Raritäten, Menschliches und Schadenfreude
Der Hisb’allah und der Hamas läuft heute garantiert das Wasser im Mund zusammen. In Kfar Kana, einem südlibanesischen Dorf, aus dem schon Hunderte von Katjuscha Raketen abgeschossen worden sind und dessen von der Hisb’allah zur Geisel genommene Einwohner, die von Israel schon vor Tagen gewarnt und aufgefordert worden waren das Dorf zu verlassen, wurde heute früh von der israelischen Luftwaffe bombardiert. Es gab viele Tote, darunter eine grosse Zahl Kinder – sehr sehr traurig und Propagandaerfolg für die Hisbollah, denn genau dafür halten sie zivile Bewohner dieser Dörfer und Städte davon ab, ihre Heimstätten zu verlassen. Ein Ruhmesblatt für die israelische Luftwaffe ist es ebenso wenig. Zur etwa gleichen Zeit landete eine Rakete in einem Kindergarten in Akko und mehrere Raketen sind in den vergangenen Tagen im Spital von Nahariah eingeschlagen, haben aber, weil der Kindergarten leer und die Patienten in den unterirdischen Luftschutz-Spital gebracht worden waren, keinen Schaden an Menschen verursacht.
Das alles mag sehr zynisch klingen, ist es auch, aber es entspricht den Tatsachen, dass Israel aus Umständen, über die es wenig Kontrolle hat, zivile Opfer verursacht. Hisb’allah und Hamas hingegen schossen bisher 2000 oder mehr Raketen nach Israel hinein (mit diesem Casus Belli entfachten sie diesen Krieg), haben zwar auch beträchtliche Sachschäden verursacht, aber die Zahl der Toten und Verletzten ist – relativ – klein, auch wenn dieses „relativ“ nicht akzeptabel ist. Jeder tote Mensch ist einer zu viel, eine Ansicht, die vom Terrorismus nicht geteilt wird. Die Frustration der Terroristen muss beträchtlich sein, denn ihr Raison d’être ist die Zerstörung Israels, mit allem, dass dazu gehört, Bevölkerung, Infrastruktur, westlicher Kultur, das Zusammenleben mit seinen Minderheiten und die moderne, erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
Die Situation ist schrecklich. Doch bei aller Kritik über die riesigen Schäden, die dieser Krieg in Israel und im Libanon anrichtet, sollte eine Frage nicht vergessen werden: Was ist für Israel die Alternative? Soll sich Israel von aussen her beschiessen, seine Bürger und Soldaten töten und entführen lassen, ohne sich zu wehren? Es ist Israels ureigene Verantwortung, die Sicherheit seiner Bürger zu sichern und kann nicht an andere delegiert werden. Deshalb muss allen Kritikern die Kernfrage gestellt werden: was ist die Alternative zu Israels Selbstverteidigung? Punkt. Reflexartig wird von einigen Kritikern die Standardantwort kommen: „Dialog!“. Mit dem eigenen Henker? Aus den Antworten sollte unschwer zu erkennen sein, wessen Geistes Kind der Gefragte ist.
Gestern schrieb ich einige Kommentare über Medienberichte und erhielt umgehend die Bitte, solches weiterhin zu tun. Dem komme ich gerne nach.
FOCUS berichtet, Passagiere an Bord eines der Evakuationsschiffe für ausländische Flüchtlinge aus dem Libanon, hätten dem Münchner Arzt Boris Buck erzählt im südlibanesischen Tyros, das von der Hisb’allah beherrscht wird und von wo ein grosser Teil der fast 2000 Raketen abgeschossen worden sind, bisher achtzehn Libanesen als Sympathisanten Israels ermordet wurden. Das war in Tyros. Im gleichen Bericht steht übrigens, dass die Hisb’allahs erst begonnen hätten Israel mit Raketen zu beschiessen, nachdem Israel auf die Soldatenentführung (aus Israel!) reagiert hätte. Das ist schlicht gelogen. Der Norden Israels wird schon seit Jahren mit Katjuschas beschossen, wenn auch nicht in vergleichbarer Intensität wie jetzt.
In der Herald Sun, einer australischen Zeitung ist ein Artikel mit Fotos zu finden, der zeigt, wie Hisb’allah Männer im christlichen Wohnviertel Wadi Chahrour in Ostbeirut mit Flugabwehrkanonen bereitstehen und dieses Quartier durch ihre Anwesenheit und Aktivität gefährden. Sie sind in ziviler Kleidung und können so schnell unter der Zivilbevölkerung verschwinden.
Ein anderes, nicht weniger interessantes Foto fand ich in der Website der Schottischen Freunde Israels. Bei einer militärischen Stellung der UNIFIL weht neben deren Flagge auch die gelbe Fahne der Hisb’allah. Daraus können verschiedene interessante Kombinationen abgeleitet werden. Sind die UNIFIL oder deren Soldaten mit den Terroristen befreundet? Ohne weiteres führt der Verdacht zur Vermutung, dass unter solchen Vorbedingungen auch Raketen oder ähnliches neben dieser UNIFIL-Station in Stellung gebracht werden. Vielleicht hat sich Hisb’allah mit der UNIFIL diese Stellung geteilt. Viele Möglichkeiten bieten sich an, auf jeden Fall stimmt hier etwas nicht.
Im Wochenendmagazin der Zeitung Haaretz und bei Reuters ist ein spannender und eigentlich trauriger Artikel über die „Vier Mütter“ zu lesen. Drei dieser vier Frauen, die im ersten Libanonkrieg (1982) Söhne verloren und wegen der Sinnlosigkeit dieses Krieges eine Frauenorganisation auf die Beine gestellt hatten, trugen stark dazu bei, dass Israel die Armee von dort abzog. Sie erzählen über ihren Werdegang zu Antikriegsaktivistinnen und ihrer Stellung zum gegenwärtigen Krieg, der die Armee in den Libanon zurückbrachte. Nicht erstaunlich, haben sie ihre geändert. Sie sind keine Pazifistinnen und sind übereinstimmend der Meinung, dass dieser Krieg mit Scharons Feldzug von 1982 nichts gemeinsam hat. Er sei existenziell und müsse durchgestanden werden. Ich hatte diese „Vier Mütter“ zu ihrer Zeit sehr bewundert. Ähnlich wie die „Frauen in Schwarz“ zeigten sie viel Zivilcourage und im Gegensatz zu den faschistischen „Frauen in Grün“ vertraten sie eine humanistische Philosophie, die ihnen auch heute wieder hilft, die Vorgänge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Wenig wichtig, aber interessant ist die Stellungnahme der vierten der „Vier Mütter“, die heute in den USA lebt und separat interviewt wurde. Sie stellt sich vor allem selbst in den Vordergrund, beansprucht den alleinigen Kredit für den Erfolg der Gruppe und ist zutiefst beleidigt, dass man von ihr nicht mehr spricht, sie vergessen hat. Zu den heutigen Vorgängen nimmt sie höchstens mit einigen Allgemeinplätzen Stellung. Womit ich zu einem anderen Egotrip überleite.
(Schaden)Freude machte mir die Mitteilung, dass Frau Calmi-Rey vom Gesamtbundesrat zurückgepfiffen worden ist. Ihre Aktivitäten als selbstverliebte Friedenstaube und einseitige Schuldzuweiserin haben ihren Kollegen in der Landesregierung nicht eingeleuchtet, sind ihnen peinlich und nun ist Frau Aussenministerin zurück auf dem Teppich. Bei ihrem nächsten Teilnahme an einem Gottesdienst bei der Liberalen Jüdischen Gemeinde (GIL) in Genf, könnte sie sich neu über die Realitäten im Mittleren Osten orientieren.

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