Abrechnung mit jüdischen Gutmenschen
Dabei sollte eines klar sein: wir Juden wollen gar nicht besonders geliebt werden, sondern nur respektiert und, möglichst als Juden allein gelassen und als Normalbürger des jeweiligen Staates akzeptiert zu werden. Denn unser Volk hat bewiesen, dass es sich in jeder freien Gesellschaft integrieren kann, ohne seine eigene Identität aufzugeben oder diese anderen aufzwingen zu wollen. Solange man mit seiner Existenz als Angehöriger einer nationalen Minderheit zufrieden ist. Seit 58 Jahren besteht dazu die Alternative Israel für jene Juden, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, die es satt haben sich nicht dauernd zu „erklären“ und in einem Staat leben wollen, in dem sie eine eigene politische Mehrheit bilden. Das mit dem „sich erklären“ müssen kenne ich aus eigener Erfahrung. Es gibt Schweizer Juden (vielleicht auch anderswo), die glauben sich dauernd der nichtjüdischen Öffentlichkeit erklären zu müssen, dass sie in der Schweizer Armee Dienst leisten (das gehörte zur Masche Sigi Feigels, der mir vor etwa dreissig Jahren schrieb, bitte wegen einem antisemitischen Zwischenfall keine „Wellen“ zu machen“, womit ich seine beträchtlichen späteren Verdienste ganz und gar nicht schmälern will), dass sie persönlich nie von antisemitischen Anwürfen gelitten hätten und anderes eigentlich völlig überflüssig mehr. Womit ich auf den ersten Satz dieses Abschnitts zurück komme, dem mit dem respektiert statt geliebt werden.
Zurück zu Arabien. Es gibt nicht nur Hass in muslimischen und besonders in palästinensischen Reihen. Es gibt Einzelpersonen oder auch kleine Gruppierungen, die diesem Hass entgegenwirken. Ich denke da an Professor Sari Nusseibeh, der gerade wieder erklärte, die Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge könne von Israel nicht verlangt werden. Vielleicht denken auch andere so, doch Nusseibeh ist mit seiner Offenheit und seiner Rationalität eine einsame Insel in seiner Welt. Er lebt gefährlich. Anders ist das mit arabischen Intellektuellen, die nicht in der arabischen Welt wohnen. Nehmen wir Daoud Kuttab, Waafa Sultan, Fouad Ajami, Bassam Tibi und zahlreiche mehr, die nicht nur die Realität erkennen (das tun bestimmt auch in der arabischen Gesellschaft lebende Intellektuelle), sondern diese auch aussprechen und kritisch Stellung dazu beziehen. Oder nehmen wir Said Abu-Shakra in Israel, der als Araber seiner Gesellschaft die Welt der Kunst und Kultur, die Moderne und die Sorgfalt für seine Jugend mit Liebe zu sorgen nahebringt, statt sie zu totgelaufenen Traditionen, Macho und religiösem Wahn zu erziehen – das mit anerkanntem und zunehmendem Erfolg. Oder nehmen wir den griechisch-katholischen Archimandriten Emile Shoufani aus Nazareth, selbst Palästinenser, der in eigener Regie eine ökumenische Gruppe nach Auschwitz führte – diese Leute besitzen einen Mut, der der Feigheit des Hasses und seiner Nebenprodukte diametral entgegensteht. Womit der Schluss nahe steht: nur nie die Hoffnung aufgeben.

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