Leben in Israel - Uris Tagebuch

Uri Russak schreibt Persönliches. Er schreibt über Politik, angewandten Zionismus und über seine Freunde - Juden, Araber, Drusen, Christen in Israel und ausserhalb. Er selbst sieht sich als Realist, kann Exremisten jeder Art nicht ausstehen. In Israel wird er oft Linksextremist genannt, im Ausland, besonders in der Schweiz, wo er geboren wurde, wird er als Rechter beschimpft. Das gefällt ihm.

Name:
Standort: Zichron Ya'akov, Israel

Das Leben in Israel ist nie langweilig. Von vielen gehasst und von vielen respektiert ist unser Land das erfolgreichste Projekt seit dem zweiten Weltkrieg, was natürlich nicht von allen gern gehört wird aber dennoch stimmt. Ich lebe und atme dieses Land, kritisiere viel und bin täglich wieder beeindruckt über die Energie und die Kreativität der Israelis und ihrer ans Anarchische grenzende Demokratie. Ich bin Aktivist für Koexistenz mit den arabischen Mitbürgern, gelte hier als politisch Linker, während ich in der Schweiz, wo mein Zielpublikum mehrheitlich lebt, bei einigen als Rechtsextremist verschrien bin, womit ich ganz gut leben kann.

Freitag, Juni 30, 2006

"Jüdinnen & Juden"

Noch nie habe ich so viele Kommentare zu einem Tagebucheintrag erhalten, wie zum Thema des Podiumsgesprächs am 2. Juli 2006, das die ICZ mit Hilfe der „Jüdinnen und Juden für einen gerechten Frieden in Palästina“ durchführen wird. Ausser zweier Personen scheinen mir alle beizustimmen, die die es nicht taten finden die J-innen & J nicht so schlimm, denn sie hätten sich, sagt einer, durch Einbindung in jüdische Gremien und Aktivitäten gemässigt. Schon vor Jahren bin ich selbst zur Einsicht gekommen, dass die Problematik „jüdischer und demokratischer Staat“ ein legitimes und würdiges Diskussionsthema ist, das eine seriöse Behandlung verdient. Leicht könnte aus dem verbindenden „und“ ein unschönes „oder“ werden. (Aus der ersten mir vorliegenden Information war es anders zu verstehen, nämlich als Diskussion darüber, ob Israel eine Demokratie sei. Ich selbst habe bis heute noch ein Problem damit, das Konzept des jüdischen und demokratischen Staates zu durchschauen, denn in meinen Augen ist das ein Oxymoron. Ganz besonders nach einer Serie von Kongressen des Zionistischen Weltkongresses, die jährlich im Juni in Jerusalem stattfinden und von denen ich mich vor drei oder vier Jahren abgeseilt habe, weil ich den Hurrapatriotismus, der unwidersprochen herrschte (der einzige Widerspruch kam von mir) nicht mehr leiden konnte.

Ich bin gespannt auf diesen Anlass. Auch wenn die J-innen & J nicht im Panel sitzen, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass sie ruhig dasitzen werden und ihre schlecht fundierten Beschimpfungen Israels und seiner Juden für sich behalten werden. Falls das doch geschieht, nehme ich meine Worte zurück. Ich wollte, ich könnte an diesem Anlass teilnehmen.

Ich sprach darüber mit Said Abu-Shakra, als er sich heute telefonisch über mein Befinden erkundigte. Er fand mich ein wenig undemokratisch. „Sei doch froh,“ sagte er mir am Telefon, „dass hier in Israel und in der Schweiz jeder sagen kann, was er will. In den arabischen Staaten ist das ganz und gar nicht so und nur schon deshalb schätze ich es, hier zu leben.“ Das gelte ebenso für die jüdischen Professoren israelischer Universitäten, die einen Boykott Israels unterstützen und unter denen ich einen Bekannten ausmachte, der heute, emeritiert, in Kanada lebt. Eine Liste dieser Akademiker erhielt ich vor einigen Stunden und wieder einmal platze mir der Kragen. Said nimmt das wesentlich gelassener

Noch etwas. Dank meinen täglichen Ausflügen zum Rambam-Spital in Haifa, besuche ich ebenso täglich einen engen Freund in der Orthopädieabteilung. Wir sassen im Aufenthaltsraum zusammen mit einer Menge Leute aller Sorten. Araberinnen, Araber, Offizierinnen und Soldatinnen und Offiziere und Soldaten der Armee (wie man sieht lerne ich Deutsch von den Jüdinnen und Juden ....), alle um einen im Rollstuhl sitzenden jungen Mann mit einem verkratztem Gesicht und vielen Verbänden, der aussah, als wäre er lieber im Bett und hätte seine Ruhe. Mein Freund Bitzi erklärte mir, dieser junge Mann sei ein Soldat, der gestern beim Zwischenfall nahe aber ausserhalb des Gazastreifens verletzt worden war. Es war der Zwischenfall, bei dem ein israelischer Soldat verschleppt wurde. Die Besucher feierten. In der Ecke des Raumes stand ein Tisch, der unter der Last der Getränken, Süssigkeiten, Kuchen und anderem fast zusammenbrach. Dabei kam mir in den Sinn, wie wenig muslimische Araber aus verständlichen und legitimen Gründen sich weigern in der Armee zu dienen. Den anwesenden Frauen nach zu urteilen, war es eine muslimische Familie, deren Sohn Soldat ist. Es braucht eine gehörige Portion Mut für diese Leute, dem gesellschaftlichen Druck ihrer Gesellschaft zu widerstehen. Muslimische Araber in Israel sehen es mehrheitlich nicht gerne, wenn einer der ihren israelischer Soldat wird. Nur, die Alternative vorhandener Zivildienste wird nicht genutzt, eine Tatsache, die das Verständnis vieler jüdischer Israelis trübt. Das hat, denke ich, nicht nur mit ihrer Angst, für den jüdischen Staat, der auch der ihre ist, einzustehen, sondern auch mit dem traditionellen Unverständnis der arabischen Gesellschaft für zivilgesellschaftliche Verantwortung für den eigenen Staat, wie es westliches modernes Staatsverständnis verlangt.

"Jüdinnen & Juden"

Noch nie habe ich so viele Kommentare zu einem Tagebucheintrag erhalten, wie zum Thema des Podiumsgesprächs am 2. Juli 2006, das die ICZ mit Hilfe der „Jüdinnen und Juden für einen gerechten Frieden in Palästina“ durchführen wird. Ausser zweier Personen scheinen mir alle beizustimmen, die die es nicht taten finden die J-innen & J nicht so schlimm, denn sie hätten sich, sagt einer, durch Einbindung in jüdische Gremien und Aktivitäten gemässigt. Schon vor Jahren bin ich selbst zur Einsicht gekommen, dass die Problematik „jüdischer und demokratischer Staat“ ein legitimes und würdiges Diskussionsthema ist, das eine seriöse Behandlung verdient. Leicht könnte aus dem verbindenden „und“ ein unschönes „oder“ werden. (Aus der ersten mir vorliegenden Information war es anders zu verstehen, nämlich als Diskussion darüber, ob Israel eine Demokratie sei. Ich selbst habe bis heute noch ein Problem damit, das Konzept des jüdischen und demokratischen Staates zu durchschauen, denn in meinen Augen ist das ein Oxymoron. Ganz besonders nach einer Serie von Kongressen des Zionistischen Weltkongresses, die jährlich im Juni in Jerusalem stattfinden und von denen ich mich vor drei oder vier Jahren abgeseilt habe, weil ich den Hurrapatriotismus, der unwidersprochen herrschte (der einzige Widerspruch kam von mir) nicht mehr leiden konnte.

Ich bin gespannt auf diesen Anlass. Auch wenn die J-innen & J nicht im Panel sitzen, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass sie ruhig dasitzen werden und ihre schlecht fundierten Beschimpfungen Israels und seiner Juden für sich behalten werden. Falls das doch geschieht, nehme ich meine Worte zurück. Ich wollte, ich könnte an diesem Anlass teilnehmen.

Ich sprach darüber mit Said Abu-Shakra, als er sich heute telefonisch über mein Befinden erkundigte. Er fand mich ein wenig undemokratisch. „Sei doch froh,“ sagte er mir am Telefon, „dass hier in Israel und in der Schweiz jeder sagen kann, was er will. In den arabischen Staaten ist das ganz und gar nicht so und nur schon deshalb schätze ich es, hier zu leben.“ Das gelte ebenso für die jüdischen Professoren israelischer Universitäten, die einen Boykott Israels unterstützen und unter denen ich einen Bekannten ausmachte, der heute, emeritiert, in Kanada lebt. Eine Liste dieser Akademiker erhielt ich vor einigen Stunden und wieder einmal platze mir der Kragen. Said nimmt das wesentlich gelassener

Noch etwas. Dank meinen täglichen Ausflügen zum Rambam-Spital in Haifa, besuche ich ebenso täglich einen engen Freund in der Orthopädieabteilung. Wir sassen im Aufenthaltsraum zusammen mit einer Menge Leute aller Sorten. Araberinnen, Araber, Offizierinnen und Soldatinnen und Offiziere und Soldaten der Armee (wie man sieht lerne ich Deutsch von den Jüdinnen und Juden ....), alle um einen im Rollstuhl sitzenden jungen Mann mit einem verkratztem Gesicht und vielen Verbänden, der aussah, als wäre er lieber im Bett und hätte seine Ruhe. Mein Freund Bitzi erklärte mir, dieser junge Mann sei ein Soldat, der gestern beim Zwischenfall nahe aber ausserhalb des Gazastreifens verletzt worden war. Es war der Zwischenfall, bei dem ein israelischer Soldat verschleppt wurde. Die Besucher feierten. In der Ecke des Raumes stand ein Tisch, der unter der Last der Getränken, Süssigkeiten, Kuchen und anderem fast zusammenbrach. Dabei kam mir in den Sinn, wie wenig muslimische Araber aus verständlichen und legitimen Gründen sich weigern in der Armee zu dienen. Den anwesenden Frauen nach zu urteilen, war es eine muslimische Familie, deren Sohn Soldat ist. Es braucht eine gehörige Portion Mut für diese Leute, dem gesellschaftlichen Druck ihrer Gesellschaft zu widerstehen. Muslimische Araber in Israel sehen es mehrheitlich nicht gerne, wenn einer der ihren israelischer Soldat wird. Nur, die Alternative vorhandener Zivildienste wird nicht genutzt, eine Tatsache, die das Verständnis vieler jüdischer Israelis trübt. Das hat, denke ich, nicht nur mit ihrer Angst, für den jüdischen Staat, der auch der ihre ist, einzustehen, sondern auch mit dem traditionellen Unverständnis der arabischen Gesellschaft für zivilgesellschaftliche Verantwortung für den eigenen Staat, wie es westliches modernes Staatsverständnis verlangt.

Ueber den "Glauben"

Ich will hier nicht Geschichte wiederkäuen und Geschehnisse wie die „Schlacht“ von Jenin, das Märtyrertum des kleinen Mohammed Al-Dura und nun als neustes dieser unvollständigen Aufzählung den Tod einer Familie am Strand von Gaza breitschlagen. Wenn so etwas passiert wird als erstes von Armeesprechern gestottert, dann entschuldigt man sich eiligst und erst nachdem die ganze Welt sich mit Israel böse gibt, werden die Fakten untersucht. In den drei hier genannten Beispielen haben die Palästinenser die Welt an der Nase herumgeführt, die Presse ist sofort darauf hereingefallen und hat in diesem Sinne berichtet. Wenige haben die Angelegenheit selbst hinterfragt, eine Ausnahme dafür ist ein selbst recherchierter Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 16. Juni 2006. Schlussendlich bleibt es jedem selbst überlassen, wem zu glauben sei: der israelischen Armee, den Palästinensern oder der Süddeutschen Zeitung. Nur eines ist bewiesen: alles zwischen Israel und der muslimischen Welt geschehende, ist zur Glaubensfrage geworden. Es kann noch so abstrus sein, es muss nicht einmal stattgefunden haben – entweder man glaubt es oder man glaubt es nicht – unbesehen der Beweislage, Realität und allfälligem Wissen über Hintergründe, die dazu geführt haben könnten.

Deshalb bin ich enttäuscht mit der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich, die am 2. Juli 2006 mit einer Veranstaltung unter dem Motto „Jüdischer Staat – demokratischer Staat?“ voraussichtlich ein Hassfest auf die Öffentlichkeit loslässt. Warum gibt sie sich dazu her? Israel ist so demokratisch wie die Schweiz, seine Probleme sind anders aber in vielem wiederum die selben. Die Finanzwelt bestimmt soziales, beide Länder schlagen sich mit Fremdarbeiter- und Flüchtlingsproblemen herum, die praktisch identisch sind in Ausmass und Hintergrund. Zwia Greenfield, eine fabelhafte und mutige Frau, die es fertig bringt Feminismus und Friedenspolitik mit ihrem haredischen Lebensstil zu vereinen, soll, so scheint mir, von antizionistischen jüdischen Elementen verbraten werden. Sie wird als „Aufhänger“ missbraucht. Zwia, die ich persönlich kennen gelernt habe, ist sich dessen wohl kaum bewusst. Wenn ich die Namen weiterer Teilnehmer dieses Anlasses ansehe, könnte meine Theorie stimmen: Idith Zertal und Shelly Berlowitz der famosen Gruppierung „Jüdinnen und Juden für einen gerechten Frieden“ – jüdische Gutmenschen, die Hass sähen und es, wie Jochi Weil, nicht merken. Wie mir gesagt wurde, soll der Abend den Dialog zwischen Israel und Hamas fördern. Ich hoffe es bleibt beim Dialog zwischen den „Juden und Jüdinnen“ und Hamas, denn ich sehe keine Möglichkeit und keinen Zweck mit einer vollkommen rassistischen und reaktionären Bewegung wie diese über irgendwelche Abkommen zu sprechen. Nur schon die Idee mit jemandem zu verhandeln, dessen erklärtes Ziel es ist, mich umzubringen, verstehe ich nicht.

Einige meiner Zürcher Freunde regen sich nicht einmal mehr auf, sie werden einfach nicht teilnehmen. Das wiederum ist schade, wenn auch verständlich. Aus eigener Zürcher Erfahrung weiss ich, dass an solchen „Hassfesten“ unangenehm Auffallende einfach niedergeschrieen, bestenfalls übersehen und nicht zu Wort gelassen werden. Zudem sind Kreise, wie die oben genannten, mit Ausnahme von Zwia, schädlich für die Gesundheit.

Ich denke, dass diese Art von Anlässen in der Schweiz mit der Israelmüdigkeit zu tun haben, von der Teile der Schweizer Judenheit befallen sind. Israel wird für sie zum Hindernis, sich als Schweizer zu sehen und zu fühlen, als Jude gerät man in einen eigentlich überflüssigen Erklärungsnotstand. Israel ist heute für viele Schweizer Juden ein Stein am Bein. Eine Schlüsselfrage dazu wird und wurde vielen Schweizer Juden, so auch mir, recht oft im Kontext eines real existierenden Wissensdursts im Zusammenhang mit Israel gestellt und direkt mit dem jüdischen Gefragten in Verbindung gebracht. Nämlich die berühmte und variantenreiche Frage über „Euer“ Land, die oft unschuldig, wenn auch gedankenlos gestellt wird und einen währschaften Schweizer Juden innerlich kochen lässt. Ich muss gestehen, dass ein ähnliches Phänomen auch in Israel besteht, wenn ein Jude, ebenso gedankenlos im Gespräch, mit „Israelis“ nur jüdische Israelis meint und arabische Bürger Israelis mit „Araber“ bezeichnet – eine grundsätzlich noch fatalere Bemerkung, die ich jedem, der sie ausspricht, sofort korrigiere und meist ein verlegenes Lächeln und gelegentlich eine Entschuldigung ernte.

Abrechnung mit jüdischen Gutmenschen

Einen speziellen Grund die arabische Welt zu lieben gibt es für uns Juden nicht. Ich schreibe bewusst Juden statt Israelis, wohl wissend, dass sich das jüdische Gutmenschentum in der Diaspora von dieser Aussage distanzieren könnte. Trotzdem, es liegt in der Natur der Sache, jemanden nicht gerade gerne zu haben, der uns hasst und uns zerstören will. Soweit die arabische und muslimische Welt als Gesamtheit und die Palästinenser als spezieller Teil dieser Welt. Auf der anderen Seite gibt es Einzelne und kleine Gruppierungen in dieser Gesellschaft der Hasser, die beweisen, dass es nicht so sein muss, dass Hass und vorgeschobener Märtyrerkult keine brauchbaren Philosophien für ein Überleben sind. Gerade wir Juden haben das zur genüge bewiesen, wie andere Völker auch: aus Katastrophen haben sie eine neue Gesellschaft aufgebaut, erfolgreiche Staaten gegründet wie Israel, Deutschland, Japan und einige andere statt passiv im Schmollwinkel zu verharren und Sündenböcke zu suchen und den Hass auf Juden, Christen und den Rest der Welt zu pflegen, wie eben nicht nur grosse Teile der arabischen Welt, sondern ganz besonders die Palästinenser es tun.

Dabei sollte eines klar sein: wir Juden wollen gar nicht besonders geliebt werden, sondern nur respektiert und, möglichst als Juden allein gelassen und als Normalbürger des jeweiligen Staates akzeptiert zu werden. Denn unser Volk hat bewiesen, dass es sich in jeder freien Gesellschaft integrieren kann, ohne seine eigene Identität aufzugeben oder diese anderen aufzwingen zu wollen. Solange man mit seiner Existenz als Angehöriger einer nationalen Minderheit zufrieden ist. Seit 58 Jahren besteht dazu die Alternative Israel für jene Juden, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, die es satt haben sich nicht dauernd zu „erklären“ und in einem Staat leben wollen, in dem sie eine eigene politische Mehrheit bilden. Das mit dem „sich erklären“ müssen kenne ich aus eigener Erfahrung. Es gibt Schweizer Juden (vielleicht auch anderswo), die glauben sich dauernd der nichtjüdischen Öffentlichkeit erklären zu müssen, dass sie in der Schweizer Armee Dienst leisten (das gehörte zur Masche Sigi Feigels, der mir vor etwa dreissig Jahren schrieb, bitte wegen einem antisemitischen Zwischenfall keine „Wellen“ zu machen“, womit ich seine beträchtlichen späteren Verdienste ganz und gar nicht schmälern will), dass sie persönlich nie von antisemitischen Anwürfen gelitten hätten und anderes eigentlich völlig überflüssig mehr. Womit ich auf den ersten Satz dieses Abschnitts zurück komme, dem mit dem respektiert statt geliebt werden.

Zurück zu Arabien. Es gibt nicht nur Hass in muslimischen und besonders in palästinensischen Reihen. Es gibt Einzelpersonen oder auch kleine Gruppierungen, die diesem Hass entgegenwirken. Ich denke da an Professor Sari Nusseibeh, der gerade wieder erklärte, die Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge könne von Israel nicht verlangt werden. Vielleicht denken auch andere so, doch Nusseibeh ist mit seiner Offenheit und seiner Rationalität eine einsame Insel in seiner Welt. Er lebt gefährlich. Anders ist das mit arabischen Intellektuellen, die nicht in der arabischen Welt wohnen. Nehmen wir Daoud Kuttab, Waafa Sultan, Fouad Ajami, Bassam Tibi und zahlreiche mehr, die nicht nur die Realität erkennen (das tun bestimmt auch in der arabischen Gesellschaft lebende Intellektuelle), sondern diese auch aussprechen und kritisch Stellung dazu beziehen. Oder nehmen wir Said Abu-Shakra in Israel, der als Araber seiner Gesellschaft die Welt der Kunst und Kultur, die Moderne und die Sorgfalt für seine Jugend mit Liebe zu sorgen nahebringt, statt sie zu totgelaufenen Traditionen, Macho und religiösem Wahn zu erziehen – das mit anerkanntem und zunehmendem Erfolg. Oder nehmen wir den griechisch-katholischen Archimandriten Emile Shoufani aus Nazareth, selbst Palästinenser, der in eigener Regie eine ökumenische Gruppe nach Auschwitz führte – diese Leute besitzen einen Mut, der der Feigheit des Hasses und seiner Nebenprodukte diametral entgegensteht. Womit der Schluss nahe steht: nur nie die Hoffnung aufgeben.

Sonntag, Juni 11, 2006

Nichts gelernt?

„All das will der Lieberman an den palästinensischen Staat abschieben“, sagte mein Freund Louis Loewenthal, als wir heute auf der Terrasse „unserer“ Kunstgalerie Umm El-Fahm standen und die Stadt im späten Nachmittagslicht betrachteten. Das weiche Licht, eine Spezialität der Länder ums Mittelmeer, brachte die vielen Einzelheiten dieser an einem steilen Hügel gelegenen Stadt dreidimensional in ausgewogenen Farben zur Geltung. Die goldenen Dächer der Moscheen glänzten und reflektierten das Sonnenlicht, die Häuser, viele in einer Ockerfarbe, die man nur in eben diesem Licht zu sehen bekommt, wiedergeben eine eigentlich kaum bestehende Ruhe, an der man erst zu zweifeln beginnt, wenn sich der Verkehrslärm der steilen Hauptstrasse Umm El-Fahms durchsetzt. Umm El-Fahm ist an einem steilen Hügel gelegen, die obersten Häuser bilden den Horizont, hinter dem, von unten nicht sichtbar, der israelische Trenn- und Sicherheitszaun durchführt.

Über Louis und seine Frau Susan habe ich vor einem Jahr ausführlich geschrieben (Tagebucheintrag 11.6.2006, am Schluss des heutigen Eintrags nochmals teilweise eingefügt). Inzwischen sind wir uns nähergekommen, wir telefonieren einander, tauschen Informationen aus und sind enttäuscht über die hiesigen Geschehnisse, besonders in der israelischen Politik, von der wir mehr Mut und mehr positive Entscheidungen erwarten und von der wir oft enttäuscht worden sind.

Ich fragte Louis, ob vielleicht der Lieberman seine alle paar Tage oder Wochen in der ganzen Welt publizierten rassistischen Sprüche gar nicht ernst meine, sondern nur provozieren wolle. Louis ist überzeugt, dass Lieberman es ernst meint. Es ernst meint, grosse Teile mit Arabern bewohnte Gebiete Israels samt Einwohnern an die PA abzutreten. Sie so auszubürgern, wie es mit uns Juden in Deutschland in den dreissiger Jahren geschehen ist. Gebiete deren israelische Bürger nicht gefragt werden und gefragt oder ungefragt, sich mit Händen und Füssen dagegen wehren. Lieberman meint es ernst mit seiner rassistischen Tirade an der Knesseteröffnung vor einigen Tagen, als er verlangte, sämtliche arabische Knessetabgeordneten als Verräter aufzuhängen. Es ist nicht mehr nur schlechter Geschmack, sondern Liebermans Rassismus ist zu einer ernsthaften Gefahr für alle Israelis geworden, egal zu welchem Volksteil sie gehören. Wie können wir uns erlauben Frankreich wegen Le Pen oder Österreich wegen Jörg Haider zu kritisieren, wenn wir selbst solchen Unrat zu bieten haben und nicht damit umgehen können?
„Der Entscheid des Obersten Gerichts, der die freie Partnerwahl arabischer Israelis fast völlig unterbindet, ist ein moralischer Tiefstpunkt in der israelischen Geschichte“, sagte ich zu Louis und meinte damit den kürzlich erfolgten Gerichtsentscheid. Wieder einmal wird das Sicherheitsargument zu grundsätzlich rassistischer Gesetzgebung missbraucht. „Wir Juden scheinen aus unserer eigenen Geschichte nichts gelernt zu haben“, pflichtete mir Louis bei. Wie er kürzlich von einem Bekannten, der sich mit Sicherheitsfragen befasst, zu hören bekam seien in der gesamten Geschichte Israels bisher 22 arabische Bürger als Spione oder ähnliches für unsere Feinde überführt worden. Durch diesen Gerichtsbeschluss sind etwa 20'000 israelische Bürger betroffen – nur weil sie Araber sind und ohne je etwas Ungesetzliches getan zu haben. Wobei wir nicht vergessen sollten, dass aus ebenso rassistischen, aber nicht aus „Gründen nationaler Sicherheit“, das israelische Rabbinat jüdischen Bürgern das Heiraten erschwert und dabei noch mehr Menschen (diesmal Juden) das Leben verbittert. Denn wenn ein jüdischer Mensch leichtsinnig denkt, er sei Jude, heisst das noch lange nicht, dass die das israelische Zivilrechtssystem beherrschenden Rabbiner und ihre ihnen hörigen Funktionäre der staatlichen Bürokratie, dies auch so sehen.Immerhin hat sich Jacques Ungar in seinem eindeutigen „Tachles“ Editorial (Ausgabe 20/2006) genauso aufgeregt wie Louis und ich. Es geht ja gar nicht darum israelische Araber besonders zu lieben oder zu hassen, denn wir sollten sie einfach als israelische Bürger betrachten, weil wir es uns als Juden dem eigenen Anstand (manche nennen das Ethos) schuldig sind. Mit diesem Heiratsurteil, genau so wie mit Liebermanns Faschismus, ist unsere Gesellschaft gefordert, sich auf jüdischen Anstand zu besinnen (schliesslich sind 80% aller Israelis Juden) und das aus der eigenen Geschichte gelernte diesmal nicht als Opfer, sondern als Täter, nicht zu wiederholen.

Kann man schon tote abschrecken?

Schavuot, eine Art jüdisches Erntedankfest, ist hinter uns. Nach Tagen gesunder Kost, (fast) ohne Fleisch, aber viel Gemüse, Früchte, Käse in verschiedenen Formen, müsste man eigentlich vorzüglich schlafen. Doch nach der Lektüre eines Artikels von Laurent Murawiec „Kann man schon tote abschrecken?“ (Deterring those who are already dead?) fiel mir das Schlafen schwer und seine Argumente gehen mir nicht aus dem Kopf. Murawiec denkt jene Gedanken zu Ende, die sich (fast) jeder sich mit der Materie des heutigen Dschihads beschäftigende, bisher gemacht hat. Politisch völlig unkorrekt, denn er spricht aus, was viele nicht zu sagen wagen. Murawiec, gebürtiger Franzose, ist politisch ein sehr konservativer Wissenschafter, Mitarbeiter des Hudson Institutes, eines erzkonservativen Think-Tanks und soll bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen einen erzreaktionären Kandidaten namens LaRouche unterstützt haben. Pfui! Trotzdem, was er schreibt bestätigt Erfahrungen, welche die Welt in den letzten Jahren gemacht hat, er findet die israelische Kriegsführung gegen den islamistischen Terrorismus (Jihadismus), die einzige bisher effektive Art gegen diese Seuche anzukämpfen. Da fühlt man sich als Israeli angesprochen und gelobt, ein Gefühl, das in diesem Fall mit Vorsicht zu geniessen ist.
Um was geht es: Murawiec ist der Meinung, dass mit Erwartung rationalen Denkens und Agierens vom Jihadismus nichts erreicht werden kann. Dieser extremistische Islam sei die Kultur der Kultivierung des Todes, für sich selbst und für dessen „Feinde“, allen Nichtmuslims. Vor allem wir Juden und der westliche Kulturkreis. Eine völlig gnostische Weltanschauung, die sich nur an ihrem Ziel einer islamischen Welt, er nennt das Thanatolatry (Thanatos: myth. Tod, Zwillingsbruder des Schlafs), die Verehrung des Todes. Dazu kommt, dass die Freude an Töten inzwischen so durchschlagend dokumentiert worden ist (man denke an die gefilmten blutigen Hände des Mobs in Ramallah während dem Lynch an zwei israelischen Soldaten, an die gefilmten Köpfungen von Daniel Pearl und anderen vor allem im Irak und in Pakistan, aber auch an die gefilmten Tötungen in den besetzten Gebieten der Palästinenser, dass auch die dümmlichsten Argumente, welche diese mörderische Philosophie mit früherem Kolonialismus, mit der Globalisation und Kapitalismus, mit herzigen kulturellen Eigenheiten und, nicht zu vergessen, mit dem Zionismus begründen und entschuldigen, nur noch bei völlig Unbedarften Käufer findet.
Murawiec findet die israelische Methode der Liquidierung islamistischer Mordideologen, die bisher einzig erfolgreiche Massnahme gegen den jihadistischen Terror. Ein Sheikh Yassin schwang keine Pistolen, er „schwang“ den Tod, schreibt er.

Parallelen findet Murawiec vor fünfhundert Jahren in den europäischen Religionskriegen, in denen Ideologen christlichen Extremismus demonstrativ umgebracht wurden, was schliesslich zur Entmutigung ihrer Anhänger führte.
Wenn ich Murawiec’s Theorie richtig verstehe, gilt die „angewandte“ Todeskultur für die einfachen „Soldaten“, jene, die sich mit möglichst viel anderen in die Luft sprengen. Für die hinter diesen stehenden Ideologen und Lenkern gilt sie nicht. Ein Zarkawi schneidet zwar einem Christen vor der Kamera den Kopf ab, aber in sicherer Entfernung vom Feind. (Auch dafür gibt es andeutungsweise Parallelen, z.b. im religiös-politischen Bereich Israels, doch das ist ein anderes Thema). Womit Murawiec’s Theorie eigentlich Sinn macht. Der heutige Jihad habe nichts mit Politik zu tun, sondern sei ausschliesslich eine Sache gnostischen Glaubens. Das jüdische Gebot „Du sollst nicht töten“ wurde vom Christentum adoptiert. Der Jihad von heute ist ein gigantischer Rückschritt in die vor-Abrahamische Zeit, in die Zeit von Moloch und Baal, schreibt Murawiec.
Man kann über Murawiec’s Ansichten und Lösungsvorschläge verschiedener Meinung sein, doch eine glaubwürdige Alternative dazu kenne ich bisher nicht.

Und er hat doch recht (die israelische Taktlosigkeit des A.B. Yehoshua

Die Medien und viele Juden regen sich dieser Tage über meinen israelischen Lieblingsautor A.B. Yehoshua auf. Er besass die Frechheit in einem öffentlichen Gespräch in Amerika zu erklären, jüdisches Leben in Israel sei intensiver und vollständiger, als es in der Diaspora sei. Er, A.B. Yehoshua habe eine israelische, nicht eine jüdische Identität. Er sagte, ohne die Jahrtausende alte Geschichte der jüdischen Diaspora herabsetzen zxyyycu wollen (viele haben das allerdings anders empfunden), ein Jude in der Diaspora (Galut ist das hebräische Wort für Diaspora) trügen heute keine jüdische Haut, sondern einen Mantel des Landes, in dem er wohne. Diesen Mantel streife er, je nach „Wetterlage“ ab, wenn es für Juden ungemütlich wird, sagen wir (rein theoretisch), in der Schweiz, dann ziehen sie den Schweizer Mantel aus, übersiedeln in nach Amerika und tragen dort den amerikanischen Mantel. Nur in Israel trügen sie ihre eigene jüdische Haut, derer sie sich dort nicht gegenüber Nichtjuden und sich selbst erklären und oft sogar rechtfertigen zu müssen. Damit sei man Israeli, man lebe in einem Land, in dem einfach alles jüdisch sei, wo man sich nicht mit dauernd mit Hinweisen auf den jüdischen Genius, die zahllosen jüdischen Nobelpreisträgern, den jüdischen Beiträgen zur westlichen Zivilisation profilieren müsse. Wer diese eindrückliche, gar nicht langweilige, sogar aufregende Diskussion life miterleben will, öffne das Attachment, das diesem Tagebucheintrag beigefügt ist. Dauer knappe zwei Stunden. Das Ganze erinnert mich ein wenig an die famosen Mohammed Karikaturen, wegen denen die Zeichner, die Zeitung und der Staat Dänemark vor allem von jenen angegriffen und bedroht wurde, die die Zeichnungen nie gesehen hatten oder sich über Zeichnungen aufregten, die von den „Beleidigten“ untergeschoben worden waren.
Noch bevor die Diskussion mit A.B. Yehoshua dem Publikum zur Verfügung stand, wurden ihm Aussagen unterschoben, die er nie gesagt hatte. Darüber nimmt er im heutigen Wochenendmagazin von Haaretz Stellung:
People without a land
By A.B. Yehoshua
Just before I entered the hall for the symposium in Washington that inaugurated two days of discussions on the future of the Jewish People in light of the century that has passed since the founding of the host organization (the American Jewish Committee), my youngest son phoned from Israel and told me about how moved he was by the memorial ceremony, in which he and his wife and toddler daughter had just taken part, for the fallen of Israel's wars. I made a brief comment to the panel's moderator about the fact that the symposium was taking place on the eve of Yom Hazikaron, Israel's Memorial Day, and I hoped that, amid the many congratulatory speeches at the start of the evening, this would be noted and that we might also all be asked to honor the Israeli Memorial Day, as customary, with a minute of silence. But this didn't happen. And Yom Ha'atzmaut, Israel's Independence Day, due to be marked the following day, received only faint and brief mention from the speakers. I do not cite this as a grievance, but rather as a symptomatic example that may also explain my gloomy state of mind at that symposium, given that the deep and natural identification that a large portion of American Jewry once felt with Israeli life has been steadily and seriously weakening in recent years. All of the participants in the subsequent discussions agreed that, for some years now, a slow process of disengagement of American Jewry from Israel has been intensifying. The reasons are numerous and complex, and relate both to the fact that the "Israeli drama" has lost many of its attractive features for American Jews, and to the accelerated processes of assimilation occurring to varying degrees within America itself. Missed opportunity



Even though the title of the symposium was "The Future of the Past: What Will Become of the Jewish People?" I may have been the only one to begin by talking about the failure of most of the Jewish People to foresee in the 20th century the depth and vehemence of the hostility toward it, which eventually led to an annihilation unprecedented in human history. "The Jewish texts," which many Jews today consider to be the core of their identity, did not help us to understand better the processes of the reality around us. The Jews were too busy with mythology and theology instead of history, and therefore the straightforward warnings voiced by Jabotinsky and his colleagues in the early 20th century - "Eliminate the Diaspora, or the Diaspora will surely eliminate you" - fell on deaf ears. After Palestine was taken over by the British, the Balfour Declaration of 1917 promised a national home for the Jews, and if during the 1920s, when the country's gates were open wide, just a half-million Jews had come (less than 5 percent of the Jewish People at that time) instead of the tiny number that actually did come, it certainly would have been possible to establish a Jewish state before the Holocaust on part of the Land of Israel. This state not only would have ended the Israeli-Arab conflict at an earlier stage and with less bloodshed - it also could have provided refuge in the 1930s to hundreds of thousands of Eastern European Jews who sensed the gathering storm, and thus would have significantly reduced the number of victims in the Holocaust. The Zionist solution, which was proven as the best solution to the Jewish problem before the Holocaust, was tragically missed by the Jewish People. And if it weren't for those few (less then half of 1 percent of the Jewish People) people who, a hundred years ago, believed and actually sought the fulfillment of the need for the sovereign normalization of the Jewish People in its ancient homeland, the Jewish People could have found itself after the horrors of World War II just wandering among Holocaust museums, without even that piece of sovereign homeland that still offers some solace for the disaster that occurred. But such a tough and piercing reckoning, coming from such an old-fashioned Zionist premise about our painful and tragic missed opportunity in the past century, is not welcome at the festive opening of a convention of a Jewish organization that, like many other Jewish organizations at the start of the 20th century, shunned, if not actively opposed, the Zionist solution. Better to talk about all the Nobel Prizes and prestige garnered by Jews in the past century, about the intellectual achievements of Freud and Einstein, and about the tremendous contribution that Jews have made to Western culture. Therefore, right from the start, I felt like I was spoiling the nice, pleasant atmosphere with my anger. And instead of joining in the celebration of the wonderful spirituality of the Jewish identity, and of the cultural renaissance in America, and instead of extolling the texts that we must learn and the Jewish values that we must inculcate, I tried nevertheless to outline at least a fundamental boundary between Jewish identity in Israel and Jewish identity in the Diaspora. This is no easy task nowadays. Many Israelis would disagree with me as well. The basic concepts of Zionism have either been pulverized beyond recognition within the normality of sovereign life, or usurped in a distorted and grotesque way by fascist rightist ideologies or radical post-modernism. And this is where the conflict between myself and my listeners arose. (Not with all of my listeners, actually. Some, mainly Jews who had some Israeli experience, came up to me after the discussion was over to express deep solidarity with what I'd said.) I did not talk about "the negation of the Diaspora." The Jewish Diaspora has existed ever since the Babylonian exile, about 2,500 years ago, and it will continue to exist for thousands more years. The Diaspora is the most solid fact in Jewish history; we know its cost, and we are aware of its accomplishments and failures in terms of Jewish continuity. In fact, the most harshly worded statements concerning its theological negation are to be found scattered in the "core" religious texts; there is no need for an Israeli writer to come to Washington to talk about the negation of the Diaspora. All of the reports suggesting that I said that there can be no Jewishness except in Israel are utterly preposterous. No one would ever think of saying such an absurd thing. It is Israel and not the Diaspora that could be a passing episode in Jewish history, and this is the source of my compulsion to reiterate the old and plain truths that apparently need to be repeated again and again. Not just to Diaspora Jews, but to Israelis, too. Jewish identity in Israel, which we call Israeli identity (as distinct from Israeli citizenship, which is shared by Arab citizens who also live in the shared homeland, though their national identity is Palestinian) - this Jewish-Israeli identity has to contend with all the elements of life via the binding and sovereign framework of a territorially defined state. And therefore the extent of its reach into life is immeasurably fuller and broader and more meaningful than the Jewishness of an American Jew, whose important and meaningful life decisions are made within the framework of his American nationality or citizenship. His Jewishness is voluntary and deliberate, and he may calibrate its pitch in accordance with his needs. We in Israel live in a binding and inescapable relationship with one another, just as all members of a sovereign nation live together, for better or worse, in a binding relationship. We are governed by Jews. We pay taxes to Jews, are judged in Jewish courts, are called up to serve in the Jewish army and compelled by Jews to defend settlements we didn't want or, alternatively, are forcibly expelled from settlements by Jews. Our economy is determined by Jews. Our social conditions are determined by Jews. And all the political, economic, cultural and social decisions craft and shape our identity, which although it contains some primary elements, is always in a dynamic process of changes and corrections. While this entails pain and frustration, there is also the pleasure of the freedom of being in your own home. Homeland and national language and a binding framework are fundamental components of any person's national identity. Thus, I cannot point to a single Israeli who is assimilated, just as there is no Frenchman in France who is an assimilated Frenchman - even if he has never heard of Moliere and has never been to the Louvre, and prefers soccer matches and horse races. Identity as a garmentWhat I sought to explain to my American hosts, in overly blunt and harsh language perhaps, is that, for me, Jewish values are not located in a fancy spice box that is only opened to release its pleasing fragrance on Shabbat and holidays, but in the daily reality of dozens of problems through which Jewish values are shaped and defined, for better or worse. A religious Israeli Jew also deals with a depth and breadth of life issues that is incomparably larger and more substantial than those with which his religious counterpart in New York or Antwerp must contend. Am I denouncing their incomplete identity? I am neither denouncing nor praising. It's just a fact that requires no legitimating from me, just as my identity requires no legitimating from them. But since we see ourselves as belonging to one people, and since the two identities are interconnected, and flow into one another, the relation between them must be well clarified. As long as it is clear to all of us that Israeli Jewish identity deals, for better or worse, with the full spectrum of the reality and that Diaspora Jewry deals only with parts of it, then at least the difference between whole and part is acknowledged. But the moment that Jews insist that involvement in the study and interpretation of texts, or in the organized activity of Jewish institutions, are equal to the totality of the social and political and economic reality that we in Israel are contending with - not only does the moral significance of the historic Jewish grappling with a total reality lose its validity, there is also the easy and convenient option of a constant flow from the whole to the partial. Not by chance do more than half a million Israelis now live outside of Israel. If Jewish identity can feed itself on the study of texts and the mining of memories, and some occasional communal involvement - and as long as all those capable Chabad emissaries are supplying instant Jewish and religious services everywhere on the planet - what's the problem, in the global age, with taking the Israeli kids and exiling the whole family to some foreign high-tech mecca? After all, the core of the identity is eternal and accessible anywhere. This is how Israeliness in the homeland will also become a garment that is removed and replaced with another garment in times of trouble, just as Romanian-ness and Polishness were replaced by Englishness and American-ness, and Tunisian-ness and Moroccan-ness were replaced by Frenchness and Canadian-ness. And in the future, in another century or two, when China is the leading superpower, why shouldn't some Jews exchange their American-ness or Canadian-ness for Chinese-ness or Singaporean-ness? Just think about it: Who would have believed in the 16th century that within 200 or 300 years, the Jews would be concentrated in an unknown land called America? The Jews have proven their ability to live anywhere for thousands of years without losing their identity. And as long as the goyim don't cause too many problems, Jewish perseverance will not falter. If Israeliness is just a garment, and not a daily test of moral responsibility, for better or worse, of Jewish values, then it's no wonder that poverty is spreading, that the social gaps are widening and that cruelty toward an occupied people is perpetrated easily and without pangs of conscience. Since it will always be possible to escape from the reality to the old texts, and to interpret them in such a way that will imbue us with greatness, hope and consolation. The national minority among us of the Palestinian Israelis, who share Israeli citizenship with us, could also make a contribution to this identity, just as American Jews contribute to the general American identity, and the Basques to the Spanish identity and so on. The more Israeli we are, the better the partnership we have with them. The more we concentrate solely on Jewish spirituality and texts, believing this to be of chief importance, the more the alienation between us grows. The simple truthI keep bringing up the matter of texts, because in liberal Jewish circles this has recently become the most important anchor of identity, as evidenced by the return of manifestly secular people to the synagogue - not in order to find God, but to clutch onto identity. As someone who has spent his whole life dealing with texts - writing, reading and analyzing - I am incensed by the increasingly dangerous and irresponsible disconnection between the glorification of the texts and the mundane matters of daily life. Instead, I propose that we continue to nurture the concrete and living value of "the homeland," rather than the dull and worn-out value of Jewish spirituality. In all the Bible, the word moledet (homeland) is mentioned just 22 times, and many of these times in reference to other nations. The first sentence spoken to the first Jew is, "Go for yourself from your land, from your moledet, and from your father's house to the land that I will show you." And throughout their long history, the Jews obeyed the first part of this imperative with great devotion, moving from one moledet to another with surprising ease. And the terrible end to these wanderings needs no further mention. If we don't want this kind of Jewish mindset (with the help of our Palestinian rivals for the homeland) to pull the rug out from under our feet, we ought to reiterate the basic, old concepts to Israelis just as much as to American Jews who, though they were offended by me, treated me with exemplary courtesy, perhaps because deep down, they felt that I was speaking the simple truth. Translated from the Hebrew by Anne Pace


Ob A.B., mit dem was er sagte recht hat? Das muss jeder für sich entscheiden. Eines ist mir jedoch klar: ihm platzte über den schöngeistigen und apologetischen Aussagen eines Leon Wieseltiers und auch ein wenig über Ted Koppel, dem Gesprächsleiter, der Kragen. Takt zeigte A.B. Yehoshua keinen, Rücksichten auf das amerikanisch-jüdische Publikum ebenso wenig. Ob sein Verhalten klug war bezweifle ich, doch wenn Ansichten über jüdische Identität von einem A.B. Yehoshua stammen, der alles andere als ein Extremist ist, einem Denker, der sich schriftlich und mündlich aus dem Stegreif vollendet und durchdacht ausdrückt (sogar in der für ihn fremden englischen Sprache), der selbstbewusst den Dialog mit den arabischen Mitbürgern sucht, findet und dafür respektiert wird (ich war mit ihm schon in arabischen Friedenszelten), der weder rechtsextremer Hasser noch linksextremer Apologet ist, auf den sollte man hören.