Leben in Israel - Uris Tagebuch

Uri Russak schreibt Persönliches. Er schreibt über Politik, angewandten Zionismus und über seine Freunde - Juden, Araber, Drusen, Christen in Israel und ausserhalb. Er selbst sieht sich als Realist, kann Exremisten jeder Art nicht ausstehen. In Israel wird er oft Linksextremist genannt, im Ausland, besonders in der Schweiz, wo er geboren wurde, wird er als Rechter beschimpft. Das gefällt ihm.

Name:
Standort: Zichron Ya'akov, Israel

Das Leben in Israel ist nie langweilig. Von vielen gehasst und von vielen respektiert ist unser Land das erfolgreichste Projekt seit dem zweiten Weltkrieg, was natürlich nicht von allen gern gehört wird aber dennoch stimmt. Ich lebe und atme dieses Land, kritisiere viel und bin täglich wieder beeindruckt über die Energie und die Kreativität der Israelis und ihrer ans Anarchische grenzende Demokratie. Ich bin Aktivist für Koexistenz mit den arabischen Mitbürgern, gelte hier als politisch Linker, während ich in der Schweiz, wo mein Zielpublikum mehrheitlich lebt, bei einigen als Rechtsextremist verschrien bin, womit ich ganz gut leben kann.

Montag, August 21, 2006

Rabbiner Tovia Ben Chorin in der NZZ

21.8.2006 – Tovia Ben-Chorin in der NZZ (siehe Ende dieses Blogs)

Endlich äussert sich jemand aus der jüdischen Prominenz über den Krieg Israels gegen die Hisb’allah. Dass es mein lieber Freund Rabbiner Tovia Ben-Chorin ist verwundert mich nicht und ich bin ihm unendlich dankbar für seinen Essay in der NZZ am Sonntag von gestern.

Die Überschrift sagt pointiert die Essenz in zwei Sätzen:

„Wenn dich jemand töten will, so komme ihm zuvor“
Israel bekämpft in Libanon den islamistischen Extremismus. Scheitert dies, dann wird sich dieser Kampf auf Europa ausdehnen.

In diesem ruhigen aber beunruhigenden Essay zeugt Tovia von seinem auf Wissen beruhender Durchsicht der Probleme Israels und der Welt mit dem Islam und deren Hintergründe, sowie die Bösartigkeit der Projektion auf nichtislamische Kulturen, besonders aufs Judentum und aus Christentum. Tovia, ein sehr versöhnlicher Mensch, der Purzelbäume schlägt um einen Dialog zu erreichen, hat, wenigsten in bezug auf die Hisb’allah, den versöhnlichen Weg aufgegeben.

Nur in zwei Dingen habe ich kleine Vorbehalte und bin mit ihm nicht ganz einverstanden. Das eine ist sein Verständnis für arabische „Ehre“. Zum Wiedererlangen der ägyptischen Ehre in 1973 wurden 2700 israelische Tote und weit mehr Verletzte geopfert. Dieses fast ausschliessliche und krankhafte Beschäftigtsein der islamischen Welt mit „Ehre“ darf nicht auf Kosten der westlichen Welt akzeptiert werden. Nicht nur Israel, sondern alle, die mit islamischem Krieg und Terror „beehrt“ werden und nicht weniger die unzähligen Frauen, die aus Gründen dieser perversen „Ehre“ ermordet werden, sind zu deren Opfer geworden. Es ist gut den Faktor Ehre in der arabische Gesellschaft zu kennen, zu analysieren und zu verstehen, aber verstehen darf nicht zu Akzeptanz führen. Das wäre die Aufgabe einer unserer eigenen kulturellen Errungenschaft.

Der zweite Punkt ist Tovias Beschreibung der Absichten von Hisb’allah gegenüber Israel und den Juden. Er bringt das als „Understatement“. Ziel von Hisb’allah ist es nicht, das Leben der Israel unerträglich zu machen, sondern den Staat Israel zu zerstören und seine Juden zu vernichten, ganz im Sinne Irans und dessen Präsidenten Ahmedinejad. Diese Tatsache ist in den vergangenen Monaten und Wochen mehr als genügend dokumentiert worden.

Beide meiner Einwände mindern den Wert von Tovia Ben-Chorins Aussage um nichts. Nun hat sich ein Schweizer Jude von Rang (eigentlich müsste man schreiben: ein Jude in der Schweiz von Rang) gemeldet, der etwas zu sagen hat und tut das auch in seinem unnachahmlichen sympathischen und sachlichen Stil.

Toda, Tovia.

NZZ am Sonntag, 20.08.2006, Nr. 34, S. 17
Meinungen
AA Auswärtige Autoren
"Wenn dich jemand töten will, so komme ihm zuvor"
Israel bekämpft in Libanon den islamistischen
Extremismus. Scheitert dies, dann wird sich dieser
Kampf auf
Europa ausdehnen, schreibt Rabbiner Tovia Ben-Chorin
Zwei Tendenzen lassen sich ausmachen im Nahen Osten: ein westlicher Einfluss, der sich
im Nationalismus äussert, und das Gefühl der islamischen Einheit.
Die zionistische Bewegung entstand als eine Antwort auf den europäischen
Antisemitismus und forderte die Rückkehr der Juden ins Land Israel und die Errichtung
eines jüdischen Staates. Die Juden hatten inmitten der westlichen Kultur gelebt und
schufen einen Nationalismus, der auf die Bibel gründete und welchen sie im Land Israel
verwirklichten. Dort hatten seit der Zeit des Erzvaters Abraham bis in unsere Zeit Juden
gelebt - unabhängig oder unter fremder Herrschaft.
Der Nationalismus der Araber schöpfte nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches
demgegenüber aus französischem und englischem Gedankengut. Der europäische
Kolonialismus unterstützte dabei zum einen traditionelle lokale Herrschaftsformen
(reiche Familien, Notabeln und Könige); andererseits versuchte er, der Region die
westliche Demokratie "einzupflanzen". Natürlich führte die wirtschaftliche Ausbeutung
durch den Westen zu Korruption, und in islamischen Kreisen entwickelte sich Widerstand
gegen den Einfluss von aussen, der sich im Land Israel zudem gegen die Rückkehr der
Juden richtete.
Dieser Widerstand erreichte seinen Höhepunkt nach dem Holocaust in Europa, als die
Völkergemeinschaft mit der Entscheidung der Uno vom 29. 11. 1949 das Recht der
Juden auf das Land Israel an der Seite eines arabischen Staates anerkannte. Während
die Juden den Teilungsplan annahmen, kämpften die Palästinenser dagegen. Seither
folgt ein Krieg auf den anderen.
Die schiitische Revolution, die unter der Führung Khomeinys 1979 gegen das korrupte
Regime des Schahs und gegen den amerikanischen Einfluss gerichtet war, kämpft heute
gegen die gesamte christlich geprägte westliche Kultur. Um ihre Ziele zu erreichen,
arbeiten die Iraner an der Entwicklung einer Atombombe. Im Irak stellen die Schiiten,
die nur zehn Prozent der islamischen Weltbevölkerung ausmachen, die Mehrheit. In
Libanon bilden sie eine starke Minderheit, die durch ihre Miliz, den Hizbullah ("Partei
Gottes") - Kommandotruppen, die von Iran ausgebildet und bewaffnet wurden -, die
Macht im Süden Libanons an sich gerissen hat. Ironischerweise haben sie Anteil an der
"libanesischen Demokratie", da sie im Beiruter Parlament und in der Regierung
vertreten sind. Die libanesische Regierung hat ihnen nachgegeben - in der Hoffnung, auf
diese Weise inneren Frieden zu bewahren.
Der Staat Israel ist in den Augen der Iraner eine Filiale des amerikanischen
Imperialismus im Nahen Osten. Daher unterstützen sie die Hamas und den Hizbullah,
um den Staat Israel zu eliminieren. Der iranische Präsident Ahmadinejad redet einerseits
immer wieder von einem Waffenstillstand, andererseits aber von der Notwendigkeit,
Israel zu vernichten. So bekämpft Israel mit den Schiiten im Süden Libanons zugleich
den islamischen Fundamentalismus. Sollten wir dort scheitern, wird der Kampf sich auf
Europa und andere Regionen der Welt ausweiten. In diesem Krieg geht es um die
Befreiung Libanons von der schiitischen Umklammerung und in der Hauptsache um das
Recht der Bürger des Staates Israel (Juden, Muslime, Christen, Drusen und andere), in
Frieden zu leben.
Die Kämpfe brachen aus nach der Entführung zweier Soldaten und einer Reihe von
Provokationen gegenüber Israel, obwohl Israel sich längst aus Libanon zurückgezogen
hatte. Leider wurde dieser Rückzug nicht mit der libanesischen Regierung abgestimmt,
so wie der Rückzug aus dem Gazastreifen im vergangenen Jahr nicht mit der
palästinensischen Behörde koordiniert war. In beiden Fällen wurde der leere Raum durch
radikale Kräfte ausgefüllt, die nur am Terror gegen die Zivilbevölkerung und keinesfalls
an einer Verständigung interessiert sind. Sie wollen das Image des militärisch "starken
Israel" brechen, wie im Oktoberkrieg 1973, als Israel hohe Verluste durch die Ägypter
hinnehmen musste. So wie dieses Ereignis zu einem Frieden mit Ägypten und dem
Königreich Jordanien beitrug, so könnte heute nun ebenso in Libanon eine
Neuorientierung gegenüber Israel in Gang kommen. In beiden Fällen haben die Araber
nach vorherigen Niederlagen ihre Ehre wiedererlangt.
Wenn Menschen sich als Opfer des westlichen Kolonialismus sehen und sie die Neigung
haben, andere für sich "die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen" - etwa im
Hinblick auf den Kampf gegen Korruption und Armut -, so bleibt ihnen nur ihre
persönliche Ehre. Wir sind im Westen, auch in Israel, nicht sensibel für Fragen des
Ehrgefühls, die bei den Palästinensern mit ihrer Katastrophe ("Nakba") des Jahres 1948
und dem Flüchtlingsproblem zu tun haben. Es geht zunächst darum, die Existenz eines
Problems anzuerkennen, für das man danach eine Lösung finden kann.
Was den Hizbullah anbelangt, so gehe ich von dem jüdischen Grundsatz aus, welcher
lautet: "Wenn dich jemand töten will, so komme ihm zuvor, und töte ihn"
(babylonischer Talmud, Traktat Sanhedrin 72a). In keinem der vorherigen Kriege wurden
so viele Raketen auf die Bürger des Staates Israel abgefeuert wie in dem gegenwärtigen
durch den Hizbullah. Das Ziel des Hizbullah ist es, das Leben der Israeli unerträglich zu
machen. Unser Verhältnis zu den Palästinensern sieht anders aus. Es wird ein
palästinensischer Staat an unserer Seite entstehen, und zwangsläufig werden beide
Staaten voneinander abhängig sein. Hier suche ich Zuflucht bei einem anderen jüdischen
Grundsatz: "Wer ist weise? Wer seinen Feind zu seinem Freund machen kann" (Avot de
Rabbi Nathan, 23a).
Aus dem Hebräischen von Matthias Morgenstern.
928028, NZZ , 20.08.06; Words: 860, NO: EDW5D
www.gbi.de GBI-Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank
GmbH

Sonntag, August 20, 2006

Ein Gutmensch ist tot

20.8.2006 – Ein Gutmensch ist tot

Soeben wurde von berufener Stelle eine Korrektur der jenseitigen Freuden eines Shahid (Märtyrer) durchgegeben, die den Zulauf zu dieser Karriere beeinträchtigen könnte. Die neue Regelung sagt, dass ein muslimischer Shahid nicht mehr wie bisher im Paradies von 72 Jungfrauen verwöhnt werden wird, sondern nur von einer Jungfrau von 72 Jahren. Das ist, so stelle ich es mir vor, weniger ermüdend und der glückliche Shahid bleibt länger jung.

In Jerusalem wurde ein junger Italiener erstochen. Ein lieber Mensch, 26 Jahre alt, ein Student, der kam um den lieben Palästinensern zu helfen, sich im Kampf gegen die bösen Israelis durchzusetzen. Angelo war Mitglied der „Refondazione Comunista“, einer Bewegung, die den irakischen Widerstand, andere nennen das Terror, unterstützt und anscheinend von diesen hierher gesandt worden ist. Er gab sich pazifistisch und unterstützte Drittweltländer, wozu er, wie es scheint, die Unterstützung irakischer Selbstmordterroristen benötigte.

Angelo Frammartino wurde in den Rücken gestochen, als er am 10. August mit vier Freunden in der Nähe der Jerusalemer Altstadt spazieren ging. Sein Mörder, der kurz darauf gefasst wurde, ist Mitglied des Islamischen Jihad, einer besonders blutrünstigen Bande von Juden- und Christenmördern. Er hat den Mord gestanden.

Man sollte denken, dass dieser Mord, bei den „pazifistischen“ Gutmenschen von der Sorte Frammartinos einige Zweifel an den Zusammenhängen zwischen „Widerstand“ und „Humanitarismus“ auslösen sollte – aber weit gefehlt. Der Mord wird von seinen Genossen noch immer als von unbekannten Tätern begangen, bezeichnet. Von einem palästinensischen Täter wird nichts schlechtes gedacht oder berichtet, hätte der Mörder versehentlich einen anderen als den Angelo erwischt, wie eigentlich vorgesehen einen Juden, wäre er als Held bejubelt worden, jetzt wird er fast totgeschwiegen.

Wer war Angelo Frammartino eigentlich? Er war ein kleines Rädchen einer Partei, die Terror und Mord unterstützt. In einem italienischen Lokalblatt schrieb er:

„Wir müssen erkennen, dass eine Situation ohne Gewalt in vielen Teilen der Welt ein Luxus ist, aber wir werden legitime Selbstverteidigungsaktionen nicht verhindern oder verurteilen. Nicht im Traum würde ich den Widerstand, das Blut der Vietnamesen, das Blut der Nationen unter kolonialistischer Besetzung oder das Blut palästinensischer Jugend der ersten Intifada verurteilen.“

Er wollte ein Sommerlager für palästinensische Kinder durchführen. Man wundert sich, was sie dort zu lernen bekämen. Vielleicht wollte er wirklich Gutes tun. Im Tode wurde er zu einem Franz von Asisi. Der Mann der Mord unterstützte wurde von einem Nachbarn so beschrieben: „Er war ein Golden Boy. Er politisierte aber war kein Extremist. Er war ein Pazifist, der Arme“. Sein Vater sagte: „Mein Sohn glaubte an Frieden und das gibt mir die Kraft weiterzumachen. ....“). Sein Sohn glaubte an Frieden und unterstützte irakischen Terroristen.

Was sage ich dazu:

Terroristen töten erbarmungslos unschuldige Menschen, Kinder, Jugendliche in Diskotheken, schwangere Frauen, alte Menschen und irregeleitete Pazifisten, die hierher kommen um Ferienlager für Kinder zu veranstalten. Terrorismus ist nie „legitim“. Es ist Mord. Jeder, der Terrorgruppen unterstützt, ihre Aktionen rationalisiert oder rechtfertigt, verübt Beihilfe zu Mord. Diese Lektion kann von Angelo Frammartinos Tod gelernt werden. Er bezahlte einen hohen Preis um uns dies zu bestätigen, aber hat jemand, der ebenfalls solche Ansichten vertritt, das auch gelernt? Es kommt auch darauf an, wie diese Lektion von den Medien vermittelt wird.

Freunde

18.8.2006 – Freunde

Im Zusammenhang mit einer Korrespondenz mit jemand anderem (!) habe ich von Hanna Zweig folgende Geschichte erhalten:

Anfangs 1943 hat Joe Schwartz, Europa Direktor des Joint bei einem Besuch bei Rothmund, der SNB, des IKRK und noch ein paar andern Grössen in der Schweiz auf die Anspielung über das "Internationale Judentum" einmal gesagt, ja das existiere, allerdings nur bezüglich der karitativen Seite, da ausser den Juden niemand den Juden helfe. DAS sollten wir uns hinter die Ohren schreiben, auch bezüglich unserer eigenen Existenz.

Grundsätzlich stimmt das noch immer, auch wenn ich selbst dankbar feststellen darf, dass es heute zahlreiche nichtjüdische Freunde gibt, die uns vorbehaltlos und aus vollem Herzen unterstützen. Sie haben verstanden, dass es schon lange nicht mehr um Land, sondern um Sein oder Nichtsein geht. Das sind meine persönlichen Erfahrungen durch mein Tagebuch und dem durch dieses ausgelösten Dialog. Gerade in den letzten Wochen hat das Tagebuch aus nichtjüdischen politisch bewussten, aus christlichen Kreisen und ebenso von wenigen, aber denkenden Medienvertretern Reaktionen ausgelöst hat, die mich rührten und mir viel Kraft geben. Es sind die selben Kreise, die in der Schweiz die Aufgaben der in unüberbietbarer Feigheit verharrenden offiziellen Vertreter des dortigen Judentums übernommen haben. Nochmals, Freunde, herzlichen Dank.

Der Plan des israelischen Abzugs aus der Westbank ist weg vom Tisch. Olmert hat sich durch die Vorgänge der letzten Monate in Gaza und vor allem im Libanon überzeugen lassen, dass dies Israel nicht nur nichts bringen, sondern es gefährden würde. Er hat begonnen, die arabische Welt durch nicht-europäische Augen zu sehen und versucht, in orientalisch-arabischer Denkart unsere Gegner zu analysieren. Kurz, er scheint lernfähig zu sein. Das gilt auch für einfache Leute wie mich selbst, die bis vor nicht allzu langer Zeit sehr friedensbewegt dachten und agierten, in der Meinung, dass Rückgabe palästinensischen Landes zu einer friedlichen Regelung führen würde. Doch erst jetzt haben wir begriffen, dass das jahrzehntelange Mantra „Land für Frieden“ zur Totgeburt mutiert ist und im besten Fall für lange Zeit auf Eis gelegt werden muss. Es geht heute um weit mehr. Es geht nicht mehr um „Rechte“, weder der Araber noch der Juden, es geht nicht um Materielles, sondern um Grundsätzliches, um unsäglichen Hass gegen uns Juden, um Neid des Nichtskönners gegenüber dem Erfolgreichen, es geht um die Rückkehr in tiefes Mittelalter gegen die Moderne, es geht um religiösen Wahn (auch aus unseren eigenen Reihen bekannt), es geht um Tyrannei gegen das Prinzip der freien Gesellschaft. Das alles ist keine Spezialität des Israel-Palästina Konflikts, sonders gilt genau so im Irakkrieg, in Afghanistan und überall dort, wo Islam zu gewalttätigen Vorgängen führt und geführt hat, also auch in Europa und in Amerika.

Hochzeitstag

17.8.2006 – Hochzeitstag

Lea und ich sind heute 47 Jahre lang verheiratet. Lea sorgt dafür, dass ich es nie vergesse. In diesen paar Jahren ist viel passiert und wir haben Erfahrungen gesammelt, Kriege überstanden, viele Freunde gewonnen, die Welt gesehen und, sehr wichtig, die Familie vergrössert. Aus drei Kindern neun Enkel zu produzieren ist, so denke wenigstens ich, eine stolze Leistung. Es mag altmodisch klingen dies zu erwähnen, aber die jüdische Linie der Russaks ist nach uns für weitere zwei Generationen gesichert, die Schwägerschaft kann sich sehen lassen.

Soweit zum persönlichen Glück der Familie.

Zur Entwicklung des Waffenstillstandes gibt es nur eine treffende Bezeichnung: Scheisse! Die im allgemeinen negative Sicht der Dinge im Volk teile ich, auch wenn die Regierung sich bemüht, dass Gegenteil zu behaupten. Die Vorstellung, die noch vor zwei Tage existierte, dass wenigstens Teile des Kriegsziels realisiert worden sind, wird kontinuierlich illusorischer. Dabei waren diese Ziele sehr klar, aber der Weg diese zu erreichen war das nicht. Keiner versteht warum grosse Teile der Armee abgezogen werden bevor europäischer Ersatz eintrifft. Heute wurde bekannt, dass die Hisb’allah wieder im Süden des Libanons sind, bewaffnet wie zuvor – nur dürfen sie Waffen, gemäss einem Abkommen mit der libanesischen Regierung, in der Öffentlichkeit nicht auf sich haben. Wer’s glaubt wird selig. Die internationale Truppe, von der wir sowieso wenig halten, brauche noch Monate der Vorbereitung. Aber steht noch nicht fest, von welchen Ländern und ob überhaupt, diese Truppen gesendet werden sollen. Alles ist in der Luft, niemand begreift warum das Ganze so eine Wendung genommen hat. Man ist sich mehrheitlich einig, dass die Regierung keine vernünftigen Weisungen an die Armee gegeben hat, das klare militärische Ziel durch die Armee nicht mit genügend Kraft durchsetzen liess, obwohl dies ohne weiteres möglich gewesen wäre. Colin Powell sagte in 1991 “[Militärische] Macht, falls angewendet, muss überwältigend und unverhältnismässig sein im Vergleich zur [militärischen] Macht des Feindes” (the force, when used, should be overwhelming and disproportionate to the force used by the enemy). Daran hat sich Israel überhaupt nicht gehalten, auch wenn einige Gutmenschen das genaue Gegenteil behaupten.

Kurz und gut, wir denken, alles wird bald wieder von vorne anfangen.

Said Abu-Shakra, ein enger Freund und Leiter der Galerie für moderne Kunst in Umm El-Fahm hat mir über Jahre hinweg verschiedentlich versichert, dass israelische Araber, von den Palästinensern der Westbank und Gaza genannten „Araber von 1948“, von diesen gehasst werden. Diese Feststellung hat mich immer von neuem überrascht und ich zweifelte daran, denn ich dachte, dass verwandtschaftliche Beziehungen und gemeinsame Vergangenheit, so etwas einfach nicht möglich machen. Nun habe ich die Bestätigung für Saids Aussage gefunden. Gestern las ich in der Zeitung „Yediot Ahronot“ über von arabischen Raketenflüchtlingen aus Haifa gemachte Erfahrungen in Bethlehem, Ramallah und Ostjerusalem. Sie wurden beschimpft, ihre Kinder geschlagen, sie wurden betrogen und ihnen gesagt, sie seien schlimmer als die Juden. Israelische Araber, durchschnittlich weit wohlhabender als Araber in den um Israel liegenden Ländern, spenden Geld für Wohltätigkeit in den besetzten Gebieten. Viele haben dafür einen ständigen Bankauftrag bei ihrer Bank, die monatlich eine Summe an palästinensische Wohltätigkeitsfonds überweisen, ähnlich uns Juden, die aus dem Ausland Gelder an zionistische Fonds, Schulen, Spitäler und soziale Einrichtungen überweisen und so ihre Solidarität kundtun. (Es scheint allerdings schon passiert zu sein (Beweise habe ich keine gesehen), dass arabische Gelder vom unwissenden Spender auf Konti der Hamas und ähnlichen Terrorinstitutionen gelandet sind, was dann von rechtsextremen jüdischen Kreisen mit den Worten „wir haben’s ja immer gesagt“ zur Delegitimierung arabischer Israeli missbraucht wird). Auf jeden Fall, diese arabischen Familien flohen nach wenigen Tagen wieder ins heimatliche Haifa zurück. Ein Familienvater sagte, er werde keinen müden Schekel mehr für die Palästinenser spenden.

In diesem Zusammenhang soll festgestellt werden, dass analog zu 1948, auch in diesem Krieg die Araber Israel aufgefordert wurden Haifa zu verlassen, damit Hisb’allah in Ruhe die dortigen Juden abschlachten könne. Allerdings soll der Prozentsatz jüdischer Flüchtlinge weit grösser gewesen sein, als die paar arabischen Familien, die von Haifa in südlichere Ferien reisten.

Warum Israel den Krieg verlor

16.8.2006 – Warum Israel den Krieg verlor

Heute fuhr ich meine Tochter Dvorith und die zwei Buben Dan und Eran zurück nach Hause, nach Eshchar neben Carmiel. Es war meine erster längerer Ausflug nach zwei Monaten täglicher Fahrt nach Haifa. Es wird nicht mehr geschossen, die einzigen Raketen der Hisb’ollahis landeten im südlichen Libanon, noch vor der Grenze. Auf dem Heimweg sah ich lange Kolonnen Militärlastwagen auf dem Weg in den Süden. Mir wurde dabei etwas mulmig, wie vielen Israelis gefällt mir dieser frühe Abzug aus dem Libanon nicht.

Während die muslimische Welt den Waffenstillstand im Libanon als grossen Sieg der Hisb’allah und des Islams feiert, Irans kleiner Hitler Ahmedinejad bei einem riesigen Siegesfest in Teheran Tel Aviv mit Langsteckenraketen drohte, falls die USA oder Israel Iran angreifen würden, ärgert man sich in Israel über die Regierung und den Generalstab. Die Mehrheit israelischer Bürger denkt, der Krieg sei ohne Nachdruck und ohne wirkliche Unterstützung der verantwortlichen Politiker und ohne ganzheitliche Sicht des Generalstabchefs geführt worden; auf Deutsch nennt man das „verschlampt worden“. Die selbe Mehrheit ist ebenfalls überzeugt, dass dieser Krieg nicht zu Ende geführt worden ist und bald wieder weiter gehen wird. Ein Teil dieser Anschuldigungen sind sicher richtig, aber einiges wird dabei nicht berücksichtigt.

Ein demokratisches und modernes Land (das Wort erleuchtet möchte ich nicht benutzen, obwohl es treffend ist) muss über seinen eigenen Schatten springen können, um in einem Krieg gegen lebensfeindliche Fanatiker mit barbarisch-religiöser Motivation, die erst noch von ihren Gönnern im Iran erstklassig ausgerüstet worden sind, bestehen zu können. Aus dem selben Grund verlor die USA in Vietnam und kommt im Irak und in Afghanistan nicht vom Fleck. Das Adjektiv „todesmutig“ wäre unzutreffend, denn diese Männer sind grundsätzlich feige und verstecken sich unter den Röcken von Frauen und hinter Kindern, die sie zu Geiseln gemacht haben.

Am vergangenen Montag erklärte die Washington Post die Hisb’allah als „die beste Guerilla Truppe der Welt“. Das ist inzwischen auch anderen klar geworden.

Israel akzeptierte einen Waffenstillstand, ohne die meisten seiner Ziele erreicht zu haben. Dafür gibt es Gründe und einer davon ist die Tatsache, dass Israel wegen seiner westlichen Ethik und dem Druck seiner demokratischen Gesellschaft und der Demokratien des Westens vorerst gescheitert ist. Man spricht von asymetrischen Kriegen und meint damit die übermächtige Feuerkraft der modernen Armee gegenüber Guerillas. Diese Zeiten sind vorbei. Die Asymetrie liegt heute darin, dass sich die moderne Armee eines westlichen Staates durch ihr Wertesystem, das Leben als oberstes Gut sieht, sich im Nachteil befindet. Ralph Peters, ein pensionierter Oberstleutnant der amerikanischen Armee, der sich heute als Buchautor, Publizist und cholerischer Kritiker einen Namen gemacht hat, ist überzeugt, dass Kriege im Orient nicht mit westlichen Werten gewonnen werden können. Wenn man sich umschaut, muss man ihm wohl beipflichten. Er weiss, dass Israel, trotz den Verleumdungen über seine angeblichen Massaker, viel tat um Zivilisten zu schonen. Das beste Beispiel für diese These (die ich als Tatsache akzeptiere) sind die vielen riskanten Kommandounternehmen auf Hisb’allah Zentralen in Wohnhäusern, statt diese Gebäude einfach aus der Luft flach zu bomben. Israel und der Westen müssen lernen nach den Regeln des Feindes zu kämpfen. Allerdings scheint Peters zu übersehen, dass gerade jedes zerbombte Wohnhaus mit zivilen Opfern ein Sieg der Guerillas ist. (In unserer Region möchte ich allerdings statt Guerillas eher von Terroristen reden).

Ein anderes Talent orientalischer Kriegsführung ist die Manipulation der oft willigen Presse, der Welt all die toten Kinder und Frauen vorzuführen, Bilder, die in der arabischen Öffentlichkeit zur Ausweitung des Hasses auf den Westen führt, unabhängig davon, ob diese Bilder echt oder gestellt sind. Über das Arrangieren solcher Reportagen habe ich schon verschiedentlich berichtet.

Ich fasse hier einige der Punkte Ralph Peters zum Thema des nun unterbrochenen (meine Auslegung) Libanonkrieges zusammen.

1. Die grundlegende Tatsache ist, dass unsere Zivilisation zu einem Defensivkrieg, in dem es gegen eine fanatische Abart des Islams um Leben oder Tod geht, gezwungen worden ist. Wir haben diesen Krieg nicht ausgelöst. Bis diese Tatsache mehrheitlich akzeptiert wird, werden wir kaum Fortschritte machen.
2. Man kann taktisch Schlachten gewinnen aber strategisch Kriege verlieren. Israel hat gut gekämpft, tanzte jedoch ein höfliches Menuett währen der Feind einen wilden Strassentanz ausführte.
3. Die weltweiten Medien können die Erfolge auf dem Schlachtfeld zunichte machen.
4. Technologie allein kann in diesem Jahrhundert keinen Krieg gewinnen.
5. Terrorismus ist nicht mehr eine undurchsichtige desorganisierte Bedrohung. Hisb’allah hat eine Armee, neuartig und innovativ. Iran und Syrien sorgen für den Nachschub, es gibt ein Hinterland und es herrscht Durchhaltewille.
6. Kriege im Orient können nicht mit westlichen Werten gewonnen werden.

Mit diesen Zeilen möchte ich etwas Realismus in die Diskussion bringen, denn noch scheinen Liebe, Dialog und Verständigung oder Friede, Freude, Eierkuchen die einzige Lösung für viele westliche Bürger zu sein, die noch immer nicht verstehen wollen, um was es eigentlich geht. Sie warten, wie ich vor kurzem schrieb, bis uns die Tatsachen im Gesicht explodieren. Was eigentlich schon geschehen aber nicht realisiert worden ist.

Dienstag, August 15, 2006

Der Nichtzyniker und das Wort "Faschismus"

14.8.2006 – Der Nichtzyniker und das Wort „Faschismus“

Es ist zwar schon zwei Wochen her, seit Joe Farah, ein Libanese in Amerika, der sich nicht von arabischen Totalitärideologien, ob nationalistisch oder religiös, vereinnahmen lässt. Ich habe ihn schon früher einmal erwähnt. Er soll für sich selbst sprechen:

All eyes on Lebanon
Joseph Farah


You know, it's funny.
For years I've been trying to get people to pay attention to the deaths and destruction and injustices being perpetrated on my beloved Lebanon.
And nobody cared .
When Yasser Arafat's Palestinian Liberation Organization tried to take over the country and make it his terrorist playground, nobody cared.
When people were dying by the thousands in the civil war, nobody cared.
When Syria had its boot on the neck of its tiny neighbor for 25 years, nobody cared .
When Iran dispatched Hezbollah terrorists into the country to undermine home rule by Lebanese, nobody cared.
When Muslims chased millions of Christians from the country, tipping the balance of power, nobody cared.
But now, all eyes are on Lebanon.
Do you know why?
Because Israel has tried to clean up this hornet's nest. Yet, all we hear about is how many Lebanese are dying.
Can I let you in on a little secret?
Guess what the total death toll is among Lebanese during the extent of this war including Hezbollah terrorists, many of whom are not really Lebanese?
You better sit down.
The total death toll is just over 500.
Now, far be it for me to minimize death tolls. One innocent death is a tragedy. But this is the total all terrorists, civilians, Lebanese army, everything.
The whole world is going nuts over this "slaughter". <>
What is needed is some perspective here. May I offer it?
Last month alone, U.S. troops in Afghanistan announced killing 600 "suspected" Taliban. That's one month alone.
We've been occupying this foreign country since 2002. It began in response to the Sept. 11 terrorist attacks. U.S. forces went halfway around the world to attack a sovereign nation, to overthrow the government and kill as many people as it deemed necessary over the last five years to prevent more terrorist attacks in the future. Few would suggest that Afghanistan represents any imminent threat to the U.S. today. By the way, according to U.S. military spokesmen, a total of 1,700 Afghanis have been killed since the start of the year. That includes some civilians, some aid workers and more than 70 foreign troops.
But, last time I checked, there weren't demonstrations in the streets of the U.S. or elsewhere around the world over this war.
Instead, everybody is going ape over Lebanon.
By the way, the government of Afghanistan, installed by the U.S., is happy about the war. President Hamid Karzai wants to see the terrorists rooted out of his country. He recognizes it represents the best chance for his nation to be free.
Meanwhile, back in Lebanon, a government that has tolerated terrorist bases on its soil for years and years is suddenly indignant about Israel's retaliation against incessant attacks from those strongholds. Does any of this make sense?
Do you think those screaming about the bloodshed in Lebanon really give a hoot about Lebanon? If so, where have they been for the last 30 years?
Why is Lebanon the top story in every newscast? Why is Lebanon on the front page of every newspaper? Don't you get the impression that the violence there is probably worse than anywhere else on the planet from this focus? Clearly it is not.
And the only difference is who's doing the butt kicking in Lebanon.
As for me, an American of Lebanese and Syrian heritage, I don't want to see a "cease-fire." I want to see Lebanon freed of the terrorist blight, once and for all. I want to see Lebanon freed from domination by Iran and Syria. I want to see Lebanon be Lebanon. I don't want to see Lebanon suffer for another 30 years. It's time to clean up the mess and allow this poor, little country to heal.
And that means getting rid of the disease of Hezbollah now.


Joseph Farah is founder, editor and CEO of WND and a nationally syndicated columnist with Creators Syndicate . His latest book is " Taking America Back ." He also edits the weekly online intelligence newsletter Joseph Farah's G2 Bulletin , in which he utilizes his sources developed over 30 years in the news business

Islamic fascists oder in Deutsch Islamo-Faschisten ist eine Bezeichnung, die bisher für Jihadisten nur verschämt benutzt worden ist. Seit in England 22 mutmassliche Terroristen, die zehn Flugzeuge in die Luft sprengen wollten, verhaften worden sind, liest man dieses Wort öfter. Deshalb sollte der Begriff Faschist genauer definiert und dem Publikum erklärt werden. Wenn man diesen Begriff gerne anwendet, sollte man sicher sein, dass er auch zutrifft. Ehrbare Zeitungen und Zeitschriften wie die Zeit, der Spiegel, die Washington Times, Cicero benutzen diesen „Titel“, die Washington Times sogar als Überschrift eines Editorials „It’s Fascism.“

Faschismus, so die Definition dieser Zeitung, ist eine chauvinistische politische Philosophie, die Gruppe über das Individuum stellt, meiste eine Rasse oder eine Nation, aber im vorliegenden Fall einer Religion. Faschismus steht für zentralisierte autokratische Herrschaft dieser Gruppe zur Unterdrückung anderer. Im allgemeinen befürwortet er starke wirtschaftliche und gesellschaftliche Reglementierung und totale Unterwerfung des Einzelnen unter die politische Führung. Diese Beschreibung beschreibt präzise die Philosophien von Hitler, Mussolini, die Führung des kaiserlichen Japans und anderer faschistischer Regime der Geschichte. (…) Es beschreibt sehr genau die Philosophie der Qua’eda, Hisb’allah, Hamas und anderer Typen des Islams der Welt.

Es gibt Leute, ein paar meiner Leser darunter, die es nicht gerne sehen, wenn das Wort Faschismus im heutigen Kontext gebraucht wird, nicht von mir und anscheinend überhaupt nicht. Das kommt daher, so denke ich, dass Faschismus als Synonym für Nazismus steht, und deshalb unter keinen Umständen für heutige Ideologien und Politik angewendet werden darf. Es ist eines der Themen, die sich schwer diskutieren lassen, da zu viele Emotionen und persönliche Schicksale darin verwickelt sind. Trotzdem, in der Definition der Washington Times finde ich sie sehr passend und im heutigen Kontext ohne weiteres anwendbar. Denn die Nazis haben ihre Theorien und Absichten verkündet und dann ausgeführt, die heutigen Islamo-Faschisten sind noch nicht bei der Ausführung angekommen oder üben diese vorläufig noch in relativ kleinem Rahmen, wie im Irak oder Iran, aus. Aber die Absichten verkünden sie lauthals und über alle Medien. Trotzdem muss man diesen Ausdruck mit Bedacht und Vorsicht benutzen, um ihn nicht abzuwerten oder gar falsch anzuwenden.

Die Kinder sind vorläufig noch bei uns. Niemand traut dem Waffenstillstand. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die angesagten europäischen Truppen im Libanon eintreffen werden. Ich überlege mir, ob es überhaupt fair ist, dass Deutsche, Franzosen, Engländer und andere ihr Leben für die Libanesen und Israel riskieren. Israel hat bisher immer für sich selbst gesorgt, diesmal mit etwas weniger, so scheint es, durchschlagendem Erfolg. Zudem besteht ein tiefes israelisches Misstrauen gegenüber UNO-Truppen, die sich kaum je als Friedenswächter bewährt haben. Auch wenn die 15'000 Soldaten aus Europa ihre Aufgabe, falls nötig, mit Waffengewalt durchsetzen sollen, werden sie vor allem mit ihrer eigenen Sicherheit beschäftigt sein und ich hoffe sehr, dass sich die Erfahrung der UNO-Soldaten in Somalia nicht wiederholen wird. Auf der anderen Seite ist es nun wirklich so, politisch höchst unkorrekt gesagt, dass der Westen Israel die Drecksarbeit hat machen lassen, von Israel mehr schlecht als recht ausgeführt, und es dann die Arbeit nicht vollenden liess. Mein Eindruck ist heute, dass die Mehrheit der Israelis eine Wiederaufnahme des Raketenbeschusses erwartet. 3'500 Raketen sollen es bisher sein, die Hisb’allah sollte also noch 10'000 parat haben, die amortisiert werden müssen.

Montag, August 14, 2006

Die jüdische Linke heute

13.8.2006 – Die jüdische Linke heute

Die politische Linke der Juden in Israel und im Ausland hat ein Problem, das sie nicht zu lösen weiss. Mit Ausnahme einiger weniger, die mit ihrem mangelnden Sinn für Rationalität sogar die Realität von heute nicht begreifen wollen oder können, ist die grosse Mehrheit bisheriger friedensbewegter in eine Depression gefallen. Sie versteht die Welt nicht mehr und begreift, dass die ideologische Untermauerung ihres Gewissens und ihres Einsatzes neu überdacht werden muss. Ich zähle mich auch dazu.

Der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden, Wohlstand für alle, Gleichberechtigung der Geschlechter, der Religion und Volkszugehörigkeit sind Grundbedingungen friedlichen Zusammenlebens. Sich dafür einzusetzen zeigt Menschlichkeit und Sinn für Gerechtigkeit. Nur – wie für alles, das wir für die menschliche Gesellschaft unternehmen - braucht es einen Partner, der ähnlich denkt, ähnlich funktioniert und bereit ist uns zu akzeptieren. Das ist nicht immer der Fall und die Grundlage des westlichen Gutmenschentums, dass alle Menschen grundsätzlich identische Ansichten und Ansprüche besitzen, stellt sich als Fehleinschätzung heraus. So wie es uns in den letzten Jahren der Jihadismus lehrt. Gemerkt haben das allerdings noch lange nicht alle. Sie wollen warten, bis uns die Tatsache im Gesicht explodiert. Der Vergleich mit den bürgerlichen Idealen der dreissiger Jahre in Deutschland bietet sich an – Ideale, die den Nazis nichts entgegenzusetzen hatten.

Um was geht es? Hier ein Beispiel: Viele von uns Linken haben erkannt, dass die arabische Welt, besonders nach dem 11. September, sich geoutet hat. Die arabische Welt von heute identifiziert sich mit Bomben und Köpfungen, mit der demokratischen Wahl von Mordbanden wie Hamas und Hisb’allah, die paradoxerweise, das erste Prinzip einer Demokratie, nämlich die
Volkssouveränität als verfassungsrechtliches Prinzip ablehnen, denn die islamische Welt ist für sie eine Welt der Menschen als Objekte ihrer Religion. Es tut ebenso weh, seine Welt humanistischer Ideale zusammenbrechen zu sehen, als seine Naivität zu erkennen. Das kann plötzlich geschehen, ausgelöst wie durch den momentanen Krieg gegen die Hisb’allah, oder über längere Zeit hinweg, durch die fast täglichen Enttäuschungen mit der arabischen Welt und ihren hysterischen Massen.

Für politisch aufgeklärte Linke war Antisemitismus ein Ding des irren Rechtsextremismus. In unseren Tagen, Monaten und Jahren ist nun ein Antisemitismus entstanden, mit dem Jihadismus grossgeworden oder wieder erwacht – ob Zufall oder nicht – ein Teil der westlichen Welt hat sich davon anstecken lassen. Es ist uns klar geworden, dass nicht alle unserer Nachbarvölker das selbe Ideal in sich tragen, wie wir es uns fälschlicherweise mit Überzeugung vorgestellt hatten, nämlich ihre Gesellschaft verbessern und ihre Kinder erziehen, statt ihnen Bomben um den Leib zu binden.

Es ist uns klar geworden, dass in einer Region, in der Israel wohl Frieden mit Regierungen geschlossen hat, der aber von ihren Völkern nicht geteilt wird, es schon lange nicht mehr – wenn überhaupt jemals – es nicht um die Gleichung Land gegen Frieden geht, sondern um arabische Animosität, die zusammen mit einem gewissen spirituellen Niedergang in Israel (der Pionierstaat und seine Mentalität durch extremen Materialismus ersetzt), durch die Besatzung und die ununterbrochenen Angriffe durch negative Schlagzeilen uns in diese Situation geführt hat.

Israel ist heute durch diese Umstände ein Staat der Zyniker geworden. Ohne Nationalist oder gar ein Hurrapatriot zu sein, müssen wir uns eingestehen, dass sich die Einstellung der arabischen Welt um nichts geändert hat. Der Mittlere Osten ist nur für Araber. Punkt.

Politische Parteien wie Meretz, Friedensorganisationen wie „Frieden Jetzt“, Peaceniks der Arbeitspartei sind aufgewacht und stehen nicht mehr für Frieden um jeden Preis, auch dem der eigenen Selbstaufgabe. Juden in der Diaspora, ob Zionisten oder nicht, müssen sich mit der neuen, durch den Krieg in Gaza und im Libanon erkennbarer und klarer gewordenen Situation abfinden, sie akzeptieren und sich, statt den Kopf in den Sand zu stecken, damit auseinandersetzen. Die zwei katastrophalen Kriege in Gaza und im Libanon, der eine mit den Palästinensern, der andere gegen Iran, bietet immerhin die Chance das jüdische Volk zu vereinigen, Linke und Rechte einander näher zubringen und den wachsenden Zynismus, der das Leben in Israel gefährdet, zu unterbrechen. Das Land und besonders seine Bürger sollten wieder in den Mittelpunkt rücken und sich nicht in Ideologien, vom Faschismus bis zum Stalinismus und Religion, die sich nur mit sich selbst beschäftigen, verzetteln. Es sind diese Kreise, die sich – leider – besonders gut dem in unserer Region prävalenten autoritären, manchmal totalitären, Herrschaftsstil angepasst haben.

Wir müssen uns wieder auf uns selbst besinnen.

Eine Erinnerung und heutiges

12.8.2006 – Eine Erinnerung und heutiges

Vor ungefähr dreissig Jahren besuchte ich einen älteren Arzt in seiner Praxis an der Bahnhofstrasse in Zürich. Er erzählte mir, er sei Mitglied der Schweizer Ärztedelegation in Polen gewesen und habe auch mehrere Male das Warschauer Ghetto besucht. Gemäss meinen Recherchen hat diese Ärztedelegation, geleitet vom Nazisympathisanten Oberstdivisionär Bircher, keine Juden behandelt. Er verstehe schon, dass die Deutschen auf die Juden dort zurückgeschossen hätten, denn diese Juden hätten ja auf die deutschen Soldaten gefeuert und überhaupt viel Unruhe verursacht. Ich will den Namen dieses Arztes nicht nennen, ich bezweifle, dass dieser Neurologe noch unter uns weilt. Aber ich hatte nicht den Eindruck, er sei ein Antisemit gewesen, dazu war er zu unschuldig. Er war ein Mensch, der einfach nichts hinterfragte. Oder er hat mich hinters Licht geführt. Was er eindeutig nicht besass, war ein Minimum von Empathie, ein heute wieder anzutreffender Mangel – doch ist mir weit wohler in diesen Tagen (1943 war ich noch keine sechs Jahre alt), in denen ich fast täglich mit vorwiegend nichtjüdischen Freunden in Kontakt stehe. Das ist für mich nicht ganz selbstverständlich, sollte es aber sein.

Die Welt ist voll von Filmen und Fotos der von Israel angerichteten Schäden im Libanon. Die bisher 3000 Hisb’allah Raketen haben in Israel auch Schäden an Menschen und Besitz angerichtet, von denen aber kaum Kenntnis genommen wird. Ein klein wenig will ich mit diesen als Attachment mit einer mir geschickten Diashow dieses Manko ausgleichen. Im Gegensatz zu „einigen“ Fotografien aus dem Libanon, sind sie weder arrangiert noch gefälscht. Einige der Schäden in der Nähe des Rambamspitals in Haifa habe ich selbst besucht und gesehen.

Ich bin seit langem nicht mehr im Norden Israels gewesen, mein nördlichster Besuch galt Haifa. Dort herrscht Geisterstadt-Stimmung, noch schlimmer soll es in den Städten und Dörfern in Galiläa sein. Nur mein Sohn Jehoschua ist in Koranit geblieben, er liebt sein eigenes Bett und hat zu arbeiten. Frau und Kinder sind unter der Familie verteilt, die alle im Süden wohnen. Dasselbe gilt für unser Tochter Dvorith, deren Kinder bei uns sind oder in speziellen Sommerlager für Kinder aus dem Kriegsgebiet teilnehmen. Sie sind Flüchtlinge, es kommt ihnen aber nicht in den Sinn, sich als Opfer darzustellen, sie haben genügend stolz und Rückhalt bei der gesamten Familie, um sich nicht heulend vor den Medien zu präsentieren. Das hat nichts mit der zusätzlichen Tatsache zu tun, dass sich Medien kaum für jüdische „Opfer“ interessieren.

Inzwischen habe ich festgestellt, wie verschieden Israelis reagieren. Hier in Zichron Ya’akov, wo bisher sechs Mal die Sirenen geheult haben, gibt es kaum „Flüchtlinge“, aber nicht alle meine Freund trauen sich aus dem Haus. Einer will deswegen nicht mehr ins Kaffeehaus, ein anderer schleppt immer ein Radio herum und alle wissen die Telefonnummer (1207) des Zivilschutzes der Armee.

Ebenso ist inzwischen klar geworden, dass hauptsächlich jene Nordisraelis, die weder Familie im Süden noch finanzielle Mittel besitzen, in ihren Häusern und Wohnungen ausharren. Die Regierung, auf Vorwürfe reagierend, will das ändern und diesen Leuten helfen, die verbleibenden Kriegstage (wie viele noch?) im sicheren Süden zu verbringen. Wie sie das anstellen will, ist mir unklar.

Tachles und verkehrte Welt 2

10.8.2006 – Tachles und verkehrte Welt 2

Gestern Nachmittag heulten in Zichron Ya’akov die Sirenen. Wenige Minuten später klingelte das Telefon – Said Abu-Shakra wollte wissen, ob wir in Ordnung seien. Scheich Nasrallah, der Welt prominentester Israelfan, habe soeben gesagt, die "Siedlung" Zichron Ya’akov sei von seinen Langstreckenraketen zum grössten Teil zerstört worden. (Nebenbei bemerkt, ist Zichron Ya'akov wesentlich älter als eine sehr grosse Zahl arabischer Dörfer und Städtchen in Israel). Hiermit teile ich offiziell mit, dass in unserer Stadt und ihrer näheren Umgebung keinerlei Raketen gesichtet worden sind. Später vernahm ich, eine Langstreckenrakete sei auf dem Weg zu seinem Ziel über dem Wasser der Bucht von Haifa explodiert. Neu an dem ganzen ist nur, dass wir nun „Siedler“ sind. In der Realität eines Judenhassers wie Nasrallah ist das nur logisch, denn jeder Jude in Israel ist für ihn ein „Siedler“, ob in Tel Aviv, Zichron Ya’akov, Jerusalem oder in der Westbank.

Im Tachles Newsletter fand ich heute unter dem Titel „Schweizer denken schlecht über Israel“ einen Bericht über das Ansehen Israels unter den Schweizern. Wir kommen da sehr schlecht weg. Was sind die Gründe dafür? Eine davon ist die professionelle Öffentlichkeitsarbeit der Hisb’allah und ihr erfolgreiches Motivieren aller als Antiisraelismus getarnten antisemitischen Gesinnungen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass diese PR-Arbeit nicht auf fruchtbaren Boden fällt, eine Neigung zum Israelhass muss latent vorhanden sein. Hisb’allah hat zur Zeit die Palästinenser abgelöst, von denen man kaum noch spricht. Das Wissen über die Fakten des Libanonkrieges und ihre Manipulation sind, so denke wenigstens ich, inzwischen genügend bekannt, um von allen zur Kenntnis genommen zu werden. Es sei denn, man will einfach nicht.

Interessanter an dieser Umfrage und ihrem Resultat ist die Frage, wie Schweizer Juden damit umgehen werden. Wird es weiterhin alles ignorieren, diskret dicht den Wänden entlang gehen, um ja nicht aufzufallen und Gott behüte, keine Wellen zu verursachen? Oder wird es sich dieser Herausforderung stellen, denn auch nicht zionistische Juden (es soll einige geben) sind dazu aufgefordert, denn auch sie werden doppelter Loyalität bezichtigt, auch wenn ihnen das weh tut und sie alles unternehmen das Gegenteil zu demonstrieren. Alles schon da gewesen, besonders die Erfolglosigkeit dieses Benehmens. Es gibt sogar in Amerika schon prominente Juden, die das Ende des goldenen Zeitalters der Juden eingeläutet sehen, was mir jedoch stark übertrieben scheint.

Verkehrte Welt 2

Am 10.7.2006 widmete ich meinen Tagebucheintrag dem Titel „Verkehrte Welt“. Jetzt, nachdem der 8. Krieg (wie ihn die arabische Welt heute nennt) schon ein Monat alt ist, steht eine kleine Zusammenfassung an.

Es ist eher amüsant, statt ärgerlich oder traurig, mitzuverfolgen welche Purzelbäume amerikanischen und europäischen Medien machen um eine moralische Rechtfertigung der Hisb’allah für die momentane Krise zu fabrizieren. Alle sind sich zwar einig, dass die Ermordung und Entführung von Soldaten auf israelischem Territorium unzulässig sei. Doch dann werden auf verschlungenen Wegen moralische Prinzipien bemüht um zu beweisen, wie Israel eine Gräueltat nach der anderen vollbringt, während die Anstifter des Kriegs entschuldigt werden.

Akzeptiert ist, um das erst einmal festzustellen, dass eine Privatmiliz, deren erklärtes Ziel es ist ein benachbartes Land und UNO-Mitglied zu zerstören, die Grenze zu diesem Land überschritten hat und dessen Soldaten entführte und tötete. Es scheint mir wichtig zu sein, ebenso festzustellen, dass im Gegensatz zur PLO, Hisb’allah kein Volk unter Besetzung repräsentiert, sondern ausschliesslich eine Filiale iranischer Machtansprüche und Kriegstreiberei ist. Deshalb kann es keinen Anspruch auf irgendwelche legitime Ansprüche erheben.

Es ist wahr, dass Israels Verteidigungsmassnahmen im Libanon mehr zivile Opfer als Hisb’allahs Angriffe in Israel kosten. Wäre Hisb’allah in der Lage die Zahl seiner Opfer in Israel zu vergrössern, würde es dies liebend gerne tun. Israel versucht zwar, die Zahl libanesischer Opfer möglichst niedrig zu halten, aber es ist gar nicht klar, wie das, ausser mit abgeworfenen Flugblättern, die 24 Stunden vor der Aktion die Menschen auffordern ihre Häuser zu verlassen, zu tun ist.

Dann wird von israelfeindlichen Kreisen (die gar nicht hisb’allahfreundlich zu sein brauchen) vorgebracht, die armen Hisb’allahs hätten doch keine andere Wahl, als „nur“ Raketen nach Israel zu schicken, denn sie seien nicht mächtig genug mit schwererem Geschütz aufzufahren.

Gutmenschen, die Schuld überall suchen, ausser beim Täter, haben eine Anschauung entwickelt, die sich mit der Verarbeitung des pathologischen Hasses beschäftigen, der durch den 11.9. der Welt nahe gebracht worden ist. Der 11.9. war nur die bisher mächtigste Demonstration dieses Hasses, der sich schon seit Jahrzehnten entwickelt hat und sich weiter entwickeln wird. Nach dem Motto, wo Rauch ist muss auch Feuer sein, wird angenommen, dass für diesen allumfassenden psychotischen Hass auf alles jüdische und schlussendlich westliche es einen guten Grund geben muss. Jetzt, da sich Israel gegen diese Hasser verteidigt, wird vorgebracht, Israels machtvolle (aber nicht genügend machtvolle) Aktion werde diesen Hass noch weiter vergrössern. Damit wird die alte Leier angetönt: das Opfer ist schuld.

Womit wir wieder bei der „Verhältnismässigkeit“ der Mittel angekommen sind, dem Lieblingsthema des Schweizers grössten Staatsmännin, MCR. Womit für diesen Tag der Tagebuchschluss erreicht ist, denn mir geht der Laden runter.

Doch noch ein Nachtrag: Das inzwischen jedes Inhalts entleerte Wort „Verhältnismässigkeit“ könnte, so ist mir eingefallen, auf das weltweite Interesse der Medien auf die verschiedenen Krisenregionen dieser Welt angewandt werden, von den der unsere an Grösse und Zahl der Opfer weit unten rangiert. Es sind die Medien, die durch ihre Gewichtung das Interesse des Publikums bestimmen. Rein objektive betrachtet, sollte doch das, was in Darfur im Sudan, im Irak, Afghanistan, Algerien, Tschetschenien und Zentralafrika passiert weit mehr Interesse wecken, als der Hass der islamischen Welt auf das kleine Israel. Das Interesse am israelischen-arabischen Konflikt wäre nur dann in diesem Umfang berechtigt, wenn die Medien endlich den Zusammenhang zwischen ihm und dem weltweiten Jihadismus erklären würden, ein Zusammenhang, der den meisten Medienkonsumenten noch immer vorenthalten wird. Eine „Verhältnismässigkeit“ der Medienaufmerksamkeit wäre nicht nur fair, sondern eine Erfordernis der Zeit.

Kommentare

7.8.2006 – Kommentare

Lobbing rockets blindly into civilian areas is without doubt a war crime. Nothing can justify this assault on the most fundamental standards for sparing civilians the hazards of war.
Kenneth Roth, executive director of Human Rights Watch/5.8.2006

Mit diesen Worten ist Human Rights Watch zweifellos ganz auf israelischer Linie. Vielleicht nicht ganz beabsichtigt, aber die Wahrheit obiger Feststellung ist so eindeutig, dass es nichts mehr zu diskutieren gibt.

Wenn wir die bisherigen Vorgänge im Libanon und im Norden Israels genau anschauen, sehen wir die israelische Flugwaffe Häuser, Dörfer, Stadtteile, Verbindungsstrassen und andere Ziele angreifen, in denen der Feind – die Hisb’allah – ihre Befehlszentren, ihre Raketen, ihren Nachschub und andere völlig legitime Ziele hat. Dass sie diese Zentren prinzipiell durch die Geiselnahme von unschuldigen Zivilisten zu sichern versuchen, entspricht terroristischer Tradition und macht nicht Israel, sondern die Hisb’allah des Mordes an Zivilisten schuldig. Auf der anderen Seite schiessen die Hisb’allah ihre Raketen in die allgemeine Richtung Israel, denn zielen können sie nicht. Daran sind sie auch nicht interessiert, denn ihr Ziel ist ganz einfach: so viele tote Israelis, wie nur möglich. Damit treffen sie Soldaten nur aus Zufall, wie gestern im Kibbuz Kfar Giladi, wo zwölf Reservisten getötet wurden, die dort eine Pause einlegten, bevor sie an die Front weiterfahren wollten. Das ist untypisch – typisch sind die Katjuschas die in Haifa, Naharia und in Kiriat Schmona einschlagen, auf rein zivile Ziele, ob jüdisch oder arabisch, ob Spital, Kindergarten oder Altersheim. Alles ist erwünscht. Ich hoffe mich klar genug ausgedrückt zu haben. Hisb’allahs Freude am Töten ist absolut. Damit bestätigen sie nur jihadistische Tradition, sunnitisch oder schiitisch, Al-Kaida, Hamas und was noch.

Eine christliche Libanesin namens Brigitte Gabriel spricht in einem CNN Interview aus ihrem Herz. Es lohnt sich ihren fünf Minuten zuzuhören. Sie spricht in Englisch. Brigitte Gabriel ist soeben mit einem Buch herausgekommen (es wird Mitte September ausgeliefert) das den Titel „Because they hate“ (Weil sie hassen) trägt und zum Thema islamistischer Unterwanderung der westlichen Welt und ihrer Zivilisation einiges zu sagen verspricht. Das Buch trägt den Untertitel „Eine Überlebende islamischen (islamic!) Terrors warnt Amerika“.

Dvorith und ihre Kinder sind bei uns. Jeshoshuas Kinder sind zum Teil zu Hause in Koranit oder bei den anderen Grosseltern in Ramat Gan oder beim Onkel in Sde Boker. Salit, die zur Zeit ohne Arbeit ist – wer braucht schon einen Caterer in dieser Zeit der Raketen, erzählt uns über ein Gespräch mit zwei ihrer arabischen Angestellten, beide aus Sachnin, der arabischen Fussballstadt. Die eine nannte jüdische Israelis Terroristen und plapperte unreflektiert die arabische Propaganda nach, die vor allem vom Fernsehsender „Al Jazira“ verbreitet wird. Salit sagte, diese Mitarbeiterin wurde von Samira, Salits Nummer Zwei und Küchenchefin in Arabisch zurechtgewiesen und über die Tatsachen aufgeklärt – wenigsten nimmt Salit das an.

Heute mit Hani und Badi Hasisi in Majunkas Kaffeehaus hörte ich zu, wie die beiden über die Regierung herfielen und sie beschuldigten, den Krieg nicht resolut genug zu führen. Beide sind besorgt ums Vaterland, eine Sorge, die ich beginne mit ihnen zu teilen. Badi, der vor einem Jahr seinen Doktor erhielt, übersiedelt in einem Monat für ein Jahr in die USA für sein Post-Dok. Er ist einer der wenigen Drusen, die ich kenne, der nicht eine begeisterte „Kampfsau“ (um einen Schweizer Armeeausdruck zu benutzen) ist, sondern der Armee als Historiker dient. Er ist zwar begeisterter Zionist, drusischer Zionist von der ganz patriotischen Sorte und ich hätte gerne gewusst wie er mit seinen arabischen Studenten an der Universität Haifa zurande kommt. In Israel sind Studenten im allgemeinen nicht politisch tätig, weil, wenn sie ihr Studium beginnen, schon „alt“ sind und den dreijährigen Armeedienst gerade erst abgeschlossen haben. Da haben wenige noch Interesse mit Politik ihre Zeit zu vertrödeln. Bei arabischen Studenten, die gerade an der Universität Haifa rund vierzig Prozent aller Studenten repräsentieren, ist das anders. Sie gehen nicht zur Armee und sind so in der Lage, ihr Studium gerade in dem Alter mit einem B.A. oder manchmal sogar mehr abzuschliessen, wenn jüdische und drusische Studenten ihr erstes Semester beginnen. Da bleibt mehr Zeit für Politik und Agitation. In der freien Gesellschaft Israels nutzen arabische Bürger dieses Recht oft ad extremis. Das ärgert manchmal, ist aber, kühl betrachtet, DAS rieisige Plus der israelischen Gesellschaft, mit der diese sich vom gesamten Rest der arabischen und islamischen Welt mehr als nur angenehm abhebt. Etwas, das immer wieder in Erinnerung gebracht werden muss, denn es ist in meinen Augen der endgültige Beweis israelischer Demokratie und wir werden deswegen von vielen gebildeten Arabern schlicht beneidet. Neid ist ein wesentlicher Teil des Konfliktes zwischen Israel und der arabischen Welt.

Heute heulten in Zichron Ya’akov keine Sirenen. Dafür erhielten wir von Eli, unserem Bürgermeister, einen Telefonanruf. Er teilte mit, dass eine der Sirenen nicht heule, sondern kaputt sei und der Luftschutzdienst der Armee aus Gründen die ich nicht verstand, nicht in der Lage sei, sie wieder zum heulen zu bringen. Deshalb, sagte Eli Aboutboul, solle man im Zweifelsfall die dafür angegebene Telefonnummer anrufen.

Mut des Einzelnen statt Mut der Gemeinschaft

3.8.2006 – Mut des Einzelnen, statt Mut der Gemeinschaft

Es ist halb zehn abends, bis jetzt hat der Tag Israel acht tote und 28 verletzte Zivilisten beschert, sowie drei gefallene und eine nichtgenannte Anzahl verletzter Soldaten.

Ich habe mir von Dany Däster erklären lassen, dass nicht nur in Wohnhäusern, sondern auch unter Fruchtbäumen Katjuschas versteckt sind und aus grossen Kiwi-, Orangen und anderen Hainen diese Raketen abgeschossen werden. Sie zu finden und unschädlich zu machen ist zeitaufwendig und noch schwieriger, als Katjuschas in Wohnhäusern zu finden. Ergo, auch für das müssen Israel und seine Freunde Zeit gewinnen und so wie es aussieht, machen da sogar die Franzosen mit, die, so scheint mir, sich mit den USA ein Scheingefecht liefern. Inzwischen hat Israel mehr Zeit bekommen, um seine militärischen Ziele zu erreichen und allein die Drecksarbeit für die westliche Welt zu tun. Womit ich bei der Aussage eines guten Freundes angelangt bin. Roman Rosenstein, der, wie andere aktive Schweizer Juden, sich um das israelische Verhalten gegenüber den Palästinenser sorgte, aber, und das ist keine kleine Leistung, als ADL-Schweiz Chef eine sehr seriöse Website mit Namen „Tatsachen und Argumente“ einführte, die schnell populär wurde und viele Schlüsselthemen von namhaften Fachleuten erklären lässt.

Roman setzt sich für Israel ein. Ohne wenn und aber, doch stets kritisch. In einem Kommentar zu Vreni Müller-Hemmis Kritik an der einfältigen 1. August-Rede von Micheline Calmy-Rey (ab jetzt MCR genannt), in der MCR ausschliesslich die „Missetaten“ Israels anprangerte, ging Vreni Müller-Hemmi nicht weit genug. Roman schrieb unter anderem folgendes:

Es geht doch nicht darum, dass „auch die Missetaten der Hisbollah“ angeprangert werden. Der kritische Punkt heute ist doch, dass Israel als einzige Macht Soldaten und Ansehen riskiert um dem ständig aggressiver auftretenden islamischen Fundamentalismus Einheit zu gebieten. Wann immer von humanitärem Völkerrecht die Rede ist, sollte doch auch an unsere Rechtsgrundsätze, die zivilisatorischen Errungenschaften abendländischer Kultur (Rechtsgleichheit, Frauen-Emanzipation, …) und damit deren still aber unaufhaltsame Unterwanderung seitens islamistischer Kräfte (Iran, Hizbollah, ….) hingewiesen werden. Der Ausbruch des Libanon-Konflikt am 12. Juli war doch nicht nur das Resultat von zwei Soldaten-Entführungen, sondern aufgrund des grünen Lichts aus Teheran eine Reaktion der gleichentags erfolgten Übergabe des Atom-Mandats an die UNO! Verlieren wir doch nicht wegen unsorgfältig abgewogener MCR-Worte die grossen Zusammenhänge aus den Augen.

Roman Rosenstein hat den Mut, die Vorgänge im Libanon und Nordisrael in den grossen Zusammenhang zu stellen, etwas, dass kaum in den Medien zu finden ist. Dazu braucht es unheimlichen Mut, besonders in einem Land, in dem beschwichtigen und unter den Teppich kehren beinahe zur Kultur gehört oder zumindest im heutigen Trend liegt. Ich wünsche ihm, dass man ihm zuhört.

Lügen oder Missverständniss?

3.8.2006 – Lügen oder Missverständnisse?

Nach den Erfahrungen mit der skandalösen Lügenaktion über den fiktiven Massenmord in Jenin in 2002, sollten auch die Vorwürfe über die Bombardierung Beiruts in richtiges Licht gestellt werden. Kleine genau ausgewählte Teile dieser Stadt, in denen Hisb’allah ihre militärischen, logistischen und Befehlsinfrastrukturen hatten, wurden zerstört.
Auf der als Attachment aufgeführten Stadtkarte Beiruts, ist genau zu sehen, wo diese Anlagen sind (oder waren). Sie sind genau beschrieben und bilden kaum ein Prozent der gesamten Stadtfläche. Mit geeigneter Filmtechnik bringt es Kameramann ohne weiteres zustande die Schäden so aussehen zu lassen, als wäre die Stadt Beirut ein Totalschaden. Genau wie im Fall Jenin vor vier Jahren, versucht man die Welt zu überzeugen, eine ganze Stadt sei zerstört worden. Mehr möchte ich auf das Thema nicht eingehen, denn es erklärt sich von selbst. Die Beiruter Stadtkarte mit den Erklärungen stammt von Charles Moore, ehemaligem Chefredaktor des London Daily Telegraph.

Heute war Tag der Rekorde – es wurde die höchste Zahl in Israel einschlagender Raketen gezählt. Eine davon fiel im Ausland, nämlich bei Jenin – man stelle sich vor, was geschehen wäre, wenn die Terroristenrakete die Terroristenstadt getroffen hätte.

In einem kürzlich stattgefundenen Interview wurde General Norman Schwartzkopf, Kommandant des ersten Golfkrieges (frustriert, weil ihn seine politischen Chefs den Krieg nicht gründlich abschliessen liessen) gefragt, ob er denke, dass den Hisb’allahis vergeben werden könnte. Er sagte, das sei allein die Entscheidung Gottes und es sei die Aufgabe der Israelis, dies zu arrangieren.

Im Editorial des „Toronto Daily Star“ vom 1. August 2006 wurde eine sehr exakte Beschreibung der Kriegssituation gegeben, unter dem Titel „Ein Waffenstillstand würde Gewalt nicht abschrecken“. Dieser kurze und präzise Artikel ist es Wert wiedergeben zu werden. Die Übersetzung ist, wie immer, von mir.

Im Gegensatz zu den traurigerweise vorauszusehenden Ansichten gewisser Beschwichtiger des islamistischen Terrors, ist es überhaupt nicht schwierig zu sehen, was Ministerpräsident Olmert hofft im Libanon zu erreichen. Das israelische Ziel ist ganz einfach und wurde offen von Israel dargelegt – die Kapazität der Hisb’allah Raketen in zivile Bevölkerungszentren in Israel zu schiessen. Das israelische Ziel ist ganz einfach und wurde offen von Israel dargelegt – die Kapazität der Hisb’allah Raketen in zivile Bevölkerungszentren in Israel zu schiessen zu zerstören.
Zivile Opfer in Libanon werden von Israel nicht gewünscht und sind auch nicht in seinem Interesse. Sie sind jedoch ein unvermeidliches Resultat von was Jan Egeland von der UNO selbst „Hisb’allahs feiges Vermischen“ genannt wurde, d.h. das Benützen unschuldiger Zivilisten als menschliche Schilder für seine Raketenabschussrampen. Es ist sehr leicht eine Seite zu kritisieren ohne eine konstruktive und praktische Alternative bieten zu können. [Was genau dem entspricht, das ich schon verschiedentlich angeprangert habe. Uri]. Ebenso ist es leicht mit dem Finger auf jemanden zu zeigen und das alte abgedroschene Argument über die wirklichen Probleme vorzubringen, während die klaren gegenwärtigen Gefahren ignoriert werden. Wenn jemand eine besser Art die momentane existenzielle Gefahr für Israel durch Hisb’allah zu beseitigen anzubieten hat, soll er sich melden, denn wir alle würden sie sehr gerne hören. Bis dann aber, würde der Ruf nach einem sofortigen Waffenstillstand durch Israel ohne auch die Hisb’allah zu entwaffnen die gegenwärtige Bedrohung für Israels zivile Bevölkerung unverändert bestehen lassen und muss deshalb für jeden fair denkenden Menschen unannehmbar sein.

Im Fernsehen „Manara“ der Hisb’allah sind für uns befremdende Filme zu sehen, in denen die Beschiessung der israelischen Zivilbevölkerung als „Ehrenrettung“ des eigenen Volkes bezeichnet und gefeiert wird. Davon kann ich hier zwei kurze Filme anbieten, die diese „Kultur“ beschreiben oder wenigsten das, was von diesen Filmemachern dafür gehalten wird. Darin wird gefeiert, geschossen und martialische Musik gesungen. Die Filme habe ich im Palestinian Media Watch Bulletin vom 2. August 2006 gefunden.

Dienstag, August 01, 2006

Verborgenes

1.8.2006

Im Berliner „Tagesspiegel“ war am 30.7.2006 ist folgender Leserbrief zu finden:

Ich wohnte bis 2002 in einem kleinen Dorf im Süden nahe Mardschajun, das mehrheitlich von Schiiten wie mir bewohnt ist. Nach Israels Verlassen des Libanon dauerte es nicht lange, bis die Hisbollah bei uns und in allen anderen Ortschaften das Sagen hatte. Als erfolgreiche Widerstandskämpfer begrüßt, erschienen sie waffenstarrend und legten auch bei uns Raketenlager in Bunkern an. Die Sozialarbeit der Partei Gottes bestand darin, auf diesen Bunkern eine Schule und ein Wohnhaus zu bauen! Ein lokaler Scheich erklärte mir lachend, dass die Juden in jedem Fall verlieren, entweder weil die Raketen auf sie geschossen werden oder weil sie, wenn sie die Lager angriffen, von der Weltöffentlichkeit verurteilt werden ob der dann zivilen Toten. Die libanesische Bevölkerung interessiert diese Leute überhaupt nicht, sie benutzen sie als Schilder und wenn tot als Propaganda. Solange sie dort existieren, wird es keine Ruhe und Frieden geben. Dr. Mounir Herzallah,Berlin-Wedding

Dieser Leserbrief bestätigt meine immer stärker werdende Überzeugung, dass Israel mit der Bombardierung in Kafr Kana ganz offensichtlich in die Falle getappt ist. Die Toten von Kafr Kana sind Objekte des grenzenlosen Zynismus hisb’allahscher Menschenverachtung, welche die Hisb’allah mit allen anderen Jihadisten wie Hamas und Al Kaida teilt. Jeder, der im Westen an einer antiisraelischen Demonstration teilnimmt, ist Teil davon, ob er sich darüber im klaren ist oder nur aus vermeintlicher Gutherzigkeit und Mitleid um nichtisraelische Opfer trauert. Gutmenschen eben, entweder bösartig oder dumm.

Im französischsprachigen christlich-libanesischen Website „Libanoscopie“ wird beschrieben, wie Hisb’allah behinderte Kinder in ein Haus brachten, darauf eine Raketenbatterie installierten und so israelische Angriffe auf Kafr Kana provozierten. Es wird darauf hingedeutet, dass die Hisb’allah bei dieser Katastrophe Regie geführt hat. Weiter sind gemäss Rotem Kreuz nur 26 Menschen in diesem Vorfall umgekommen, aber das sind noch immer 26 zu viel.

Mit der gestrigen Ansprache von Olmert, dass es keinen Waffenstillstand gebe, ging ein allgemeines Aufatmen durchs Land. Mit seiner Churchill ähnlichen Rede hat er sich als Politiker mit Rückgrat gezeigt. Es liegt nun an der Armee, den Ware zu liefern. Zwar neige ich dazu ihm recht zu geben, denn eine Alternative dazu sehe ich nicht. Vor allem gilt es weitere Hisb’allah Fallen zu umgehen.

Noch immer fahre ich täglich zum Rambam Spital in Haifa. Teil dieses Universitätsspitals ist die Mayer Klinik für Kinder. Nun habe ich herausgefunden, dass dort palästinensische Kinder im Alter von drei bis neun Jahre aus den besetzten Gebieten liegen, die auf eine Rückenmarktransplantation warten. Da die Hämatologie neben der Onkologie, die ich besuche, liegt, habe ich entdeckt, dass zur Zeit fünf palästinensische Kinder stationär für Leukämie und Thalassemia, einer anderen Blutkrankheit behandelt werden. Insgesamt sind dreizehn Kinder, zum Teil ambulant, wegen diesen Krankheiten im Mayer Spital in Pflege. In den besetzten Gebieten gibt es keine Möglichkeit, diese Behandlungen durchzuführen. Die Kinder werden für Rückenmarktransplantationen vorbereitet. Die Kosten werden von einer italienischen Organisation und dem Schimon Peres Friedenszentrum getragen. Das Rambam, wie ihr inzwischen aus meinem Tagebuch wisst, ist seit Beginn des Krieges Zielscheibe der Hisb’allah, deren Raketen rund um den Spital eingeschlagen, aber es bisher verfehlt haben. Die Eltern und ihre Kinder stehen die heutige Situation im Spital ohne Aufregung durch.

Ich bitte Euch, meine Tagebuch-Informationen der letzten Tage unter die Leute zu bringen. Die Medien bringen solche weniger sensationelle aber nicht weniger wichtigen Informationen kaumt – ob aus mangelndem Interesse oder Bösartigkeit weiss ich nicht.