Leben in Israel - Uris Tagebuch

Uri Russak schreibt Persönliches. Er schreibt über Politik, angewandten Zionismus und über seine Freunde - Juden, Araber, Drusen, Christen in Israel und ausserhalb. Er selbst sieht sich als Realist, kann Exremisten jeder Art nicht ausstehen. In Israel wird er oft Linksextremist genannt, im Ausland, besonders in der Schweiz, wo er geboren wurde, wird er als Rechter beschimpft. Das gefällt ihm.

Name:
Standort: Zichron Ya'akov, Israel

Das Leben in Israel ist nie langweilig. Von vielen gehasst und von vielen respektiert ist unser Land das erfolgreichste Projekt seit dem zweiten Weltkrieg, was natürlich nicht von allen gern gehört wird aber dennoch stimmt. Ich lebe und atme dieses Land, kritisiere viel und bin täglich wieder beeindruckt über die Energie und die Kreativität der Israelis und ihrer ans Anarchische grenzende Demokratie. Ich bin Aktivist für Koexistenz mit den arabischen Mitbürgern, gelte hier als politisch Linker, während ich in der Schweiz, wo mein Zielpublikum mehrheitlich lebt, bei einigen als Rechtsextremist verschrien bin, womit ich ganz gut leben kann.

Montag, Juli 31, 2006

Dokumentierte Tatsachen - bis zum letzten Zivilisten

31.7.2006

IDF video: Hizbullah deploys Katyushas near Lebanese homes

IDF video: Hizbullah use of civilian shields

IDF video: Hizbullah firing rockets from behind buildings

Oben Links zu drei Kurzfilmen der israelischen Flugwaffe, die den Beweis liefern, wie Hisb’allah in ihrem menschenverachtenden Wahn, ihre eigenen Landleute ans Messer liefert. Hamas tut dasselbe im Gazastreifen. Inzwischen mehren sich Aussagen von UNIFIL-Soldaten und Offizieren, dass auch sie von der Hisb’allah zur Geisel genommen werden. Raketen werden von oder neben ihren Stellungen nach Israel abgefeuert. Der kanadische Generalmajor Lewis MacKenzie bezog sich bei einen CBC Radiointerview vom 26. Juli 2006 auf ein E-Mail, das er von Major Paeta Hess-von Kruendener erhalten hatte, kurz bevor dieser in einem israelischen Angriff getötet wurde. Major Hess habe darin beschrieben, wie die Hisbollahs sich in und neben dem UNIFIL-Posten aufhalten würden und diesen als Schild gegen israelische Angriffe missbrauchten. General McKenzie anerkennt diese Angriffe nicht als absichtlich gegen die UNIFIL gezielt, sondern als taktische Notwendigkeit.
Hier einige Ausschnitte aus UNIFIL Berichten:

· Am 24. Juli berichtete UNIFIL, das ein unbewaffnetes Mitglied der UN-Beobachtergruppe durch leichte Waffen von der Hisb'allah schwer verwundet worden sei. Heute liegt dieser Offizier in einem Spital in Haifa. (Kofi Anan schweigt darüber und hat sich auch nicht bei Israel bedankt)
· Am 25. Juli wurde berichtet, dass Hisb’allah das Feuer mit leichten Waffen auf einen UNIFIL Konvoi bestehend aus zwei gepanzerten Truppentransportern eröffnet habe. Das geschah auf der Strasse die Kunin und BinJubayl verbindet.
· Am 27. Juli, so wurde berichtet, habe die Hisb’allah neben den vier UN-Stellungen Marwahin, Alma AshShab, Brashit und At Tiri das Feuer eröffnet.
· Am 28. Juli berichtet ein UNIFIL-Rapport, die Hisb’allah hätte das Feuer neben den fünf UN-Stellungen Alma AshShab, At Tiri, Bayt Yahoun, Barshit und Tibnin eröffnet.

Die UNIFIL Soldaten tun mir leid.
Fast so mutig wie Schweizer Juden (Ausnahmen werden von mir ehrlich anerkannt), nahmen rund 8000 kanadische Juden und andere Freunde Israels am 28. Juli 2006 an einer Solidaritätsdemonstration in Toronto teil. Der oben erwähnte General McKenzie war auch dabei und sagte, er würde auch an einer Solidaritätsdemonstration für den Libanon teilnehmen. Er impliziert damit den feinen aber wichtigen Unterschied zwischen diesem Land selbst und seinem Geiselnehmer, der gottesgläubigen Hisb’allah.

Mit dem Resultat der Bombardierung der libanesischen Stadt Kafr Kama ist genau das passiert, wovor sich die israelische Regierung gefürchtet hatte. Eine grosse Menge Opfer, davon sehr viele Kinder. Ob Israel daran schuldig ist, warum die von ihm seit langem vorgewarnte Bevölkerung in der Stadt geblieben ist oder wahrscheinlicher und genau der Ethik arabischer Terroristen entsprechend, zum Bleiben gezwungen worden war, ist inzwischen nicht mehr wichtig. Die Hisb’allah hat ein Traumziel erreicht, das nun bis zum geht nicht mehr gemolken wird. In Israel sollte für diese Opfer, genau so wie für israelische, getrauert werden, denn verantwortlich oder nicht, es waren unsere Bomben, die diese Menschen töteten.

Mein Dauerthema in Gesprächen und Gedanken ist die Frage: Was ist die Alternative zur gegenwärtigen Gewalt, wie ist islamischem Hass und Gewalt entgegenzutreten? Dialog gegen Hass ist Unsinn, eine Lösung weiss ich (noch?) nicht.

Raritäten, Menschliches und Schadenfreude

30.7.2006

Der Hisb’allah und der Hamas läuft heute garantiert das Wasser im Mund zusammen. In Kfar Kana, einem südlibanesischen Dorf, aus dem schon Hunderte von Katjuscha Raketen abgeschossen worden sind und dessen von der Hisb’allah zur Geisel genommene Einwohner, die von Israel schon vor Tagen gewarnt und aufgefordert worden waren das Dorf zu verlassen, wurde heute früh von der israelischen Luftwaffe bombardiert. Es gab viele Tote, darunter eine grosse Zahl Kinder – sehr sehr traurig und Propagandaerfolg für die Hisbollah, denn genau dafür halten sie zivile Bewohner dieser Dörfer und Städte davon ab, ihre Heimstätten zu verlassen. Ein Ruhmesblatt für die israelische Luftwaffe ist es ebenso wenig. Zur etwa gleichen Zeit landete eine Rakete in einem Kindergarten in Akko und mehrere Raketen sind in den vergangenen Tagen im Spital von Nahariah eingeschlagen, haben aber, weil der Kindergarten leer und die Patienten in den unterirdischen Luftschutz-Spital gebracht worden waren, keinen Schaden an Menschen verursacht.
Das alles mag sehr zynisch klingen, ist es auch, aber es entspricht den Tatsachen, dass Israel aus Umständen, über die es wenig Kontrolle hat, zivile Opfer verursacht. Hisb’allah und Hamas hingegen schossen bisher 2000 oder mehr Raketen nach Israel hinein (mit diesem Casus Belli entfachten sie diesen Krieg), haben zwar auch beträchtliche Sachschäden verursacht, aber die Zahl der Toten und Verletzten ist – relativ – klein, auch wenn dieses „relativ“ nicht akzeptabel ist. Jeder tote Mensch ist einer zu viel, eine Ansicht, die vom Terrorismus nicht geteilt wird. Die Frustration der Terroristen muss beträchtlich sein, denn ihr Raison d’être ist die Zerstörung Israels, mit allem, dass dazu gehört, Bevölkerung, Infrastruktur, westlicher Kultur, das Zusammenleben mit seinen Minderheiten und die moderne, erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
Die Situation ist schrecklich. Doch bei aller Kritik über die riesigen Schäden, die dieser Krieg in Israel und im Libanon anrichtet, sollte eine Frage nicht vergessen werden: Was ist für Israel die Alternative? Soll sich Israel von aussen her beschiessen, seine Bürger und Soldaten töten und entführen lassen, ohne sich zu wehren? Es ist Israels ureigene Verantwortung, die Sicherheit seiner Bürger zu sichern und kann nicht an andere delegiert werden. Deshalb muss allen Kritikern die Kernfrage gestellt werden: was ist die Alternative zu Israels Selbstverteidigung? Punkt. Reflexartig wird von einigen Kritikern die Standardantwort kommen: „Dialog!“. Mit dem eigenen Henker? Aus den Antworten sollte unschwer zu erkennen sein, wessen Geistes Kind der Gefragte ist.
Gestern schrieb ich einige Kommentare über Medienberichte und erhielt umgehend die Bitte, solches weiterhin zu tun. Dem komme ich gerne nach.
FOCUS berichtet, Passagiere an Bord eines der Evakuationsschiffe für ausländische Flüchtlinge aus dem Libanon, hätten dem Münchner Arzt Boris Buck erzählt im südlibanesischen Tyros, das von der Hisb’allah beherrscht wird und von wo ein grosser Teil der fast 2000 Raketen abgeschossen worden sind, bisher achtzehn Libanesen als Sympathisanten Israels ermordet wurden. Das war in Tyros. Im gleichen Bericht steht übrigens, dass die Hisb’allahs erst begonnen hätten Israel mit Raketen zu beschiessen, nachdem Israel auf die Soldatenentführung (aus Israel!) reagiert hätte. Das ist schlicht gelogen. Der Norden Israels wird schon seit Jahren mit Katjuschas beschossen, wenn auch nicht in vergleichbarer Intensität wie jetzt.
In der Herald Sun, einer australischen Zeitung ist ein Artikel mit Fotos zu finden, der zeigt, wie Hisb’allah Männer im christlichen Wohnviertel Wadi Chahrour in Ostbeirut mit Flugabwehrkanonen bereitstehen und dieses Quartier durch ihre Anwesenheit und Aktivität gefährden. Sie sind in ziviler Kleidung und können so schnell unter der Zivilbevölkerung verschwinden.
Ein anderes, nicht weniger interessantes Foto fand ich in der Website der Schottischen Freunde Israels. Bei einer militärischen Stellung der UNIFIL weht neben deren Flagge auch die gelbe Fahne der Hisb’allah. Daraus können verschiedene interessante Kombinationen abgeleitet werden. Sind die UNIFIL oder deren Soldaten mit den Terroristen befreundet? Ohne weiteres führt der Verdacht zur Vermutung, dass unter solchen Vorbedingungen auch Raketen oder ähnliches neben dieser UNIFIL-Station in Stellung gebracht werden. Vielleicht hat sich Hisb’allah mit der UNIFIL diese Stellung geteilt. Viele Möglichkeiten bieten sich an, auf jeden Fall stimmt hier etwas nicht.
Im Wochenendmagazin der Zeitung Haaretz und bei Reuters ist ein spannender und eigentlich trauriger Artikel über die „Vier Mütter“ zu lesen. Drei dieser vier Frauen, die im ersten Libanonkrieg (1982) Söhne verloren und wegen der Sinnlosigkeit dieses Krieges eine Frauenorganisation auf die Beine gestellt hatten, trugen stark dazu bei, dass Israel die Armee von dort abzog. Sie erzählen über ihren Werdegang zu Antikriegsaktivistinnen und ihrer Stellung zum gegenwärtigen Krieg, der die Armee in den Libanon zurückbrachte. Nicht erstaunlich, haben sie ihre geändert. Sie sind keine Pazifistinnen und sind übereinstimmend der Meinung, dass dieser Krieg mit Scharons Feldzug von 1982 nichts gemeinsam hat. Er sei existenziell und müsse durchgestanden werden. Ich hatte diese „Vier Mütter“ zu ihrer Zeit sehr bewundert. Ähnlich wie die „Frauen in Schwarz“ zeigten sie viel Zivilcourage und im Gegensatz zu den faschistischen „Frauen in Grün“ vertraten sie eine humanistische Philosophie, die ihnen auch heute wieder hilft, die Vorgänge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Wenig wichtig, aber interessant ist die Stellungnahme der vierten der „Vier Mütter“, die heute in den USA lebt und separat interviewt wurde. Sie stellt sich vor allem selbst in den Vordergrund, beansprucht den alleinigen Kredit für den Erfolg der Gruppe und ist zutiefst beleidigt, dass man von ihr nicht mehr spricht, sie vergessen hat. Zu den heutigen Vorgängen nimmt sie höchstens mit einigen Allgemeinplätzen Stellung. Womit ich zu einem anderen Egotrip überleite.
(Schaden)Freude machte mir die Mitteilung, dass Frau Calmi-Rey vom Gesamtbundesrat zurückgepfiffen worden ist. Ihre Aktivitäten als selbstverliebte Friedenstaube und einseitige Schuldzuweiserin haben ihren Kollegen in der Landesregierung nicht eingeleuchtet, sind ihnen peinlich und nun ist Frau Aussenministerin zurück auf dem Teppich. Bei ihrem nächsten Teilnahme an einem Gottesdienst bei der Liberalen Jüdischen Gemeinde (GIL) in Genf, könnte sie sich neu über die Realitäten im Mittleren Osten orientieren.

Neue Beaknntschaften und Interessantes aus dem Medien

29.7.2006

Gestern Freitag traf ich mich mit Adam Teller im Café Mokka. Adam erblickte einen Kollegen der Universität Haifa mit Frau und Tochter. Wir setzten uns mit ihnen zusammen. Menachem Kellner ist Professor und lehrt Religionsphilosophie, befasst sich in Haifa aber auch mit geschichtlichen Themen wie der Abteilung für Zivilisationen seefahrender Völker. Vor allem ist er einer der grossen Experten für Rambam, allgemein bekannt als Maimonides. Seine Tochter, Literaturstudentin, arbeitet gerade an ihrem Doktorat an der Bar Ilan Universität. Über die Arbeit sprachen wir nicht, mit einer Ausnahme. Papa und Tochter präsentierten ein Paper zum Thema „Die Magie der Wissenschaft und die Wissenschaft der Magie - Harry Potter und Maimonides“, das Sie im vergangenen Mai an einem Kongress der Universität Haifa präsentierten. Das ganze scheint ein Fall esoterischen Humors zu sein, der mir gefällt und mit den beiden zu sprechen ist nicht nur interessant und unterhaltend, sei scheinen auch enormen Spass zu haben. Die Familie Kellner wohnt in Haifa und waren als Tagesflüchtlinge nach Zichron Ya’akov gekommen. Ich schien dem Fräulein Kellner zu gefallen, sie setzte sich mit gekreuzten Beinen neben mich und nahm mich völlig in Beschlag. In meinem Alter wird das geschätzt, was ich später auch meiner Lea sagte. Auf jeden Fall, bestätigte sich heute das Mantra von Leas Freundin Nechama, die allen erzählt, der Uri lese dauernd neue Freunde auf – sozusagen aus dem Nichts. Worauf ich übrigens stolz bin.
Hier einige Aussagen aus den Medien, die ich in den letzten zwei Tagen fand und gerne weitergeben möchte. Einige sind mit Links versehen.
In der heute erhaltenen Ausgabe des Magazins „Cicero“, in meinen Augen die beste politische Zeitschrift in deutscher Sprache überhaupt, steht ein Aufsatz von Peter Sloterdijk, Europas heute wohl populärstem Philosophen. Er schreibt über „die Bevölkerungswaffe der Islamisten“, einer Bedrohung, die ja immer wieder als demographische Zeitbombe genannt und gefürchtet wird und sich nicht nur ausschliesslich auf Israel bezieht. Er nennt den Islamismus eine Ideologie, die nichts hervorbringt. Als eine Art Zusammenfassung des langen Essays will ich daraus hier folgende Aussagen zitieren „Sosehr es zutrifft, dass die islamistische Theokratie auf dem formal und materiell totalitären Anspruch beruht, alle Lebensvollzüge in einer virtuell islamisierten Weltgemeinschaft nach koranischem Recht zu ordnen, so wenig wäre sie imstande, den ökonomischen, politischen, technischen und künstlerischen Tatsachen des gegenwärtigen Zeitalters zu begegnen.“. „Wenn einer der Hamas-Führer, der palästinensische Arzt Abdel Aziz Rantisi [seligen Angedenkens], jüngst verkündete, das kommende Jahrhundert werde das Jahrhundert des Islam sein, unterläuft ihm die zeitübliche Verwechslung von Kultur und Biomasse“. Sloterdijk meint, Rantisi könnte nur recht haben, wenn der islamischen Welt als Ganzes bald der Ausgang aus ihrer selbst verschuldeten Rückständigkeit gelänge. Das ist interessant und leuchtet ein. Auf der anderen Seite, so denke ich, sollten wir aus der Geschichte Beispiele wie den Attila und seine Hunnen aus dem Osten einritten und Europa verwüsteten oder die Barbaren, die aus dem Norden einbrechend das Römische Reich zu Fall brachten in Erinnerung rufen. Zum Verwüsten und Morden braucht es nicht unbedingt ein hochstehendes wissenschaftliches und kulturelles Niveau. Hass genügt, Waffen werden (man denke an die Geschäfte westlicher Staaten und Firmen mit arabischen Diktatoren) von den verblendeten Opfern frei Haus geliefert, ein Phänomen, das wir in den vergangenen paar Jahrzehnten und bis heute beobachten können.
Im Guardian von heute steht ein Interview mit Hisb’allah Terroristen. Daraus geht hervor, dass, falls Israel sein Kriegsziel der weitgehenden Schwächung der Hisb’allah nicht erreicht, dies für die nicht schiitischen Libanesen äussert peinlich werden dürfte. Die Hisb’allah plant schon jetzt rächende Massnahmen. „Die richtige Schlacht“, sagt einer und meint damit bestimmt Schlächterei, „wird nach dem Krieg stattfinden. Wir werden noch offene Rechnungen mit den libanesischen Politikern begleichen. Erst werden wir die Israelis fertig machen und dann werden wir abrechnen“.
Youssef Ibrahim, schrieb am 17. Juli in der New York Sun über die schweigende muslimische Mehrheit, die langsam erwache und eine Stimme bekommt. Er zählt all die arabischen Staaten auf, die sich von den Hisb’allahs distanzieren und dieser sagen: „Macht euren Dreck alleine“ [sehr frei übersetzt]. Ibrahim behauptet, die arabische Mehrheit glaube nicht mehr an den Islam des siebten Jahrhunderts, sondern denke, sie sei fit für das 21. Jahrhundert. Frauen müssen nicht mehr wandelnde schwarze Zelte sein, Männern müssen nicht mehr gezwungenermassen Bärte und lange Kleider tragen, sich wie Verrückte benehmen, herumrennen und sich in die Luft jagen um 72 Jungfrauen zu vernaschen. Die selbe Mehrheit denkt, dass nicht die islamische Scharia, sondern säkulare Gesetze das Leben bestimmen sollen. Ich bin mir nicht sicher, ob er da nicht zu optimistisch ist, aber auf der anderen Seite sollte er besser in der Lage sein, dies zu beurteilen.
Am 26. Juli schrieb derselbe Youssef Ibrahim in der Middle East Times, dass im Durchschnitt täglich 33 Irakis von irakischen und ausländischen Terroristen und Selbstmordbombern umgebracht werden. Die Zahl getöteter amerikanischer und britischer Soldaten nehme ab. Ibrahim beschreibt die innerarabischen Massaker, meistens im Namen des Islam. Touristen werden ermordet in Marokko, Ägypten, Afrika, Indonesien und Jemen – alle durch Muslime, die sagen, sie seien besser als andere Muslime. Es wird gemordet in Indien, Thailand und sie reden nun von Deutschland, Dänemark und anderen. In Kirchen und Synagogen in der Türkei und Tunesien wird gebombt, wo islamische Prediger verkünden es sei o.k. Juden und Christen zu killen. Ibrahim schreibt, das einzig wirklich Erreichte der Jihadisten sei die Tatsache den „Westlichen Tiger“ aus seinem Schlaf geweckt zu haben. Diese naiven Muslime hätten damit ihr grösstes Verbrechen begangen, denn nun werde der Westen nicht nur gegen Muslime kämpfen, sondern gegen den Islam als Religion. Diese letzte Aussage ist, so glaube ich, als Prophezeiung gemeint.

Tachles, Familiäres und der Krieg

28.7.2006

Ich muss Yves Kugelmann, dem Chefredaktor des „Tachles“, gratulieren. Mutig und als einer der seltenen repräsentativen Schweizer Juden, hat er in seinem Editorial der heutigen Ausgabe die Apathie, Furcht oder Feigheit der offiziellen Organisationen des „jüdischen Schweizertums“ blossgestellt. Hoffentlich bewirkt es ein, wenn auch zögerliches. vielleicht ein wenig furchtsames Aufrichten des kollektiven jüdischen Rückengrates der SIG, ICZ, JLG, IGB und anderer. In Hebräisch kann ich ihnen nur zurufen: „Toziu et haEzba!“. Sind Hackenkreuze in der Schweiz nicht Warnung genug.
Eines am Editorial stört mich. Nach dem Untertitel „Solidarität“ steht: Man muss nicht für diesen Krieg sein, ...... . Wenn man in diesem Fall gegen diesen Krieg ist, wofür ist man denn? Was ist die Alternative? Genau so wenig wie man von sechzig Jahren nicht gegen den Krieg sein konnte, denn was wäre in 1939 die Alternative gewesen? Pazifismus habe ich vor Jahren abgestreift, denn es gibt eigentlich, so scheint mir, bei Kriegen nur die Wahl zwischen einem gerechten, notwendigen Krieg wie der heutige Israels gegen die Hisb’allah (nicht gegen Libanon) und einem ungerechten oder unnötigen Krieg, wenigstens was Israel betrifft. Von verbrecherischen Kriegen wollen wir hier nicht reden, da gibt es nichts zu diskutieren. Aber um die Wahl Stellung zu beziehen, statt die Augen geschlossen zu halten, kommt man nicht herum.
Von Yves und inzwischen von einigen anderen habe ich vernommen, dass es diskrete aber hervorragende Aktionen von privater Seite gibt. Ich habe einige Freunde mit meinen Beschimpfungen im Tagebuch dazu gebracht selbst zu denken, zu schreiben und zu tun. Ein wirklich hervorragender Brief wurde an Frau Calvi-Rey geschrieben – ich will diesen Freunden ein Kränzchen winden, ich bin stolz auf sie. Sie retten die Ehre des Schweizer Judentums, solange sich jüdische Offizielle nicht als Juden outen.
Genug damit. Heute holten wir unseren ältesten Enkel Adam vom Bahnhof Binjamina (zur Zeit die nördlichste Bahnstation des Landes) ab. Vor einer Woche begann er seine Rekrutenschule und hat seinen ersten Urlaub. Sein Opa fotografierte ihn sofort und voller Stolz gebe ich hier das Bild wieder. Auch wenn er am momentanen Feldzug nicht teilnehmen wird (so hoffe ich wenigstens), sorgen wir uns und haben gelegentlich ein wenig Angst um ihn.
Ich wünsche allen meinen christlichen und jüdischen Freunden ein schönes und erholsames Wochenende. In der Schweiz ohne Hitze, in Israel ohne Raketen. Ich hoffe, dass die Million israelischer Flüchtlinge bald nach Hause in den Norden zurückkehren können.

Der israelische Botschaft in Bern

26.7.2006
Von meinem Freund Roger Guth erhielt ich diesen Appell des Schweizer Botschafters in Bern an das Schweizer Volk. Man sollte annehmen, dass er durch die Schweizer Presse gestreut wird, bin aber nicht so sicher und verteile ihn hier in meinem Tagebuch. Kommentar braucht es keinen, der Offene Brief spricht für sich.

Berne, Wednesday, July 26, 2006


Israel’s Ambassador appeals to the Swiss people

We, Israelis, Lebanese, and Palestinians, we all hate war. It hurts us all alike to see innocent people who pay the price of violent actions and terror attacks of the fanatics in our region.
I can understand if someone demonstrates for peace, or if someone demonstrates for Lebanon, (a country that unfortunately still maintains a state of war with Israel) or a Palestinian State alongside with Israel. But if in the center of Bern, on the Bundesplatz in front of the Swiss Parliament, the democratic organ of a neutral country, people demonstrate with the Swastika in one hand and the flag of the Hezbollah – a well known radical Islamic terror organisation who is responsible for the latest tragic developments – in the other, I think you should be worried. You are witnessing in the heart of your capital the exact reasons for the ongoing violence in the Middle East. It is the total refusal of many in our region to accept an independent Jewish State. The anti-Semites join the Islamic fanatics and use violence and terror to kill Jews and chase them out of Jerusalem, the ancient historical homeland of the Jewish People. There is no “Cycle of violence” in the Middle East. There is war and terror against Israel since 1948 and even before, and there is Israel defending itself and its existence. The fact that we are today stronger than we were 60 years ago has not changed the fact that the cause of Israel is right and justified.
We left Gaza, we left South Lebanon in order to achieve peace, or at least a better and calmer situation, and it is exactly from those areas that our civilians are under constant attacks of those who not only don’t like peace, but who say clearly that they want to destroy us by force! The Kalaschnikow on the Hezbollah flag stands exactly for that. The anti-Semitic Swastika and the flag of the Hezbollah are the same unholy alliance that existed between Hitler and Al-Husseini, the Islamic leader of Jerusalem. The one wanted to kill the Jews and the other to destroy the Jewish State. It should worry you the same as it worries me, because after having achieved their aims in the Middle East, they might be after you as well. Don’t forget the 3000 km range missiles in the hand of the Iranians, who created the Hezbollah, trained them and gave them the rockets that kill Israeli civilians and destabilize the whole region.
If Switzerland is democratic, if it’s peace loving, if it’s a champion of preserving international law and if it’s aware of what is really going on, then it should be worried of what took place on the Bundesplatz last Friday, because it is not only a misuse of democracy and the freedom of speech in this country, it is simply dangerous, and not only for Jews and Israelis.

Aviv Shir-On
Ambassador of the State of Israel
Mein Wettern über die Passivität der Schweizer Juden in Hinblick auf den gegenwärtigen Krieg in Nordisrael und im Libanon trägt Früchte. Von zwei Freunden erhielt ich Kopien ihrer Briefe, der eine an Frau Calmi-Rey, der zweite ein Leserbrief. Ich bin zufrieden, erwarte aber noch weit mehr.
Damit der israelischen Flugwaffe die Munition nicht ausgeht, schickt die USA Bomben, Raketen und Ersatzteile für Flugzeuge und Helikopter. Sie kommen in riesigen Galaxy C141 Flugzeugen, wie während dem Jom Kippur Krieg in 1973. Damals, als Tourist in Israel, wurde ich eingezogen, weil ich ein Chablan war, was ein Deutsch vielleicht Sprengspezialist heisst, und die oberen wirklich dachten, ich würde gebraucht. In den acht Wochen dieses Einsatzes hatte ich mein persönliches Auto mit einem Korporal als Chauffeur, dessen Piloten der Galaxys betreute, mit denen damals die USA Israel versorgten und, davon bin ich überzeugt, damit in diesem die Existenz Israels bedrohenden Krieg, enorm dazu beitrugen das Land zu retten. Ich wurde in einer freien Stunde eingeladen ein solches Riesenflugzeug zu besichtigen und ich muss noch heute sagen – ich war beeindruckt.

Dieser Airlift wird durch die Luftstrasse geführt, die für syrische (letztlich iranische) Waffenlieferungen an die Hisb’allah eingerichtet worden ist und nun den amerikanischen Verbündeten Israel für ihre Flüge aus dem Irak sehr zu statten kommt. Im Bericht der Debkafile darüber, steht auch, dass Hassan Nasrallah, Führer der Hisb’allah vom iranischen Brigadegeneral Yahya Rahim Safavi als oberster Kommandant im Krieg gegen Israel abgelöst worden ist und von den iranischen Botschaften in Beirut und Damaskus aus wirke. Das ist ein weiterer Beweis, für die letztendliche Verantwortung Irans für die Aktionen der Hisb’allah.Haifa sah heute Nachmittag noch ausgestorbener aus, als gestern und den Tagen davor. Es hat sich eingebürgert, dass an jedem zweiten Tag, wenn ich schon nahe beim Rambamspital bin, die Sirenen ertönen. Doch dann fahre ich die paar Hundert Meter dorthin, parkiere das Auto und eile in die sichere Onkologie.

Das Uebliche

25.6.2006
Im Debka File sind, wenn’s kracht, interessante Neuigkeiten zu finden, nicht immer ganz wahr, aber wem, ausser mir, kann man heute glauben. In Tagen des Kriegs, dessen erstes Opfer, so heisst es, die Wahrheit ist, muss man seine Vernunft, unbeeinflusst von Ideologie und Hass, sondern von echten Tatsachen (mehrheitlich sind erlogene Tatsache marktführend), Respekt vor denen, die unschuldige Opfer des Krieges werden, eiten lassen. Letztlich braucht es den Mut, seine eigene Sache nachdrücklich zu vertreten, womit ich Israel und das weltweite Judentum meine. In diesem Zusammenhang eine Neuigkeit: Die Leitung des Europäischen Jüdischen Kongresses stattete Israel einen Solidaritätsbesuch ab. In seiner Website sind auch verschiedene Solidaritätsaktivitäten aufgeführt, die in europäischen Ländern durchgeführt werden. Das Wort Schweiz ist nicht zu finden. Ich lasse mit diesem Thema nicht locker, denn ich schäme mich für jeden einzelnen Schweizer Juden, der voller Panik hofft nicht zu einer Stellungsnahme aufgefordert zu werden.
Einige meiner Tagebuchleser, Freunde darunter, haben mir geschrieben und versuchen zu erklären, warum Schweizer Juden nicht wie richtige Juden Stellung beziehen können. Andere, und das hat mich gefreut, wollen wissen was sie tun könnten. Ich mailte Vorschläge. Aber entscheiden muss jeder für sich.
Zwei Artikel über das Thema Hisb’allah und Hamas möchte ich hier erwähnen. Der eine ist von George Szpiro der NZZ, der zusammen mit Jacques Ungar der nördlichen Front einen Pressebesuch abstattete. Dabei verbrachten sie ein paar Stunden bei Dany Däster im Kibbuz Malkija. Der Artikel, heute herausgekommen, ist lesenswert und macht mir Freude.
Der zweite Artikel ist ein Leserbrief, ebenfalls in der NZZ vom 24.7.2006, geschrieben von „Der Seele Israels“, auch bekannt als Ernest Goldberger. Er besetzt mit anderen, wie Ilan Pappe, die Marktnische jüdischer Selbsthasser und Querulanten, deren Äusserungen leider von Teilen des weltweiten Publikums unbedarft und unreflektiert als einzige Wahrheit betrachtet werden. In diesem Brief wiedergibt er arabische Propaganda, wie die Mär von den 22% des früheren Palästinas und redet über Recht und Würde der Palästinenser ohne überhaupt geschichtliche Hintergründe oder gar die heutige Haltung des palästinensischen Extremismus, der nun mal deren Regierung stellt, zu berücksichtigen. Immerhin wagt er nicht zu behaupten, das Schicksal der Palästinenser liege der Hisb’allah am Herzen und gibt zu, dass es nur ein vorgeschobenes Argument ist. Den wirklichen Grund dieser Feindschaft, nämlich das religiöse islamische Dogma, dass keine Nichtmoslems auf arabischem Boden leben dürfen (bestenfalls als Dhimmis), den nennt er nicht. Dass mit religiösem Wahn, der ja genau so für Hamas, der heutigen Regierungspartei Palästinas gilt, keine rationale Verhandlungen geführt werden können, sollte jedem vernünftigen Menschen verständlich sein. Mit Fatah und der PLO vielleicht, doch die bisherigen Erfahrungen lassen zweifeln.
Soeben ist aus verschiedenen Nachrichtenquellen zu entnehmen, dass Condy Rice in drei Wochen wiederkommen will implizierend, dass Israel ruhig weiter machen soll. Es soll nun doch eine internationale Sicherheitstruppe auf die Beine gestellt werden, die von der israelischen Armee übernehmen kann. Dabei teilnehmen sollen Deutschland, England, Frankreich, Jordanien, Ägypten und Saudiarabien. Ich fände besonders saudische und jordanische Soldaten sehr gut für einen solchen Einsatz. Im Gegensatz zu Israel hätten diese sunnitischen Soldaten nicht die Hemmungen der israelischen Armee richtig durchzugreifen, wie es Jordanien seinerzeit währende dem „Schwarzen September“ gezeigt hatte. Dieser ganze Plan hat jedoch nur dann einen Wert, wenn diese Sicherheitstruppe stark und durchschlagend agieren darf. Es darf betont werden, dass die Hisb’allah und deren Puppenmeister Iran von den arabischen Staaten als die grosse existenzielle Bedrohungen gesehen wird und von Europa und dem ganzen Westen als solche gesehen werden sollte. In der westlichen Presse scheint diese Entwicklung langsam erkannt zu werden.

Adam geht in die Rekrutenschule

23.7.2006
Vorhin sass ich mit Howard im Café Mokka. Die Alarmsirenen fingen zu heulen an und wir begaben uns alle in die Küche, in der es am sichersten sei. Die Kellnerin, ein blutjunges Mädchen, begann zu zittern und zu weinen, eine extreme Panik hatte sie ergriffen. Wir hielten sie, redeten ihr gut zu, gaben ihr zu trinken – ihr Alptraum hielt an, bis der Alarm vorbei war. Sie nahm die Arbeit wieder auf, doch noch weinte sie.
Etwas später vernahmen wir, dass der Süden Haifas beschossen worden war und sicherheitshalber auch die Sirenen in Zichron Ya’akov eingeschaltet wurden. Die Tochter des Cafébesitzers, die rassige Keren, teilte uns mit die Konsumation sei frei, „on the house“.
Unser Enkel Adam, wohnhaft in Koranit im westlichen Galiläa, dort wo Raketen fliegen, geht morgen zur Armee. Gerade heute, wo im Süden und im Norden Israels Krieg herrscht. Wir sind gar nicht glücklich, seine Eltern auch nicht – wie er selber denkt, wissen wir nicht. Er schweigt. Ich könnte an dieser Stelle den üblichen Stuss über Vaterland, Pflicht, Überleben und ähnliches schreiben, tue es aber besser nicht. Es liegt mir nicht. Ich glaube nicht, dass er sich freut, Angst scheint er nicht zu haben. Sein Vater, beide Grossväter, die Onkel und viele der Familie sind da auch hindurch, haben in Kriegen mitgekämpft, viel gesehen und getan, was getan werden musste – geschadet hat es keinem. Keiner von uns ist in einen superpatriotischen Rechtsextremismus abgerutscht. Im Gegenteil – Kriegserfahrungen und das Leben in Israel überhaupt, haben uns eine bessere Durchsicht regionaler Politik und Verhaltensmuster vermittelt. Es ist nicht, wie es manchen aus der Ferne des Auslands erscheint. Nicht ohne Grund sind viele Friedensorganisationen Israels, meist während Kriegen, in der Armee entstanden. Man denke an „Frieden jetzt“ und die Verweigerer des Militärdienstes in den besetzten Gebieten und ähnlichen, absolut zionistischen und ehrenhaften Gruppierungen, deren Eigenheit ganz besonders augenfällig auch in dem besteht, dass es etwas auch nur entfernt ähnliches in der arabischen Welt nicht gibt. Das ist der Grund, dass es dort nur Demonstrationen des Hasses gegen alles israelische und jüdische gibt. Das kann nicht genug betont werden, in der Hoffnung es werde endlich vom westlichen Gutmenschentum verstanden.
Ich muss hier einen Abschnitt aus dem letzten Tagebucheintrag (21.7.2006) nochmals bringen, da er in der ersten Fassung einen sinnentstellenden Fehler enthielt. Ich bitte um Entschuldigung.
Allen voran marschiert Bundesrätin Calmy-Rey mit ihrer neuesten Selbstverwirklichungsaktion. Es scheint, dass sie und viele andere Schweizer, in Politik und Medien, sich auf Kosten Israels profilieren wollen. Die Genfer Konvention scheint nur für den Libanon und den Gazastreifen zu gelten. In Israel landen ja keine Raketen, werden keine Leute getötet und verwundet scheinen sie zu denken. Diese Blindheit auf dem israelischen Auge ist zum Kotzen. Natürlich gibt es einen Unterschied, der jedem Nachrichtenkonsumenten nicht klarer sein könnte: Hamas und Hisb’allah schiessen um möglichst viele Zivilisten zu töten, die israelische Armee schiesst zur Ausschaltung der Hisb’allah und der Hamas, die sich hinter den Rockschössen von Frauen und Kindern verstecken und so möglichst viele Opfer ihres eigenen Volkes provozieren wollen. Neu ist das gar nicht, es ist ein alter aber noch immer erfolgreicher Trick um eine positive Presse zu gewinnen. Auch das ist selbstgefertigte Munition gegen Israel – will die Welt darauf hereinfallen? Wenn ich es aus Informationen der Presse und von Freunden richtig verstehe, sind es vor allem bürgerliche Schweizer Politiker, die den Kopf bewahren und eine Steigerung in den antiisraelischen Wahnsinn verhindern.
Wo sind die Alternativen?
Es ist peinlich, den vorgeschobenen oder bestenfalls vermeintlichen Humanismus einiger Politiker und Anhänger der politisch linken Seite zu beobachten. Sie sehen nur die Verwüstungen, die Israel anrichtet – dass sie schlimm sind, ist nicht abzustreiten. Es interessiert sie nicht, dass es mit Verwüstungen und Übergriffen der Hisb’allah und der Hamas begann, unprovoziert in Israel morden und entführen. Es interessiert sie nicht, dass diese Terroristen ihre eigenen Landsleute zu Geiseln nehmen, um sie als Kollateralschaden zu verheizen. Ich gebe zu, „unprovoziert“ gilt für diese gottesfürchtigen Verbrecher und den grossen Teil der arabischen Welt nicht, schon die Existenz Israels allein ist für sie die Mutter aller Provokationen. Wer ist nicht für Frieden, Liebe und Eierkuchen? Ich gehöre auch dazu. Nur werden von diesen Friedensaposteln keine Alternativen angeboten, ausser Dialog. Wer ist nicht für Dialog. Wenn gesprochen wird, heisst es, werde nicht geschossen. Die Realität ist aber anders: es wird geredet, gesprengt und geschossen. In einen Dialog mit jemandem, der mich umbringen will zu treten, will leuchtet mir nicht ein. Über was soll verhandelt werden? Über das Abschlachten der Juden? Deshalb ist unglücklicherweise Dialog mit fanatisierten Feinden, deren alleiniger Lebensinhalt es ist Juden und Israel zu zerstören und eine Steinzeitkultur zu vertreten, die dem wirklichen Islam, wie mir von israelischen Muslimen erklärt worden ist, diametral entgegen steht, sinnlos. Trotzdem hoffe ich weiterhin, dass Alternativen zu Hass, Krieg und gegenseitige Ausgrenzung gefunden werden, um diese durch gegenseitigen Respekt, produktive Arbeit und Kooperation abzulösen. Vorläufig ist das noch ein Traum. Auch Israel begann als Traum.

Israel, der Krieg und seine arabischen Bürger

21.7.2006
Wir haben in Zichron Ya’akov zahlreiche Bürger aus England. Einer meinte zum Thema ausgewogenem militärischem Verhaltens, auch Verhältnismässigkeit genannt: Natürlich ist Israels Verhalten gegenüber den Angriffen und Morden der Hisb’allah und der Hamas höchst unausgewogen. Wäre es ausgewogen, müsste sich Israel der Vernichtung der muslimischen Staaten widmen, Selbstmordterroristen in palästinensische Kaffeehäuser und Märkte senden, in der ganzen Welt Moscheen angreifen und eine massive und beleidigende Lügenkampagne durchführen, in der Muslims für alles, das in der Welt falsch läuft, verantwortlich gemacht werden. Schön sind diese Worte sicher nicht, sie sind aber wahr und entsprechen der tatsächlichen, für alle sichtbaren Situation. Es zeigt auch den grundlegenden Unterschied zwischen Israel und seinen Nachbarn – wir tun so etwas einfach nicht.
Allen voran marschiert Bundesrätin Calmy-Rey mit ihrer neuesten Selbstverwirklichungsaktion. Es scheint, dass sie und viele andere Schweizer, in Politik und Medien, sich auf Kosten Israels profilieren wollen. Die Genfer Konvention scheint nur für den Libanon und den Gazastreifen zu gelten. In Israel landen ja keine Raketen, werden keine Leute getötet und verwundet. Diese Blindheit auf dem israelischen Auge ist zum Kotzen. Natürlich gibt es einen Unterschied, der jedem Nachrichtenkonsumenten nicht klarer sein könnte: Hamas und Hisb’allah schiessen um möglichst viele Zivilisten zu töten, die israelische Armee schiesst zur Ausschaltung der Hisb’allah und der Hamas, die sich hinter den Rockschössen von Frauen und Kindern verstecken und so möglichst viele Opfer ihres eigenen Volkes provozieren wollen. Neu ist das gar nicht, es ist eine alte aber noch immer erfolgreicher Trick eine positive Presse zu gewinnen. Auch das ist selbstgefertigte Munition gegen Israel – will die Welt darauf hereinfallen? Wenn ich es aus Informationen der Presse und von Freunden richtig verstehe, sind es vor allem bürgerliche Schweizer Politiker, die den Kopf bewahren und eine Steigerung in den antiisraelischen Wahnsinn verhindern.
Neu ist es nicht, aber noch nie war die Reaktion arabischer Bürger Israels so besorgniserregend. Für ihren Aufstand im September 2000 hatte ich weitgehend Verständnis, heute nimmt dieses Verständnis ab. Ein arabisch-christlicher Knessetabgeordneter unterstützt öffentlich Nasrallah und dessen Hisb’allah und schiebt die Schuld für den gegenwärtigen Krieg voll auf die israelische Regierung. In Nazareth wird der Tod zweier Kleinkinder ebenso Israel belastet, ähnliches ist in Akko und Haifa zu hören, beides Städte, in denen es eigentlich, so müsste man meinen, ein verträgliches Zusammenleben zwischen Arabern und Juden geben müsste. Das sind schon keine einzelne Phänomene mehr, das scheint System zu haben und ist, eben, besorgniserregend.
In einem interessanten Artikel in seiner Website, schreibt Joseph Farah, ein aus dem Libanon stammender Amerikaner, Israels Feinde sollten dankbar sein, dass nicht er die israelische Politik bestimme. Israel finde sich in dieser Krise, weil es sich zu sehr von Vertretern der Beschwichtigungspolitik beeinflussen lasse. Ob er die Frau Bundesrätin Calmy-Rey kennt?
Auch Uri Avneri meldet sich. Er, der aus Deutschland stammt und ein wunderschönes Deutsch und ein schreckliches Englisch spricht, ist in der Schweiz und in Deutschland sehr populär. Schön für ihn. Uri (Avneri) hat sich eine schöne Theorie zurechtgelegt – Israel wolle im Libanon ein eigenes Puppenregime errichten, so wie Scharon in 1982 versuchte den dortigen Christen schmackhaft zu machen. Dabei sind diese Christen, zusammen mit den Drusen, selbst an einem friedlichen Libanon interessiert, in dem keine Raketen auf Israel geschossen oder Israelis entführt werden. Offen zu sagen wagen sie es kaum, denn dann würden Raketen auch bei ihnen fallen. Genau so wie Israel, möchten sie ihren Geschäften nachgehen und das Land ohne religiöse Zwängereien zum blühen bringen. Sie wurden von den Fanatikern der Hisb’allah zu Geiseln genommen, warum das geschehen ist müssen sie selbst wissen und verantworten. Warum sich Uri Avneri heute in Gesellschaft arabischer Knessetabgeordneter befindet, die uns Israelis zum Sündenbock bestimmen, ist mir ein völliges Rätsel. Uri Avneri wird in Israel tatsächlich nicht sehr ernst genommen, in der Schweiz und in Deutschland dagegen sehr wohl. Das ist, nehme ich an, der Grund, dass, als ich dies vor wenigen Jahren behauptete, mir ein sehr prominenter Schweizer Jude namens Phillippe ausrichten liess, ich sei ein Rechtsextremer(!) und der Uri Avneri sei in Israel sehr wohl respektiert und ein anständiger Mensch. Dass er ein anständiger Mensch ist, habe ich nie bestritten, aber auch ein anständiger Mensch kann sich irren. Mit seinem Gush Shalom kann ich schlicht nichts anfangen. Uris Menschenkenntnis, die von dieser Organisation, so scheint mir, kritiklos akzeptiert wird, hat ihn wiederholt getäuscht, ganz besonders in seinem Einsatz für Jassir Arafat, der ihn um den Finger gewickelt hatte. Trotzdem ist mir Uri Avneri sympathisch, denn er hat Mut, das für ihn richtige zu tun, auch wenn es in meinen Augen falsch ist. Denn, im Gegensatz zu Juden im Ausland, die ähnlich denken und agieren, aber das aus einer ganz anderen Motivation heraus tun, trägt er die Folgen seines Tuns selbst, denn er fühlt sich dafür verantwortlich. Im Gegensatz zu den Extremaktivisten in der Schweiz (als Beispiel gemeint), tut er das nicht aus sicherer Ferne und frei von Verantwortung auf Kosten unschuldiger israelischer Bürger.
Heute vormittag war ich mit Hani Hasisi in Majunkas Kaffeehaus, draussen im Schatten unter den Bäumen. Hani macht sich Sorgen. Nachdem das Volk im Fernsehen gehört hatte, dass die israelische Air Force nur 20% ihrer Möglichkeiten nutze, schüttelt er verstört den Kopf. „Sie müssten 120% ihre Kräfte einsetzen und statt brav gegenüber der Welt zu sein, die das nicht versteht oder wahrnehmen will, ein für alle Mal dem Spuk der Hisb’allah und der Hamas ein Ende bereiten. Da sich diese Terroristen hinter der Zivilbevölkerung verstecken, seien diese schrecklichen Verlusten unbeteiligter vorprogrammiert. Womit er recht hat.
Die Armee hat erstaunliches gefunden – alles nahe der israelisch-libanesischen Grenze. Ausgedehnte unterirdische Bunkeranlagen mit Lagerräumen, Tunnelgängen, grosse Waffenarsenale, all das in bis zu vierzig Meter Tiefe. Diese Erkenntnisse sind noch sehr neu und viel darüber ist noch nicht bekannt.
Haifa ist noch immer ein Geisterstadt. Fast alle Geschäft sind geschlossen, die Strassen leer – gestern wurde mir unheimlich, als ich vom relativ geschäftigen Zichron Ya’akov in die sonst hektische Hafenstadt fuhr. Sogar im Einkaufszentrum des Rambamspitals sind die meisten Geschäfte geschlossen. Aber die dortigen Kaffeehäuser, das McDonald und ähnliches sind voll und scheinen gute Geschäfte zu machen.
Ich muss gestehen, ein wenig Krieg und das Hirn kommt auf Touren. Man ist gedanklich immer damit beschäftigt, auch wenn man sich persönlich nicht in Gefahr fühlt.

Donnerstag, Juli 20, 2006

Argumente für Israel - ein Katalog

Argumentenkatalog – Israels Sicherheitssituation

Hintergründe/heutige Situation

  • Alle israelisch-arabischen Kriege (mit Ausnahme vielleicht der Sinai-Kampagne 1956 und dem ersten Libanonkrieg 1982) waren und sind existenzielle Überlebenskriege für Israel. Dies gilt nicht weniger für den gegenwärtigen Krieg gegen Hisbollah und Hamas.
  • Israel kann es sich nicht leisten einen Krieg zu verlieren, denn es würde nicht überleben.
  • Israel hat im Gegensatz zu seinen arabischen Gegnern kein strategisches Hinterland, auf das es zurückfallen kann. Es gibt nur das Meer.
  • Der Vorwurf Israel sei ein kolonialistischer Staat ist nicht statthaft. Für uns Israelis gibt es kein Heimatland, das uns hierher gesandt hat und in das wir zurückkehren können. Juden haben auf das Land einen historischen Anspruch, der mit den berechtigten Ansprüchen der arabischen Einwohner in Einklang gebracht werden muss. Das ist das Hauptanliegen jedes friedensuchenden Israelis.
  • Der von der extremen Linken oft vorgebrachte Vorwurf der „Apartheid“ ist nicht haltbar. Er ist eine böswillige Verleumdung, die entweder von Unwissensenden oder von Leuten gemacht wird, die Israel sein Existenzrecht absprechen. Sämtliche Minderheiten haben volle Bürgerrechte und Bürgerpflichten. Die Ausnahme ist, dass arabische Bürger keine Militärpflicht kennen, jedoch eine beachtliche Zahl Freiwilliger aus dieser Schicht in der Armee vertreten sind. Für Drusen und Tscherkessen besteht Dienstpflicht. Alle Minderheiten (rund 20% der Bevölkerung) haben in der freien Gesellschaft Israels volles aktives und passives Wahlrecht, sind im Parlament und den meisten politischen Parteien vertreten, studieren an allen Universitäten (Universität Haifa 40% Araber), sind sogar im diplomatischen Dienst Israels tätig – alles ist ihnen möglich. Dass es einige unhaltbare Ungereimtheiten noch immer gibt wird zugegeben. Israels Araber sind die einzigen Araber in dieser Region, die in einer freien demokratischen Gesellschaft leben und dies auch nutzen, wie es in keinem arabischen Land auch nur im Ansatz möglich wäre.
  • Die klassische, nach dem Unabhängigkeitskrieg von 1948 festgelegte temporäre Grenze (die Grüne Linie) ist an einigen Orten nur gerade zehn Kilometer breit und durch einen Einmarsch feindlicher Streitkräfte wäre Israel zerstückelt. Da es kein freundschaftliches Verhältnis zu seinen Nachbarn gibt, ist Israels Sicherheitsdenken überlebenswichtig.
  • Der arabisch-israelisch/jüdische Streit geht nur vordergründig um Land. Das war nie anders. Der Angriff von sieben arabischen Staaten in 1948, unter Ablehnung des UNO-Beschlusses 181 zur Gründung eines Staates für Juden und eines Staates für Araber im ehemaligen Mandatgebiet Palästina, war nicht zur Hilfe für die arabische Bevölkerung gedacht, sondern zur Aufteilung des Gebietes an die verschiedenen arabischen Staaten. Es gäbe heute kein palästinensisches Flüchtlingsproblem, wenn die arabische Welt diesen UNO-Beschluss anerkannt hätte.
  • Den palästinensischen Flüchtling werden bis heute bewusst nicht in arabische Länder integriert (Ausnahme ist Jordanien), sondern in Flüchtlingslagern gehalten.
  • Nach dem Entstehen des Staates Israel wurden zwischen 600'000 und 800'000 Juden aus arabischen Ländern unter Rücklassung ihres Besitzes ausgewiesen. Alle sind in Israel, USA, Kanada und anderen Ländern untergekommen und integriert.
  • Heute ist eine religiöse Komponente die hauptsächliche Treibkraft: es darf kein nichtislamischer Staat auf arabischer Erde existieren. Die religiöse Zentralität Jerusalems ist eine neue „Erfindung“. Jerusalem wird im Koran nie erwähnt und war bis 1967 nie von der überragenden religiösen Wichtigkeit, die man ihr heute zuschreibt.
  • Der Begriff „Unverhältnismässigkeit“ militärischer Mittel, den man gelegentlich Israel vorwirft, hat weder Hand noch Fuss. Kriege sind keine sportlichen Anlässe und werden nicht von Schiedsrichtern und Buchhaltern geführt. Es geht ums gewinnen um jeden Preis. Ohne Unverhältnismässigkeit militärischer Mittel wäre der Zweite Weltkrieg gegen Deutschland und Japan nicht gewonnen worden. Die Alternative ist Israels Untergang oder eine verhandelte Lösung, die jedoch in unserer Region selten zu erreichen ist. Die Friedensverträge mit Jordanien und Ägypten sind solche Beispiele, die jedoch nur von deren Regierungen nicht aber von der jeweiligen Bevölkerung getragen werden.
  • Ein dokumentierter Vorgang in arabisch-israelischen Kriegen ist die Tatsache, dass die israelische Armee alles in seiner Macht stehende tut, um die Zivilbevölkerung zu schonen. Im Gegensatz dazu, verstecken sich arabische und vor allem terroristische Streitkräfte hinter Zivilisten und beitreiben ihre terroristischen Aktivitäten aus zivilen Wohngegenden heraus (man denke an Raketenstellungen), so dass sich, wenn sich Israel dagegen wehrt und diese Stellungen ausschalten will, automatisch zivile Verluste ergeben. Seine eigenen Ziele suchen sich Hisbollah im Norden Israels und Hamas im Süden fast ausschliesslich unter der israelischen Zivilbevölkerung. Zivile Ziele ohne den mindesten militärischen Wert werden beschossen, Autobusse mit Zivilisten werden in die Luft gesprengt und ähnliches mehr. Die Diskrepanz zwischen israelischer und arabisch-terroristischer Kriegsführung könnte nicht grösser sein.
  • Weiter dazu ist beizufügen, dass menschliches Leben für Terroristen islamistischer Prägung (Hamas, Hisbollah, islamischer Jihad etc.) keinen Wert hat, weder das eigene, noch das anderer. Das im völligem Gegensatz zur israelischen Kriegsführung. Die für viele übertriebene Rücksichtsnahme für die Zivilbevölkerung führt oft genug zu unnötigen Verlusten unter israelischen Soldaten. Ein Beispiel dafür war der Kampf in Jenin in 2002, in der die israelische Armee grosse Verluste erlitt, weil sie die Zivilbevölkerung Jenins schonen wollte. Diese Art arabischer Kriegsführung ist gegenwärtig im Irak noch ausgeprägter zu sehen, als bei uns.
  • Die arabische Propaganda gegen Israel und die Juden in aller Welt hat schon seit langen nazistische Züge angenommen. Sie führt den Stil von Streicher und Goebbels fort. Besonders in Schulbüchern aber auch in der Presse und in den Moscheen werden die Juden (nicht die Israelis) mit Affen und Schweinen verglichen und der Holocaust geleugnet. Muster dieser Kampagne sind in jeder Buchhandlung in der arabischen Welt und im Internet zu finden.

19.7.2006 – Steuern und Luftschutzkeller

19.7.2006

Ich stelle fest, dass sich unter vielen Israelis eine gewisse Angst entwickelt. Nicht wegen Katjuschas, Raketen oder den persönlichen Gefahren, sondern vor der Möglichkeit, dass sich die Regierung zwingen lässt, die Aktion gegen Hamas und Hisballah zu früh abzubrechen, statt ihr Ziel der völligen Ausschaltung dieser Banden zu erreichen. Das würde, so verstehe ich, sämtliche bisherigen Erfolge wertlos machen und die Gefahr der Hisballah wäre innert kürzester Zeit wieder da wie sie war. Zwar geben sich Olmert und Peretz selbstsicher und scheinen darauf zu bauen, diesen Feldzug wie geplant zu Ende zu bringen. Wie mir erklärt worden ist, wolle man dieses Ziel so schnell wie möglich erreichen, bevor grössere Unfälle oder Missgeschicke geschehen, wie das meist in einer solchen Situationfast unausweichlich erfolge. Damit gemeint seien durch Hisballahraketen verursachte Grossschäden mit grossen Opferzahlen, ein Missgeschick der israelischen Armee, das einer grossen Zahl unbeteiligter Libanesen das Leben kosten könnte sowie den Einsatz einer Landoffensive zu vermeiden. Deshalb ist das Ziel der Armee, ihren Plan vollständig aber möglichst schnell durchzuführen, um dann das Feld den Politikern zu überlassen. Heute steht in der Zeitung, die Armee brauche noch zehn bis vierzehn Tage um die Kampagne abzuschliessen. Da Condy Rice’s Besuch in Israel erst nächste Woche angesagt ist, könnte es sein, dass die amerikanische Regierung diesen Plan unterstützt und Israel hilft Zeit zu schinden, um den Job pflichtbewusst zu erledigen.

Eines meiner ständigen Diskussionsthemen mit arabischen und drusischen Freunden ist das Thema „Steuern“. Da immer wieder behauptet wird, dass Minderheiten in Israel vom Staat finanziell nicht gleich unterstützt werden, könnten ein paar Zeilen zu diesem Thema nützlich sein. Ganz besonders, seit sich in diesen Tagen herausgestellt hat, dass arabische Orte keine oder nicht genügend Luftschutzräume haben. Warum ist das so? Gehen wir in ordentlicher Art und Weise vor:

Sämtliche Munizipalitäten in Israel haben für ihre Arbeit zwei verschiedene Finanzquellen zur Verfügung. Für Dinge, die in der Verantwortung der Landesregierung stehen, wie Erziehung und Löhne erhalten sie das nötige Budget vom Staat. Für anderes, wie lokaler Strassenbau, Abfall- und Abwasserentsorgung, Hochbau, öffentlicher Gartenbau, Wasserversorgung und ähnlichem sind sie auf die Einkünfte der „Arnona“ angewiesen. Arnona ist die Lokalsteuer, die von den Bürgern der Wohngemeinde auf Grund der Grösse seines Hauses oder Wohnung bezahlt wird. Das sind keine Bagatelleträge – wir bezahlen, als Beispiel, für unsere 150 m2 Wohnfläche monatlich rund 500 Schekel, wobei Wasserkosten und anderes nicht eingerechnet sind. Das ist in Zichron Ya’akov, so denke ich, ein Durchschnittswert.

Die vom Staat übernommenen Kosten werden budgetiert, aber besonders im Schulwesen werden arabische Schulen unterdotiert. Von Seham Abu-Shakra, Direktorin einer grossen Primarschule in Umm El-Fahm weiss ich, dass solche Diskrepanzen ausgebügelt werden, sobald in der Öffentlichkeit darüber reklamiert wird. Das ist zwar nicht die korrekte Art mit solchem umzugehen, doch vergessen wir nicht: wir sind im Orient und haben dessen Traditionen in Israel noch nicht völlig verwestlicht (als ob im Westen alles perfekt und sauber zugeht).

Wie mir Hana Hasisi, mein guter drusischer Freund aus Daliat-Al-Carmel, der politisiert und Mitglied des Zentralkommittees der Arbeitspartei ist (durch ihn lernte ich Itzchak Herzog und Ephraim Sneh recht gut kennen) versichert, werden über die budgetäre Benachteiligung israelischer Minderheiten (Hanis Drusen gehören auch dazu) durch den Staat, stark übertriebene Klagen laut, vor allem um die eigene Verantwortung dafür zu verbergen.

In einer ordentlich geführten Stadt wird die Arnona regelmässig bezahlt. Der Staat wacht darüber und Korruptionsfälle werden meist (aber nicht immer) entdeckt. Hingegen wird mit der Arnona wird in arabischen Städten und Dörfern oft Politik, d.h. Stimmenfang, betrieben. Lokalpolitiker kaufen bei Wahlen Stimmen, in dem sie Grossfamilien das Erlassen der Arnona versprechen, falls diese für sie stimmen würden. Auch wenn die Armut in der arabischen Gemeinschaft Israels stärker verbreitet ist, als unter den Juden, wohnt der durchschnittliche arabische Israeli in weit grösseren Häusern und Wohnungen, als der jüdische Israeli. Das geht ins grosse Geld, das dann in der Stadtkasse fehlt und in einigen arabischen Munizipalitäten in der Infrastruktur riesige Lücken verursacht. Es fehlt an Abwasserkanalisation, am Strassenbau und, eben, an Luftschutzkellern. Womit wir dort sind, wo ich hinsteuern wollte, nämlich zur Klage in Israel hätten arabischen Bürger keine Luftschutzkeller. Erstens ist das nur in wenigen Dörfern wirklich der Fall, und wenn, dann aus obengenannten Gründen. Der Staat ist insofern mitschuldig, dass er, so scheint es mir, keine Kontrolle darüber ausübte, ob die gesetzlich vorgeschriebenen Luftschutzkeller überhaupt gebaut worden sind.

Verhältnismässigkeit ist ein Wort auf das ich allergisch geworden bin. Israel verhalte sich gegenüber Terroristen, die seine Bürger ermorden und das Land zerstören wollen mit unverhältnismässiger Gegengewalt. Je länger ich diesen Unsinn höre, umso weniger verstehe ich was damit gemeint ist. Soll auf jeden in die Luft gesprengten israelischen Autobus ein arabischer Autobus mit genau gleich viel Insassen zerstört werden? Soll auf jede Entführung oder Ermordung eines Israelis ein Palästinenser oder Libanese entführt oder ermordet werden? Oder sollen wir gar all die Tausenden von Raketen, die aus dem Gazastreifen von der Hamas und aus dem Libanon von Hisballah abgeschossen werden zählen, um die genau gleiche Anzahl zurückzuschiessen? Genau so unsinnig wie diese ironischen Vorschläge, sind die Klagen über die Unverhältnismässigkeit der israelischen Kriegsführung gegen Feinde, die nicht über einen Grenzverlauf oder irgend eine Bagatelle feilschen, sondern schlicht und einfach Israel und alle seine Bewohner auslöschen wollen. Sogar unter Berücksichtigung dieser Tatsache benimmt sich die israelische Armee noch immer zurückhaltend, weit zu zurückhaltend für viele unserer Bürger.

Heute Abend, etwa um sechs Uhr, heulten in Zichron Ya’akov die Sirenen. Wir setzten uns brav im Schutzraum vor den Fernsehapparat. Dieser Alarm war ein Flop und soll irrtümlicherweise ausgeben worden sein. Aber weiter im Norden, in der Gegend unserer Kinder und Freunde krachts und brennts. Unser Sohn Jehoschua und unser Schwiegersohn Motti sind dort geblieben, sie arbeiten und wollen im eigenen Bett schlafen, unser zweitältester Enkel auch, denn er weigert sich zu seinen Grosseltern zu ziehen, trotz Ferien und Gefahren. Doch ich möchte wiederholen: Panik ist kaum zu finden, die Israelis, egal welcher Herkunft, verhalten sich vernünftig und sehr hilfsbereit. Es herrscht eine Atmosphäre, die mich stark an die Tage des Sechstagekrieges (1967) und des Jom-Kippurkrieges (1973) erinnern, in denen Lea sich mit den Nachbarinnen um Haus und Kinder kümmerte und wiederholt in den Luftschutzkeller eilen musste, während ich anderswo kriegerisch tätig war. Trotz den gesellschaftlichen Schwierigkeiten, durch die relativ neuen grossen sozialen Unterschiede, kommen heute vergessen geglaubte Qualitäten zum Vorschein, die mich positiv überraschen. Nur schade, dass es dazu Krisen braucht.

Der Mut Stellung zu nehmen

18.7.2006

Ich empfehle jedem, dem es in der Schweiz langweilig geworden ist, für ein paar Tage oder Wochen nach Israel zu kommen. Da läuft was.

Südlich von Haifa sind, entgegen bisheriger Ankündigung, keine Raketen gefallen. Da ich jedoch jeden Tag nach Haifa fahre, bin ich involviert, wie gestern, als ich zweihundert Meter vom Spital entfernt war, die Sirenen losheulten. Ich schaffte es bis zum Parkplatz, rannte so schnell als es mein Gewicht erlaubt, in den sicheren Spital hinein. Da die Onkologie und die Bestrahlungsabteilung in einem fast bunkerähnlichen Erdgeschoss eingeschlossen ist, ist man dort sicher. Es hat aber den Nachteil, dass man keine Geräusche von aussen hört und deshalb entging mir und meinen Bestrahlungskollegen der Einschlag einer Rakete weniger als zweihundert Meter weit entfernt in ein Haus, das teilweise einstürzte. Gerade an diesem Tag hatte ich meine Kamera zu Hause gelassen. Da man mich noch nicht aus dem Spitalgebäude liess, es war noch nicht entwarnt, ging ich mit meinem Freund Howard ins spitalinterne Café Aroma, in dem ein riesiger flacher Fernsehapparat an der Wand hängt. Darauf war das zerstörte Haus zu sehen. Plötzlich schrie jemand: „Das ist mein Haus!“. Es war ein junger Mann, vielleicht siebzehn Jahre alt, der einen Moment lang hysterisch wurde, sich aber mit Hilfe seiner Freunde schnell wieder fasste und begann auf seinem Handy seine Familie zu suchen. Aus diesem Haus wurden sechs Verwundete geborgen, zwei davon schwer verletzt.

Selbstverständlich gibt es nun, hauptsächlich im Ausland, Kritik an Israel. Die letztendlich selbstverursachten Schäden im Libanon werden einfühlsam beschrieben. Über Tote und Verletzte Israelis hört oder liest man wenig. Trotzdem, die vielen E-Mails und Anrufe vermitteln mir das Gefühl, dass es Menschen gibt, die an uns denken.

Mir ist eine Parallele aufgefallen. Hassan Nasrallah, Führer der Hisballah, haust, so entnimmt man den News, im Bunker, tief unter den inzwischen von der israelischen Air Force zertrümmerten Häusern seiner Fangemeinde in Beirut. Verbrachte nicht sein Guru und Vorbild mit Namen Adolf seine letzten Tage in einem Bunker, wenn auch, im wirklich zusammengebombten Berlin?

Es gibt ein noch lange nicht abgedroschenes Thema, das mich beschäftigt, beschämt und ärgert. Es ist das Verhalten des offiziellen Schweizer Judentums in den heutigen Zeiten. Mein Freund Roman Rosenstein, der sich sehr für Israel einsetzt, Leserbriefe schreibt und tut was er kann, sandte mir einen Leserbrief an den Tages-Anzeiger, der nicht veröffentlicht worden ist. Diesen ausgezeichneten Brief drucke ich hier ab (mit Romans Einverständnis, versteht sich), damit er nicht unbeachtet und umsonst geschrieben worden ist:

Sehr geehrter Herr Ferrari

Claudia Kühner empfiehlt Israel, die eigene Politik radikal zu überdenken, ohne den Scharfmachern bei Hamas und Hizbollah vor Augen zu führen, welches Leid deren realitätsfremden Forderungen und Versprechen der eigenen Bevölkerung nun seit Jahren beschert. Hat Israel mit der Räumung der Siedlungen im Gaza-Streifen und Teilen der Westbank nicht gezeigt, dass es eine neue, auf Ausgleich bedachte Politik betreiben will? Tragen nun die Palästinenser oder die Israeli die Verantwortung, dass die Nachrichten aus Gaza anstatt von sozialem Frieden und wirtschaftlicher Entwicklung von Kassam-Raketen und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Fatah und Hamas beherrscht sind?

In Israel sind grosse Bevölkerungsteile der Meinung, dass der Abzug aus Gaza auch im Westjordan­land Schule machen sollte. Während erklärbar ist, dass nur dies langfristig den jüdischen Charakter des Staates Israel sichert, akzeptiert kaum ein Israeli eine Politik die tatenlos zusieht, wenn das Nachbar-Territorium in einen Sumpf unkontrollierter, schiesswütiger Banden absinkt und von dort täglich Raketen in Richtung israelischer Kindergärten, Schulen und Spitäler losgehen.

Der Schlüssel zu einer Änderung der tragischen Situation liegt derzeit nicht in Israel, sondern bei denjenigen, die Hamas, Hizbollah, islamischer Jihad etc. kontinuierlich mit Waffen und Geld versorgen und unaufhörlich Hass predigen lassen!

Es ist befremdend und bar jedem Realitätssinn, nach der wiederholten Entführung israelischer Soldaten die legitime Machtdemonstration Israels zu kritisieren. Ein militärisch passives resp. unentschlossenes Israel wird zwar kaum je von Palästinensern erobert und ins Meer geworfen, aber diejenigen, welche nun schon seit Jahrzehnten die Palästinenser als Spielball missbrauchen, würden dadurch ermutigt, die ganze Region noch länger nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Dagegen wird und muss sich jede israelische Regierung – auch im Interesse der palästinensischen Bevölkerung – zur Wehr setzen, mit und ohne Kühner-Zensuren!

Mit freundlichen Grüssen
Rosenstein Unternehmungsberatung

Roman A. Rosenstein
lic.oec. HSG

Abgesehen von einzelnen Privatpersonen wie Roman, Yves Kugelmann und sehr wenigen anderen – wo ist die öffentliche Solidarität der SIG, der ICZ, der JLG, der IRG und anderen Organisationen des Schweizer Judentums, die vorgeben, dieses zu repräsentieren. Bisher nirgends zu finden, mit Ausnahme des schüchternen Briefes der SIG Geschäftsleitung, den zu schreiben diese fast mit Gewalt gezwungen werden musste.

Es ist eine Schande, dass wir diese Arbeit unseren nicht-jüdischen Freunden überlassen. Dass sich diese für uns einsetzen ist wunderbar und ich nehme das mit grossem Dank an, doch darf es nicht jüdischen Einsatz ersetzen. Dass Leute wie Prof. Stegemann, Harthmut Attenhofer, Präsident des Zürcher Kantonsrates, Reinhard Meier der NZZ, die SVP (nicht gerade unsere Lieblingspartei, aber was soll's), Gisela Dachs oder gelegentlich sogar Claudia Kühner vom Tages-Anzeiger oder Frank A. Meyer uns vertreten, sollen wir dankbar anerkennen, aber dahinter verstecken dürfen wir uns nicht. Also, ihr offiziellen Schweizer Juden, überwindet eure Angst Stellung zu beziehen, atmet tief ein und stellt euch vor das jüdische Volk in seiner Gesamtheit, denn auch ihr in der Schweiz seid Teil davon - ob es euch passt oder nicht!

Hanni Zweigs eigene Meinung

16.7.2006
Zu meinem täglichen Termin im Rambam Spital in Haifa verliess ich unser Haus eine Stunde früher als normal in der Meinung mit Staus und Strassensperren rechnen zu müssen. Ich nahm sogar meine Kamera mit, hoffend vielleicht eine Rakete im Flug oder sonst etwas sensationelles fotografieren zu können. Ich wurde enttäuscht. Die Küstenautobahn und die Strassen Haifas sind leer, ausgestorben. Die Leute bleiben zu Hause. Auch im Spital waren alle gelassen und ruhig, leere Parkplätze in Hülle und Fülle. Die paar Haifaer Bürger mit mir im Onkologiewartezimmer schienen gelassen, nur einer, in einem Anflug von Temperament, wünschte Hassan Nasrallah und seinen lieben Terroristen die Pest an den Hals.

Auf meinen Tagebucheintrag von heute früh erhielt ich innert kurzer Zeit Reaktionen – erstaunlicherweise beschimpfte mich niemand und bis jetzt stimmt man mir durchs Band bei.

Viele von Euch kennen meine langjährige Freundin Hanna Zweig. Sie schrieb vor einigen Jahren ein hochinteressantes Buch über den Farbstein. Sie muss ein gute Ärztin gewesen sein, keiner ihrer Patienten in der Pathologie beklagten sich, meines Wissens wenigstens, über ihre Arbeit. Jetzt ist sie Historikerin und alles, das sie schreibt und beschreibt ist fundiert und beruht auf dokumentierten Fakten.

Hanni und ich haben in vielem, aber noch lange nicht allem, das Heu auf der selben Bühne. Sie ist eine Frau, die sich gegen politische Korrektheit wehrt und deshalb oft (wenn nicht sogar immer) mit dem politisch korrekten Establishment kollidiert, jenen, die ausschliesslich nach dem Motto „das sagt man nicht, nur keine Wellen erzeugen, Stellungsnahmen vermeiden“ und ähnlichem funktionieren. Die mögen Hanna Zweig nicht. Hanni hat nicht nur Mut, sie hat Zivilcourage, spricht Schweizerdeutsch und hat einen roten Schweizerpass ohne ihre Identität diskret zu minimieren. Manchmal macht sie mich wütend, sie hat mich auch schon in Verlegenheit gebracht und wir haben dann lange nicht mehr miteinander gesprochen, manchmal überzeugt sie mich, aber sie ist immer ehrlich.

Heute früh schrieb ich über den altbekannten Mangel an öffentlicher Solidarität zu Israels Existenz unter Schweizer Juden. Ich habe Hanni auf ihre Reaktion hin gebeten, mir ihre Meinung darüber zu schreiben, um sie in Uris Tagebuch zu veröffentlichen. Es ist ihre Meinung und sie steht dahinter. Allzu unähnlich zu der meinen ist sie nicht.

Wo bleibt unsere Stellungsnahme?

Am 4. Juli 2006 konnte man in Haaretz eine kommentierte Meldung der “Associated Press” über die Haltung des EDA zur Kenntnis nehmen: "A number of actions by the Israel Defense Forces in their offensive against the Gaza Strip have violated the principle of proportionality and are to be seen as forms of collective punishment, which is forbidden," the Swiss Foreign Ministry said in a statement, "There is no doubt that Israel has not taken the precautions required of it in international law to protect the civilian population and infrastructure," it said.

"They have criticized us even though we are showing restraint," Aviv Shir-On, Israel's ambassador in Bern, told The Associated Press. We are disappointed that the Swiss government did not issue such statements when Israel's civilian population was constantly under attack from the Gaza Strip."

In der Verlautbarung des EDA war die Rede von "obligations of occupying powers toward the civilian population under their control”. Offenbar hatte Bern den Rückzug Israels aus dem Gaza Streifen übersehen, oder aber, was wahrscheinlicher ist, nach dem alten Zitat “Tut nichts, der Jude wird verbrannt” spielt es keine Rolle, ob Israel sich zurückzieht oder nicht, am Elend der palästinensischen Bevölkerung, die mit europäischem Geld lieber Raketen als Lebensmittel erwirbt, sind die Juden schuld.

Wo blieb die Reaktion der Schweizer Juden, der „offiziellen“ wie der inoffiziellen? Die „Offiziellen“ liessen sich von einer „Inoffiziellen“ immerhin zu einem Brief an die Aussenministerin animieren, der SIG Präsident meldete sich im welschen Radio zu Wort, was in der Deutschschweiz nicht zur Kenntnis genommen wurde und das war es dann auch.

Nach den Vorfällen an Israels Nordgrenze wird zwar ausführlich über die Aktionen der Israelischen Armee berichtet, über die Vorgeschichte musste man sich vorerst in ausländischen Medien informieren, es sei denn Radio DRS liess ein seltenes Mal nicht die eigene Korrespondentin im Nahen Osten sondern diejenige der „Zeit“ zu Wort kommen. Dem Bild des hochgerüsteten Bösewichts Israel, der sich bemüht, ein ganzes Land ausser Gefecht zu setzen, indem er strategische Ziele und eben nicht Zivilisten angreift, wird nicht das Bild eines Gegners, der sich die Vernichtung der Juden, nota bene auch Zivilisten, auf die Fahnen schreibt entgegengesetzt, nicht eine (libanesische) Regierung, die den Raketenbeschuss Israels nicht verhindert, nicht die unheilige Allianz der Terroristen unterschiedlichster Provenienz.

Und jetzt, wo bleibt jetzt die öffentlich hörbare Stimme der Juden in der Schweiz ? Wo bleibt die angeblich professionell geführte Medienabteilung des SIG ? Brauchen wir wirklich Leserbriefe aus Israel in den Schweizer Zeitungen um „auch“ gehört zu werden ? Müssen wir uns effektiv vom Israelischen Botschafter daran erinnern lassen, dass es so etwas wie Selbstbewusstsein gibt ?

Hanna Zweig/16. Juli 2006

Wie schon verschiedentlich geschrieben, stehen im Tachles, dem jüdischen Wochenmagazin der Schweiz besonders in den letzten zwei Ausgaben prima Editorials, Artikel und Interviews von Yves Kugelmann und Jacques Ungar. Ein Interview mit Henryk M. Broder, dessen Fan ich schon sei Jahren bin, ist mir besonders eingefahren. Es heisst „Wir sind alle traumatisiert“ und steht im allerletzten Internet Website von Tachles. Ich möchte hier den Link dazu für jene Freunde wiedergeben, die kein Abo fürs Tachles besitzen.

16.7.2006 – Heute in Israel


Es wird ernst. Die Telefonverbindungen in den Norden sind total überlastet, man kommt nicht durch. Das Natel scheint abgestellt zu sein, nach dem Wählen stellt es einfach ab. Die beste Kommunikationsmöglichkeit ist zur Zeit das Skype, aber nicht alle sind daran angeschlossen oder zu Hause.

Für Zichron Ya’akov wurde bisher kein Alarmzustand erklärt, nur die Luftschutzräume sollen in Ordnung gebracht werden. Das ist bei uns gar kein Problem, denn dieses Zimmer dient als Kinder- und Gästeschlafzimmer. Sogar ein Fernseher steht dort und auch ein Telefon. Soweit zu uns. Die Geschäfte und Cafés sind offen, letzteres ist für mich wichtig.

Von unserer Schwestergemeinde HarHashem in Boulder/Colorado (das ist in den USA) erhielt ich ein Schreiben, in dem für heute abends eine öffentliche Demonstration angesagt wird, die zusammen mit anderen Reformgemeinden in der Stadt Denver/Colorado angesagt wird. Zudem wird sehr viel Öffentlichkeitsarbeit durch Zeitungen und Fernsehen betrieben. Diese Juden nehmen öffentlich Stellung. Bill Cohen, Freund, Anwalt und Mitglied von HarHashem, betonte in einem öffentlichen Interview, dass er und seine Gemeinde ihre Schwestergemeinde im Süden Haifas unterstützen – das sind wir, Sulam Ya’akov. Das Verhältnis zu HarHashem ist eng, seine Mitglieder besuchen uns, unsere Mitglieder gehen in Boulder ein und aus und zudem unterstützen sie uns finanziell, ohne Getue, unkompliziert und meist ohne gefragt zu werden. Ich selbst beherbergte schon eine Delegation von sieben HarHashem Mitglieder in unserem Haus und erzählte über meine Arbeit in der Kunstgalerie in Umm El-Fahm.

Weiter: in Los Angeles fand am vergangenen Donnerstag eine Solidaritätsdemonstration führender Persönlichkeiten statt, an der auch der Bürgermeister der Stadt Antonio Villaraigosa teilnahm. Ich will hier die Worte von Rabbi Marvin Hier wiedergeben, der die Situation auf den Punkt brachte:

We have come here today to express solidarity with the government and the people of Israel who have been victims of vicious unprovoked attacks from Hezbollah and Hamas.

Let us be very clear, this is not a conflict over borders, not about 1967 or 1948. This is about enemies who have one purpose in mind, a Middle East that is Judenrein, free of Jews.

For years, the critics of Israel opined that when Israel pulls out of Lebanon and Gaza, when it allows the Palestinians to write their history, to define their own destiny, when they are empowered to rebuild their own economy, then they will devote their energies to peace.

Well, Israel pulled out of Lebanon, after guarantees by the international community that the Lebanese government would exercise jurisdiction over its territory and control Hezbollah. But it didn’t and look what happened - an unprovoked terrorist attack and the kidnapping of two Israeli soldiers.

In the South, Prime Minister Sharon withdrew from Gaza in a bold attempt to jumpstart the peace process. What was the Palestinian response? They went to the polls and elected Hamas, a terrorist government whose undisputed leader Khaled Meshaal lives in Damascus. Almost immediately, Hamas began firing more then 1,000 rockets at the city of Sderot which is not disputed territory, but an uncontested part of Israel.

Day after day, month after month, the rockets fell, but the world watched and did nothing. Hamas felt emboldened and dug a tunnel into Israel, kidnapping Corporal Gilad Shalit, an Israeli soldier and holding him hostage, but again, the world took no concrete action.

However, as soon as Israel acted in defense of her citizens, as any other country would, the criticisms began. A disproportionate response, a form of collective punishment, the sonic booms over Gaza are scarring the Palestinian children. Then following a predictable pattern comes the threat of yet another UN Security Council resolution, placing the majority of the blame at Israel’s doorstep.

For more than 50 years, this has been the principal failure of the UN’s Middle East diplomacy. There is never a price to pay for those who initiate terrorism. It is only those who respond to terrorism that face international condemnation. The time has come for the United Nations to finally recognize that there is no difference between Al Qaeda, Hamas and Hezbollah. These are the same terrorists, cut from the same cloth, with the same objective of destroying the infidels and bringing down Western Civilization.

One final comment – in a conflict, there is always unwanted collateral damage. When the allies responded to Nazi terror, there was no electricity and heat, there were food shortages and long lines in German cities, but the Allies were engaged in a life struggle against evil, and that is the price the German people had to pay for cheering, supporting and glorifying their Fuehrer.

The State of Israel did not want this conflict, the terrorists did. And those who idolize them, protect them and support them, have no one but themselves to blame for the current disaster.

Today is a public fast day, the 17th day of Tammuz, commemorating the breaching of the walls of Jerusalem 2,000 years ago. Behind me is the remembrance wall with the carved names of the cities and towns destroyed by the Nazis during the Holocaust and beside us stands a modern menorah, which symbolizes the State of Israel. To Hamas & Hezbollah, we say this, ‘Long after you have been defeated, the people of Israel will live on from generation to generation.’

Nicht nur von einer, sondern von verschiedenen Quellen höre ich über das Verhalten des Schweizer Judentums zu den Vorgängen im israelischen Norden. Da gibt es nichts neues. Ausser guten Editorials und Artikeln im Tachles läuft nichts. Keine Demos, keine Interviews in den Medien, kein Zusammenschluss jüdischer Schweizer. Es wird ängstlich geflüstert, statt öffentlich und eindeutig Stellung zu beziehen. Die Schweizer Juden machen nichts, höchstens in die Hose. Ich erhielt verschiedene Mails von Schweizer Freunden, die mich mit Solidaritätswünschen überschütten, die an uns denken und wissen, dass der gegenwärtige Krieg unvermeidlich war, aber prinzipiell zu begrüssen ist, weil er am Ende die Bedrohung der Hisballah gegen Israel und – vergessen wir es nicht – den Libanon beseitigen wird. Unter der Bedingung allerdings, das Israel sich nicht zu einer voreiligen Beendigung seiner Massnahme zwingen lässt. Diese Mails stammen ausschliesslich von nichtjüdischen Freunden im Aargau, in Schaffhausen, Bern und Zürich.

Mit dieser sauren Note beende ich meinen heutigen Bericht. Vielleicht hilft dieser Stil – lieb und positiv wäre mir lieber.

In Erwartung vieler Protestschreiben verbleibe ich mit freundlichen Grüssen, Uri

„Neighborhood Bully“ von Bob Dylan

15.7.2006

Ein Bekannter mit Namen Baruch, der in der Nähe Naharias wohnt, erzählte mir, dass die Bewohner von Majd-al-Krums, das ein muslimisch-arabisches Dorf ohne Drusen sei, ich hatte fälschlicherweise geschrieben arabisch-drusisch, offiziell bekannt gegeben hätten, die Rakete, die bei ihnen niedergegangen war, sei eigentlich für Carmiel bestimmt gewesen, die Hisballahs hätten sich bloss geirrt. Als dann tatsächlich Raketen in Carmiel landeten und Schäden anrichteten, seien in Majd-al-Krums Bonbons verteilt worden. Damit habe ich ein Problem. Es ist bekannt, dass Majd-al-Krums ein Raumproblem für seinen Nachwuchs hat und durch legalistische Manöver einiger Regierungsstellen behindert wird und deswegen frustriert ist. Aber „Feinderfolge“ zu feiern ist eine Reaktion, für die es keinerlei Verständnis gibt. Mit dieser Reaktion macht sich weder dieses Dorf noch die arabische Minderheit in Israel Freunde, auch wohlwollende Juden im Land sind empört. Trotzdem, ein grosses ABER: es gibt jüdische Israelis, die jede Gelegenheit nutzen, um unsere arabischen Bürger zu delegitimisieren und deshalb sind solche Aussagen, besonders die über die Bonbons, mit einer Prise Salz zu geniessen.

Robert Zimmerman, besser bekannt als Bob Dylan, der ganz Grosse und eine lebende Legende der Folk- und Rockszene, befasst sich ganz selten mit Israel und dessen Problem mit seinen Nachbarn. 1983 schrieb er ein Lied, das sich mit der jüdischen Geschichte allgemein und der Stellung Israels im besonderen befasst. Gestern wurde der Text wieder publiziert, wohl zu Ehren eines aktuellen Anlasses. Es heisst „The neighborhood bully“ – Bully ist die unschöne Bezeichnung eines Raufbolds, der in diesem Gedicht, eigentlich nur überleben und Gutes tun will aber von seiner Nachbarschaft abgelehnt und bekämpft wird. Das Lied wird bis heute von der politischen Linken, besonders von deren Gutmenschen, die schnell begriffen hatten um was es sich handelt und wie politisch inkorrekt es ist, angegriffen. Der „Bully“ wird von ihnen negativ ausgelegt. Dylan unterstütze darin die rassistische Politik Israels, ethnische Reinigung und andere Lügen, in deren Licht unser Staat von politisch korrekten Kreisen gerne gesehen wird. Ich weiss nicht, wie Bob Dylan heute zu Israel steht, er ist Jude und da ist vieles möglich. Heute könnte er selbsthassender Jude wie Chomsky oder progressiver Zionist wie Albert Einstein sein, der Israel unterstützte, aber die Welt als seine Bühne betrachtete und deshalb nicht Staatspräsident werden wollte. In 1983 allerdings besass Dylan den Mut, sich gegen den damals aufkommenden und immer stärker werdenden hysterischen und antisemitischen Antiisraelismus der extremen Linken zu stellen. Im August wird in England ein Kongress stattfinden, speziell einberufen um Dylans Liedertexte zu analysieren. Das beweist einerseits wie wichtig diese Texte geworden sind und andererseits wie wenig Bob Dylan sich selbst erklärt. Er hat einen Hang zur Religiosität, war für eine kurze Zeit evangelikaler Christ, lief dann aber er den Lubawitscher Hassidim in die Hände. In dieser relativ langen Periode schrieb er den „Neighborhood bully“. Er ist, so scheint mir, ein Sucher, der Antworten sucht, dem aber die Fragen nie ausgehen. Daher, so denke ich, hat er keine Geduld für überrissene Ideologie und Religion. Es wird erzählt, dass er gerne an jüdischen Festen und Gottesdiensten teilnimmt. Er sei, so las ich, einmal in seinem üblichen Aufzug, in Jeans, T-Shirt, Turnschuhen, wildem Bart und zerdrücktem Hut in einer fremden Synagoge zum Gottesdienst erschienen. Der Rabbiner erkannte ihn und lud ihn ein, den „Aron Thora“, den Thoraschrank, zu öffnen. Die Gemeindemitglieder regten sich auf: „Warum wird dieser Landstreicher geehrt?“

The neighborhood bully von Bob Dylan, 1983

Well, the neighborhood bully, he's just one man,
His enemies say he's on their land.
They got him outnumbered about a million to one,
He got no place to escape to, no place to run.
He's the neighborhood bully.

The neighborhood bully just lives to survive,
He's criticized and condemned for being alive.
He's not supposed to fight back, he's supposed to have thick skin,
He's supposed to lay down and die when his door is kicked in.
He's the neighborhood bully.

The neighborhood bully been driven out of every land,
He's wandered the earth an exiled man.
Seen his family scattered, his people hounded and torn,
He's always on trial for just being born.
He's the neighborhood bully.

Well, he knocked out a lynch mob, he was criticized,
Old women condemned him, said he should apologize.
Then he destroyed a bomb factory, nobody was glad.
The bombs were meant for him.
He was supposed to feel bad.
He's the neighborhood bully.

Well, the chances are against it and the odds are slim
That he'll live by the rules that the world makes for him,
'Cause there's a noose at his neck and a gun at his back
And a license to kill him is given out to every maniac.
He's the neighborhood bully.

He got no allies to really speak of.
What he gets he must pay for, he don't get it out of love.
He buys obsolete weapons and he won't be denied
But no one sends flesh and blood to fight by his side.
He's the neighborhood bully.

Well, he's surrounded by pacifists who all want peace,
They pray for it nightly that the bloodshed must cease.
Now, they wouldn't hurt a fly.
To hurt one they would weep.
They lay and they wait for this bully to fall asleep.
He's the neighborhood bully.

Every empire that's enslaved him is gone,
Egypt and Rome, even the great Babylon.
He's made a garden of paradise in the desert sand,
In bed with nobody, under no one's command.
He's the neighborhood bully.

Now his holiest books have been trampled upon,
No contract he signed was worth what it was written on.
He took the crumbs of the world and he turned it into wealth,
Took sickness and disease and he turned it into health.
He's the neighborhood bully.

What's anybody indebted to him for?
Nothin', they say.
He just likes to cause war.
Pride and prejudice and superstition indeed,
They wait for this bully like a dog waits to feed.
He's the neighborhood bully.

What has he done to wear so many scars?
Does he change the course of rivers?
Does he pollute the moon and stars?
Neighborhood bully, standing on the hill,
Running out the clock, time standing still,
Neighborhood bully.

Dieses Lied beschreibt die heutige Situation hervorragend. Wie genau wird die Umgebung des Bully beschrieben, der herrschende Hass und die Vorurteile, das für alles andere als eigene Vorurteilen abgeschottete Hirn und die Anstrengung des Opfers (des Bullys) das richtige zu tun, das Land unter dem Himmel in ein Paradies zu verwandeln und die Reaktion der Nachbarschaft (neighborhood) dazu – das alles war schon 1983, als es geschrieben wurde, passend, doch heute ist es der Abklatsch unserer Wirklichkeit.

Bis zu uns nach Zichron Ya’akov sind noch keine Raketen geflogen. In den Nachrichten wird erzählt, dass der Scheich Nasrallah nach Syrien geflohen sei, da er gemerkt hätte, dass seine Pläne in die Hosen gehen. Alles Spekulationen. Gestern wurde bei einer Pressekonferenz des Generalstabchefs von einem Kommentator mitgeteilt, der Nasrallah sei in seinem Beiruter Haus umgekommen. Es blieb dem Generalstabchef überlassen, das richtig zu stellen und der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass der liebe Nasrallah wohlauf sei und lebe. Soweit zur Verlässlichkeit der Medien.

Krieg

13.7.2006 - Krieg

Wo immer man heute geht, auch im Café Mokka, in dem ich vorhin mit Baruch Eiskaffee trank, läuft der Radio auf voller Lautstärke. Sogar gestern und heute Nachmittag, im Wartezimmer der Onkologie im Rambam Spital in Haifa, wurde kaum geredet sondern Nachrichten am Fernsehapparat verfolgt. So schlimm wie in 1967 oder gar 1973 ist es bei weitem nicht, aber der gestern begonnene Krieg an der Grenze mit dem Libanon beschäftigt uns alle. Die Hisballah hat Israel den Krieg erklärt – wohl ohne die libanesische Regierung zu fragen, aber dafür mit vollem Einverständnis der syrischen Regierung und den iranischen Irren. Doch da Hisballah Teil der libanesischen Regierung ist, hat Olmert recht, diesen Casus Belli dieser Regierung anzulasten. Sich um Verantwortung zu drücken ist eine bestbekannte Angewohnheit unserer Nachbarn – immer sind es die anderen. Meines Wissens hat es bisher 9 israelische Tote gegeben, weit über hundert Verletzte und beträchtliche Sachschäden.

Ich sprach mit Dany Däster, der im Kibbuz Malkiya auf der Grenze zum Libanon wohnt, einem guten Freund, der seit Jahrzehnten in diesem Ort lebt, die Umgebung auf beiden Seiten des Grenzzauns kennt – denn erstens herrschten früher freundschaftliche Kontakte zu den libanesischen Dörflern der dortigen Region, bis die Hisballah ihnen das Leben zur Hölle machten und dieser Zaun errichtet werden musste. Zweitens ist Dany Rinderzüchter und seine Herden weiden über weite Flächen, viele Kilometer dem Grenzzaun entlang und müssen beaufsichtigt und von einem Ort zum anderen getrieben werden – eine perfekte Art das Gebiet kennen zu lernen. Zudem hat sich Dany während seiner Karriere als Soldat, militärisches Beurteilungsvermögen angeeignet, das ihm in seinen Beurteilungen nützlich ist.

Ich will mich hier nur ganz kurz fassen, denn was Dany zu sagen hat, verdient weit mehr Platz und Zeit, als mir hier zur Verfügung steht. Katjuschas fliegen in Scharen über den Kibbuz, um weiter im Inneren des Landes Schaden anzurichten. Um den Kibbuz herum finden auch israelische Einsätze gegen Stellungen der Hisballah statt. Ein schnelles Ende wird nicht erwartet, es sei denn, dass schnelle israelische Erfolge ausländische Mächte zu Friedensaufrufen treiben lässt, um die arabische Ehre zu retten. All das wie schon gehabt – vielleicht aber kann es sich Israel diesmal leisten, solche Aufrufe zu überhören, bis die Armee ihren Job wirklich abgeschlossen hat.

Sorge machen wir uns über die Tatsache, dass Carmiel im westlichen Galiläa, schon in Reichweite der Hisballahraketen steht. Das arabisch-drusische Dorf Madj-al-Krums neben dieser Stadt wurde heute getroffen, wie auch einige jüdische Dörfer der Umgebung. Bei unserer Tochter Dvorith in Eshchar, auf einem Hügel über Carmiel gelegen, werden die Luftschutzkeller ausgeräumt und es herrscht Alarmbereitschaft. Bei unserem Sohn wenige Kilometer weiter südlich regt sich niemand auf und keine Vorsichtsmassnahmen wurden getroffen. Aber alle Sommerlager der Kinder und andere Aktivitäten wurden annulliert.

Es ist dies das dritte Mal, dass Lea, ich und unsere Kinder vor einem Kriegsausbruch in Israel stehen. Im Sechstagekrieg, 1967, war ich noch jung und selbst an der Front und liess Lea allein mit den Kindern, im Jom Kippurkrieg, 1973, war ich ebenfalls für fast zwei Monate dabei (ich verpasste deshalb den WK in der Schweiz und kam vors Divisionsgericht 6, wurde aber freigesprochen). Etwas Sorge machen wir uns schon. Ich habe mir ausgerechnet, dass, falls palästinensische Jihadisten in der Westbank in den Besitz von Katjuschas kämen, wir in Zichron Ya’akov auch unter Beschuss kommen könnten. Die Luftlinie zwischen unserer Stadt und der Westbank beträgt keine zwanzig Kilometer. So schmal ist unser Land.

Soeben sind auch in Haifa Katjuschas explodiert – ohne Schäden an Menschen. Die Katjuschas sind bei der Stella Maris gelandet, einem wunderschönen Karmeliterkloster und Besuchsrot christlicher Touristen. Ob das wohl eine symbolische Bedeutung hat? Christen werden ja von fanatischen Muslims fast ebenso gehasst wie wir Juden. Die Hisballahs behaupten, dass diese Raketen nicht von ihnen abgefeuert worden seien. Bestimmt ist das gelogen, denn es wurde deutlich von der israelischen Regierung angekündigt, dass in einem solchen Fall auch Bodentruppen im Libanon eingesetzt würden. Jetzt weigern sich die Hisballahs wie ihre Regierung, wie nicht anders zu erwarten, Verantwortung für eigenes Tun zu übernehmen.

Im übrigen zeigt sich hier kristallklar der Unterschied zwischen dem Verhalten Israels und muslimischer Extremisten. Während die israelische Armee strategische Ziele wie Brücken, Hauptquartiere und Stellungen der Hisballah sucht und trifft, bei denen es zivile Opfer gibt, weil sich die Terroristen hinter diesen mutig verbergen, treffen die Katjuschas ausschliesslich zivile Ziele.

Alles ist zur Zeit im Fluss. Warten wir ab. Ich werde bestimmt sehr gut
schlafen.