für jüdische Familien, ob sie durch einen gezielten Terrorakt oder eine militärische Fehlleistung ausgelöst worden ist.

Tefillim und Jihadismus

23.12.2006 – Die Qualität der Tefillim und der Krieg einzelner Muslims gegen den Jihadismus
Im Sommer 2005, kurz vor dem israelischen Abzug aus Gaza, erschoss ein gottesgläubiger Siedler in der Westbank vier palästinensische Arbeiter. Der Siedler hiess Ascher Weisgan und lebte in der Westbanksiedlung Shilo. Er wurde zu viermal lebenslänglicher Haft verurteilt. Gestern beging er im Zuchthaus Selbstmord, in dem er sich an seinen qualitativ offensichtlich hervorragenden Tefillim aufhängte. Ich werde mich beherrschen und keinen zynischen Kommentar über diese originelle Art Selbstmord zu begehen, abgeben. Auf jeden Fall sind nun die Gefängnisleitung, die Polizei, die Richter und alle, die mit dem Fall Weisgan irgend eine noch so entfernte Verbindung hatten, von den Siedlerorganisationen angeklagt, für den Tod dieses „jüdischen Helden“ verantwortlich zu sein, denn, und das stimmt vielleicht zur Hälfte, er sei halt durch seinen Daueraufenthalt im Zuchthaus psychisch leicht gestört worden. Aber ein Massenmörder war er doch und über seine Opfer wird kein Wort verloren.
Ich füge dieser Tagebuchseite ein Attachment bei. Es ist eine Ansprache in sieben Teilen, von Brigitte Gabriel, einer christlichen Libanesin, die heute in Amerika lebt und zur Aktivistin gegen islamischen Terror geworden ist. In meinem Tagebucheintrag vom 11.12.2006 habe ich sie schon empfohlen und in diesem Referat bringt sie unter anderem Teile ihres Buches „Because they hate“. Wer amerikanisches Englisch mit arabischem Akzent versteht, sollte sich alle Teile, die ich hier sende, schön der Reihe nach anhören. Der zeitliche Aufwand ist eine runde Stunde on-line am Computer.Eines der angeschnittenen Themen, ist die Frage, wo denn die nicht hassenden friedlichen Moslems sind, die viel erwähnt werden, von denen man aber rein gar nicht hört oder sieht, die es nicht einmal in den westlichen demokratischen Länder, in den sie Unterschlupf gefunden haben und zum Teil zu Millionen leben, fertig bringen, für einen friedlichen Islam zu demonstrieren. Dass sie sogar im Westen damit ihr Leben riskieren würden, könnte sein – aber sie tragen durch ihr beiseite stehen bei, dass die freie Welt heute ungerechterweise den gesamten Islam als barbarisch und als Gefahr für die freie Welt empfindet. Die wenigen aufgeklärten Moslems, die das als mutige Einzelpersonen tun, wie Fouad Ajami, Bassam Tibi, beide, im Gegensatz zu den Damen Irshad Manji, Wafa Sultan und Brigitte Gabriel, keine Aktivisten, sind rein mengenmässig ein ungenügendes Gegengewicht zum jihadistischen Barbarismus und seinen hirngewaschenen Apologeten der westlichen linken und extrem rechten Szene

Schweizer Rassismus

20.12.2006 – Rassismus
Aus reinem Zufall (ich suchte Information über Nelly Wenger) stiess ich auf die Webseite von Klaus J. Stöhlker, der „genealogisch“ deutschen PR-Grösse in Zürich, der vor allem für sich selbst, und das mit Erfolg, PR betreibt. Den Stil dieser Zeilen habe ich untenstehendem Brief eines RA Dr. Felix M. Rüttimann entnommen, der in einem zutiefst antisemitischen Brief meinen Blutdruck in die Höhe schnellen liess. Dass sämtliche Fakten auch noch falsch sind, bestätigt den Eindruck seiner Zeilen, die einen pathologischen Hasser, Misanthropen und dummen un- und eingebildeten Menschen präsentieren, dem eigentlich seine Zulassung als Rechtsanwalt entzogen sollte. Der Brief stammt vom 1. Juli 2006. Was er schreibt, ist ein Textbuchbeispiel des heutigen Antisemitismus, der es ohne Furcht und Scham wagt, den Stil der Nazizeit aufzuwärmen. Der Neid auf Erfolge jüdischer Frauen (von den Männer spricht er nicht, aber warum sollte Rüttimann anders über uns jüdische Männer denken?) ist penetrant. Er wohnt an der Hofstrasse 66/2, Zürich (gem. telsearch.ch), nur ein paar hundert Meter von meiner Tochter entfernt. Schade, dass ich während meinem Aufenthalt in Zürich von diesem Brief keine Kenntnis hatte. Ich hätte Rüttimann soooo gerne heimgesucht und meinen Stolz darüber ausgedrückt, dass wir Juden die Welt kontrollieren – dass wir soooo gut sind, wusste ich nicht, ebenso wenig wie die Tatsache, dass Rockefeller, der Inbegriff eines WASP, ebenfalls mein „Stammesbruder“ ist. Wie alle Rassisten und Hasser, ist der Antisemit Rüttimann mit der Wahrheit auf Kriegsfuss. Hier bitte schön, seine Schmiererei, zu der Stöhlker, der, so ist mein Eindruck nach Lektüre seiner eigenen Veröffentlichungen in seinem Site, mit uns Juden ein ebenfalls leicht gestörtes Verhältnis zu haben scheint.

RA Dr. Felix M. Rüttimann, Zürich am 1. Juli 2006
Guten Tag,dass Sie, Herr Dr. Stöhlker und Frau Nelly Wenger wie zwei Welten aufeinanderprallen, ist - ethnisch bedingt - klar und logisch: Als meinerseits selbst Halbdeutscher und gewillt - ohne Angst vor dem unsäglichen StGB-Rassismusartikel - ins Thema Ethnien und Religionen einzugreifen, lässt sich lapidar feststellen, dass die jüdischstämmige Frau Wenger wie bspw. die gleicher Genealogie entstammende Ruth Dreifuss (p.m.: Bundesrätin, KVG-Schlammassel) oder Ursula Koch (p.m: ZH-Stadträtin und Bauverhinderin, dann noch kurze Fehlbesetzung als SP-Präsidentin Schweiz), u.v.a., es - unerklärlicherweise - immer wieder schaffen, Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft zu erklimmen, bis dann häufig unzählige Schadenfälle und sonstige Unverträglichkeiten dem Disaster ein Ende bereiten. Der Grund dafür ist und bleibt wohl das Moses-Rätsel: Es gibt ca. 30′000 jüdische Frauen in der Schweiz. Wenn proportional gleichviele nicht-jüdische CH-Damen (ca. 3,5 Mio.) es in der Schweiz gleichermassen “nach oben” bringen würden/wollten, hätten wir ja schon rein arithmetisch ein unlösbares Problem. Fakt ist, dass die vorgenannte Ethnie (es gibt gerademal ca. 18 Mio. auf der Welt bei notabene 7 Milliarden Gesamtbevölkerung) nicht nur bspw. jährlich praktisch alle Oscars, Nobel- und Pulitzerpreise (nominal übrigens selbst geschaffene Preise) abräumt, sonder es auch schafft, die USA (via AIPAC, etc., und insb. durch die vom Stammesbruder Rockefeller finanziell gepushte Demokratenpartei mit den zwei Clinton-Strohpuppen) und damit de facto die Welt zu kontrollieren, sondern auch in der Schweiz (und ganz Europa, siehe FR: Sarkozy lässt als erster möglicher jüdischer Staatschef in der EU schon grüssen!) enorme Macht ausübt (Banken, Medien, Rohstoffhandel sind weitläufig in ihrer Hand; vgl. zu letztem den in den USA verurteilten Verbrecher Marc Rich in Zug und seine Kumpanen) und hintendurch eben auch in völliger Missproportion weite Teile der Politik bis hinauf in den Bundesrat kontrolliert (p.m.: schon die erste BRin E. Kopp war ja eine geborene Iklé (-)). Wüssten die gehäbigen Schweizer doch nur mehr darüber. Herr Dr. Stöhlker lassen Sie weiter Ihre Kanäle walten und spielen, und halten Sie in dieser Sache weiterhin nie die die Hand vor den Mund! Ich mache in meinem kleineren, nicht-medialen Rahmen täglich, was ich kann.
Gratulation und herzliche Grüsse!


Eine Stellungnahme Stöhlkers habe ich nirgends gefunden. Bis eine solche erfolgt, denke ich, sollten seine Selbstdarstellungen und seine Besserwissereien in den Medien etwas eingeschränkt werden. Ich habe ihm entsprechend geschrieben.

Noch ein Skandal, ähnlich, aber anders rum: Rabbiner der vorwiegend von ultraorthodoxen Juden bewohnten Stadt Bnei Brak veröffentlichten einen Aufruf an ihre Bevölkerung keine Wohnungen oder Häuser an Araber zu vermieten. Es wurden entprechende Plakate in den Strassen aufgehängt.

Die Rebbes haben vordergründig Angst um die jüdischen Töchter des Quartiers, dahinter steht jedoch der Unwillen der Haredim, sich mit der Umwelt, in der sie, entgegen ihrer eigenen Meinung, keine Insel sind, zu messen. Es geht vor allem darum, das Ghettodasein für ewige Zeiten zu erhalten. Es geht vor allem um ein bestimmtes Quartier von Bnei Brak, Pardess Katz. Die religiöse Führung der Stadt, darunter der Oberrabbiner, die damit auf eine Unruhe unter ihren Schäfchen in Pardess Katz reagierten. Der Schlüsselsatz im Aufruf lautet: „Wir wollen keine Leute feindlicher Herkunft bei uns, die nicht zu unserem Volk gehören und nur Sünde und Assimilation in unser Quartier bringen! Wir wollen sie alle verjagen, sodass keine Araber mehr unter uns sein werden.“

Inzwischen wurde der israelische Generalstaatsanwalt Meni Mazuz aufgerufen, diesen rassistischen Aufruf und das Verhalten des örtlichen Rabbinats und den Einwohnern Pardess Katzs zu untersuchen und festzustellen, ob ein Strafverfahren eingeleitet werden soll. Die ADL verurteilt diese Bigotterie ebenfalls in starken Worten, nennt es eine Schande für das jüdische Volk und ruft in Erinnerung, wie Juden reagieren würden, wenn solcher Rassismus gegen sie gerichtet wäre – er würde unter keinen Umständen toleriert.“

PS: Innert wenigen Stunden nach dem Verschicken dieses Tagebucheintrags war der Brief des Antisemiten Rüttimann aus Stöhlkers Website verschwunden. Er schickte folgenden "Entschuldigungsbrief":

Danke für Ihre Antwort auf den Blog "Nelly Wenger....". Wir haben den kompletten Blogeintrag entfernt, da wir natürlich nichts mit Antisemiten zu tun haben wollen.
Trotzdem lasse ich es mir nicht nehmen, darauf aufmerksam zu machen, dass im Blog nicht unsere, sondern die persönliche Meinung des Antwortenden eingetragen wird. Inzwischen haben uns einzelne Mitglieder der jüdischen Gemeinde schon fast mit Antisemiten
verglichen, weil die persönliche Meinung dieses Herrn bei uns geposted wurde. Das stört mich, aber darüber spricht keiner. Wir sind alles nur Menschen, egal welcher Religion wir angehören. Teile meines engsten Freundeskreises sind Juden und mit denen habe ich diese Diskussion über all die Jahre nie führen müssen.
Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest und
en guete Rutsch is Neue Jahr.
Herzliche Grüsse
Fidel Stöhlker
Geschäftsführender Partner

Chanukka 2006

18.12.2006 – Chanukka 2006
Soeben verfolgte ich im Arutz Haknesset, der knesseteigenen Fernsehsehstation auf Kanal 99, die hauseigene Chanukkafeier. Es fanden einige lobenswert kurze Ansprachen statt, Olmert bemühte Arik Sharon, andere taten das auch – aber die Feier war trotzdem schön. Eli Moyal, Bürgermeister der Stadt Sderot, eine prominentes Ziel palästinensischer Raketen, durfte die heutigen vier Kerzen anzünden. Die Israel Philharmoniker, die geschichtsträchtige, von Toscanini mitgegründete Formation spielte unter Zubin Mehta Mozarts Jupiter-Symphonie. Die Akustik war gar nicht übel und kein einziges Parlamentsmitglied wagte es, mit Zwischenrufen das Konzert zu stören. Die Parlamentspräsidentin tauschte mit Zubin Mehta Arbeitswerkzeug aus – er gab ihr seinen Dirigentenstock und sie ihm ihren präsidialen Sitzungshammer mit Unterlage zum drauf hauen. Viel müssen im Stillen gedacht haben: „warum wechselt ihr nicht auch eure Jobs“, stellvertretend für Knesset und das Symphonieorchester. Die Musiker spielen harmonisch miteinander und produzieren wundervolle Musik, während bei den Politikern im Parlament das genaue Gegenteil geschieht - jeder gegen jeden, das Endprodukt ist weniger wichtig als das Ego. Das Beschwören von Arik Sharon faszinierte mich – er kann ja nicht widersprechen. Vielleicht steht er nicht auf klassische Musik, sondern auf „Heavy Metal“?
Eine gewisse Ähnlichkeit gibt es zwischen oben geschilderter Feier und der „Hadlakat Nerot“, dem Kerzenanzünden, am vergangenen Freitag bei unserer Reformgemeinde. Auch da wurde politisiert, wenig und relativ bescheiden. Der Vize-Bürgermeister unserer Stadt erschien mit einem Gehülfen und überbrachte die Grüsse der Stadtregierung. Wie jedes Jahr seit zehn Jahren, versichert er uns im Namen eben dieser Stadtregierung, dass der seit Gründung der Gemeinde versprochene Boden uns bald zugesprochen werden. Unsere Gemeindemitglieder sind sehr höfliche Menschen – niemand hat gelacht.
Adnan Abu Hasna, ein palästinensischer Journalist in Gaza gab ein kurzes, aber aus technischen Gründen nicht volles, Fernsehinterview. Er sagte, die Hamas in Gaza schwimme im Geld und seien der Fatah kräftemässig weit überlegen. Es seien Hunderte Millionen Dollars und Euros gehortet worden, mit denen fast ausschliesslich Waffen angeschafft werden. Es gehört zum Grundwissen über das palästinensische Flüchtlingsproblem, dass die Palästinenser in den besetzten Gebieten auf der Westbank, in Gaza, aber auch im Libanon und Jordanien die bestbezahlten Flüchtlinge der Welt sind. Die UNO, die EU, die USA, Israel, arabische Länder, alle schoben und schieben seit bald sechzig Jahren wachsende Beträge und Materialien zu den Palästinensern, denen es aber trotzdem um keinen Deut besser geht, auch weil ihre Anführer, allen voran Arafats Witwe, traditionsgemäss den grösseren Teil davon auf private Schweizer und andere Bankkonti verschoben. Zudem wurden Waffen angeschafft und der „heroische Widerstand“ gegen israelische Kinder, Alte und andere Zivilisten wurde zur Wachstumsbranche, nationalistisch und später religiös, untermauert. Milliardenbeträge sind es gesamthaft, von denen wirkliche Flüchtlingen in Zentralafrika, in Darfur, in Kambodia und anderen Gegenden dieser Welt, nur träumen können. Seit Hamas am Ruder ist, sollen solche Zahlungen aus der EU und USA zurückgehalten werden, es scheint, die Iraner springen hier ein und senden Bargeld in Koffern.
Populär in den Nachrichten und bei öffentlichen Diskussionen ist zur Zeit das Thema „Friedensverhandlung mit Syrien“. Die Regierung ist zum Teil dagegen, wer die Mehrheit hat, ist mir nicht klar. Der Chef des Mossads, Meir Dagan, berichtet heute, dass Syrien aus dem sommerlichen Libanonkrieg gelernt habe und seine Armee vermehrt auf Panzerbekämpfung drillt. Zudem sollen kleine Guerillaverbände auf die Beine gestellt werden, wie gesehen bei der Hisbullah. Trotzdem finde ich, dass mit dem jungen Herrn Assad geredet werden sollte. Vielleicht auch nur, um der Welt zu demonstrieren, dass erstens Israel jede Gelegenheit zum Dialog mit einem arabischen Staat wahrnimmt und, zweitens, der Welt möglicherweise zu demonstrieren, dass die syrische Verhandlungsbereitschaft nur ein Bluff ist. Die letztere Idee, in Zürich über Kalbsleberli und Rösti von einem befreundeten Journalisten gehört, wird nun auch in Israel verschiedentlich vorgebracht. Dauerndes Neinsagen und den arabischen Terror einfach aussitzen zu wollen, bringt Israel um die eigene Initiative und das wäre schlecht.

Nach zwei Monaten Schweiz

11.12.2006 – Zurück
Wir sind wieder zu Hause, in Zichron Ya’akov an der Negbastrasse 1. Wegen einer leichten Krankheit ein paar Tage später als vorgesehen, das kann vorkommen und mindert den Wert unserer siebenwöchigen Schweizerferien um nichts. Wir hatten es schön.
Neben Enkeln und Familie traf ich viele Freunde und Bekannte, alte und auch neue. Ich rührte die Werbetrommel für unsere Galerie in Umm El-Fahm und macht „Hasbara“ (Öffentlichkeitsarbeit) für Israel. Nicht alle konnte ich sehen, mein Programm wuchs mir über den Kopf und ich bitte jene Freunde um Entschuldigung, die mit mir sein wollten und ich es nicht schaffte, diesem Wunsch zu entsprechen. Hoffentlich klappt es das nächste Mal. Als Alternative biete ich einen Besuch bei uns in Zichron Ya’akov an.
Zurück in Israel konnte ich feststellen, dass ich von der Schweiz aus vieles gar nicht mitbekommen habe – ich war viel zu beschäftigt um Zeitung zu lesen oder fernzusehen. Ge- und besprochen hatte ich vor allem Allgemeines, israelische Skandale und Übles aus der islamischen Welt bekam ich nur am Rande mit. Entsprechend wurde ich nun mit verschiedenen Aussagen konfrontiert, deren Inhalte mir missfallen:
· In Israel wird im Hochsommer Krieg erwartet. Gegen Hamas und Hisbullah, Stellvertreter Irans. Von der Regierung Israel wird das energisch bestritten und sie warnt vor sich selbst erfüllenden Prophezeiungen.
· Die Korruption in Israel habe neue Rekorde erreicht, als einziger prominenter Angeklagter unter ihnen wird Haim Ramon, der einer Offizierin einen Zungenkuss gegeben haben soll, als Opfer einer politischen Verschwörung dargestellt, da Olmert jeden Politiker, der ihm gefährlich werden könnte, auf irgend eine Art ins Abseits befördere. Alle anderen werden vom Volk als schuldig angesehen. Diese byzantinischen Theorien wurden mir von einigen nationalistisch und rechtsradikal gefärbten Freunden aufgetischt, die heute Olmert mehr zu hassen scheinen, als Mitglieder des linken Friedenslagers.
In diesem Zusammenhang erhielt ich einen ekelerregenden Website aus der rechten jüdischen Hassszene, in der über die „Smolanim“ (die Linken) hergezogen wird. All jene Israelis nach der Gründergeneration, wie Rabin, Dayan, Peres, Yael Dayan, Sharon, sogar Olmert ist dabei. Yossi Beilin wird Neo-Nazi genannt. Der Graben zwischen den Irren der extremen israelischen Rechten und den islamischen Jihadisten wird immer kleiner, sie werden sich immer ähnlicher.
In der Schweiz werden sich bestimmt einige finden, welche die Holocaust Konferenz in Teheran als etwas lächerliches abtun. Es nehmen schliesslich sogar Juden teil – und was für prachtvolle Exemplare aus Brooklyn:
Ich weiss nicht, wie diese antisemitische Konferenz, die nur dem Ziel dient alle Juden und den Staat Israel zu delegitimieren und so (hoffnungsvoll) einen weiteren Pflock zur Zerstörung Israels einzuschlagen. Vor allem finde ich diesen Anlass eine tiefe Beleidigung der Opfer des Holocausts, dessen Überlebende heute sehr alt sind und sich mit dieser perfiden Hasskampagne auseinandersetzen müssen. Das schweizerische Wort „gruusig“ ist wohl die treffendste Bezeichnung dafür. Zudem ist es eine Demonstration krankhaften Judenhasses. Zu erwähnen ist, dass ein arabischer Israeli, der an dieser Konferenz teilnehmen wollte um die wirkliche Wirklichkeit zu erläutern, nicht zugelassen worden ist.
Es gibt auch schöneres zu berichten. Israel nahm diesen Sommer etwa zweihundert sudanesische Flüchtlinge auf, wusste nicht was mit ihnen anzufangen sei und steckte sie ins Gefängnis. Menschenrechtsaktivisten, darunter auch Elie Wiesel, protestierten und gingen vor Gericht. Die Flüchtlinge seien frei gekommen wurde mir gesagt, eine Bestätigung dafür konnte ich allerdings noch nicht finden.
Neu wäre das nicht, Ministerpräsident Begin selbst entschied nach Ende des Vietnamkrieges einige Hundert Vietnamesen (Boat People, wer sich erinnern kann) aufzunehmen – diese sind inzwischen gut in Israel integriert. Sie wurden Küche heute so populär im Lande ist – gelegentlich sogar koscher.
In diesem Zusammenhang habe ich erfahren, dass in Kanada im Sommer auf Initiative einer sudanesischen Frau, Taraji Mustafa, einer sudanesischen Menschenrechtsaktivistin, eine jüdisch-sudanesische Freundschaftsgruppe gegründet worden sei. Wie weit diese gediehen ist, ist mir unbekannt, doch Nachrichten über diese Bekanntmachung in der arabischen Presse sind auch weiterhin zu finden. Es ist interessant festzustellen, dass viele versöhnliche Ouvertüren zu uns Juden von muslimischer Seite von Frauen stammen. Ich denke da an die Saudin Wafa Sultan, die Libanesin Brigitte Gabriel (es lohnt sich alle Teile ihrer Ansprache zu hören) und die Pakistanin Irshad Manji, denen allerdings eines gemeinsam ist: sie wohnen alle in der freien westlichen Gesellschaft. Nicht nur sind sie dort frei sondern haben auch Zugang zu Informationen, die ihnen in der arabischen und islamischen Welt verwehrt bleiben. Zudem gehören sie nicht zu den fast 50% aller arabischen Frauen, die nie zur Schule gegangen sind, weder lesen noch schreiben können und von ihrer Gesellschaft unterdrückt werden.
Zum Schluss noch eine wundervolle Nachricht: Wir pflückten heute unseren grossen Zitronenbaum (es gibt auch einen kleinen) leer. Es ergab rund 30 Kilo, nachdem während unserer Abwesenheit, sich einige Freunde schon bedient hatten. Wir hatten sie darum gebeten.