"Jüdinnen & Juden"
Ich bin gespannt auf diesen Anlass. Auch wenn die J-innen & J nicht im Panel sitzen, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass sie ruhig dasitzen werden und ihre schlecht fundierten Beschimpfungen Israels und seiner Juden für sich behalten werden. Falls das doch geschieht, nehme ich meine Worte zurück. Ich wollte, ich könnte an diesem Anlass teilnehmen.
Ich sprach darüber mit Said Abu-Shakra, als er sich heute telefonisch über mein Befinden erkundigte. Er fand mich ein wenig undemokratisch. „Sei doch froh,“ sagte er mir am Telefon, „dass hier in Israel und in der Schweiz jeder sagen kann, was er will. In den arabischen Staaten ist das ganz und gar nicht so und nur schon deshalb schätze ich es, hier zu leben.“ Das gelte ebenso für die jüdischen Professoren israelischer Universitäten, die einen Boykott Israels unterstützen und unter denen ich einen Bekannten ausmachte, der heute, emeritiert, in Kanada lebt. Eine Liste dieser Akademiker erhielt ich vor einigen Stunden und wieder einmal platze mir der Kragen. Said nimmt das wesentlich gelassener
Noch etwas. Dank meinen täglichen Ausflügen zum Rambam-Spital in Haifa, besuche ich ebenso täglich einen engen Freund in der Orthopädieabteilung. Wir sassen im Aufenthaltsraum zusammen mit einer Menge Leute aller Sorten. Araberinnen, Araber, Offizierinnen und Soldatinnen und Offiziere und Soldaten der Armee (wie man sieht lerne ich Deutsch von den Jüdinnen und Juden ....), alle um einen im Rollstuhl sitzenden jungen Mann mit einem verkratztem Gesicht und vielen Verbänden, der aussah, als wäre er lieber im Bett und hätte seine Ruhe. Mein Freund Bitzi erklärte mir, dieser junge Mann sei ein Soldat, der gestern beim Zwischenfall nahe aber ausserhalb des Gazastreifens verletzt worden war. Es war der Zwischenfall, bei dem ein israelischer Soldat verschleppt wurde. Die Besucher feierten. In der Ecke des Raumes stand ein Tisch, der unter der Last der Getränken, Süssigkeiten, Kuchen und anderem fast zusammenbrach. Dabei kam mir in den Sinn, wie wenig muslimische Araber aus verständlichen und legitimen Gründen sich weigern in der Armee zu dienen. Den anwesenden Frauen nach zu urteilen, war es eine muslimische Familie, deren Sohn Soldat ist. Es braucht eine gehörige Portion Mut für diese Leute, dem gesellschaftlichen Druck ihrer Gesellschaft zu widerstehen. Muslimische Araber in Israel sehen es mehrheitlich nicht gerne, wenn einer der ihren israelischer Soldat wird. Nur, die Alternative vorhandener Zivildienste wird nicht genutzt, eine Tatsache, die das Verständnis vieler jüdischer Israelis trübt. Das hat, denke ich, nicht nur mit ihrer Angst, für den jüdischen Staat, der auch der ihre ist, einzustehen, sondern auch mit dem traditionellen Unverständnis der arabischen Gesellschaft für zivilgesellschaftliche Verantwortung für den eigenen Staat, wie es westliches modernes Staatsverständnis verlangt.

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