Ueber den "Glauben"
Deshalb bin ich enttäuscht mit der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich, die am 2. Juli 2006 mit einer Veranstaltung unter dem Motto „Jüdischer Staat – demokratischer Staat?“ voraussichtlich ein Hassfest auf die Öffentlichkeit loslässt. Warum gibt sie sich dazu her? Israel ist so demokratisch wie die Schweiz, seine Probleme sind anders aber in vielem wiederum die selben. Die Finanzwelt bestimmt soziales, beide Länder schlagen sich mit Fremdarbeiter- und Flüchtlingsproblemen herum, die praktisch identisch sind in Ausmass und Hintergrund. Zwia Greenfield, eine fabelhafte und mutige Frau, die es fertig bringt Feminismus und Friedenspolitik mit ihrem haredischen Lebensstil zu vereinen, soll, so scheint mir, von antizionistischen jüdischen Elementen verbraten werden. Sie wird als „Aufhänger“ missbraucht. Zwia, die ich persönlich kennen gelernt habe, ist sich dessen wohl kaum bewusst. Wenn ich die Namen weiterer Teilnehmer dieses Anlasses ansehe, könnte meine Theorie stimmen: Idith Zertal und Shelly Berlowitz der famosen Gruppierung „Jüdinnen und Juden für einen gerechten Frieden“ – jüdische Gutmenschen, die Hass sähen und es, wie Jochi Weil, nicht merken. Wie mir gesagt wurde, soll der Abend den Dialog zwischen Israel und Hamas fördern. Ich hoffe es bleibt beim Dialog zwischen den „Juden und Jüdinnen“ und Hamas, denn ich sehe keine Möglichkeit und keinen Zweck mit einer vollkommen rassistischen und reaktionären Bewegung wie diese über irgendwelche Abkommen zu sprechen. Nur schon die Idee mit jemandem zu verhandeln, dessen erklärtes Ziel es ist, mich umzubringen, verstehe ich nicht.
Einige meiner Zürcher Freunde regen sich nicht einmal mehr auf, sie werden einfach nicht teilnehmen. Das wiederum ist schade, wenn auch verständlich. Aus eigener Zürcher Erfahrung weiss ich, dass an solchen „Hassfesten“ unangenehm Auffallende einfach niedergeschrieen, bestenfalls übersehen und nicht zu Wort gelassen werden. Zudem sind Kreise, wie die oben genannten, mit Ausnahme von Zwia, schädlich für die Gesundheit.
Ich denke, dass diese Art von Anlässen in der Schweiz mit der Israelmüdigkeit zu tun haben, von der Teile der Schweizer Judenheit befallen sind. Israel wird für sie zum Hindernis, sich als Schweizer zu sehen und zu fühlen, als Jude gerät man in einen eigentlich überflüssigen Erklärungsnotstand. Israel ist heute für viele Schweizer Juden ein Stein am Bein. Eine Schlüsselfrage dazu wird und wurde vielen Schweizer Juden, so auch mir, recht oft im Kontext eines real existierenden Wissensdursts im Zusammenhang mit Israel gestellt und direkt mit dem jüdischen Gefragten in Verbindung gebracht. Nämlich die berühmte und variantenreiche Frage über „Euer“ Land, die oft unschuldig, wenn auch gedankenlos gestellt wird und einen währschaften Schweizer Juden innerlich kochen lässt. Ich muss gestehen, dass ein ähnliches Phänomen auch in Israel besteht, wenn ein Jude, ebenso gedankenlos im Gespräch, mit „Israelis“ nur jüdische Israelis meint und arabische Bürger Israelis mit „Araber“ bezeichnet – eine grundsätzlich noch fatalere Bemerkung, die ich jedem, der sie ausspricht, sofort korrigiere und meist ein verlegenes Lächeln und gelegentlich eine Entschuldigung ernte.

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