Leben in Israel - Uris Tagebuch

Uri Russak schreibt Persönliches. Er schreibt über Politik, angewandten Zionismus und über seine Freunde - Juden, Araber, Drusen, Christen in Israel und ausserhalb. Er selbst sieht sich als Realist, kann Exremisten jeder Art nicht ausstehen. In Israel wird er oft Linksextremist genannt, im Ausland, besonders in der Schweiz, wo er geboren wurde, wird er als Rechter beschimpft. Das gefällt ihm.

Name:
Standort: Zichron Ya'akov, Israel

Das Leben in Israel ist nie langweilig. Von vielen gehasst und von vielen respektiert ist unser Land das erfolgreichste Projekt seit dem zweiten Weltkrieg, was natürlich nicht von allen gern gehört wird aber dennoch stimmt. Ich lebe und atme dieses Land, kritisiere viel und bin täglich wieder beeindruckt über die Energie und die Kreativität der Israelis und ihrer ans Anarchische grenzende Demokratie. Ich bin Aktivist für Koexistenz mit den arabischen Mitbürgern, gelte hier als politisch Linker, während ich in der Schweiz, wo mein Zielpublikum mehrheitlich lebt, bei einigen als Rechtsextremist verschrien bin, womit ich ganz gut leben kann.

Dienstag, August 01, 2006

Verborgenes

1.8.2006

Im Berliner „Tagesspiegel“ war am 30.7.2006 ist folgender Leserbrief zu finden:

Ich wohnte bis 2002 in einem kleinen Dorf im Süden nahe Mardschajun, das mehrheitlich von Schiiten wie mir bewohnt ist. Nach Israels Verlassen des Libanon dauerte es nicht lange, bis die Hisbollah bei uns und in allen anderen Ortschaften das Sagen hatte. Als erfolgreiche Widerstandskämpfer begrüßt, erschienen sie waffenstarrend und legten auch bei uns Raketenlager in Bunkern an. Die Sozialarbeit der Partei Gottes bestand darin, auf diesen Bunkern eine Schule und ein Wohnhaus zu bauen! Ein lokaler Scheich erklärte mir lachend, dass die Juden in jedem Fall verlieren, entweder weil die Raketen auf sie geschossen werden oder weil sie, wenn sie die Lager angriffen, von der Weltöffentlichkeit verurteilt werden ob der dann zivilen Toten. Die libanesische Bevölkerung interessiert diese Leute überhaupt nicht, sie benutzen sie als Schilder und wenn tot als Propaganda. Solange sie dort existieren, wird es keine Ruhe und Frieden geben. Dr. Mounir Herzallah,Berlin-Wedding

Dieser Leserbrief bestätigt meine immer stärker werdende Überzeugung, dass Israel mit der Bombardierung in Kafr Kana ganz offensichtlich in die Falle getappt ist. Die Toten von Kafr Kana sind Objekte des grenzenlosen Zynismus hisb’allahscher Menschenverachtung, welche die Hisb’allah mit allen anderen Jihadisten wie Hamas und Al Kaida teilt. Jeder, der im Westen an einer antiisraelischen Demonstration teilnimmt, ist Teil davon, ob er sich darüber im klaren ist oder nur aus vermeintlicher Gutherzigkeit und Mitleid um nichtisraelische Opfer trauert. Gutmenschen eben, entweder bösartig oder dumm.

Im französischsprachigen christlich-libanesischen Website „Libanoscopie“ wird beschrieben, wie Hisb’allah behinderte Kinder in ein Haus brachten, darauf eine Raketenbatterie installierten und so israelische Angriffe auf Kafr Kana provozierten. Es wird darauf hingedeutet, dass die Hisb’allah bei dieser Katastrophe Regie geführt hat. Weiter sind gemäss Rotem Kreuz nur 26 Menschen in diesem Vorfall umgekommen, aber das sind noch immer 26 zu viel.

Mit der gestrigen Ansprache von Olmert, dass es keinen Waffenstillstand gebe, ging ein allgemeines Aufatmen durchs Land. Mit seiner Churchill ähnlichen Rede hat er sich als Politiker mit Rückgrat gezeigt. Es liegt nun an der Armee, den Ware zu liefern. Zwar neige ich dazu ihm recht zu geben, denn eine Alternative dazu sehe ich nicht. Vor allem gilt es weitere Hisb’allah Fallen zu umgehen.

Noch immer fahre ich täglich zum Rambam Spital in Haifa. Teil dieses Universitätsspitals ist die Mayer Klinik für Kinder. Nun habe ich herausgefunden, dass dort palästinensische Kinder im Alter von drei bis neun Jahre aus den besetzten Gebieten liegen, die auf eine Rückenmarktransplantation warten. Da die Hämatologie neben der Onkologie, die ich besuche, liegt, habe ich entdeckt, dass zur Zeit fünf palästinensische Kinder stationär für Leukämie und Thalassemia, einer anderen Blutkrankheit behandelt werden. Insgesamt sind dreizehn Kinder, zum Teil ambulant, wegen diesen Krankheiten im Mayer Spital in Pflege. In den besetzten Gebieten gibt es keine Möglichkeit, diese Behandlungen durchzuführen. Die Kinder werden für Rückenmarktransplantationen vorbereitet. Die Kosten werden von einer italienischen Organisation und dem Schimon Peres Friedenszentrum getragen. Das Rambam, wie ihr inzwischen aus meinem Tagebuch wisst, ist seit Beginn des Krieges Zielscheibe der Hisb’allah, deren Raketen rund um den Spital eingeschlagen, aber es bisher verfehlt haben. Die Eltern und ihre Kinder stehen die heutige Situation im Spital ohne Aufregung durch.

Ich bitte Euch, meine Tagebuch-Informationen der letzten Tage unter die Leute zu bringen. Die Medien bringen solche weniger sensationelle aber nicht weniger wichtigen Informationen kaumt – ob aus mangelndem Interesse oder Bösartigkeit weiss ich nicht.