Warum Israel den Krieg verlor
Heute fuhr ich meine Tochter Dvorith und die zwei Buben Dan und Eran zurück nach Hause, nach Eshchar neben Carmiel. Es war meine erster längerer Ausflug nach zwei Monaten täglicher Fahrt nach Haifa. Es wird nicht mehr geschossen, die einzigen Raketen der Hisb’ollahis landeten im südlichen Libanon, noch vor der Grenze. Auf dem Heimweg sah ich lange Kolonnen Militärlastwagen auf dem Weg in den Süden. Mir wurde dabei etwas mulmig, wie vielen Israelis gefällt mir dieser frühe Abzug aus dem Libanon nicht.
Während die muslimische Welt den Waffenstillstand im Libanon als grossen Sieg der Hisb’allah und des Islams feiert, Irans kleiner Hitler Ahmedinejad bei einem riesigen Siegesfest in Teheran Tel Aviv mit Langsteckenraketen drohte, falls die USA oder Israel Iran angreifen würden, ärgert man sich in Israel über die Regierung und den Generalstab. Die Mehrheit israelischer Bürger denkt, der Krieg sei ohne Nachdruck und ohne wirkliche Unterstützung der verantwortlichen Politiker und ohne ganzheitliche Sicht des Generalstabchefs geführt worden; auf Deutsch nennt man das „verschlampt worden“. Die selbe Mehrheit ist ebenfalls überzeugt, dass dieser Krieg nicht zu Ende geführt worden ist und bald wieder weiter gehen wird. Ein Teil dieser Anschuldigungen sind sicher richtig, aber einiges wird dabei nicht berücksichtigt.
Ein demokratisches und modernes Land (das Wort erleuchtet möchte ich nicht benutzen, obwohl es treffend ist) muss über seinen eigenen Schatten springen können, um in einem Krieg gegen lebensfeindliche Fanatiker mit barbarisch-religiöser Motivation, die erst noch von ihren Gönnern im Iran erstklassig ausgerüstet worden sind, bestehen zu können. Aus dem selben Grund verlor die USA in Vietnam und kommt im Irak und in Afghanistan nicht vom Fleck. Das Adjektiv „todesmutig“ wäre unzutreffend, denn diese Männer sind grundsätzlich feige und verstecken sich unter den Röcken von Frauen und hinter Kindern, die sie zu Geiseln gemacht haben.
Am vergangenen Montag erklärte die Washington Post die Hisb’allah als „die beste Guerilla Truppe der Welt“. Das ist inzwischen auch anderen klar geworden.
Israel akzeptierte einen Waffenstillstand, ohne die meisten seiner Ziele erreicht zu haben. Dafür gibt es Gründe und einer davon ist die Tatsache, dass Israel wegen seiner westlichen Ethik und dem Druck seiner demokratischen Gesellschaft und der Demokratien des Westens vorerst gescheitert ist. Man spricht von asymetrischen Kriegen und meint damit die übermächtige Feuerkraft der modernen Armee gegenüber Guerillas. Diese Zeiten sind vorbei. Die Asymetrie liegt heute darin, dass sich die moderne Armee eines westlichen Staates durch ihr Wertesystem, das Leben als oberstes Gut sieht, sich im Nachteil befindet. Ralph Peters, ein pensionierter Oberstleutnant der amerikanischen Armee, der sich heute als Buchautor, Publizist und cholerischer Kritiker einen Namen gemacht hat, ist überzeugt, dass Kriege im Orient nicht mit westlichen Werten gewonnen werden können. Wenn man sich umschaut, muss man ihm wohl beipflichten. Er weiss, dass Israel, trotz den Verleumdungen über seine angeblichen Massaker, viel tat um Zivilisten zu schonen. Das beste Beispiel für diese These (die ich als Tatsache akzeptiere) sind die vielen riskanten Kommandounternehmen auf Hisb’allah Zentralen in Wohnhäusern, statt diese Gebäude einfach aus der Luft flach zu bomben. Israel und der Westen müssen lernen nach den Regeln des Feindes zu kämpfen. Allerdings scheint Peters zu übersehen, dass gerade jedes zerbombte Wohnhaus mit zivilen Opfern ein Sieg der Guerillas ist. (In unserer Region möchte ich allerdings statt Guerillas eher von Terroristen reden).
Ein anderes Talent orientalischer Kriegsführung ist die Manipulation der oft willigen Presse, der Welt all die toten Kinder und Frauen vorzuführen, Bilder, die in der arabischen Öffentlichkeit zur Ausweitung des Hasses auf den Westen führt, unabhängig davon, ob diese Bilder echt oder gestellt sind. Über das Arrangieren solcher Reportagen habe ich schon verschiedentlich berichtet.
Ich fasse hier einige der Punkte Ralph Peters zum Thema des nun unterbrochenen (meine Auslegung) Libanonkrieges zusammen.
1. Die grundlegende Tatsache ist, dass unsere Zivilisation zu einem Defensivkrieg, in dem es gegen eine fanatische Abart des Islams um Leben oder Tod geht, gezwungen worden ist. Wir haben diesen Krieg nicht ausgelöst. Bis diese Tatsache mehrheitlich akzeptiert wird, werden wir kaum Fortschritte machen.
2. Man kann taktisch Schlachten gewinnen aber strategisch Kriege verlieren. Israel hat gut gekämpft, tanzte jedoch ein höfliches Menuett währen der Feind einen wilden Strassentanz ausführte.
3. Die weltweiten Medien können die Erfolge auf dem Schlachtfeld zunichte machen.
4. Technologie allein kann in diesem Jahrhundert keinen Krieg gewinnen.
5. Terrorismus ist nicht mehr eine undurchsichtige desorganisierte Bedrohung. Hisb’allah hat eine Armee, neuartig und innovativ. Iran und Syrien sorgen für den Nachschub, es gibt ein Hinterland und es herrscht Durchhaltewille.
6. Kriege im Orient können nicht mit westlichen Werten gewonnen werden.
Mit diesen Zeilen möchte ich etwas Realismus in die Diskussion bringen, denn noch scheinen Liebe, Dialog und Verständigung oder Friede, Freude, Eierkuchen die einzige Lösung für viele westliche Bürger zu sein, die noch immer nicht verstehen wollen, um was es eigentlich geht. Sie warten, wie ich vor kurzem schrieb, bis uns die Tatsachen im Gesicht explodieren. Was eigentlich schon geschehen aber nicht realisiert worden ist.

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