Die Mär der Streubomben und der Sex
Streubomben (in Englisch Cluster Bombs) sind eine amerikanische Erfindung und werden ausschliesslich in den USA hergestellt. Die Waffe, die anzuwenden Israel nun angeklagt wird, sind Artilleriegeschosse (nicht, wie viele meinen, Bomben aus Flugzeugen), die mit diesen amerikanischen Bomben nicht viel zu tun haben. Diese Geschosse, so mein Berater, ein pensionierter Oberst, sind weit weniger gefährlich als eine Handgranate, streuen in einem kleinen Umkreis und töten nicht, sondern verwunden „nur“. Sie sind nicht geächtet, wie die grossen echten Streubomben, die aus Flugzeugen abgeworfen werden und eine Art Minen streuen, die grauenhafte Schäden anrichten können. Bei beiden soll es etwa 10% Blindgänger geben.
Das ist insofern interessant, als diese Artilleriegeschosse gemäss internationalem Recht und im Gegensatz zu den Cluster Bombs nicht verboten sind. Diese Streubomben sind nun das neueste Argument krankhaft antiisraelischer Kreise, die das im Zusammenhang mit dem soeben unterbrochenen Libanonkrieg in die Diskussion einbringen. Es war ausschliesslich die Organisation Human Rights Watch, die das festgestellt haben will und auf die sich alle anderen berufen. Human Rights Watch hat durch das Verwechseln zweier verschiedenartiger Munitionsarten „Munition“ für Israelkritiker geliefert.
Ähnlich, aber weit gefährlicher sind die von der Hisb’allah nach Israel abgeschossenen 3500 Katjushas und andere Raketen, die alle mit Schrapnell und Schrottkugeln vollgestopft waren. Diese Raketen dienen dem ausschliesslichen Ziel, möglichst viele Zivilisten zu töten. Militärisch sind sie wertlos, da sie nicht gezielt eingesetzt werden können. Ihren Effekt konnte die ganze Welt beobachten, bisher hat sich noch keine Menschenrechts-organisation beklagt. Diese Raketen mit ihrem streuenden und tödlichen Inhalt sind noch recht neu und vielleicht deshalb noch nicht in der Liste geächteter Waffen. Im übrigen wurde mitgeteilt, das im ganzen Galiläa einige Hundert Blindgänger liegen. Das Publikum wurde gewarnt, diese nicht zu berühren und sofort zu melden.
Ich habe mich umgehört, neben Louis und Amos noch mit einigen anderen Sachkundigen gesprochen, darunter keine Apologeten oder „Colonel Blimps“, und bin zum Schluss gekommen, dass die israelische Armee im Libanon keine Streubomben benutzt hat. Dafür gibt es einleuchtende Argumente:
· Ich sprach auch mit meinem Freund Louis Loewenthal über das Thema. Louis, in England geboren und schon fast fünfzig Jahre in Israel, wohnt im arabischen Quartier Jaffas, politisiert dort (sehr links) und ist Publizist und Übersetzer. Im ersten Libanonkrieg von 1982 war er, der ehemalige Fallschirmspringer, wegen seinen Englischkenntnissen bei der Pressestelle der Armee tätig. Im ersten Libanonkrieg befasste er sich mit dem Vorwurf, Israel habe Streubomben eingesetzt. Die Situation war fast identisch. Auch in 1982 wurde Israel der Einsatz von Streubomben vorgeworden, doch musste dieser Vorwurf zurückgezogen werden.
· Die Anwendung von Streubomben wurde während dem Krieg von der überall anwesenden internationalen und nationalen Presse nie erwähnt. Da es heute praktisch keine Pressezensur mehr gibt (die Satellitensysteme der Geheimdienste und der Medien haben dafür gesorgt), kann man sich darauf verlassen. Sogar ein extrem israelkritischer Reporter wie der seit Jahren im Mittleren Osten tätige englische Journalist Robert Fisk, der nicht nur Schreibtischjournalismus betreibt, sondern mutig von der Front wirkt, hat diese verbotene Waffe nicht erwähnt. Ebenso wäre es ausgesprochen lächerlich zu behaupten, die israelische Armee würde vor den überall gegenwärtigen UNIFIL-Beobachtern eine solche Waffe einsetzen.
· Beim Suchen im Internet über dieses Thema fand ich ausschliesslich Hinweise über Streubomben in den Websites politisch extremer Organisationen oder Hinweise, die aus diesen Kreisen übernommenen worden sind.
Ein weiteres Thema, das angeschnitten werden sollte sind die von Israel erlittenen Verluste und Schäden an Menschen und Besitz. Man liest und hört eigentlich wenig darüber und ich denke, der eine Grund ist, dass Israel, nicht wie seine arabischen Gegner, sich als „Nebbische“ (aus dem Jiddischen: Schlappschwanz, weinerlicher Schwächling oder „professionelles“ ebenso weinerliches Opfer) darstellen wollen. Dem israelischen Macho liegt das nicht. Der zweite Grund ist, so denke ich, der, dass Israel den durch den Krieg geschwächten Tourismus und andere Branchen der Wirtschaft nicht durch Klagen über Schäden der Infrastruktur schwächen wollen.
Was mich an dieser Diskussion – falls sie überhaupt eine ist – ärgert, ist die Tatsache, dass Israel über den erfundenen Gebrauch nicht legaler Waffen gegen einen Gegner, der sich hinter dafür hinter festgehaltenen zivilen Menschen versteckt, angeklagt wird, während wegen den rund 3500 arabischen Raketen, die ausschliesslich gegen israelische Zivilisten eingesetzt worden sind, sich niemand für die toten Israelis einsetzt. Jene, die den Feinden Israels unreflektiert jede Lüge abkaufen, sollten sich dies überlegen. Aber nochmals, wir Israelis wollen nicht als Nebbische angesehen werden. Das ist auch etwas wert.
All das ändert gar nichts an der Tatsache, dass unsere Regierung und Militärführung für diesen äusserst schlecht geführten Krieg zur Kasse gebeten werden müssen. Es gibt schon ganze Volksbewegungen zusammengesetzt aus Politikern, Journalisten, Reservesoldaten die sich verheizt vorkommen, die heute demonstrieren und den Rücktritt oder gar Rauswurf von Olmert, Peretz und Halutz fordern.
Weit interessanter finde ich die sexuellen Eskapaden unserer Politiker. Justizminister Ramon ist zurückgetreten und Staatspräsident Katzav, der es mit drei Mädchen getrieben haben soll, wird unter fröhlicher Anteilnahme aller Bürger polizeilich verhört. Sogar seinen Computer habe die Polizei konfisziert – was dieser mit seinen Tändeleien zu tun haben kann, weiss ich nicht. Vielleicht hat er im Internet nach Sex gesurft. Ramon und Katzav führen die Tradition früherer Prominenter weiter, die zum Teil sogar für solche Delikte verurteilt worden sind, wie der ehemalige General und Verteidigungsminister Mordechai. Jetzt bleibt es der Polizei überlassen, die noch nicht geouteten politischen Prominenten-Casanovas zu finden. Ohne eine extrem ausgeprägte Libido kann in Israel ganz offensichtlich niemand in hohe Ämter einsteigen. Wie schön waren die Zeiten mit Golda Meir.

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